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V Aus den schwarzen Bergen.

Die allgemeine Aufmerksamkeit in Oester­reich wird wieder einmal gewaltig nach dem Südende der Monarchie gelenkt, jenem Stück unwirthlicher Erde zwischen dem Drinaflusse und der Adria, in welchem die rauhen und gegen jede Cultur und staatliche Autorität sich aufbäumenden Söhne der schwarzen Erde eben eine neue Auflage des blutigen Aufstandes von 1869 und der Jnsurrection s- kämpfe von 1878 herbeizuführen sich an­schicken. So ganz ruhig ist es in jenen von der Natur arg vernachlässigten Gegenden der Hercegowina und der Crivoscie niemals gewesen; der revolutionäre Funke glühte stets, wenn auch nur leise unter der Asche und jeder Windstoß konnte leicht diesen Funken wieder Heller auflodern lassen. Die Durch­führung der Landwehrpflicht in der Boche di Cattaro und die strengere Anziehung der Zügel der staatlichen Autorität in Verbind­ung mit dem Projecte des Wehrgesetzes in Bosnien haben in der Crivoscie und der Hercegowina eine gewisse Aufregung unter der slavischen Bevölkerung griechischer Con- fesion sowohl als den Mohamedanern her­vorgerufen, welche von Auswärts her noch geschürt und unterstützt worden ist._________

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Eine Pfingstfeier.

Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.

(Fortsetzung.)

Es war Samstag, am Vorabende des Pfingstfestes. „Der Pfarrer kommt! der Pfarrer kommt!" Diese srohe Kunde ging in Wehrthal von Haus zu Haus, von Mund zu Mund. Der Kirchthurm und viele Häu­ser prangten im Flaggenschmuck. Das Pfarr­halls war bekränzt und der Eingang des­selben zu einer wahren Ehrenpforte herge­richtet. Auf stundenweite Entfernung vom Dorfe kamen dem Heimkehrenden fchon treue Pfarrkinder entgegen und begrüßten ihn mit Jubel. Je näher der Wagen dem Dorfe kam, desto größer wurde die Zahl der Ent- gegeneilenben, um so lauter die Aeußerungen der Freude.

Der Anwalt, welcher neben dem Pfarrer saß, hatte sich in die Ecke gedrückt und war ganz ergriffen von der aufrichtigen Liebe, mit welcher die guten Wehrthaler an ihrem Seelsorger hingen. „Ja," dachte er, während der Gefeierte nach rechts und links zu grü­ßen hatte, „Da sieht man die Frucht einer pflichtgetreuen, opferbringenden Wirksamkeit."

Welche Freudenernte hier — und was

Wie jetzt constatirt wurde, beinühten sich aus Serbien und Montenegro trotz Abmah­nung ihrer Regierung in die Hercegowina gekommene Emmissäre die Bevölkerung auf­zureizen, ihnen Geld und Waffen zu liefern und sie mit allen Mitteln gegen die öster­reichische Regierung zu verhetzen. Das Ziel ist theilweise gelungen; es bildeten sich Banden, welche die unbesetzten ehemaligen Blockhäuser von Dragalj und Cerkvice zerstörten, Raub­anfälle verübten und Angriffe auf Gen- darlnerieposteu, Provianttransporte und kleinere Truppenabtheilungen unternahmen. Es kam dies sowohl in der Suttorina, in der Crivoscie, wie in der Hercegowina vor. Die Regierung sah sich daher veranlaßt, zunächst die Besatzung in Süddalmatien zu verstärken und Sicherheitsmaßregeln zum Schutze der "Truppen vorzunehmen, sowie einen Theil der Flotte nach der Boche ab­zusenden. Nachdem sich die Acte der Auf­lehnung vermehrten nnd vorgenommene Re- cognoscirungen das Vorhandensein größerer, militärisch ausgerüsteter Banden in der Hercegowina zeigten, so war es selbstver­ständlich, daß die österreichische gemeinsame Regierung eine größere Militärmacht ent­faltet und eine theilweise Mobilisirung, sowie Einberufung der Reserven angeordnet hat. Es gilt eben, am Südende der Monarchie stabile Zustände herbeizuführen und die staat­liche Autorität, sowie die Herrschaft des Doppeladlers ein für allemal festzustellen.

Die Aufgabe, die der Regierung hiermit erwächst ist keine leichte; sie hat nicht nur allein mit dem Fanatismus wilder, jedweder Subordination ungewohnter Leute zu kämpfen, habe ich zu erwarten? Die Straße führte an Franke's Elternhaus vorüber.

