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Sonntag, den 29. Januar 1882.
Fuldaer Ws Ieitung.
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Politische Streifzüge.
(Nachdruck verboten.)
Kehren wir jetzt zu dem deutschen Herde zurück. Der Reichstag, der ohne Aussicht auf eine Frühlingsauferstehung auseinandergeht, hat mit einem Fleiße gearbeitet, der vielfach im umgekehrten Verhältniß zu dem steht, was erreicht werden wird. Der Win dth orst'sche Antrag, der auch in dritter Lesung mit sehr großer Mehrheit angenommen wurde, wird ja wohl in der Todtenkammer des Bundesrathes begraben werden, höchstens daß Bayern sich den Luxus gestattet, Ja zu sagen. Auch die zweitägige Debatte über den liberalen Haftpflicht-Entwurf ist pro nihilo; der Antrag wird in der Commission sanft entschlummern. Die Liberalen, die von Bennigsen bis Richter sich zu einer „positiven Leistung" die Hand gereicht, erinnerten sich plötzlich des Arbeiters und „armen Mannes", an den sie früher, als sie das Ruder in der Hand hatten, gar nicht gedacht, sie wollten apch einmal etwas produciren und luden die Kosten der Haftpflicht auf die Schultern der Unternehmer ab. Das Gute in dem Lasker'schen Elaborat ist der Regierungsvorlage entlehnt, und das Neue ist nur der Unfall-Commiffar. Immerhin ist es erfreulich, daß der Antrag mit der liberalen Theorie vom freien Arbeitsvertrag gebrochen hat. Dann kani die Hamburger Frage in dem 40-Millionen-Goldrahinen an die Reihe, die aber nicht, wie der principielle Nörgeler Richter meinte, eine Kanzlerfrage ist, sondern einen unzweifelhaften wirthschaft- lichen Nutzen hat. 40 Millionen sind zwar
viel Geld, besonders wenn es nicht da ist, aber die Zeit wird die Ausgabe decken, und deshalb kann man es billigen, daß die Mehrheit des Reichstags sich für die Vorlage aussprach.
Das Abgeordnetenhaus nimmt am Montag die unterbrochene Arbeit wieder auf, und dann wird's heiße Köpfe geben. Alle wirthschaftlichen Fragen beschwören nicht solche Stürme herauf wie eine einzige kirchliche Frage. Wir könnten den Frieden jetzt haben, denn die Mehrheit des Landtags ist für eine ehrliche und gründliche Revision der Maigesetze, aber .... Die Vollmachtsvorlage kommt mir vor wie ein Stahlcorsett, das um den Leib der Kirche gelegt wird, dainit sie sich hübsch grab halte, und dessen Schnüre die Regierung in Händen hat; sie kann diese Schnüre je nach Belieben enger ziehen, so enge, daß der Kirche der Äthern ausgeht. Die Liberalen scheuen vor dem Bischofsparagraphen, wie der Teufel vor dem Weihwasser; sie sagen, die praktische Verwerthung dieses Paragraphen würde das Ansehen des Staates mehr schädigen, als die schwerste Niederlage in einem Kriege. Die Entscheidung liegt nun nicht in den Händen der Liberalen, die den „Kern" der Maigesetzgebung als Reliquie liebevoll conserviren wollen, sondern, da die Conservativen die Wünsche der Regierung unterstützen, beim Centrum, und dieses ist damit vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Es hat aber schon manche andere harte Nuß geknackt und wird auch hier das Richtige treffen; das katholische Volk vertraut seinen Ver-
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Eine Pstngstfeier.
Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.
(Fortsetzung.)
Die Polizei begann ihre Thätigkeit. Vor allem war sie bemüht, die angesammelte Menge zu zerstreuen, was jedoch nicht gelang. Sodann versuchte sie, in's Haus einzudringen, aber auch dies ging . nicht nach Wunsch, weil Hager in der Eile alle Zugänge verschlossen und verriegelt hatte. In der Menge hatten sich alsbald Vermuthungen der schlimmsten Art gebildet und die Entrüstung gegen Hager war groß. Plötzlich erschien er an einem Fenster des Naturalien- Cabinets. Es war keineswegs zu verwundern, daß der Ausdruck seines Gesichtes sin verzweiflungsvoller wurde, als er sich im eigenen Hause so unerwartet belagert, von einem Meere von Feinden umringt sah. Schreckliche Drohrufe schallten zu ihm herauf; man ballte die Fäuste gegen ihn; es war Zuletzt ein Getöse, daß man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Hager glich in seiner Angst einer gefangenen Ratte, welche bald da, bald dort Versuche macht, zu entschlüpfen. Bald an diesem, bald an jenem Fenster erschien sein todtblasses Gesicht, aber immer nur für Augenblicke.
