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M 32. Donnerstag, den 9. Februar 1882.

Jfdlharr AE Teilung.

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Deutsches Reich.

* Berlin, 7. Febr. Abgeordneten­haus. 9. Sitzung vom 7. Febr. (Kir­chenpolitische Vorlage.) Cultusmi- nister v. Goßler begründet dieselbe durch eine allgemeine Excursion über die Frage, wie die Beziehungen zwischen Staat und Kirche zu regeln seien. Die große Freiheit, welche die katholische Kirche früher in Preußen genossen habe, sei kein normales Verhältniß gewesen, da selbst in katholischen Staaten viele weitgehende Einschränkungen der Kirche vorhanden waren. Da sei Preußen zu dem Unternehmen geschritten, sein Verhältniß zur Kirche organisch auf gesetzlichem Wege zu regeln. Dies sei unbedingt der richtige Weg. Die Conventionen oder Concordate hätten sich auch auf die Dauer als ungeeignete Mittel, Streitfragen mit der Kirche zu schlichten, erwiesen. Was die discretionäre Gewalt anlänge, die gefordert werde, so könne er, um deren Unbedenklichkeit nachzuweisen, auf die großen Erfolge hiniveisen, die durch das Juligesetz erzielt worden seien. Zwei Bis- thümer (Fulda und Trier) seien definitiv, drei weitere (Paderborn, Osnabrück, Bres­lau) provisorisch besetzt worden. Das Sperrgesetz sei für diese Diöcesen außer Wirksamkeit getreten, 61 Patronatspfarreien seien besetzt worden, die Aushilfe in der Seelsorge, die das Juligesetz gestattet, habe in vielen verwaisten Pfarreien erträgliche Zustände geschaffen rc. Er hoffe, daß die Bischöfe bessere Berather ihres Oberhirten, des Papstes seien, als manche freiwillige, unverantwortliche Rathgeber. Goßler bittet, das Gesetz anzunehmen, indem er versichert,

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Eine Pstngstfeier.

Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.

(Fortsetzung.)

XIII.

Der Pfarrer und Franziska waren in Folge dieser votrefflichen Lösung überglück­lich. Küche und Keller wurden jetzt in Be­wegung gesetzt und Vorbereitungen zur Feier des folgenden Tages getroffen.

Mitten in der frohen Geschäftigkeit benach­richtigte Franziska die Mutter, daß der alte Wart angekomw.en und eine verschleierte Dame nebst Kind niitgebracht habe. Ein Strahl der Freude glitt über das Gesicht der Wittwe; sie flüsterte ihrer Tochter etwas in's Ohr, worauf diese sich froh überrascht zeigte. Mit einem verklärten Blicke auf den Bruder, eilte Franziska hinaus, um die Dame zu empfangen.

Der Anwalt hatte trotz eifriger Unterhal­tung mit dem Pfarrer das freudige Ge­bühren beider Frauen bemerkt und ver- muthete ein unerwartetes Vorkommniß. Seiner Erkundigung wurde jedoch ausweichend begegnet und er setzte die Conversation, welche Friederike zum Gegenstand hatte, mit dem Pfarrer fort.

Franziska führte die Angekommene auf

die Regierung werde im Falle der Ablehnung desselben nicht entmuthigt werden.

Freiherr v. Schorle mer-Al ft: In dem Schluffe der Rede des Ministers findet man Friedensanklänge, in seinen übrigen Aeußerungen aber werden solche vermißt. Der Culturkampf ist mit Nichten aus einer historischen Entwickelung naturnothwendig hervorgegangen, wie der Herr Minister ge­meint hat, sondern er ist gemacht worden. Die Verfassung, welche beschworen wurde, hätte man auch uns Katholiken gegenüber halten müssen. Das Juligesetz hat fast gar nichts gewirkt; von den vielen Hunderten von verwaisten Pfarreien ist nur in wenigen der Gottesdienst ermöglicht worden, das ist aber das wesentlichste Bedürfniß des katholischen Volkes, daß es wieder die Seelsorge erhält. Die gegenwärtige Lage beweist nur, daß die Maigesetze durchaus schlecht sind, daher müssen diese Gesetze, wenn wir vernünftig handeln wollen, abgeschafft werden. Die discretionäre Gewalt bringt es nicht fertig, die Wunden zu heilen, welche durch die Maigesetze geschlagen worden sind. Nie­mand will healv -noch diese discretionäre Gewalt billigen (Oho! rechts.)

