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Mittwoch, den 18. Januar 1882.

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-h- Die französische Expedition nach Tunis.

I.

Man braucht die „Enthüllungen" über die Ursachen des Unternehmens in Tunis, welche jetzt von allen Seiten geliefert werden, gerade nicht alle für wirklich erwiesen anzu­sehen. Unzweifelhaft aber ist, daß großar­tige Börsengeschäfte dabei im Spiele sind. Tunis hat sich erst seit 1859 eine Staats­schuld angeschafft, welche jetzt auf mehr als 200 Millionen angewachsen sein soll. Daß der Bey dafür, wenn es hoch kommt, 60 bis 70 Millionen in die Hände bekoinmen hat, ist für jeden außer Zweifel, ivelcher sich erinnert, wie die Anleihen mit den außer­europäischen, besonders den Barbaren-Staaten abgeschlossen werden. Dabei sind Zinsen bis zehn Procent das Gewöhnlichste, sodaß der Schuldner binnen 8 bis 10 Jahren ge­wöhnlich mehr an Zinsen zahlt, als er Capital erhalten hat. Zahlt er nur einige Jahre weiter, dann hat schon der Gläubiger ein schönes Geschäft gemacht. Da nun Tunis die Zinsen thätsächlich bis 1867 entrichtet hat, dürften die Gläubiger wenigstens gedeckt sein. Verloren an diesem Papier haben nur die Vertrauensseligen, welche sich durch die hohen Zinsen verführen ließen, ihre Ersparnisse darin anzulegen, als die Papiere am höchsten standen, aber sie verkaufen niußten, als sie fast werthlos geworden waren. Schon vor dem letzten Krieg wurden diese wegen Einstellung der Zinszahlung werthlosen Schuldbriefe von einem Syndicat von Banquiers angekauft,

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Eine Pfingstfeier.

Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.

(Fortsetzung.)

„Nein, Herr Anwalt, das können wir nicht. Hier nachgeben, hieße A sagen, wer A sagt muß auch B sagen und so ginge das Nachgeben für uns weiter, bis zu Z, d. h. soweit, bis der Staat unser pontifex maximus wäre, und wir Priester von Gottes Kirche losgerissen, als Apostel des Unglaubens zur Beschleunigung des Nieder­gangs der Nation einen guten Theil bei­trügen. Wir haben unseren Feinden in die Karten gesehen und wissen nur zu klar, was diese wollen. Uebrigens haben Sie, Herr Anwalt, in wenigen, unzweideutigen Aeußerungen dargethan, meß Geistes Kind Sie sind; daß Sie den Priesterstand nur unter jener Gestalt zu denken gewohnt sind, welche ihm die Verläumdung tut Laufe der Zeit augedichtet hat, ist nicht zu verwundern. Boshafte Zungen und Schriften haben Jahrhunderte lang daran gearbeitet, uns als Concentrirungspunct, als Heimstätte aller Laster an den Pranger zu stellen, ^er Teufel kommt zu Ehren, wird salon- whig und der Priester muß, wie tausende

welche sodann bei der französischen Regier­ung Hilfe suchten. Der Krieg von 1870 zerschlug natürlich ihre Pläne. Das Frank­furt-Pariser Bankhaus Erlanger, welches an der Spitze des Syndicates stand, ver­suchte nachher in Berlin ein Einschreiten gegen Tunis zu bewirken. In Berlin fand man jedoch die Sache nicht gerathen. Unterdessen reussirten in Frankreich die Mil- liardenanleihen über alles Erwarten, es be­reitete sich ein gewaltiger Aufschwung im wirthschaftlicheu Leben vor, an dem nicht Alles faul war. Das Syndicat sah nun ein, daß in Frankreich eher etwas zu machen wäre, besonders da in der republicanischen Regierung Persönlichkeiten einen entscheiden­den Einfluß ausübten, tvelche gierig nach jeder Gelegenheit zur Bereicherung greifen und durch keinerlei Verantwortlichkeit prä- occupirt sind. Hiezu kam noch, daß Frank­reich schon seit langer Zeit Absichten auf Tunis hatte.

Welche Persönlichkeiten an der Sache be- theiligt sind, ist natürlich nicht mit Sicher- heit zu beweisen—.-«-Wir beschränken ttnS auf Wiedergabe der unbestrittenen That- sachen. Vom Jahre 1875 ab bis gegen 1878 beschäftigten sich mehrere Blätter, obenan die ,Republigue frantzaise' außeror­dentlich stark mit Tunis; sie brachten viele und so lange Artikel hierüber, daß dieselben in gar keinem Verhältniffe zur Bedeutung des Landes standen. Aber die ganze Schrei­berei hatte ohne Ausnahme den Einen Zweck: die tunesischen Schuldbriefe als em erzschlech­tes Papier darzustellen. Trotzdem der Bey, auf Vorstellung Englands, Frankreichs und Eurer Schriften und Tagesblätter beweisen, den Geist der Finsterniß repräsentiren. Mancher bekommt schon einen geheimen Schrecken beim Anblick unseres Gewandes. Eure Gebildeten sehen scharf, kennen die Berge des Mondes, die Geheimnisse des Meeres, — die Eingeweide der Infusorien, aber ein treues Priesterherz, ein Herz voll opferwilliger Liebe für die Interessen der Menschheit, für die Sache des Vaterlandes; — das verursacht ihnen Kopfschütteln, -- existirt nicht, — gehört in's Reich der Märchen."