Während dessen begann die Polizei, sich mit Gewalt Eingang zu verschaffen. Als die Hauptthüre den wuchtigen Axthieben nachgab, erdröhnte plötzlich das Innere des Hauses von einem dumpfen Knall; ein dicker, weißer Qualm wälzte sich an den Fenstern des Naturalien- Cabinetes empor; eine, zwei, drei und mehrere rothe Feuerzungeu leckten an den Gardinen hinauf; die Glasscheiben zersprangen und „Feuer! Feuer!" tönte der Schreckensruf der Menge.
Weil große Waaren-Magazine in der Nähe waren, wurden die Rettungsvorkehrungen in fliegender Eile betrieben. Nach Verlauf weniger Minuten war die Feuerwehr zur Stelle, aber schneller als die Menschen war das verheerende Element. Dasselbe hatte im Naturalien - Cabinet gute Nahrung gefunden und Zimmer auf Zimmer in seine Gewalt gebracht. Als die erste Feuerspritze im Stande war, ihre Function zu verrichten, hatte das Haus bereits Fenster und Dach verloren und nur der günstigen Windrichtung war es zu danken, daß die Nachbars-Bauten verschont blieben. Einige vortreffliche Brandspritzen überstürzten jetzt den Rest des Hauses mit einer völligen Wasierfluth; nach Verlauf einer Stunde war es gelungen das Feuer vollständig zu tilgen.
tretern und lacht über die Drohungen der .Norddeutschen/ Daß die Vorlage in ihrer jetzigen Gestalt nicht angenommen werden wird, steht fest; Manches muß noch gefeilt, gehobelt und geglättet werden, ehe sie genießbar wird; denn so ganz auf Gnade und Ungabe kann bie Kirche doch nicht ber Regierung unb dem Belieben ber Minister überantwortet werden ; das „Gewohnheitsrecht," das sich daraus entwickelte, wäre schlimmer als der offene Kampf. Der Staat meint, — so sagt das Organ des Kanzlers — auch ohne die Kirche fertig zu werden; ich will ihm nicht die Verlegenheit gönnen, das Gegentheil erproben zu müssen; aber das sollten die weltlichen Machthaber sich doch sagen, daß sie mit aller Polizei und allen Soldaten auf den innern Menschen nicht einwirken können; die Gemüther, die Gewissen sind das Terrain der Kirche. Wer war es benn, ber 48 bie Revolutionäre von ben Barricaben herabholte? Die Priester! Wer ist es, ber seine mächtige Stimme als Damm gegen bie Wogen der Revolution wirst? Papst Leo XIII. Und kommt die allenthalben g ährende Revolution zum Ausbruch, dann sind — die Geschichte hat's ja oft genug bewiesen — die Bajonette keine Schutzwehr für den Thron, sondern einzig und allein die sittliche Macht der Kirche, welche das auf Gottes Willen gestützte Autoritäts- princip hoch hält und predigt. Dies sollte die .Norddeutsche' sich klar machen, ehe sie in frevlem Uebermuthe auf die Macht des Staates pocht.
In den Räumen des Parterre war noch vieles unzerstört; mit Eifer begann man jetzt nach Hager zu forschen. Aus dem Naturalien- Cabinet wurden jetzt Töpfe, zusammengeschmolzene Flaschen, halbverbrannte Knochen, Metallklumpen u. s. w. herausgeworfen. Nach längerem Suchen verlangte man ein Tuch.
An den Mienen der aufräumenden Männer konnte man erkennen, daß Hager gefunden war. Die Leiter wurde fester angelehnt und man brachte einen halbverkohlten, nur nothdürstig mit dem Tuche verhüllten Leichnam zum Vorschein. Beim Anblicke desselben ging ein Ruf des Entsetzens durch die Menge; eine Anzahl entfernte sich, um das Grauenhafte nicht länger mit anschauen zu müssen.
Wittwe Marl erschien auch wieder am Platze; man wich scheu vor ihr zurück, denu ihr Gebühren war das einer Irrsinnigen.
X.
Franke war zu Anfang der Schauerscene Willens gewesen, den falschen Vermuthungen, welche in der Menge circulirten, entgegenzuarbeiten, abereines theils zu erregt, andererseits allzu sehr um seine öffentliche Ehre besorgt, verließ er den Schauplatz und suchte auf Umwegen zu seiner Wohnung zu gelangen.
Das Wetter war prächtig. Die umliegenden