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Sonnabend, den 21. Januar 1882.
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Politische Streifzüge.
(Itachdruck verboten.)
Die Politik zerfällt in eine innere und eine äußere. Diese Eintheilung wäre an sich so übel nicht, — denn jede Familie hat ja schon innere nnd äußere Angelegenheiten, — wenn nicht die Leute, die den Beruf und die Pflicht haben, in Politik zu „machen," darauf erpicht wären, Aeußeres ins Innere zu bringen, und wenn nicht diese Einschmuggelungsprincipien die Achse der ganzen politischen Kunst wären. Zuerst wird diese Achse mit Noten geschmiert, dann mit Pulver, und dann — nun, dann sieht man, wie's geht. Als anno 70 die Franzosen ä Berlin spazieren wollten, fiel Elsaß-Lothringen, das uns veräußert worden, in die innere deutsche Politik zurück, und wenn die Russen es nicht fertig brachten, das goldene Horn in die innere Politik des Czarenreiches hineinzuziehen und auf diesem Horn dem Mittelmeer den Marsch zu blasen, so ist dies wahrlich nicht Rußlands Schuld. Die Türkei ist der viehbegehrte Braten, der, trotzdem oder weil er schon arg ist Fäulükß übergegangen ist, den Diplomaten immer wieder Gelegenheit bietet, ihre Kunst, Aeußeres in's Innere hinein zu escamotiren, an den Tag zu legen. Männer, die Feuer essen und Schwerter verschlingen, sind Stümper gegen jene Langfingerkünstler in England und Frankreich, die ganz Egypten mitsammt dem Nil, seinen Krokodilen und seinen faulen Fischen verschlingen wollen; die Suppe ist zwar heiß, aber wie die Musiker nach Noten / so blasen diese Länderverschlinger
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Eine Pfingstfeier.
Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.
(Forlptzung.)
Diese Wendung war unwillkommen. Friederike versuchte wiederholt auszuweichen, aber die Freundin war unerbittlich.
„Die Stadt spricht nicht gut vom geschlossenen Cirkel ini Marl'schen Hause; ich rathe Dir ganz dringend, auf Mittel zu sinnen, wodurch der Anwalt von dort fern gehalten wird. Siehe Fnederike, Du bist zu gut; ich an Deiner Stelle müßte um jeden Preis volle Klarheit über den Umgang meines Mannes haben."
Die arme Gepeinigte wußte nur zu gut, wo die Schmiede war, in welcher die Pfiile zu ihrem Verderben bereitet wurden, — wußte daß dort ihren Gatten eine Schlange umstrickte und ihn Laokon ähnlich machte; aber sie schwieg.
Nach minutenlanger Pause fuhr Ottilie weiter: „Wenn Du von mir einen guten Rath anzunehmen gesonnen bist, so versuche eine Annäherung an Amalie. Ich kann Vermittlerin sein, durch eine intime Freundin derselben. Erfordert wird hier allerdings ein Wagniß, das keineswegs Kinderspiel ist, aber die Hoffnung auf Erfolg macht es
mit Noten. Aber da kommt der böse Sultan und schreibt: „Hand davon; ich bin noch Herr im Lande der Pharaonen und Pyramiden; wer von Egypten was will, hat sich an mich zu wenden und mit mir zu thun!" Dieser Brief soll auf einer aus Deutschland, Oesterreich und Italien bezogenen Unterlage geschrieben und auch copirt worden sein. Darauf lange Gesichter, Husten und Schnupfen in London und Paris, — aber was Cambyses, der Perserkönig, ohne Kanonen konnte, sollte das Gladstone nicht mit Kanonen können? Gibraltar — Malta — Suez — Indien — welch' gerade und schöne Perspective ! Den gefälligen Franzosen gibt man allenfalls Tripolis — denn an Egypten darf nur England rühren! — und dann haben beide Länder Aeußeres in's Innere gezogen, d. h. Politik getrieben. Und was die Wcstmächte in Afrika aufführen, sollte das O e st e rr ei ch nicht in halbtürkischen Raubstaaten fertig bringen, die sich so recht trotzig und unbequem zwischen den Halbmond und den habsburgischen Adler einschiebm? Der Aufstand in Süd-Dalmatien bietet ja eine so-qrrächtige Gelegenheit, statt 7000 etwa 20,000 Mann nach dem Süden zu schicken und dann, wenn die Mailüft'l wehen, den Lappen Bosnien- Herzegowina zu annectiren! Immer das Aeußere ins Innere herein, das ist Politik, und wozu wäre die Türkei da, wenn sie nicht beschnitten werden sollte! Still, kranker Mann, wenn Arnie und Beine amputirt sind, dann kommt auch das Herz dran, — in Europa gibt's sehr feine Politiker, und die meisten sind vom Stamme „Nimm."
verlockend. Du rückst dem räthselhaften Kreise näher und machst Erfahrungen. Findest Du die demselben nachgeredeten Verdächtigungen als begründet, so kannst Du, vou Belegen unterstützt mit Entschiedenheit handeln."
