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> Genutzfieber «nd Opfergeist.
Das .Journal de Rome' brachte kürzlich einen sehr beachtenswerthen Artikel über „Das Genußfieber und den Opfergeist". Ausgehend von dem Grundsatz, daß die christliche Entsagung die Grundlage und das Opfer der Schlußstein des Glückes für die Menschheit ist, weil der Mensch durch sie über Elend und Armuth siegt und, soweit es möglich ist, sein vergängliches Leben versüßt, zeigt der Verfasser, wie die Mißachtung jenes Gesetzes des Opfers und der Entsagung die Ursache der vielen und großen Nebel ist, von denen heut zu Tage die menschliche Gesellschaft heimgesucht ist. Die Genußsucht vermehrt die Bedürfnisse, deren Befriedigung immer neue Genüsse verschafft. Zur Befriedigung aller Bedürfnisse bedarf es nur der unbeschränkten Entwickelung der Production; daher die berüchtigte Theorie von der unbeschränkten Entwickelung der Bedürfnisse. Während aber die Industrie durch Production nützlicher Gegenstände nicht nur dem Arbeiter Brod gibt, sondern auch das Gemeinwesen in den Besitz eines Products von reellem Werth setzt, dieutz. sie durch Production unnützer Gegenstände nur zur Ernährung des Arbeiters, dem ^Gemeinwesen aber entzieht sie den Nutzen der Arbeit. Sehr treffend wird diese Thätigkeit der Industrie im Dienst der Genußsucht mit einem Landmann verglichen, der sein Getreide mit Blumensamen vermischt auf den Acker säen und dadurch dem Auge einen genußreichen Anblick verschaffen, sich aber und seine Mitmenschen um das Brod bringen würde, welches der Acker ihnen geben soll. Anstatt in
allen Volksclassen stets neue Bedürfnisse wach zu rufen, müsie man für die Befriedigung der wesentlichen Bedürfnisse Sorge tragen. Die schönen Künste und Kunstgewerbe haben gewiß ihre Berechtigung; aber um sich stets zu vervollkommen, müssen sie ihrer Entwickelung Schranken setzen, weil sie sonst die nützlichen Künste und Gewerbe beeinträchtigen und zugleich sich selbst lähmen. In den Zeiten, wo die schönen Künste auf dem Höhepuncte ihres Glanzes standen, wußte man nichts von Pauperismus, es fehlte Niemanden das Brod. Die Behauptung, daß durch die unbeschränkte Entwicklung der Production stets das Capital vermehrt werde, sei grundfalsch, denn das Capital bestehe im Werthe, dieser aber gehe aus der Nützlichkeit des Products hervor, welche wiederum vom Bedürfniß bedingt werde. Unnütze Producte seien werthlos und geben nur Schein-Capitalien, die dann Ursache von Bankerotten, von Agrar-, Industrie-, Handels- und Finanzkrisen und von Socialrevolulionen werden. Wie dasUeber- maß des Genußes für den Menschen tödtlich sei, ebenso verderblich wirke auch der Miß- brauch der Production auf das Gemeinwesen. Die Theorie des Genusses scheide die menschliche Gesellschaft in zwei feindliche, unversöhnliche Classen: oben Diejenigen, welche genießen wollen und können; unten Diejenigen, welche genießen möchten und nicht können; oder oben die Gesättigten und unten die Hungrigen; auf beiden Seiten aber glühende Begierde, gebieterisches Bedürfniß, zu genießen, und gänzliche Verkennung des Grundgesetzes der Entbehrung und des Opfers. Die menfch-
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Eine Pfingstfeier.
Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkainpfes in der Schweiz. Von B. K.
(Fortsetzung.)
„Glaube nicht Friederike, daß ich so ohne Grund rede; höre und staune über das, was ich Dir zu verkünden habe: Robert ist hier! Robert hat sich mit mir ausge- sohnt und brennt vor Sehnsucht, auch mit Dir Frieden zu schließen. O wie schon hat dies Gott gefügt."
Friederike war sprachlos geworden; ein starker, innerer Kampf spiegelte sich auf ihrem Gesichte, zuletzt sank sie wie erschöpft aufs Sopha, drückte ihr Gesicht in, beide Hände und that die fast wie ein Vorwurf klingende Aeußerung: „O das hätte man mir nicht Ihnen sollen."
Wittwe Franke gab hierauf die nothigeu Aufschlüsse über die günstige Fügung, bewies daß hier Grund genug vorhanden sei, dem Himmel recht dankbar zu sein, uothigte Friederike zu einem stärkendem Schluck Wein und verließ,' weil sie für selbige ein Stündchen Ruhe als unentbehrlich erachtete, das Zimmer.