Sie (rechts) möchten auch lieber ohne discretionäre Vollmachten zum Ziele kommen, aber sie folgen der Regierung und nur des­halb empfehlen Sie die discretionäre Ge­walt. Ist etwa das Wohlwollen, welches die Regierung uns durch die That beweist, so groß? Durch die Ernennung Falk's, in dessen Namen und Person der ganze Culturkampf verkörpert erscheint, zum Ober­landesgerichtspräsident in einer westfälischen die eigens durch'Fürsorge der Mutter wohn­lich hergerichteten Ammer; sie fand nicht Worte genug, ihr Wohlgefallen an der kleinen Lilli auszudrücken und liebkoste das Kind auf's herzlichste. Die Dame hingegen, welche dem Leser nicht unbekannt ist, war ver­wundert, über die Lieblichkeit und Anmuth ihrer Schwägerin. Wie schön, wie bewunderns- werth hatte sich dieses stille Blümchen der Bescheidenheit entfaltet.

Nachdem Friederike ihre Reiseeffecte in Ordnung gebracht und die schläfrig gewor­dene Lilli gebettet hatte, wünschte sie sofort zur Mutter geführt zu werden.

„Die arme Frau ist also krank, augen­krank von vielem Weinen? Ach, es schnürt mir das Herz zusammen, wenn ich an die Ursache dieser Thränen denke. O wäre ich doch stark genug, zu vergessen."

„Seien Sie unbesorgt; die Mutter ist am Wege der Genesung; sie ist heute sogar heiter."

„Heiter? Das ist mir räthselhaft!"

„Sie werden sich von der Wahrheit meiner Aussage überzeugen. Uebrigens hegen meine Mutter und ich die feste Ueberzeugung, daß es Ihnen bei uns recht gut gefallen wird."

„Ja Kind, es wird mir gefallen, wie es immerhin einer verachteten, und in die

Stadt ist dieses Wohlwollen nicht bekundet worden. Hätte man nicht in den Diöcesen Culm, Ermland und Hildesheim die Sperre ausheben müssen, in diesen Diöcesen, deren Bischofsstühle besetzt sind, und deren Priester geradeso denken, wie der Klerus der anderen Diöcesen? Die Regierung wünscht, daß die Pfarreien besetzt werden, weil in der Verwaisung derselben eine große Gefahr für den Staat liegt. Sind die Pfarreien besetzt, denkt die Regierung, dann kann ichs abwarten. Wir denken anders. Wir wollen nicht, daß unser Klerus cörrum- pirt werde, wir wollen nicht, daß unsere Priester abhängig seien von einem Minister. Die Anzeigepflicht muß geregelt werden und zwar mit Rom. Der kirchl. Gerichtshof muß ganz fort und kein Minister darf an seine Stelle treten. Wenn der Minister die Polen vorschützt, um die Härte der Regierung zu rechtfertigen, so sollen also der Polen wegen die anderen Millionen leiden. Ferner ist das ein die polnische Nation verletzendes Unterfangen. Was hat denn die polnische Bevölkerung gethan? Kann man es derselben übel nehmen, menn sie ihre Töchter lieber mit Polen als mit Deutschen verheirathet? Man hat die den Polen gemachten Zusicher­ungen nicht 'gehalten. Sogar die Straßen hat man verdeutschen wollen. Zu der lächer­lichen Germanisirung kam der Culturkampf. Können die Polen Liebe empfinden für Diejenigen, von denen sie zurückgestoßen werden? Die Maigesetze, die schlecht sind, kann man unter keinen Umständen rechtfer­tigen, am wenigsten mit dem Verhalten der Polen. Was den § 2 der Vorlage (Bi- Fremde verstoßenen Gattin gefallen kann; ich werde mich aber aus Liebe zu Euch gegen die Schwermuth waffnen, so gut, als es möglich ist, — werde jedes Gespräch, wel­ches auf meine traurige Geschichte hinlenkt, mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln im Keime zu ersticken suchen. Franziska, ich habe eine Bitte an Dich, die kannst Du erfüllen, versprich mir, daß Du es willst."

„Alles was zu Ihrem Besten und mir möglich ist verspreche ich zu thuen."

„So höre: Nenne nie seinen Namen!" Während dieser Worte öffnete sich die Thüre und im nächsten Momente lagen Schwieger­mutter und Schwiegertochter einander in den Armen.

„Ach Friederike," begann die Wittwe, nachdem der erste Begrüßungs-Jubel vorüber war, „das waren aufgeregte Tage, aber jetzt ist wieder alles gut, alles! Wohl schmer­zen mich meine Augen noch ein wenig, aber das wird nicht für längere Dauer sein. Dem Gewittersturm ist ein so sonniger Tag gefolgt, daß ich mich vor Seligkeit kaum zu sasseu vermag."

Friederike schaute die Sprechende mit Ver­wunderung an. „Alles gut? Sie wissen sich kaum zu fassen? wie seltsam klingt das aus Ihrem Munde."

(Fortsetzung folgt.)