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Dienstag, den 31. Januar 1882.
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rn. Der jetzige europäische Friede.
Bekanntlich hat Fürst Bismarck schon am 4. Febr. v. I. im preußischen Abgeordneten- Hause die Aeußerung gethan: „Wir haben keinen Krieg und auch, Gott sei Dank, auf lange keinen in Aussicht." Inzwischen hat sich nicht nur die Begegnung des deutschen Kaisers mit Kaiser Franz Joseph in Gastein wiederholt, sondern auch die Zusammenkunft mit dem russischen Czar in Danzig stattgefunden. Hier wurde die Spannung zwischen den Höfen von Petersburg und Berlin, ivelche von Zeit zu Zeit die Zeitungen allarmirt hatte, ausgeglichen und zwar durch die „unerwartete Mäßigung", mit welcher, nach dem Ausdruck der bekannten aus dem österreichischen Cabinet entwendeten Depesche, Fürst Bismarck dort auftrat. Auf diese Begegnungen beruft sich nun die kaiserliche Botschaft, mit welcher am 17. Nov. v. I. der deutsche Reichstag eröffnet wurde. Sie erklärt die von gegenseitigem Vertrauen getragenen Beziehungen zu den beiden Nachbar-Mächten als eine zuverlässige Bürgschaft für die Fortdauer des Friedens, auf ivelche die Politik der drei Kaiser-Höfe in voller Uebereinstimmung gerichtet sei. Diese Anführungen bilden gleichsam den Nachweis für den großen Ausspruch, welchen die kaiserliche Botschaft voranschickt: „Wenn es in den letzten zehn Jahren im Widerspruch mit manchen Vorhersagungen und Befürchtungen gelungen ist, Deutschland die Segnungen des Friedens zu erhalten, so haben wir noch in keinem dieser Jahre mit dem gleichen Vertrauen auf die Fortdauer dieser
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Eine Pftngstfeier.
Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.
(Forrp tzung)
Hier fand er eine bessere Ordnung, als in seinem Kopfe. Nur einige Veränderungen erweckten in ihm ein beklemmendes Gefühl der Wehmuth: Die Blunienbank am Fenster war geräumt, der Kanarienvogels-Käfig stand leer; der Schlüffelbund, den Friederike im Hause immer mit sich geführt, lag am Tisch und die Pendule stand still. Neben dem Schlüffelbund lag ein beschriebenes Blatt; Franke gewahrte es; die Buchstaben bewegten sich wie Ameisen unter feinen Augen, als er es zur Hand genommen. Laut und langsam, als wolle er den Inhalt eines jeden Wortes studiren, las er Folgendes:
„Ich habe mich in mein Schicksal ergeben und vertraue meinem Gott. Noch länger zu bleiben, war mir Unmöglichkeit. Damit bei der gerichtlichen Scheidung nicht auf meine persönliche Gegenwart reflectirt werde, gebe ich mich schriftlich mit allen Gründen, welche Du vorbringen wirst einverstanden.
Werde glücklich!
Friederike."
Wo war die Ariadne, welche deni so unerwartet in dies Labyrinth des Schicksals
Wohlthat in die Zukunft geblickt, wie in dem gegenwärtigen."
Es wäre eine banale Einwendung, zu sagen, daß das Unglück nicht selten, wenn es am entferntesten scheint, mit nächsten steht. Wir wollen diese Einwendung nicht erheben, obwohl wir, drücken sich die ,Histor.-polit. Blätter' aus, dem Jahre 1882 aus einem dunklen Jnstinct nicht recht trauen. Aber das ist in den kaiserlichen Worten doch deutlich gesagt, daß in den zehn Jahren vorher Ursachen und Stoff zu kriegerischen Verwicklungen vorhanden waren. Sind diese Ursachen beseitigt und ist der internationale Krankheitsstoff ausgetilgt? Das sagt die kaiserliche Botschaft selber nicht. Zur Zeit als der „Dreikaiser-Bund" officiell procla- mirt war, ist es sogar zu einem blutigen Kriege im Orient gekommen, der bei einem Haar europäische Dimensionen angenommen hätte. Ist das fragliche Streitobjectdefinitiv aus der Welt geschafft, so daß es nicht abermals die drei Kaiserhöfe veruneinigen kann? Auch das ist nicht gesagt. Worauf beruht also dieser Friedenszustand? Darauf, daß Deutschland keinen Krieg zugeben will und andere Mächte es in ihrem Interesse finden, lieber gleichfalls zuzuwarten. Aber die Erisäpfel hängen nach wie vor am europäischen Baum, und der giftigste reist täglich niehr dem Abfallen entgegen — am Bosporus.
