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J£ 34.

Fuldser

Sonnabend, den 11. Februar 1882.

Jritung

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x* Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Wie am Schnürchen ging's im Abge- o r d n e t e n h a u s e bei der ersten Lesung des Etats und der Eisenbahnverstaatlichungs- Vorlage. Daß die Generaldebatte des preu­ßischen Etats das Dunkel der Finanzpolitik erhellt hätte, kann man gerade nicht behaup­ten, aber man hörte die Erklärung aus deni Munde des Kittern und über Richter erbit­terten Finanzministers, daß die Regierung an dem Plane festhalte, durch neue indirecte Steuern eine Erleichterung der direkten Staatssteuern herbeizuführen. Herr Bitter sah durch eine rosige und Herr Richter durch eine schwarze Brille, und die Wahr­heit wird wohl in der Mitte liegen. Daß unsere Finanzlage eine gute sei, kann man den Steuerzetteln nicht absehen, und die Regierung sollte Nichts verwenden wollen, was sie noch gar nicht hat; aber daß uns eine abermalige Steuererhöhung von 350 Millionen droht, kann ich auch nicht glauben, denn die Herren Finanzkünstler müssen sich doch sagen, daß die Schraube auch einmal zu Ende geht. Herr Rickert, der jetzt „im- iner seine- Fahne -sich-hat >md.immer. "auf der Bresche steht," entrollte em Bild unserer financiellen und wirthschaftlichen Verhältnisse, das einen sehr bittern Anstrich hatte, und doch von der Schönfärberei des Ministers Bitter gewaltig abstach. Ich will nicht behaupten, daß Rickert, trotz seines „glücklichen Tages" Recht hatte, aber darin pflichte ich ihm bei, daß für die ungemesse­nen Versprechungen vom Bundesrathstische aus kein Pfifferling zu geben ist. Mit ellen-

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Eine Pfingstfeier.

Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.

(Fortsetzung.)

Inniger bittend hob der Anwalt wieder an: „Friederike, sei barniherzig! Der Schmerz hat mich krank und lebensmüde gemacht, nur Deine Verzeihung und Liebe können mir wieder Muth und Lebenskraft geben. Wochenlang soll ich in der Schwebe verharren zwischen Hoffnung und Furcht! Nein, Friederike, des Zweifels Qual und der Wurm des Gewissens würden mich tobten. Ich schwöre es, daß ich entschloßen bin, mein ganzes Selbst als Sühne meiner Miffethat einzusetzen. Meine Schuld ist groß, aber größer ist meine Reue."

Friederike hatte^ sich zurückgelehnt und verhüllte mit den Händen das Gesicht.

„Ja", sprach sie schluchzend, „wenn wir Frauen das Herz so in Gewalt hätten, wie's die Männer von uns wünschen, dann sollte die Vergangenheit keineswegs einen drmkelen, trennenden Schatten zwischen uns werfen. Will Dir wirklich nicht einleuch­ten, daß ein vom Sturm entlaubter Baum nicht sofort wieder Blätter und Blüthen treiben kann? Auch brennt mir eine Frage auf der Seele, swelche Dich verletzen wird,

langen zoll- und finanzpolitischen Debatten wurde das Land glücklicherweise verschont, — im Reichstage wurde dieser Brei ja bis zum Ueberdruß aufgerührt — nur Herr Richter hielt seine übliche zweistündige Fi­nanzpauke, die reichlich mit Pfefferkörnern gespickt war, und die Herren Maybach und Bitter werden die Pillen um so leichter verschluckt haben, als Herr Richter ihnen ja die Anleihe von 6 Millionen erspart und die Begründung des Steuererlaffes möglich gemacht hat. Herr Richter hat seinen An­trag natürlich aus purer Bosheit eingebracht, aber eine solche Bosheit kann man sich schon gefallen lassen. Wenn der Minister May­bach meint, Herr Richter jsei „ein Parla­mentarier mit der angeborenen hochent­wickelten Fähigkeit, andern Menschen unan­genehme und verletzende Dinge zu sagen," so begreife ich die Frage Richter's, ob die Abgeordneten denn bloß da wären, um den Ministern Angenehmes zu sagen? Daß aber auch bei den Herren vom grünen Tische das Amt den Verstand bringe, kann ich nicht glauben, weil bekanntlich nur Leute mit großem Verstände am Ministertische Platz Alben. . Genug, — „die Hiebe fielen hagel-

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Nun kam die Eisenbahuverstaat- lichungsvorlage unter's parlamentarische Messer, aber die Debatten entsprachen keines­wegs der großen Tragweite der Frage. Natürlich, die Herren, die vor zwei Jahren Ja gesagt, die Nationalliberalen, die freien und unfreien Conservativen, die Botschafter- und Landräthe-Fractionen konnten jetzt nicht Nein sagen und das Centrum ist vernünftig aber ich vermag sie nicht zurückzuhalten: Wie stände es, wenn Amalie noch lebte?"

