Die Fuldaer Beituna' erscheint täqlich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Ervedition Buttermarkt Nr. 11 ^auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis betragt ausschließlich Brmgerlohn in Fulda 1 Mark i so C n.rSlJ 1 M 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern- bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 P/g^ ms Haus gebracht I M. 90 P g. Die illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 2a $fg., »nS $ 9 $ ^8"
»«e .illunririen^-onmagsma^^ 15 w;fog. Wctnnoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
3T Für die Monate Februar und März nehmen Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung^ alle Postan- stalten, Landbriefboten und für Fulda die Expedition, Buttermarkt 112, zum Preise von 1 Mk. (ohne Bestellgeld) an.
Politische Streifzüge.
(Nachdruck verboten.)
„Und es' wallet und siedet und brauset und zischt, ivie wenn Wasser mit Feuer sich mengt," - nämlich in der Politik, in der innern wie in der äußern, und es dürfte schwer halten, zu sagen, welche von beiden reichhaltiger und interessanter sei. Wir Männer beklagen uns schon, wenn die Frauen alle Vierteljahre etwas Neues haben wollen, z. B. ein neues Kleid, einen neuen Hut und drgl., aber mir bedenken nicht, daß uns alle Tage, besonders wenn das politische Geschäft recht int Schwünge ist, so viel Neues geboten und aufgetischt wird, daß wir oft nicht wissen, wo wir all das Zeug laßen sollen. Schmale und fade Kost gibt's in der Politik gar nicht mehr; Alles ist gewürzt, gepfeffert, picant, Manches versalzen, der ganze politische Speisezettel besteht aus Caviar, Gurken, Zwiebeln, und der Häring kommt hintendrein. Da gibt's „wilde ©eenen" im deutschen Reichstage und Richter'sche Bissigkeiten im preußischen Abgeordnetenhause, die aber noch Lavendelwasser gegen die Scandale und Grobheiten sind, welche sich die Kern-Magyaren und siebenbürgischen Sachsen im ungarischen Abgeordnetenhause an den Kopf werfen; da
25
Eine Pfingstfeier.
Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.
(Fortsetzung)
Mit gellendem Schrei fuhr Franziska, ihr Gesicht verhüllend, noch weiter zurück, streckte dann ohne aufzusehen, dem Bruder unter lautem Schluchzen die Hand entgegen und sprach: „O Robert! welches Leid hast Du über uns gebracht! Was hast Du gethan? Unsere arme, arme Mutter!" Lautes Weinen erstickte ihre Stimme.
„Aber, was ist mit ihr, um Gottes Willen, Schwester, was ist mit ihr?" ,,Jhr Zustand ist trostlos," lautete der fast tonlos gesprochene Bescheid.
Franziska führte jetzt den Bruder aus ihr Zimmer und fchilderte ihm den traurigen Verlauf der Tage seitdem Tode des Onkels. „Meine Mutter mar fast außer sich am Tage der Beerdigung, einmal, weil kein Priester zugegen war, ferner, weil Du fehltest. Fast ganz Sommergrund war der Leiche gefolgt und man ersah aus dem herrschenden Ernste, daß jeder Leidtragende sich peinlich berührt fühlte, Rampen, diesen Ehrenmann ohne die Segnungen der Kirche zu Grabe getragen zu sehen.
Unglücklicher Weife hatte die Mntter auch
gibt's einen Gambettakrach und Börsenkrach in Frankreich, eine süddalmatische und ägyptische Frage, eine neue große Verschwörung in Irland, russische Gelüste nach den Südstaaten, scharfe Debatten in den bayerischen und belgischen Kammern, — Alles spinnt sich in raschem Laufe von den politischen Spindeln ab. Da muß man ferner wiffen, daß Guiteau der Ermordung des Präsidenten Garfield schuldig befunden, und daß der Exminister Falk zum Präsidenten des Oberlandesgerichtes in Hamm ernannt wurde; freilich hat er durch seinen Sitz in der westfälischen Stadt seine Sitze im Reichstage und im Abgeordnetenhause eingebüßt und ist von der politischen Schaubühne verschwunden. Da war sein College und Gesinnungsgenosse Lutz in München doch zäher; er hielt sich trotz der Rechten fest auf dem Ministerstuhl und hat es mit aalglatter Geschmeidigkeit sogar verstanden, in der Simultanschulfrage etwas nachzugeben und den von ihm bestellten Antrag auf Revision annehmbar zu finden, das Weitere wird der „Vielgewandte" schon besorgen. Etwas besorgen und Sorgen ist ein großer Unterschied; das wird Oesterreich gewahr, welches der Aufstand int Süden noch recht in die Dinte reiten kann. Tisza hat zwar in Pest ein kräftiges Auftreten der Regierung und