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Z Politische Streifzüge.
(Nachdruck verboten.)
Carneval und Mummenschanz stehen vorder Thür. Die Männlein und Fräulein stecken ihren merthen Leib in bunte Lappen und Flitterkram, setzen sich aufs Haupt die vierfarbige Narrenkappe und vor's Gesicht die Larve, um zu tollen und Allotria zu treiben. Der ernste Mann lacht über solche Posten, — aber gibt's in der Politik nicht einen permanenten Carneval? Tragen die Herren Diplomaten nicht fortwährend Masken, durch deren Löcher der Laie nur ein verschmitzt lachendes Auge sieht? Das ganze politische Leben und Treiben ist im Grunde nichts als eine Verinummerei, eine große Maskerade, und die Völker sehen staunend, unwillig, kopfschüttelnd den Sprüngen der Clowns und Hanswürste zu und werden mit in den Tanz gezogen, nicht, um sich zu freuen, sondern uni am Aschermittwoch den Häring des Katzenjammers zu essen und die Kosten zu bezahlen. Bei den Faschingshelden geht's lustig und fröhlich her, bei den politischen Larventrägern aber meist ungemüthlich; da fließt kein Wein, sondern Blut, und statt mit Knallerbsen und Confect wird mit Bomben und Granaten geworfen. Sehen wir uns nur um in der Welt, — finden wir nicht allenthalben den tollsten Carneval, den vollendetsten Mummenschanz mit Jntriguen und Hinterlist, von dem ägyptischen Wirrwar an bis zur schauderhaften Comödie in Washington, wo der Präsidenten-Mörder jGuiteau noch nach der Urtheilsverkündigung sein Verbrechen mit Gotteslästerungen zu maskiren suchte? _ — —
Durch Nacht zum Licht.
Original-Novelle von Wilhelm van Liny.
(Fortsetzung.)
Ohne die gelehrigen Hunde würde die kleine Carawane in der dunklen Nacht wohl lange Zeit gebraucht haben, den Verwundeten aufzufinden," da der Soldat in seiner Erschöpfung den gekommenen Weg in den: Gewirr des Waldes nicht angeben konnte. Der Förster rief die Thiere zu dem Fremden, den sie berochen und auf ein ermunterndes „Such, apport" umkreisete sodann das Paar nur einmal den Vorplatz. Ein freudiges Gebell des Bracken zeigte, daß er die Fährte gefunden, und die Schnauze dicht an die Erde gedrückt, ging es munter dem Walde zu. Nach Verlauf einer halben Stunde mäßigten die Thiere ihren Lauf und ein klägliches Gewinsel ausstoßend, machten sie Halt: Das Licht der Laterne fiel grell auf die todtbleichen Züge des Officiers, aus welchem das Leben geschwunden zu sein schien. — Schmerzerfüllt kniete der brave Soldat bei seinem Herrn nieder und hob das kalte Haupt desselben an seine Brust.
„Ich fürchte, wir kommen zu spät," sprach leise der Förster, als er vorsichtig das hleiche Antlitz mit Wein wusch und dann versuchte,
Und welch' ränkevollem Spiel begegnen wir im südöstlichen Winkel Europa's! Montenegro bindet sich die Larve der „strictesten Neutralität" vor und kleidet sich in das Gewand der „freundnachbarlichsten Gesinnungen," während es gleichzeitig den Aufständischen Waffen und Munition liefert und sie über die Grenze entschlüpfen läßt, so daß die Oesterreicher das Nachsehen haben. Wie lange diese Verinummerei dauern wird, ist an den Fingern abzuzählen, denn Oesterreich, wird sich so „freundnachbarlichst" nicht lange äffen lasten und auch den Fuß über die Grenze setzen; dann aber geht der Scandal los, und Rußland, das hinter den Montenegrinern und Serben steht, wird unter der Maske, „die Rechte der slawischen Brüder zu vertreten," ein Wort mitreden. Jetzt Hetzen schon die Panslawisten im Czarenreiche in der unverantwortlichsten Weise gegen Oesterreich, und die Delegationen der beiden Reichshälsten werden noch manchen Gulden zu den bewilligten 8 Millionen legen müssen, bevor der letzte Schuß in dieser blutigen Jntrkgüeil-Comöd»-gefallen sein wird. Der Russe ist ein Schlauberger; in der internationalen Maskerade tritt er im Mephisto - Costüm auf, die Panslawisten läßt er im Süden Europa's Hetzen und arbeiten, — es könnte ja vielleicht etwas dabei abfallen, — und in Centralasien hat er ganz still einen großen Länderlappen eingesteckt, d. h. durch den Vertrag mit Persien vom 10. December ist die russische Grenze soweit vorgeschoben worden, daß sie die äußersten Vorposten des englischen Einflusses umkrallt. Auch in Merv einige Tropfen dem Verwundeten einzuflößen. Nachdem dieser sorgsam auf der mitgebrachten Bahre gebettet lag, setzte der Zug sich in Bewegung. Aufmerksam beobachtete der nebenherschreitende Förster den Leidenden und glaubte einige Male ein leichtes Zittern des Körpers zu bemerken.