Franziska, die Schwester des Genannten stand vor der Thüre und begrüßte den Pfarrer auf's Freundlichste. Den Bruder streifte ihr Auge nur flüchtig. Wahrschein­lich hatte ihn der kräftige Vollbart, den er früher nicht getragen, unkenntlich gemacht.

„Wahrhaftig! sie erkennt mich nicht!" flüsterte er leise dem Pfarrer zu. Den Schmerz darüber verbeißend, musterte er alle Fenster des Hauses, ob nicht vielleicht an einem derselben das Gesicht seiner Mutter bemerk­bar sei.

„Es drängt mich, auszusteigen, ich kann nicht vorrüber," äußerte er plötzlich und wollte sich erheben.

„Bemeistern Sie Ihre Empfindungen;" beschwichtigte der Pfarrer. „Gemäß unserer Verabredung müssen mir vorüber. Jetzt aus­zusteigen und zu handeln, wäre eine zweck­lose Ueberstürzung." Franke fügte sich.

Bis in's Pfarrhaus mitzufahren, war für ihn peinlich, einmal, wegen der voraus­sichtlich großen Anzahl von Gratulanten, andererseits auch aus zarter Rücksicht gegen seinen freundlichen Berather. Er stieg des­halb an einem Gasthause ab.

Der Pfarrer gab ihm unter warmem Händedruck die Versicherung, binnen Stun-

sondern auch mit höchst uugünstigen Terrain- verhältniffen, die das Vorwärtsdringen sehr erschweren. Es ist leider auch zu befürchten, daß Montenegro bei diesem Kampfe nicht ganz unthätig sein wird, und daß dessen kampfeslüsterne Bewohner ihrem Fürsten Nikita, der sich Oesterreich gegenüber für Aufrechterhaltung der strengsten Neutralität verbürgte, nicht gehorchen, sondern die auf­ständischen Hercegowiner unterstützen werden. Man darf daher die Bewegung in den schwarzen Bergen durchaus nicht unterschätzen, sondern mache sich auf ein gewaltiges Auf­lodern der kriegerischen Flamnie in den occnpirten Provinzen gefaßt. Wir können es daher nur billigen, daß der österreichische Kriegsminister den Delegationen gegenüber den Ernst der Situation betonte und aus­gedehnte militärische Maßnahmen in Aussicht stellte.

Oesterreich muß jetzt die einmal begon­nene Politik vollständig durchführen; es muß die Basis seiner Operationen ausdehnen und verhindern, daß aufständische Bewegungen von Außen unterstützt oder angefacht werden können. Es darf hierbei durchaus nicht davor zurückschrecken, wenn es im Verfolge seiner Operationen in Couflict mit Monte­negro kommen sollte und es darf nicht früher das Schwert einstecken, als bis die Pacification der infurgirten Bezirke und der angrenzen­den Distrikte vollständig durchgeführt ist. Man scheint in Wien dies auch zu planen und mit der Niederwerfung des Aufstandes eine Regelung des staatsrechtlichen Verhält­nisses der neuoccupirten Provinzen zum Zwecke dauernder Angliederung an Oester- densrist ihm wieder zu Diensten zu sein, um dann in Gemeinschaft das Werk der Ver­söhnung in Angriff zu nehmen. Es läßt sich denken, daß diese Zeit des Harrens bei Franke's Gemüthszustand eine schwere Geduld­probe war. Eine Stunde hielt er Stand; die Zeitung vermochte in keineswegs zu zerstreuen. Er versuchte zu trinken, aber der beste Wein stieß auf Widerwillen. „Nein, das ertrage ich nicht länger! Mag es anssallen, wie es will: Ich muß handeln."

Nach dieser halblauten Aenßernng gab er dem Wirthe Anweisung bezüglich des Pfarrers und eilte hastigen Schrittes dem verhängnißvollen Hause zu. Im Corridor begegnete ihm seine Schwester. Selbige war sichtlich erschrocken, wich einige Schritte scheu zurück und gab auf die Frage des Anwaltes, ob Wittwe Franke zu sprechen sei, eine ver­neinende Antwort. Dies wirkte niederschmet­ternd auf den Fragesteller. Näher an seine Schwester herantretend sagte er mit gedämpf­ter Stimme: „Sahen Sie mich niemals?"

„Aber mein Herr", stammelte sie erschrocken, „was soll ich von Ihnen denken?"

„Was Sie wollen! nur soviel ist mir klar; Menschen sind vergeßlich. Hat man binnen sieben Jahren einander nicht gesehen, so thut es noth, seine Visitenkarte abzugeben. Mein Name ist Robert Franke!" (Forts, f.)