Friederike gerieth, sich selbst überlassend, mit ihren Gedanken dermaßen in die Enge, daß sie den Vorsatz faßte, aus dem Hause
zu entfliehen. Aug in Aug ihrem Gatten gegenüber zu stehen, ohne jegliche Vorbereitung: Das fühlte sie außerhalb des Bereiches ihrer Kraft. Wer gab ihr Beweise, daß seine Verwaudeluug eine standhaltende und uneigennützige war? Ec, der so herzlos ihrem Schmerze gegenübergestanden — mit so eisiger Kaltblütigkeit zu schwerem Leid noch schwereres häufte; er sollte in so kurzer Zeit demüthig geworden sein, wie ein Kind und duldsam, wie ein Büßer? Wer gab ihr Waffen gegen den Gedanken, daß der Anwalt nach dem Scheitern seines neuen Glückes nur deshalb wieder zu den früheren verachteten Lebensgütern zurückkehre, um nicht bodenlos zu stehen — nicht gänzlich unterzusinken ?"
Unten in der Wohnstube hatte das Gespräch mehr einen ruhigen Charakter angenommen. Der Pfarrer hatte mehrere Rathschläge gegeben, wie am schnellsten der Aufenthaltsort Friederikens zu entdecken und die Versöhnung zu bewerkstelligen sei.
Mittlerweile erschien der Arzt; derselbe war höchlichst erstaunt über den erfreulichen Zustand seiner Patientin. Franke war einem Zusammentreffen mit demselben, (verletzt wegen der unvorsichtigen Aeußerung bei Beerdigung des Onkels,) ausgewichen. Draußen auf der" Hausflur erblickte er plötzlich den
licheGesellschaft könne nur dadurch vordem drohenden Verderben gerettet werden, daß bei ihr wieder jenes Gesetz zur Anerkennung gelange, welches Leo XIII. kürzlich in der Person der Heiligen Johann de Rossi und Benedict Labre verherrlichte.
O Die süddalmatische Jnsur- rectio».
Die Nachrichten aus der Herzegowina und der Crivoscie lauten sehr reservirt und unklar; eine schwüle Atmosphäre lastet daselbst auf allen Verhältnissen und macht die Situation erst recht peinlich. Seitens der kaiserlichen Truppen hat man sich in den letzten acht Tagen darauf beschränkt, durch größere Recoguosciruugeu einerseits sich über den Standpunct und die Stärke der Truppen zu informiren, anderseits für die Sicherheit der Straßen und der Verbindungen zwischen den Garnisonen zu sorgen. Bei diesen Recognoscirungen hat es mehrfache Gefechte, die nicht ohne Blut geblieben sind, abgesetzt und es zeigte sich, daß jenseits von Konto in den unwirthlichen Felsengegenden zwischen der Drina und Montenegro mehrere starke, wohsbewaffnete Banden von Insurgenten sich befanden, welche bis jetzt größeren Gefechten zwar ausgewichen sind, aber wie es scheint nur auf Verstärkung warten, um mit den österreichischen Truppen anzubinden. Und an fremden Zuzügen scheint es eben leider nicht zu fehlen. Aus Montenegro, wo der Fürst auf seine Leute viel zu wenig Einfluß besitzt, um sie von der Allianz mit den In« surgenten der Herzegowina zurückzuhalten, alten Wart; er bebte vor demselben zurück, wie vor einer Geisterscheinung. Er bestürmte Franziska mit der Frage: „Wer ist dieser Mann? Wie kam er in's Haus? Er verfolgt mich fchou seit Jahren gleich einem Dämon auf allen meinen Wegen!"
„Wie? Du kennst den alten Wart nicht, er ist ein Freund unseres seligen Vaters; die Mutter hat ihm, weil er so verlassen stand, gastfreundlich unser Haus geöffnet und er hat sich dankbar gezeigt. Wo es galt, der Mutter einen Dienst zu leisten, hat er trotz seines gebrechlichen Alters, keine Mühe gescheut." Ferneren Erörterungen ausweichend, fuhr das Mädchen fort: „Heute ist er ein Bote des Heils; Du wirst jubeln und staunen, wenn ich Dir sage, wen er in's Haus gebracht."
In diesem Augenblicke gewahrte der Anwalt am Nähtisch der Schwester, Lilli's Hütchen. Bebend vor Freude ergriff er dasselbe. „Bei Gott! Das Hütchen meines Kindes. So war ich lebe: Friederike und Lilli sind im Hause; jetzt ist mein Glück vollständig? Franziska; wie konntest Du so lange schweigen? führe mich zu ihnen! Schwester! säume nicht."
Franziska war gezwungen, zu willfahren. Der Anwalt eilte voraus und stürzte, ohne sich vorher anmelven zu lassen, auf Friede-