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Mittwoch, den 25. Januar 1882
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-i- Die preußischer» Conservativen. J.
Unter dem Worte „Conservativen" haben wir eine Classe ehrenhafter Männer uns vorgestellt, deren wesentlicher Charakter in der Achtung vor dem Rechte, in der Erhaltung desselben besteht. Wir haben geglaubt, ihr Name koinnie nicht davon her, daß sie verrostete Zustände erhalten, conserviren wollen, sondern daß sie einfachhin das Recht, Verträge, Friedensschlüsse, Concordate in Ehren halten. Wir haben geglaubt, daß sie nicht mit einer äußeren, fadenscheinigen Legalität sich begnügen könnten, sondern vor Allem fragten, ob ein Ding vor Gott unb den Menschen gut, billig und recht sei. Wir haben Männer darunter verstanden, die nicht im Staate die Quelle alles Rechtes erkännten, sondern eine unverletzliche Norm auch für die Gesetzgebung der Staaten anerkännten. Darum wären fwir begierig, zu vernehmen, wie die Conservativen in Preußen die Maigesetze, nebst allem was darum und daran hängt, vertheidigen, erhalten und schätzen können, ohne-mit sich selbst, mit ihrem Namen und ihren Grundsätzen in offenen Widerspruch zu gerathen. Wir begreifen nämlich nicht, wie diese Gesetze mit den preußischen Verträgen und den dadurch verbrieften Rechten der Katholiken zu vereinen sind. Es ist zwar im Landtag von Seiten des Centruins oft auf diese Verträge hingewiesen und vor tauben Ohren gepredigt worden, dennoch ist es gut, oft und wiederholt an das zu erinnern, ivas man uns Katholiken versprochen hat, und dem Volke die Bedingungen ins Bewußtsein
zu bringen, unter denen wir in den preußischen Staatsverband getreten sind, dainals als man noch nicht das offene Geständniß wagte, der Staat könne frischweg über alle diese Verträge wegschreiten.
Alle Katholiken Preußens haben bei ihrem Eintritt in die Monarchie die Rechte ihrer Kirche durch Verträge gewährleistet und verbürgt erhalten. Gegenseitige Versprechen sind aber heilig zu halten; Staaten können nicht davon entbunden sein, mögen sie auch des bequemen Mittels sich bedienen, die Verträge durch Gesetze einseitig aufzuheben.
Der Raum dieses Blattes gestattet es uns nicht, all' die Manifeste hier vorzuführen, welche die preußischen Herrscher erlassen, all' die Religionsrecesse aufzuzählen, welche sie errichtet haben, seitdem Kur- brandenburg im Laufe der Zeit die verschiedenen Laudestheile des jetzigen preußischen Staates sich angegliedert hat. Wir wollen au der Hand der ,Laacher Stimmen' nur einige dieser Verträge und Recesse zum -GegMstande. unserer .Besprechung macbLii.
Als der Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg und Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg die jülich- cleve'schen Länder 1609 jn Besitz nahmen versprachen diese beiden „possedirenden" Fürsten in dem Reservate vom 14. Juni 1609 zil Gunsten der Katholiken: „die katholische römische, wie auch andere christliche Religionen an einem jeden Orte in öffentlichem Gebrauch und Uebung zu con- tiuuiren, zu manuteuiren (dauernd zu erhalten) und zuzulassen und darüber Niemand
in seinem Gewissen zu perturbiren (stören) zu molestiren (belästigen) noch zu betrüben." Wie wurde nun dieses ausdrückliche Versprechen gehalten? Es soll uns hier genügen, nur das Edict des großen Kurfürsten vom 7. Sept. 1661 zu erwähnen, worin er verfügt: „Niemanden anders als Uns in geistlichen Sachen vor ihren Oberherrn und Ordinario zu erkennen. - Diejenigen, welche fremde Decrete (also des Papstes oder des Diöcesan- bischofs) insinuiren (behändigen) oder publi- ciren (veröffentlichen), sollen gewärtig sein, daß sie allsofort als Rebellen mit Stockung in den Säcken und Werfuug auf das Wasser, anderen zum abscheuliche» Exempel beleget und aus dem Wege geräumt werden sollen."
Bei der ersten Theilung Polens 1772 nahm Preußen in seinen Besitz Westpreußen und den Netzedistrict. Schon in dem darauf bezüglichen Besitzergreifungspatent vom 13. Sept. 1772 war folgende Zusicherung erhalten :
„Dagegen Wir auch geneigt und fest entschlossen sind, auch hiermit versichere sie (die Stände und Einwohner der occu- pirten Landschaften) samml und sonders tei ihren Besitzungen und Rechten, int Geistlichen und Weltlichen zu schützen und zu handhaben."
