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-nk- Die aufgeregte Seene, welche sich am 21. im Reichstage abspielte, findet bis zur Stunde noch ihr Echo in der Polemik, in welche officiöse und fortschrittliche Blätter aus Anlaß jener Vorgänge gerathen sind. Die .Norddeutsche' hat es insbesondere auf die moralische Vernichtung Hänels abgesehen, wobei sie aber zuweilen zu so plumpen Ausdrücken greift, daß sie schwerlich Anhänger gewinnen wird. Für ein ivenig geschicktes Manöver müssen wir es auch erachten, wenn man sich officiöser- eits bemüht, den ofsiciösen Character der Wiener politischen Correspondenz' (in welcher bekanntlich in einem Berliner Briefe erklärt worden war, Fürst Bismarck müsse mit den „Liberalen" „durch einen Conflict hindurch") völlig abzustreiten. Als wir vor einigen Monaten darauf aufmerksam machten, daß der Verfasser der Berliner Briefe in dem Wiener Organe der Leiter lmseres officiösen „Literarischen Bureaus", Herr Professor Constantin Rößler sei, inachte unsere Angabe den Rundlauf durch die gesammte Preffe und fand nirgends Widerspruch, ihr jetzt zu widersprechen nnd obendrein in zweideutigen Redewendungen, ist zu spät. Ueberdies haben wir zu positive Anhaltspunkte für die Richtigkeit unserer
damaligen Mittheilung. Wir wollen heute nur noch wiederholen, daß die .Politische Corresp.' ein allerweltsofficiöses Organ ist, daß sie vom Grafen Andrassy begründet wurde und daß Fürst Bismarck es gern sah, wenn Rößler für dieselbe correspon- dirte. Der Reichskanzler hatte seine Aeußer- ung, daß das von Hünel erwähnte Wiener Organ im französischen Solde stehe, in der Meinung gethan, daß Hänel von der neugegründeten (Wiener Allg. Ztg.' gesprochen habe. Diesem Blatt ist bekanntlich vor einigen Tagen wegen der heftigen Sprache, die es über den kaiserlichen Erlaß geführt hatte, in Deutschland der Postdebit entzogen worden. Da der Kanzler in dem Momente noch nicht im Sitzungssaale war, in welchem Hänel von dem Artikel der (bekanntlich nur für Redactionen bestimmten) ,Polit. Corresp.' sprach, und da er in den letzten Tagen viel von der .Wiener Allg. Ztg.' gehört hatte, so ist die Verwechselung erklärlich. Der Jrrthum kann überdies auch durch die Herren v. Bötticher nnd v. Puttkamer, welche dem Reichskanzler über den ersten Theil der Hänel'schen Rede Bericht erstatteten, begangen worden sein; im Allgemeinen ist es zu schwierig, bei solchen erregten Scenen der wahren Ursache von Mißverständnisien auf den Grund zu kommen. — Was die „Scene" vom 21. selbst anlangt, so ist es natürlich nicht minder schwer, dieselbe photographisch und akustisch genau wiederzugeben. Von den Abgeordneten schenkt jeder zunächst den Tönen und Gesticulationen Aufmerksamkeit, die in 'seiner Nähe hörbar und sichtbar
werden und auf der Journalistenbühne ertönen so viel Laute zusammen herauf, daß .es dort oben erst recht nicht möglich ist, sich ein deutliches Bild von dem unten tobenden Geister- und Sprachwirrwarr zu machen. Trotzdem aber zeichnen sich, wie ein Schriftführer des Reichstagsbüreaus, der sich in der Nähe des Kanzlers befand, versichert, fast alle Berichte welche in der Presse darüber erschienen waren, durch ziemliche Treue aus. Der anitliche stenographische Bericht ist hier vielleicht am Wenigsten zuverlässig , ob in Folge Versehens der Stenographen, oder in Folge der Correc- turen des Kanzlers, lassen wir dahingestellt. Als der Kanzler von seinem sechs Schritt langen Vorstoß gegen den Fortschritt wieder auf seinen Platz zurückkehrte — die Behauptung einiger Blätter, daß er gegen den Abg. Lasker „losgegangen" sei, ist unrichtig — nachdem man ihm aus der Fortschrittspartei zugerufen, daß man ihn nicht habe der Feigheit zeihen wollen, sagte er in einem Tone, der nur den Näherstehenden, jedenfalls aber auch den in der Nähe befindlichen Stenographen verständlich war, die Worte: „Nun, dann danken Sie Gott!" Diese Worte fehlen in dem vom Redner corrigirten Stenogramm und an ihrer Stelle steht nun folgender Satz, den der Kanzler ebenfalls vor sich hingemurmelt hatte: „Also dann sind sie ja mit mir einverstanden, daß das ein unwahrer Vorwurf ist, den Sie mir gemacht haben." An der Stelle, wo Fürst Bismarck sagte: „Sie überschätzen sich, wenn Sie meinen, daß ich gegenüber einer Parlamentsrede meinen
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Eine Pfingstfcier.
Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkanipfes in der Schweiz. Von B. K.
(Fortsetzung.)
Eine neue Quelle für den Lebensmuth schien sich in seiner Brust zu öffnen; schaudernd fuhr er einige Schritte vom gähnenden Abgrund zurück, sank unwillkürlich auf die Kniee, hob demüthig den Blick zum Himmel und: „Vater unser, der Du bist in dem Himmel!" scholl es vernehmbar von seinen Lippen. Wie trostreich, wie wahr, wie unendlich erhaben erschien ihm jetzt dieses ewige, von ihm seit Jahren verachtete Gebet. In seinem Geiste wurde es jetzt mehr und mehr hell; die Eisrinde seines Herzens schmolz; der lange Irrweg seit dem Verluste seines Jugendparadieses trat ihm klar vor die Seele. Reine, reumüthige nur von Gott gesehene Thränen entquollen jetzt den sonst so stolzblickenden Augen: „Herr, ich fühle Deine Nähe! o ich danke Dir, Du hast mich gerettet. Die Welt trübte meinen Geist und verfälschte mein Herz, aber das Licht Deiner Gnade zeigte mir den Abgrund, Dein will ich nun wieder sein und Dir dienen, wie ich in meiner Jugend gethan, daß ich ein würdiges Sühnopfer
meines Fehls werde." Nach diesen mit tiefer Inbrunst gesprochenen Worten verließ er den Felsen.
Zu derselben Stunde knieete unter dem Muttergottesbilde in der Kirche zu Wehrthal eine einsame, in Andacht versunkene Frauengestalt. Es war eine zweite Monika, die so unendlich viel für ihren einzigen und verirrten Sohn zu beten hatte: Es war Franke's Mutter.
XI.
Auf Umwegen gelangte der Anwalt in sein Haus. Die Dienstniagd war wirklich mit ihren Siebensachen verschwunden. Franke's Gemüthsverfassung war derart, daß er keinen sehnlicheren Wunsch hegte, als ein theil- nehmendes Her; zu finden. Er durchmusterte die ganze Reihe seiner Freunde, aber ach; in welch' traurigem Lichte erschienen ihm jetzt alle. Nach längerem Nachsinnen fand er zwei Männer, denen er getrost den Zusammensturz seines Glückes offenbaren, seine rathbedürftige Seele zeigen und von denen er neue Nahrung für seinen schwachen Lebensmuth hoffen durfte. Beide Männer waren: Der Pfarrer von Wehrthal und Victor.
Im Schutze der Dämmerung, dicht in Plaid und Mantel verhüllt eilte Franke zum Gefangenhaus. Der Gefängnißwärter war nicht wenig überrascht wegen des späten
Besuches. Mit seinem Schlüssenbund vor dem Beamten herschreitend, äußerte er sich lobend über den Gefangenen, als wolle er, falls man wieder etwas Schlimmes gegen den Schuldlosen im Sinne habe, dem neuen Unrechte vorbeugen, hierauf öffnete er die Zelle und entfernte sich.
Der Pfarrer saß am Tische und war beim matten Schimmer einer fast zu Ende gebrannten Stearinkerze mit einer schriftlichen Arbeit beschäftigt. Er erhob sich und trat dem Eingetretenen, den er nicht sofort erkannte, einige Schritte näher.
„Ah! Sie sind es, Herr Anwalt," rief er jetzt im Tone der Ueberraschung; „was führt Sie denn noch zu so später Stunde in mein Prunkgemach? Bitte, nehmen Sie Platz; der Stuhl ist leider etwas wackelig, aber habe keinen besseren. Ob man eine gewisse Symbolik damit verbindet, Staatsgefangene auf wackelige Stühle zu setzen? Aber zur Sache; ich war soeben mit Ausarbeitung einet; Pfingstpredigt beschäftigt, mit welcher ich nächsten Sonntag meine liebe Gemeinde zu begrüßen gedenke. Sagen Sie mir etwas Erfreuliches, damit die Unterbrechung eine angenehme ist."
„Herr Pfarrer!" begann der Anwalt nicht ohne Beklommenheit, „Sie haben einen Schwerverwundeten vor sich, einen Men-
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Mittwoch, den 1. Februar 1882.