„Wo betten wir den Todtwnnden", sprach er zu seiner Tochter, welche auf das.Gebell der voraufeilenden Hunde dem Zuge ander Hausthüre entgegen trat.
„Ich habe Alles bereit, lieber Vater, in meinem Zimmer."
Ueberrascht und vorwurfsvoll schaute der Vater auf seine Tochter. „Ich dachte an Carl," erwiderte diese, und als dann der Förster den bittenden Blick seiner Tochter sah, nickte er schweigend.
Der in Behandlung von Wunden nicht unerfahrene Waidmann erneuerte den noth- dürstigen Verband des Corporals, und bald lag der Verwundete sanft gebettet auf seinem Lager. Der Blutverlust hatte den Körper so geschwächt, daß er beim Anlegen des Verbandes kaum ein Lebenszeichen gab.
Der treue Corpora! machte Anstalten, sich auf die Dielen neben dem Bette hinzustrecken.
„Braver Mann," sprach der Förster, „so soll Eure Treue nicht belohnt werden. Folgt
faßt der nordische Barbar in der Maske der „Humanität und des Christenthums" Posto und schlägt Capital aus der Schwäche der Gladstone'schen Politik, die unbegreiflicher Weise Afghanistan preisgab. Im Westen Europa's fehlt's ebenfalls' nicht an politischen Harlequins; die französische Deputirtenkammer, die, so lange Gambetta das Feuer schürte, mit flammender Begeisterung und wahrer Todesverachtung sich in die Verfassungs-Revisionsfrage stürzen wollte, gab dem neuen Cabinet, das dieselbe Frage auf die lange Bank schiebt, ein Vertrauensvotum, und der Hanswurst Paul Bert, dessen Lippen von „Freiheit" triefen, kommt mit der Hetzpeitsche gegen alle Mönche und Nonnen.
Mit seinen Cultuspolizeivorlagen will er die Kirche knebeln; das Genossenschaftsrecht soll für Alle gelten, nur nicht für Leute in der Kntte, und Jeder soll unterrichten können, nur keine Ordenspersonen. Ist das schöne Wort „Freiheit" nicht die purste Larve, die solche Menschen sich vorbinden, damit sie desto ungenirter auf die Kirche loshauen können? Die der Zwangsjacke entschlüpften Waldeck - Rousteau'schen Genostenschafts- und Bert's Volksschul-Un- terrichts-Reform-Gesetzentwürfe, die den Geist wahrer Freiheit zu ersticken trachten, könnte man für die Peitsche in der Hand närrischer Menschen halten, aber sie sind mehr, nämlich eine Peitsche in der Faust fanatischer Kirchenhasser, die von diabolischer Wuth gegen das Christenthum gestachelt, Alles austilgen möchten, was an das Christenthum erinnert. Hier steckt der Teufel in der mir; Martha hat das Abendbrod für Euch bereit."
Als er sich mit Speise und Trank gestärkt hatte, fand er neben dem Bette seines Herrn eine Matratze und Decken zum behaglichen Lager hergerichtet, und bald schloß der ermattete Krieger seine Augen. —
Nachdem der in der Frühe des folgenden Tages durch den Burschen herbeigerufene Arzt unter Hilfe des treuen Corporals den noch immer bewußtlosen Officier untersucht und verbunden hatte, führte der Hausherr den seit langen Jahren der Familie befreundeten Herrn in seine Wohnung, wo die sorgsame Lina ein Frühstück bereit gestellt hatte.
„Sie haben sich, mein lieber Krause," nahm der Arzt das Wort, nachdem er ein Glas des kräftigen Eilfter gekostet hatte, „eine schwere Samariterpflicht aufgebürdet. Wenn ich den Zustand des Verwundeten auch nicht unbedingt als hoffnungslos erkenne, so ist die Aussicht auf Genesung doch eine so schwache, daß der geringste Umstand den Tod herbeiführen kann. Das linke Schulterblatt ist vollständig zerfchmettert und es wird der Arm bei der glücklichsten Heilung doch stets unbrauchbar bleiben.
Größere Besorgniß flößt 'mir die Kopfwunde ein, da ich bei dem bewußtlosen