Der Anwalt erschrack, erhob sich und rang vergebens nach Worten. Die nächst­folgenden Minuten waren peinlich. Es war nichts zu vernehmen, als tiefe, bange Athemzüge.

Jetzt erschien Wittwe Franke. Sie ver­harrte eine Weile in der Thüröffnung und schaute bald auf die regungslos dasitzende Friederike, bald auf den finsteren, vor sich hinstarrenden Anwalt.

„Wie?" Hub sie au, „Ihr seid stumm? Keines hat ein Wort für das Andere? Friederike, folge meinem Beispiel; sein Sinn ist geändert, seine Vorsätze sind die besten; er ist wieder mein und auch Deiner Liebe würdig. Verzeihe ihm und zwar ganz, wie ich ihm verziehen habe und wie Gott ver­zeiht. Komm' her, Robert, lege Deine Hand wieder in die Ihrige, wie Du am Altäre gethau. Alles sei verziehen und vergessen!"

Friederike fiel ihr iu's Wort. „u.heure Mutter! in meiner Seele sieht es aus, wie auf einer Brandstätte. Alles wirr durch­einander ! Gönnen Sie mir Ruhe, daß ich mich fassen und einige Ordnung in meinem Innern zuwege bringen kann. Haben Sie Barmherzigkeit! Heute keine Silbe mehr über die Angelegenheit."

genug, fertigen Thatsachen Rechnung zu tragen und zu erivägen, „in wie weit die die neuen Verstaatlichungen als nothwendige, unabweisliche Consequenz der bisherigen Ver­staatlichungen sich ergeben". Mancher Vater mag Bedenken haben, daß seine Tochter Die­sen oder Jenen zum Manne nimmt und principiell gegen die Heirath sein, schließlich sagt er aber doch Ja, weil er mit That­sachen zu rechnen hat. So ist auch der Standpunkt des Centrums. Grundsätzlich billigt es nicht das Verlangen der Regier­ung, abermals sechs Eisenbahnen in die Hand des Staates zu legen, der sich damit ein neues gewaltiges und gefügiges Beamten­hcer schafft, die Preise feststellt und über die Hauptverkehrsadern im Lande verfügt; aber nachdem vor zwei Jahren der erste Schritt geschehen, ist es klug und weise, jeden ein­zelnen Ankauf nach den financiellen, wirth­schaftlichen und militärischen Gesichtspuncten zu prüfen, dein Ausbau des Staatsbahn­systems aber weitern Widerstand nicht mehr entgegenzusetzen. Damit ist dieses System aber, wenigstens von Fall zu Fall, gesichert, denn ablehnend verhalten sich nur die Fort­schrittler und Secessionisten und diese geben

hon Ansichlaa. t Die Regierung wird den Dank, den jie dafür uem e-eiruum bet, hoffentlich nicht mit einigen schönen Redensarten abthun, sondern praktisch be- thätigen; für platonische Regierungsliebe danken wir. Eine urkomische Rolle spielte bei den Verhandlungen der Abg. von Eynern, das Schreckenskind der Nationalliberalen, der freiwillige Regierungs-Commiffar, der an der Ordenssucht, der Plauderkrankheit und

Sie sprach diese Bitte mit einem so ein­dringlichen Tone, daß die edele Friedens­stifterin stutzte. Erwägend, ob sie bleiben, oder die Beiden noch einige Zeit einander selbst überlassen solle, entschied sie sich zum letzteren.

Während sie sich zum Gehen wandte, kam der Pfarrer in Begleitung Franziska's. Nach den nothweudigen Förmlichkeiten lenkte er die Sprache auf die Situation: „Nun, darf man Glück wünschen? Trügt mein Auge nicht, so steht der Friedensschluß noch beim ersten Buchstaben. Ja, es ist eine alte Wahrheit: Niederreißen ist leichter, als Auf­bauen. Besonders gilt dies von einer zer­klüfteten Ehe."

Friederike wich einige Schritte zurück. Ihre ganze Haltung und der Ausdruck ihres Gesichtes schienen zu sagen: „Keine Ver­söhnungsversuche! Rücksicht! Schonung!"

Der Seelsorger aber waltete seines Am- tes. Nachdem er Friederiken bewegt hatte, sich am Sopha niederzulasien, schritt er auf Franke zu, faßte dessen Rechte und sprach: „Freund! die Augenblicke sind kostbar! Fort mit dieser müßigen Grübelei; hier gilts zu handeln. Will sich wirklich das rechte Work nicht finden lassen, das euere, Herzen wie­der aneinanderkettet," und sich halb zu Friederiken wendend, fuhr er weiter: „ist