die größte Energie gegen die Insurgenten in Aussicht gestellt, allein die Habsburgische Monarchie hat es weniger mit den rebellischen Völkerstämmen als mit der Macht des russischen Rubels und der englischen Krümerpolitik zu thun. Russische Agenten kommen und gehen noch eine Unterredung mit unserem Hausarzte, welcher unbedacht die Worte hinwarf: „Heute hätte ich aber ganz gewiß Ihren Herrn Sohn hier gegenwärtig geglaubt. Bei meiner kürzlichen Anwesenheit in der Stadt erkundigte ich mich gelegentlich nach ihm, da sprach man mit Kopfschütteln von gewissen Verbindungen, von allerhand Verfänglichem und fogar von einer Ehescheidung. Das wäre natürlich ein triftiges Motiv für sein Fernbleiben." Diese Aeußerungen fielen, weil die arme Fran Deine Verirrungen noch keineswegs im Munde der Oeffentlich- keit vennuthete, als wahre Brandfackeln in ihr bisher mit Ruhe und Ergebenheit getragenes Leid. Den ganzen ^Tag meinte sie, nahm weder Speise noch Trank, begegnete jedem, der nur den Versuch machte, sie ihrer Trostlosigkeit zu entreißen, mit harten Worten. Am meisten hatte ich auszustehen, weil ich zu allen nur erdenklichen Mitteln meine Zuflucht zu nehmen versuchte, ihr Gemüth einigermaßen zu beruhigen. Noch in der Nacht schrieb sie den Abschiedsbrief an Dich, welchen ich am anderen Tage zu lesen bekam. Sie war ruhiger geworden; fast den ganzen Tag saß sie in ihrem Sorgsessel, betete und gab wie herkömmlich Anordnungen für das Dienstpersonal. Am Abend ging sie, wie gewöhnlich zur Kirche. An den
in Montenegro, und der russische General Skobeleff hat am Jahrestage der Einnahme von Geok-Tepe etwas gar zu laut gedacht, wenn er von den „unterdrückten und verfolgten flavischen' Brüdern am adriatischeu Meere" sprach. Und warum sollte Rußland nicht ebenso begehrlich nach den türkischen Provinzen in Europa liebäugeln, wie England und Frankreich nach den türkischen Provinzen in Afrika? Das „Ceterum autem censeo" der europäischen Politiker, namentlich in Petersburg und London, ist und bleibt die Zerreißung der Türker; deshalb sind die ägyptische Frage und der Aufstand in Dalmatien und der Hercegowina blutsverwandt; beide wurzeln in dem Princip, das Osmanenreich zu zerstückeln, — kommt's aber zur Thal, dann gibt's einen allgemeinen Krach! Wer weiß aber, ob der politische Krach der einzige ist, dem Europa entgegengeht, und ob sich der sociale Krach ihm nicht zugesellen wird. Der zweideutige Orakelspruch des Ministers v. Puttkamer, als er im Reichstag von den „Wolken am europäischen Himmel" sprach, mag sich auf die politischen Wirren oder auf die Nevo- lutiott beziehen, — der Herr Minister liebt ja ein gewisses Halbdunkel, — so viel steht fest, daß auf beiden Gebieten dunkele Wolken lagern, und daß der Ausbruch des politischen Krachs auch in manchen Maaten das Signal für die Revolutionäre sein könnte; mit anderen Worten: daß die Ligisten in Irland, die Nihilisten in Rußland und die Communisten in Frankreich den Wirrwar, den die Orientfrage im Gefolge haben wird, nicht unbenutzt vorübergehen folgenden Tagen wurde sie wieder ganz von Mißstimmung beherrscht. Sie zankte mit den Knechten und Mägden, was diesen als etwas Außergewöhnliches sehr auffiel und mit Ungeduld harrte sie auf den Postboten. Endlich empfing sie einen Brief, den sie vor mir verbarg. Als Deine Antwort ankam, waren vom vielen Weinen ihre Augen dermaßen entzündet, daß es ihr unmöglich war, die Schriftzüge selbst zu entziffern. Ich mußte vorlesen; aber lieber Robert, verzeihe mir 1 der Bries war grob. Jeder Satz war ein Dolch, der sich in das Herz der armen Dulderin bohrte. „Weiter! weiter!" drängte sie, wenn ich vor Sätzen anhielt, wie: „Erspare Thränen und Gebet, an mir sind sie doch fruchtlos verloren; — dem Gängelbande bin ich glücklich entwachsen; — ein Heiliger nach Deinem Geschmacke werde ich nimmer werden; — mit Himmel und Hölle nimmt man es nicht mehr so genau; für die Gebildeten sind das abgethane Sachen. Eine tüchtige Rolle auf Erden spielen, — möglichst viel Freuden genießen, das ist Lebenszweck ; das ist die neue Religi n der Vernünftigen, zu welcher auch ich mich bekenne u s. w." Ich konnte mich der Thränen nicht erwehren nnd weigerte mich, den Brief zu Ende zu lesen, aber mit grauenerregender Ruhe nöthigte sie mich dazu. Die Wirkung war eine