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Donnerstag, den 2. Februar 1882
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e- Der Kulturkampf.
Neun Jahre schweren Leidens und bitteren Kummers mußten über die kath. Unterthanen hergehen, ehe die Staatsregierung sich entschloß, bei Einbringung des Gesetz-Entwurfes, betreffend Abänderung der kirchenpolitischen Gesetze, in der Motivir- ilng vom 19. Mai 1880, „das Bedürfniß, den aus den kirchenpolitischen Wandlungen der letzten Jahre hervorgegangenen Beschwerden der katholischen Bevölkerung Abhilfe zu schaffen", theilweise anzuerkennen. Mit diesem Bekenntnisse, das von den fanatischen Freunden des sog. Culturkampfes als der erste Schritt zum Gange nach „Canossa" getadelt wurde, erschien die preußische Regierung vor dem Abgeordnetenhause, und der Nachfolger des verflossenen Falk, Minister v. Puttkamer. trat bei der ersten Lesung dieser Gesetzesvorlage mit Wärme für dieselbe ein. Es wurde namentlich hervorgehoben, daß die Staatsregierung auf den §. 4 der Gesetzesvorlage das größte Gewicht lege, wonach „einem Bischöfe, welcher auf Grund der
24 ff. im Gesetz voin 12., Mai 1873 durch gerichtliches Urtheil aus seinem Amte entlassen worden ist, von dem Könige die
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Eine Pfingstfeier.
Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.
! Fortsetzung)
„Vor Allem mit meiner Mutter aussöhnen," lautete die Antivort. „Deren Liebe zu mir war grenzenlos und ich trat sie wahnbefangen in den Staub. Sie hat Opfer für mich gebracht, die mich erschüttert zu Ihren Füßen hätten zwingen sollen, aber ich war blind und vergalt mit Skorpionen. Jetzt fühle ich diese Schuld glühenden Kohlen gleich auf meinem Haupte und bin zum schwersten Opfer bereit, aber welches ist groß genug, hierzu sühnen? Ihre ergrauten Haare sind mein Werk. Kann ich ihr alles das, was sie durch den Schmerz um inich verloren, wieder ersetzen? Ich erschauere vor dem Gedanken. Die zweite Riesenarbeit ist die Aussöhnung mit meiner Gattin, der edelen, schwergekränkten Friederike. Nein! nein! sie kann mich in Ewigkeit nicht wieder lieben, und was gilt mir das Leben, so lange sie grollt. Ha! da steht mir wieder der ganze Trümmerhaufen meines Glückes vor der Seele. Mutterliebe, Gattenliebe, Ehre, Hoffnung — alles zerrissen und zerbrochen! alles ein großer Schutthaufen! Wer vermag diesen Staub wieder zu den erhabenen
staatliche Anerkennung als Bischof seiner früheren Diöcese wieder ertheilt werden kann"; aber derselbe Minister sah bei der zweiten und dritten Lesung ;u, wie der Gesetz-Entwurf immer inehr verstümmelt und fast bis zur Unkennbarkeit um gewand elt wurde. Es ist kauin inehr ein Geheimniß, welchen Umständen diese plötzliche Wandelung bei der preußischen Staatsregierung zuzuschreiben ist. Der Reichskanzler zog die Hand der Versöhnung zurück, die er kurz zuvor den Katholiken Preußens entgegenzustrecken Lust gezeigt hatte. Der Gesetzentwurf war so verschlimmert, namentlich durch die Freiconfervaiiven, daß die Centrums - Fraction gegen denselben stimmen mußte.
Seit der Zeit ist wieder ein Passionsjahr mehr verflossen, immer mehr wächst die Zahl der verwaisten katholischen Pfarreien und vermindert sich die der Seelsorgs- priester. Das sind so unerträgliche Zustände, daß sie im Stande wären, eine Bevölkerung mürbe zu machen, wenn nicht auch gerade durch den Druck, der auf den Katholiken Preußens lastet, die Erkenntuiß immer allgemeiner und fester würde, daß auch der preußische Staat dadurch im höchsten Grade gefährdet wird, indem die Religionslosigkeit am meisten dazu beitragen kann, die Zahl der inneren Feinde staatlicher Ordnung in ungeahntem Maße zu erhöhen. Die Zeit kann nicht ausbleiben, wo auch nicht kath. treue Diener der Krone sich der Erkenntniß nicht mehr verschließen werden, daß eine vollständige und gründliche Umkehr von der bisherigen kirchlichen Politik gerade im ächt Gütern zusammenzusetzen, welche ich im blinden Wahn mit frevelnder Hand zerstörte? Das kann kein Mensch, das kann kein Gott! Es wird wieder eine Stimme in mir laut, vor welcher jede aufstrebende Hoffnung wie ein scheues Reh zusammenschrickt. Leben Sie wohl Herr Pfarrer, es wird mir zu enge hier." Aus dem bleichen Gesichte des Unglücklichen sprach ein entschiedener, Bedenken erregender Entschluß.
