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& Politische Streifzüge.
(Nachdruck verboten.)
Alts dein Strandgute, welches die politische Hochflut!) in den letzten acht Tagen auf den Dünensand der Berichterstattung geworfen, aus den Trüminern imb Fetzen, welche die Schaumberge der nie ruhenden Politik an Land spülten, möchte ich zunächst einige Kleinigkeiten herausfischen, denn auch sie sind der Beachtung werth; die großen Brocken liegen bleischwer im Sande und laufen uns nicht davon. Da hat die Ordens-Commission im Etatsjahr 1880—81 sich einer Etatsüberschreitung von 36,397 Mark schuldig gemacht und wie inanches hungrige Knopfloch mag trotzdem noch unausgefüllt geblieben sein! Der Abg. Cremer hat vom Centrum den Laufpaß bekonimen, und selbst die Magdeb. Ztg.' wundert sich, daß Herr Creiner sich darüber wundern konnte. Im Reichstag geriethen die Fortschrittler und Herr Stöcker derart einander in die Haare, daß auf beiden Seiten kein gutes Haar übrig blieb, und der Eine um so höher zu stehen behauptete, je tiefer der Andere ihn herunterriß. Den, Abg. Dr. Wind- thorst aber setzte am 17. d. das kathol. Deutschland den Lorbeerkranz des Dankes und der Liebe auf's jugendliche, wenn auch 70jährige Haupt, und selbst das von Jesuiten eingesandte Gedicht ist bis jetzt nicht für staatsgefährlich erklärt worden. Im Herrenhause wäre beinahe der katholische Graf Brühl Vicepräsident -geworben; bie eine Stimme, bie fehlte, soll aber nächstens gefunben werben. Ein liberales Blatt meint, das „Schlimme" wäre noch einmal glücklich
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Eine Pfingstfeier.
Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.
(Fortsetzung.)
Der Anwalt trat in's Zimmer, bleich und verstört, aber mit männlicher Haltung. „Nur keine Coinplimente," rief er dem knixendenHager entgegen; „Sie beben ja wie Espenlaub. Aha! Sie haben schon Kennt- niß von meiner Entdeckung der sauberen Maulwurfsarbeit! Um so besser; dann ist uns eine die Sache klarstellende Einleitung erspart. Haben Sie Schußwaffen zur Hand? Wir müssen unsere gegenseitige Stellung in aller Kürze regeln und jede Verzögerung einer Auseinandersetzung vermehrt unsere Schmach. Secundanten sind nicht nothwendig. Was Sie zu sagen haben, sagen Sie kurz."
Hager schnappte nach Luft. Krampfhaft klammerten sich seine mageren Finger an der Lehne des vor ihm stehenden Stuhles fest; sein langer Schlafrock schlotterte, als hätte er ein Erdbeben zu bestehen.
„Haben Sie nichts zu erwidern?" drängte der Anwalt.
Unter mühevollen Gesticulationen und Gesichtsverzerrungen brachte Hager endlich
abgewandt worden; schlimm ist natürlich Alles, was katholisch ist und nicht den liberalen Stempel hat. Politischer Uebereifer schießt bekanntlich manche Böcke, aber den Vogel hat der Kreisschulinspector von Friedland in Ostpreußen abgeschossen, der seinen Lehrern klar machte, daß eine Auflehnung gegen die Vorlagen Bismarck's eine Auflehnung gegen den Kaiser selbst sei. Es geht Nichts über die Logik strebsamer Leute! Ob dieser Kreisschulinspector auch das Ordeusbudget belastet hat? Ich würde den Mann zum Schützenkönig ernennen, wenn er nicht ein Stümper wäre gegen viele seiner Collegen, die in der Aera Falk noch ganz andere Großthaten verrichtet haben. Damals freilich klatschten die Liberalen derartigen Geniestreichen Beifall und heute schreien sie Zeter und Mordio. Würdig reiht sich an den ostpreußischen Schulinspector der Berliner Löwe an, der sich gern brüllen hört. Dieser geniale Herr mit dem Vornamen Ludwig hat nämlich die Entdeckung gemacht, daß viele ultramontane Wahlkreise „auf der Kippe stehen." Ob diese großartige Entdeckung patentirt ist,' weiß ich nicht, aber daß bei Manchen der gesunde Menschenverstand nicht bloß aus der Kippe, sondern auf dem Kopf steht, das ist sicher. Als ich von jener Entdeckung des Herrn Löwe las, erinnerte ich mich der bekannten Fabel von dem grauen Thiere in der Löwenhaut und dachte: brülle nur! In dem Präsidium des Abgeordnetenhauses hat jetzt das Centrnm den ihm gebührenden Platz eingenommen, und bie Liberalen schneiden Gesichter, als wenn sie bittere Mebicin einge- hervor: „Sie haben mich orbentlich erschreckt! Wie aufregend ist bas alles! Schießwaffen, wegen eines lumpigen Briefes? Herr Anwalt, wo bleibt unsere Frennbschaft, wo bleiben unsere Grunbsätze? Die meisten Streitigkeiten beruhen auf Mißverstänbniffen, sagt Goethe, so auch bie unsrige. Hören Sie mich: Ich bin ber Schulbige! Der einzig Schulbige! unb doch roieber bin ich unschuldig." Er hatte nun wirklich bie Verwegenheit, bas Märchen aufzutischen, welches vorhin Amalie als zweckwibrig verworfen hatte.