In der Botschaft folgt noch ein Satz, welcher auch seinerseits nichts Anderes zu besagen scheint, als daß Europa den Frieden hat, weil Deutschland ihn gebietet. „Der Glaube an die friedliebende Zuverlässigkeit verschlagenen Anwalt den rettenden Faden bot? Wer hätte an seiner Stelle sofort Rath gewußt? Er warf sich aufs Sopha, — sprang wieder empor, — eilte von Zimmer zu Ziinmer und quälte sich auf alle erdenkliche Art zur Ruhe, zu einem befriedigenden Entschluß zu koinmen, allein vergebens. Zuletzt griff er nach Stock nnd Hut und suchte wieder das Freie.
Sein Weg führte an einem abgelegenen, doch beliebten Gasthause vorüber, bei dessen Anblick ihm die Restaurationsbedürftigkeit seines Körpers zum Bewußtsein kam. Er trat ein, wäre aber am liebsten wieder umgekehrt, wenn ihm der Wirth nicht alsbald entgegengekommen wäre. Die sonst so zuvorkommende Freundlichkeit desselben schien sich heute hinter der kalten Geschäftsmiene verkrochen zu haben und aus seinen Blicken glaubte Franke lesen zu können: „Man weiß jetzt, wer Du bist; Deine Ehre ist dahin." Nachdem Wein gebracht worden, that der Anwalt einen kräftigen Zug und vertiefte sich in die Zeitung.
Ha! Dort stand es schon. Unter den Localnotizen war zu lesen: „Heute Morgen sprang eine junge, den besseren Ständen angehörende Dame aus dem ersten Stock des Hager'schen Hauses und verschied bald darauf, nachdem sie noch spärliche Geständnisse über das Motiv
der deutschen Politik hat hei allen Völkern einen Bestand gewonnen, den zu stärken und zu rechtfertigen Wir als Unsere vornehmste Pflicht gegen Gott und gegen das deutsche Vaterland betrachten." Waruni hat aber demzufolge Niemand daran gedacht, daß Deutschland nun alsbald die Initiative ergreifen werde, um auf einem europäischen Areopag die allgemeine Entwaffnung und Aufhebung der ständigen Kriegsbereitschaft aller Reiche und Nationen gegen einander zu vertreten? Weil Jedermann fühlt, daß der Sicherheitsdienst, den Deutschland für sich und Andere in Europa versieht, nicht etwa auf einem nioralischen Prestige, das in der modernen Welt überhaupt nicht mehr zählt, sondern allein auf deut militärischen Uebergewicht beruht. Es ist eine Ehre und ein Friede, den Land nnd Leute sehr theuer erkaufen müssen, und die Frage, woher denn endlich die Mittel dazu kommen sollen, wird sich nicht viele Jahre mehr vertuschen lassen.
Für die Art des herrschenden Weltfriedens und seine Garantien ist es höchst bezeichnend, daß int Grunde Niemand läugnet, er könne nur durch Mittel erhalten werden, welche unfehlbar zum wirthschaftlichen und sittlichen Ruin der Völker führen müssen. In Deutschland, auf dessen verhältnißmäßig beschränkten Volkswohlstand der Militarismus am längsten und am schwersten lastet, ist voin Kriegsminister bis zuin letzten Abgeordneten Jedermann darüber einig, daß die Last auf die 'Länge unerschwinglich ist. Dennoch wagt keine Partei eine ernste Action. Die liberalen Parteien bekennen ssich, trotz zur That gemacht hatte. Das Hager'sche Haus brannte unmittelbar darnach nieder; der Eigen- thümer desselben, den man einstimmig als Brandstifter bezeichnet, wurde halbverkohlt unter dem Schutte hervorgezogen. Die verschiedensten Gerüchte coursiren über die erschreckende Thatsache. Besonders viel spricht man von einem höheren Gerichtsbeamten, welcher zu beiden Verunglückten in naher Beziehung "gestanden haben soll. Wir erwarten Licht in der ganzen Angelegenheit und hoffen in die Lage zu kominen, ausführliche und verbriefte Mittheilungen machen zu können. Nachträglich wurde uns noch berichtet, die Mutter der verunglückten Dame habe sich dermaßen entsetzt, daß sie dem Irrsinn verfallen sei."
Der Anwalt wagte kaum aufzuschauen; also schon Gegenstand des Stadtgespräches war er? Fort! fort! rief es in seinem Inneren. Eiligst sich mit dem Wirthe abfindend, rannte er hinaus, ziel- und ruhelos, wie Kain, — gerieth in volkbelebte Straßen, erblickte in jedem Passanten seinen Feind und vermochte keinem Menschen in das Auge zu blicken.
Mancher Bekannte, dem er furchtsam auswich, wunderte sich nicht wenig über sein verstörtes Aussehen und schüttelte den Kopf.
„Du bist unmöglich geworden in der menschlichen Gesellschaft!" rief er sich selbst