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O Die Interpellation des Abg. Hertling

hat jüngst im Reichstage und außerhalb des- selbeu wieder den Blick auf die brennende sociale Frage hingelenkt. Durch die an Geist und schlagenden Momenten reiche Rede des genannten Abg. und durch die Debatte, die sich an dieselbe anschloß, wurde von Neuem auch der wichtige Satz berührt, daß höherer Lohn und verminderte Arbeitszeit — wie sie das Centrum will — nicht bloß im Interesse des Arbeiters liegen, sondern in gleich hohem Maße im Interesse des Arbeitgebers. Der bekannte Socialschriftsteller Lugo Brentano hat in seiner 1876 erschienenen interessanten Schrift: „Ueber das Verhältnis; von Arbeitslohn und Arbeitszeit zur Arbeitsleistung" nachdrücklich den Beweis erbracht, daß höhere Löhne und auf ein vernünftiges Maaß verminderte Ar­beitszeit größere Leistungen zur Folge haben, als niedriger Lohn und über Gebühr aus­gedehnte Arbeitszeit. Bereits A. Smiths, der Vater des Manchesterthums, hat gelehrt; „ein hoher Arbeitslohn vermehrt den Fleiß der großen Masse." Der Arbeitslohn ist das Reizmittel des Fleißes, und wie jede andere menschliche Eigenschaft wird der Fleiß größer, je mehr Reizmittel ihn antreiben. Reichliche Nahrung vermehrt die körperliche Kraft des Arbeiters, und die tröstliche Hoff­nung, seine Lage zu bessern und seine Tage vielleicht in Behagen beschließen zu können, bewegt ihn, seine Kraft aufs Aeußerste an­zustrengen. Daher die Erscheinung, daß allenthalben, wo der Lohn hoch ist, die Ar­beiter thätiger, fleißiger, anstelliger sind als

da, wo er niedrig ist, was z. B. mehr in England als in Schottland, mehr in der Nähe großer industrieller Städte als in ent­fernten ländlichen Orten der Fall ist.

Allerdings gibt es Arbeiter, welche einen auch zwei Tage in der Woche „verbummeln", wenn sie in den übrigen Tagen soviel ver­dienen, daß sie leben können; das ist aber doch nur die Ausnahme. In der Regel überarbeiten sich die Arbeiter, wenn sie nach dem „Stück" gelohnt werden, bis zum Ruin ihrer Gesundheit. In der übermäßigen An­strengung dürfte auch der Hauptgrund zu suchen sein, warum die Arbeiter hin und wieder feiern. Die Ansicht A. Smith s wird von allen bedeutenden Nationalökonomen getheilt und ist durch die umfassendsten Beob­achtungen bestätigt worden. Die berühmten Eisenbahnbauer und Maschinenfabricanten Brassey, Vater nnd Sohn, haben bei ihren Unternehmungen in fast allen Theilen der Welt die Erfahrung gemacht, daß trotz der Verschiedenheit der Löhne der Preis der Arbeit allenthalben fast ausnahmslos der-. 'selbe war, daß älio für dieselbe Lumme Geldes dasselbe Quantum Arbeit geleistet wurde, daß hohe Löhne und große Leistungen immer Hand in Hand gingen, während bei niedrigerem Lohne auch die Leistungen er­heblich geringer waren. Insbesondere zeigt die 44jährige — von 1830 bis 1874 — Erfahrung eines der ersten Vergwerksdistricte der Welt, desjenigen nämlich von Lüttich, die größte Leistung der Arbeiter bei außer­ordentlich hohem Lohn. Ebenso zeigten die Lohnsteigerungen des Jahres 1872 in den Bergwerken Preußens, Belgiens und Oester­

reichs größere Arbeiterleistungen in Folge höherer Löhne, ja die colossale Mehrpro- duction des Jahres 1872 auf allen Gebieten der Industrie, dürfte in ihrem letzten Grunde auf eine durch Lohnsteigerung erzielte Stei­gerung der Durchschnittsleistung der Arbeiter zurückzuführen fein. Denn da diese Mehr- production wegen technischen Veränderungen resp. Vervollkommungen, noch einer Ver­mehrung der Arbeiterzahl zugeschrieben wer­den kann, so bleibt als einziger Erklärungs­grund die Steigerung der Durchschnittsar­beit der Arbeiter übrig.

Durch welches andere Mittel nun sollen die Arbeitgeber in Ländern mit freier Ar­beit diese Wirkung erzielen können, als durch das Reizmittel der höheren Löhne? Schon der gesnude Menschenverstand sagt, daß ohne Ausnahme jede Steigerung der Production auf- allen Wirtschaftsgebieten, die weder durch technische Veränderungen noch durch Vermehrung der Arbeiterzahl hervorgerufen ist, nothwendig eine Lolmsteigerung zur llr- sack^. babw .muß. Mau könnte zwar ein» wenden, daß die Mehrproduction eine Folge der verlängerten Arbeitszeit sei; allein dann würde man in Widerspruch treten mit der von tüchtigen Nationalökonomen festgestellten Thatsache, daß die Arbeiter der Nationen mit kürzerer Arbeitszeit mehr leisten, als die Arbeiter derjenigen mit mehr Arbeits­stunden, und daß innerhalb derselben Nation Arbeiter mit regelmäßig kürzerem Arbeits­tag die regelmäßig länger Arbeitenden über­treffen. Man hat zudem allenhalben die Beobachtung gemacht, daß eine angemessene Erhöhung des Lohnes und eine angemessene

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Eine Pfingstfeier.

Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkainpfes in der Schweiz. Von B. K. • (Fortsetzung.)

Der zweite Theil der Schrift sollte noch schwerwiegender sein. 1. die Kirche als Wider­sacherin der freien Forschung und ihre lieber» wältigung durch die Naturwissenschaft. 2. Galiläi und das Thal Askalon.

Inmitten seines Grübelns wurde Hager vom Dienstmädchen zum Kaffee gerufen. Mit sichtlichem Wohlbehagen schlürfte er seinen Qeblingstrank. Seine harten, abschreckenden Gesichtszuge waren von einer freudigen Stimmung gemildert. Warum sollte er auch Mit fröhlich fein? Glich er doch einem Seefahrer, der sich auf ein durch Sandbänke, Klippen und Orcane gefährdetes Meer ge» ivagt und endlich das langersehnte Land vor nch erblickt. Hagers Jugendtraum, ein reicher -viann zu werden, war der Verwirklichung nahe. Die Verbindung mit Wittwe Marl Mrantirte ihm ein Vermögen von vielen pausenden. , Aber, es war wahrhaftig auch em Kinderspiel gewesen, diesem goldenen, Ziele nahe zu rücken. Manches Opfer der w l . hatte gebracht, mancher verlockende ? ottheil verschmäht, das Glück des Anwaltes n Trümmer geschlagen werden müffen; — '

die Rolle des Heuchlers, des Scheinheiligen, des Demüthigen, des Schmeichlers, des Ge­lehrten, des Humoristen waren abwechselnd zu spielen gewesen, aber jetzt war alles überwunden: Selbst das tückische Schicksal hatte nach menschlicher Berechnung keine Macht mehr, störend einzugreifen. Alles ist mit Vernunft angelegt, ausgeführt und muß consequent auch vernünftig enden. Binnen Jahresfrist trägt vielleicht ein pompöses Bauwerk in einer der lieblichsten Gegenden des Rheins die Aufschrift: Villa Hager, und im Innern desselben wird ein Schlaraffen­leben geführt, welches selbst einem Lncullus den Neid zu wecken vermöchte.

So dachte Hager, that den letzten Zug aus der Taffe und erhob sich. Ein Blick durchs Fenster lenkte seine Aufmerksamkeit auf eine dem Hause zueilende tiefverhüllte Frauengestalt. Er drückte die Brille auf die Nase und erkannte Amalie. Gerne hätte er sich in andere Kleider geworfen, aber es war zu spät. In der Hast hatte er einige Knöpfe des Schlafrockes aufgerissen, welche er eiligst wieder in Ordnung brachte. Wäh­rend er noch damit beschäftigt war, klopfte die Unerwartete an und trat in's Zimmer. Ihre Augen waren groß und unruhig, ihr Gesicht bleich und ihr ganzes Wesen in fieber­hafter Erregtheit.

„Retten Sie mich! ich bin verloren!" rief sie dem Dr. entgegen, „ich bin verloren! Das Schrecklichste ist geschehen, was nur geschehen konnte!" Sie sagte dies mit einem Gesichtsausdrucke, wie man ihn auf Schlacht­gemälden oder Schiffbruchbildern häufig wahrnehmen kann.

Hierauf erzählte sie umständlich den Vor­fall mit dem Briefe, Hager wurde fassungs­los ; fein Geist schien plötzlich aus den Fugen zu gehen. Er schüttelte mit dem Kopfe» erklärte die Sache für höchst fatal, machte der Unglücklichen Vorwürfe wegen ihres Leichtsinns und begann endlich mit dem Ausdenken eines Rettungsplanes.

Amalie sprach keine Silbe, regungslos und niedergebeugt saß sie im Lehnstuhle und hatte sich in ihr Sh mal vermummt, als ob sie sich vor Kälte zu schützen suche.

Hager ließ von Zeit zu Zeit Aeußerungen vernehmen wie: „Eine verwünschte Ge­schichte, — der ganze Kram verpfuscht, — furchtbare Blamage, — nichts zu ändern!" Nach längerer Pause fuhr er plötzlich kerzen­gerade in die Höhe, schnalzte mit dem Finger und rief: „Topp! Fräulein, Muth! ich hab's gesunden!"

Amalie schrack empor: „Unmöglich! O ich Selige, wenn Sie dieses Verhängnis; von mir abzulenken vermöchten. Meine Seele