Am 2. Nov. 1772 erschien dagegen die Cabinetsordre, welche die Einziehung der geistlichen Güter zum Staatsvermögeu verfügte, „damit die Geistlichkeit durch deren Bewirthschaftung nicht distrahirt (zerstreut) und an ihren geistlichen Verrichtungen um so weniger behindert werden möchte," u. welche der Geistlichkeit nur denjenigen Theil des Reiner-
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Eine Pfingstfeier.
Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.
(Fortsetzung.)
VI IT.
Jiii^Marl'schen Hause wurde der Anwalt mit ^Sehnsucht erwartet, denn heute sollte der Tag der Verbindung endgiltig festgestellt werden. Amalie fuhr häufig ungeduldig von ihrem Schreibtische auf, eilte dato SU diesem, bald zu jenem Fenster, durchblickte die Straße, so weit ihr Auge reichte, aber vergebens; er kam nicht. Zur Ansicht gelangt, daß weiteres Harren nutzlos sei, mtschloß man. sich zu einem Spaziergange. Bei einbrccheisd<r Dunkelheit erschien der 9iMkrtetC‘ '?as. Dienstmädchen machte ihm Meldung, daß die Herrschaften ausgegangen leien, aber bald wieder zurückkommen wür- en. franke begab sich, wie er schon seit ^"Lerer Zeit zu thuen gewohnt war, direct Zimmer. Das Dienstmädchen chte Licht und Franke suchte auf dem qS»ut einigen Salonstücken sich die verkürzen. Des Musicirens müde, einia-n er Bücherschrank, blätterte in ba >s»»^^ichen Werken herum, und ivollte, ... ^Eleiben der Spaziergänger
3 0 wahrte, sich wieder entfernen. Ein
Blick auf den Schreibtisch zeigte ihm einen Bries von der Hand Amaliens, welcher noch der Namensunterschrift entbehrte. Weil er der Ansicht war, daß zwifchen ihr und ihm kein Geheimniß mehr bestehen dürfe, hob er den crystallenen Briefbeschwerer hinweg und las Folgendes:
Theuere Augusta!
Ich bin die Glücklichste der Sterblichen. Waren meine früheren Briefe immer eine große, ungenießbare Klage, so werden Dich vc» jetzt an alle zukünftigen durch eine über- sprudelnde Heiterkeit vollständig entschädigen. Ich habe ihn, den so heißgeliebten Robert, er ist mein für ewig. Du staunst, hältst es kaum für möglich und doch ist es volle Wahrheit. Mit Klugheit und Ausdauer lassen sich Berge versetzen. Fest wie ein Fels saß er in seinem Glücke und wie Dir bekannt ist, war ich nahe daran, mein Spiel verloren zu geben; aber meine Mutter richtete mich auf, verband sich mit Dr. Hager, einem mehrjährigen Freund und Berather Roberts und so vollführten wir vereint einen wohldurchdachten Eroberungsplan. Schritt für Schritt wurde vorgegangen; wir machten unser Haus zum Concen- trirungspunct der Intelligenz. Anfangs hielt es schwer, dem Anwalt dauerndes Jntereffe für unsere vorgegebenen wissenschaftlichen
Bestrebungen einzustößen. Aber Dank der Gelehrsamkeit und klugen Umsicht des Dr. Hager! Dieser griff Franke's religiösen Grundsätze, welche für mich ein Haupthin- derniß waren, erst mit Vorsicht, dann freier und immer rückhaltloser an und erlangte durch fortgesetztes Bombardement das erwünschte Resultat. Unsere Arbeit wurde noch dadurch begünstigt, daß Robert's Frau, welche ich von jeher mehr als alle Bosheit der Welt gehaßt habe, ihm in echt apostolischem Glaubenseifer die bei uns empfangenen Ideen auszureden bestrebt war, und ihn durch fortgesetztes Lamento zur Abneigung reizte. Geringschätzende Urtheile, welche auf unser Betreiben gegen die Verhaßte an maßgebenden Stellen angebracht wurden, verfehlten ihre Wirkung nicht; Robert gelangte zum Slandpuncte vollständiger Gleichgiltigkeit, ja Abneigung gegen meine Feindin und jetzt bin ich meines Sieges gewiß. Er haßt sie und ich erlangte das, wonach ich schon vor seiner Verheirathung gerungen; seine heißesten Liebesschwüre liegen in meiner Hand. Nicht zum zweiten Male wird er mir entschlüpfen. Wie die wilde Rebe sich um die Eiche rankt, so halte ich ihn von nun an mit allen Kräften umklammert und wähle lieber Tod als Trennung. Ganz und gar habe ich mich der Besorgniß entschlagen,