Der Anwalt hörte ruhig zu, richtete aber scharf ben Blick auf ben Entlarvten. Nach Beenbignng ber unerquicklichen Expectoration trat ber Belogene näher; bie Zornesaber auf seiner Stirne schwoll unb Hager mit ben Blicken fast durchbohrend sagte er: „Zu welcher Zeit waren Sie gestern im Marl'schen Hause?"
„Mittags zwischen 3 unb 4 Uhr."
„So ist's gut", fuhr Franke seiner Entrüstung freien Lauf lassenb heraus; „Sie haben sich jetzt selbst bie Schlinge um ben Hals geworfen. Halten Sie mich für wahnsinnig? Solch abgefeimte Lügen wagen Sie mir aufzutischen? In einem Augenblicke, wo Sie aus Erbarmen mit mir unb vor Allem mit Ihnen selbst bie volle Wahrheit bekennen sollten, treten Sie mir voll unb
nommen hätten. „Heute rott), morgen tobt" singt Hauff.
Die auslänbischen Strandgüter sind ebenso reichhaltig wie bunt. In Dalmatien und der Herzegowina haben sich die „Räuber" endlich in Aufständische verwandelt, und Oesterreich legt bie Haub an's Schwert, um nicht zum Gespülte zu werben. Das „Bischen Herzegowina" hat schon einmal eine große Rolle gespielt, unb jetzt, ba fvembe Einflüsse in russischem Pelzkragen dahinterstochern unb ber Panslawismus Oel in's Feuer gießt, könnte es noch einmal aus- flackern. So rasch wie ber Polizeipräsident von Wien sind bie Aufständischen aber nicht abgethan. — In Italien speien die Radicalen Gift und Galle, weil ein französischer Geniestreich ihnen sechs liberale Zeitungen fortescamotirt hat'; die Einen wittern Gambetta, die Andern „Ultramontane" dahinter; die Adern unterbunden zu bekommen, soll allerdings fein angenehmes Gefühl sein, in der Regel tritt daun Ohnmacht ein. - In Tunis wurde Tayeb, der Bruder des Bey verhaftet, angeblich als Verschwörer, thatsächlich als Opfer des famofm Roustan. Derlei Ein-, Miß- unb liebergriffe foffen Übrigens nicht eine außschließliche berechtigte Eigenthümlichkeit auf afrikanischem Boden fein, sondern auch in eivilisirten Gegenden vorkommen. Eins hat Tunis sogar vor europäischen Ländern und Städten voraus: dort brüllen ivirkliche Löwen und in Berlin z. B. sogenannte. In Griwe, der Vorstadt von Dünaburg, brüllen und toben die R u s- fen gegen die Deutschen, denn selbst die albernste Dummheit genügt den Deutschen ganz als herzloser Schurke entgegen? O Sie Verworfener!"
Hierauf gab er dem Sprachlos gewordenen einen gelinden Stoß, daß derselbe in's Sopha zurücktaumelte. Der Anwalt schritt der Thüre zu.
Aber mit einer Behendigkeit, die kaum zu erwarten gewesen, vertrat ihm Hager den Weg: Gleich einem Schiffbrüchigen, welcher nach ber letzten Planke greift, rief er mit verzweifeltem Muthe: „Den Titel, Schurke weife ich mit Entrüstung zurück. Ich habe Wahrheit gerebet unb erbringe ben Beweis: Amalie ist im Naturalien- Cabinet. Sie wirb meine Aussage Wort für Wort bestätigen.
Der Anwalt stutzte und kehrte um. Hager riß bie Thüre bes 'Nebenzimmers auf unb ber folgende Moment war ein Moment des Entsetzens. Amalie stand hoch aufgerichtet, mit aufgelösten Haaren im geöffneten Fenster. Ihre Augen rollten wilb unb blitzten unheilverkündend. „Laß Dich nicht täuschen! ich habe ben Brief geschrieben; ich bin das Unheil Deines Lebens; fliehe! Deine Nähe tobtet mich; meine Schande bringt mich zur Verzweiflung!"
Als Franke einen Schritt vorwärts in's Cabinet that, ließ sie das Fensterkreuz los; es erfolgte ein leichter Sprung, ein schwerer