„Der Klerus ein warmes Herz für die Interessen der Menschheit, für die Sache des Vaterlandes, das ist doch das non plus ultra der Ironie! Da fällt mir" fuhr der An­walt fort, „ein passender Vergleich ein; Hirt, aber wahr! Sie kennen vielleicht die Wür­gerpflanze. Mit tausend Armen umklain- mert sie den schönsten Stamm eines Tropen- maldes, — rankt frisch und grün, epheugleich, an ihm empor, so recht ein Bild der Liebe und treuester Hingebung. Der unkundige Beschauer sieht es mit Freuden; Aber o Schrecken; wenige Jahre, — und der stolze kraftstrotzende Baum steht da mit geborstenem Stamm und zerbrochenen Aesten: Er wurde ein Opfer des tückischen Gewächses. Hat das, so herrlich erblühte Vaterland nach

Italiens, einige Sicherheit gewährt hatte, fielen die Papiere auf 125 und 120. Das Syndicat, zu dem auch, nach der Behaupt­ung der Pariser Blätter, der Berliner Bankier Bleichröder gehörte, hatte inzwischen die Papiere angekauft, und jetzt, nachdem Frankreich in Tunis festen Fuß gefaßt, stehen dieselben über 450. Die ,Republique franyaise' aber beschäftigt sich längst nicht mehr mit der Schuld von Tunis.

Das Blatt Gambetta's hatte 1876 mehreremale nacheinander nachgewiesen, daß die Einkünfte des Staates Tunis blos 1,200,000 Fr. betragen und kaum genügen, die jährlichen Bedürfnisse zu decken. Für die Staatsschuld ist durch die sranzösische Besetzung des Landes keine bessere Garantie geschaffen. Eine Ursache für den jetzigen höheren Preis der Schuldbriefe wäre also kaum vorhanden. Aber es verlautet schon, daß Frankreich die Verwaltung des Landes ganz in die Hände nehmen, sich einige Stücke abtreten lassen und dafür die Regel­ung der Staatsschuld besorgen wolle. Die Schuld soll auf französische Rechnung über­nommen und durch ein von Frankreich ver­bürgtes Anlehcn umgewandelt werden. Schon bei dem Landen in Tunis wurde ein italienisches Gläubiger-Syndicat, welches für 25 Millionen tunesische Schuldbriefe besaß, vollauf von Frankreich entschädigt, damit man in Paris allein das Recht behalte, sich in die Finanzangelegenheiten des Bey einzu- mischen. Da man Italiener schadlos ge­halten, wird man den französischen Gläubigern nicht weniger bieten dürfen.

beit täglich sich mehrenden Erfahrungen nicht ähnliche Würgerpflanzen in Euch?"

„Ihre Sprache ist human; so recht außer­gewöhnlich menschenfreundlich", entgegnete der Pfarrer ironisch, „zum Glücke sind wir an dergleichen Liebenswürdigkeiten gewöhnt. Aber zur Sache: Kann Ihr Gleichniß nicht mit weit größerer Befugnis; von der Kirche auf deren Verfolger bezogen werden? Wenn Sie der Wahrheit das Wort zu reden ge­sonnen sind und der Geschichte glauben, müssen Sie dies zugeben. Leider lehrt die Erfahrung, daß man sich auf Eurer Seite so ziemlich daran gewöhnt hat, der befferen Einsicht die Zustimmung zu versagen. Die Fabel vom Wolfe und vom Lannn charak- terisirt am treffendsten die Stellung des Unglaubens gegenüber dec Kirche. Die Kirche ist dein Unglauben ein Hinderniß in seiner unersättlichen Sucht nach Weltlust, weshalb er Sie um jeden Pieis aus dem Wege räumen möchte. Der Zukunft gegenüber will er aber keineswegs als Raubthier gelten; seine schwarzen Absichten versieht er sogar mit der Etikette: „Für das Wohl der Menschheit" und ringt mit ihnen nach den Lorbeeren des Ruhms. Ilm nun sein Opfer unter dem Deckuiantel des Rechtes angreife n zu können, muß er die Mutter des Heils erst zur Verbrecherin stempeln. Dieses ge-