Diese Worte ermuthigten Friederike. Ja, Klarheit muß sie haben, vollständige Klarheit ; aber keineswegs ließ sie diesen Vorsatz in Worten laut werden. Vielmehr versuchte sie ihren Gatten im Mantel der Unschuld darzustellen und ihn ihres vollen Zutrauens als vollständig würdig zu erklären.
Am Heimwege gab Ottilie der Freundin eine Strecke das Geleite. Als beide an den neuen Anlagen vorüberschritten, trat der Anwalt aus dem Justizgebäude. Er strich seinen Bart und stieg nachdenkend die breite Perron-Treppe hernieder. Der erste Blick in der Richtung nach den Anlagen war bei ihm von wahrhaft electrischer Wirkung. Hoch aufgerichtet, jede Muskel straff, schaute er einige Augenblicke den in eifriger Unterhaltung begriffenen Frauen nach. „Ha;" rief es in seinem Inneren, „meine Ahnung hat sich bewahrheitet: Sie hat mich verrathen; so mag denn die letzte Rücksicht fallen." Hastig schritt er den Anlagen zu, ging eine Weile unmittelbar hinter beiden her und als Ottilie sich zufällig umwandte, schritt er mit kaltem Gruß und scharfer Haltung,
Gambetta, dem der Refrain „Vor Tunis nichts Neues" auf die Tauer langweilig werden könnte, möchte auch gar zu gern Aeußeres ins Innere verweben, — so etwa ein Stück Deutschland bis an den Rhein — . allein er weiß am besten, daß Schwätzen und Handeln zwei verschiedene Dinge sind, und begnügt sich deshalb einstweilen mit der in- nern Politik — die Lappalie Tunis spielt bei ihm keine Rolle, höchstens eine Goldrolle — und deshalb möchte er die Republik mit Listenwahl und Verfassungsrevision sich als gezähmten Tiger zu Füßen legen. Daß die Senatorenwahl am 8. d. laut genug dem republikanischen Charakter des Landes betont und eine Revision überflüssig gemacht hat, erkennt er schon deshalb nicht an, weil er überhaupt Nichts anerkennt als seinen Willen. Aber neben dem stolzen Dictatur- Capitol Gambetta's steht der tarpejische Fels der Revolution, und von der Macht bis zur Ohnmacht ist oft nur ein Schritt. Ich hätte noch Respect vor dem Prahler von Lahors, ivcnn er nicht ^die lebendige Copir- maschine Bismarck's wäre; nicht blos die Eabinetsfrage hat er seinem Berliner Zuchtmeister abgelauscht, nein, er droht und — * er ist und bleibt! Einen Grad von Originalität könnte man ihm wenigstens zusprechen, wenn er die Eabinetsfrage stellte und — ging. Aber wer Rosinen gekostet, ißt nicht gern mehr saure Trauben. Hat Gambetta erst seine Leute placirt, grüne Regierungsräthe, flache Laudräthe rc., dann wird das Weitere sich schon finden.
Während nun in Frankreich der repu- blikanisch-commnnistische Weizen blüht, ge- ohne ein weiteres Wort zu verlieren, oder die Damen eines jBlickes zu würdigen, vorüber. Friederike war todtenblaß geworden. Mit bebender Hand nahm sie von der Freundin, die vor Erstaunen keine Worte finden konnte, Abschied und wankte einer Halbohnmächtigen gleich, von dannen.
VII.
Nach Verlauf von wenigen Wochen waren die Verkehrungen zur Scheidung getroffen. Der Anwalt kam jseltener nach Hause und begegnete er dann zufällig seiner Gattin, so hatte er für selbige nur eine kurze kalte Begrüßung. Die arme Frau litt unaussprechlich. Sie suchte Trost im Gebet; auch der Gedanke, schuldlos au diesem Unglücke zu sein; verlieh ihr Kraft zum Dulden. Nur Eines erfüllte sie bitterer Reue. Noch am Abende desselben Tages, an welchem sie den Vorsatz gefaßt, Klarheit über den Umgang Franke's zu ermitteln, hatte sie Gelegenheit gesucht und gefunden, eine vertrauliche Prom- meuade ihres Gatten mit Amalie zu belauschen. Alle ihr hier zu Ohren gekommenen Worte hatten sich tief, gleich spitzen scharfen Dornen ihr in's Herz gebohrt und marterten sie zu jeder Stunde:" „Sie belauert einer Katze gleich, jeden meiner Schritte; mehr und mehr kommt bei mir die Ansicht zum Durchbrn b, ■ daß der räthsekhafte Alte ein von ihr dirigirter