Der Pfarrer sah den Anwalt scharf an, faßte krampfhaft seine Hand und sprach: „Trügt der Schein nicht, so ist ein schauderhafter Vorsatz in Ihnen gereift, den ich nur mit Beben nachzudenken wage — jeder Selbstmord ist ein Jubeltag für die Hölle;" rief er mit erhabenem Ernst aus; „Sie haben eine unsterbliche Seele! einmal verloren! ewig verloren; bedenken Sie das. Entziehen Sie sich nicht wie ein furchtsames Kind der strafenden Ruthe des Herrn: Wen Gott lieb hat, den züchtigt er und wen er erhöhen will, den demüthigt er."
„Sie vermuthen einen schlimmeren Vorsatz, als er in Wirklichkeit ist," entgegnete der Anwalt mit niedergeschlagenem Blick. „Hebers Meer will ich; denn ferner hierzu leben, erkenn ich als Unmöglichkeit. Meiner Mutter und Friederikens Liebe sind unwiederbringlich verloren; die öffentliche
conservativen Interesse dringend geboten erscheint.
Diese Umkehr wird nun und nimmer zweckentsprechend durch Schaffen discretio- närer Gewalten der Minister, sondern durch Wiederherstellung des verfassungsmäßigen Zustandes, wie er vor den Maigesetzen war, ausgefuhrt werden. Die constitutio- nellen Factoren, die erst den sog. Cultur- kampf möglich gemacht haben, sind aber in Preußen nicht von der soliden Natur, wie das Königthum; wir sind sicher, daß der Tag kommen wird, wo Preußens Könige die Versprechungen einlösen werden, welche ihre Vorfahren den katholischen Unterthanen der neu erworbenen Provinzen ,in so feierlicher Weise gegeben haben.
Möge diese Ueberzengung die wackeren katholischen Vertreter in der Ausdauer befestigen, die Aufhebung, bezw. gründliche Abänderung der Maigesetze als das eigentlichste Ziel ihrer Bestrebungen unausgesetzt im Auge zu behalten! Mögen sie mit Muth und Besonnenheit auch die bei der jüngsten Wiedereröffnung des Landtags ihnen zugegangene neue Gesetzes-Vorlage prüfen und sich bei ihren Abstimm- ungen nur durch ihre innerste Ueberzengung leiten lassen! lieber die Gesinnung des katholischen Volkes kann bei ihnen kein Zweifel herrschen. Das katholische Volk will unter keinen Umständen einen faulen Frieden.
Deutsches Reich.
* Berlin, 31. Jan. Abgeordnetenhaus. 5. Sitzung vom 31. Jan. Fortsetzung der Meinung wird mich keine Gnade finden lassen, was habe ich also hier noch ferner zu suchen?"
„Was haben Sie aber gewonnen, wenn Sie einsam und verlaßen, den quälenden Wurm des Gewiffens im Herzen an den Ufern des Orinoko herumirren? Wollen Sie sich ein neues Familienleben gründen, so werden Sie zum Ehebrecher. Wollen Sie abgeschlossen von der Welt nur aus Ihr Ich beschränkt leben, so morden Sie Ihre That- kraft und stürzen sich vor der Zeit in's Grab. Kann nicht auch der Teufel zum zweiten Male Sie in feine Netze verstricken, in den Taumel der Weltlust verlocken und Ihnen Gott und Ewigkeit vergeßen machen? Sie sündigten durch Hochmuth; die Sühne heißt Demuth. Vor Allem vergeßen Sie die Sorge um Ihr Ansehen vor der Welt. „Zu den Füßen Deiner Mutter! zu den Füßen Deiner Gattin!" Das sind die nächsten Forderungen des Herrn. Gehorchen Sie ihm und er wird weiter helfen."
Die Züge des Anwaltes verloren ihre Härte; er fank auf den ärmlichen Stuhl, verhüllte mit der Hand das Gesicht und saß lange regungslos.
Der Pfarrer ließ mitleidsvoll die Blicke auf ihm ruhen. Trost und Hoffnung nahmen wieder Einkehr in der Seele des Bedrängten; von den Segenswünschen des Pfarrers