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e- Der Systemwechsel in Oesterreich.

Nichts ist leichter als den Fürsten und Rath­gebern der Monarchen, je nach dem Erfolg oder Mißerfolg ihrer Rathschläge und Handlungen Lob oder Tadel auszusprechen. Beide sehen sich oft genöthigt anderen als ihren eigenen Ueberzeugungen zu gehorchen und Wege ein­zuschlagen, die nicht die ihrigen wären. So darf man gegen die Dynastie Habsburg ge­wiß nicht die Anklage erheben, daß sie die mit dem Grundwesen des österreichischen Staates unverträgliche Verfassung gewollt habe. Ganz im Gegentheil führte Metternich unter den Kaisern Franz und Ferdinand nahezu ein halbes Jahrhundert den erbittertsten Krieg mit dem Liberalismus. Als aber die Sturm- fluth des Februars 1848 alle Dämme über­stiegen hatte, war es eine der ersten Brand­ungswellen, welche den obersten Haus-, Hof- und Staatskanzler lautlos hinmegspülte. Nun ließen sich die gesunden Gliedmaßen Oesterreichs nicht länger den orthopädischen Experimenten der aufdringlichen Aerzte ent­ziehen, Kaiser Ferdinand ivilligte nach kurzer Neberlegung iu die Operation und Oester­reich-Ungarn ivurde mit einer nagelneuen Verfassung beglückt. Die zehntausendköpfige Intelligenz Oesterreichs hatte es nicht anders gewollt und den vielen Millionen erübrigte nichts als sich ruhig beglücken zu lassen. Und was hätte der grundgütige Monarch thun sollen? Gewalt mit Gewalt zu ver­treiben? Wäre es geglückt, den am 13. März entfesselten Sturm zu beschwichtigen, auf wie lange Zeit hätte denn der alters­schwache und gedankenarme Absolutismus vorgehalten? Rein! es war besser, wenn

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Eine Pfirrgstfeier.

Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.

(Fortsetzung.)

Ein bedeutungsvoller Blick des Anwaltes löste ihm das Räthsel. Mit größter Unbe­fangenheit begann er seiner Gewohnheit ge­mäß die Unterhaltung mit einer Beschwerde über das Wetter, prophezeite Ostwind, er­kundigte sich freundlichst nach dem Befinden der kleinen Lilli, freute sich außerordentlich über das gute Aussehen des Kindes, sprach von guten Erntehoffnungen, von Kriegsaus­sichten, von täglich zunehmender Verschlim­merung der socialen Zustände u. s. w. Er schien fast zu sprechen, um bei Friederike die Entwickelung irgend eines Gedankens zu ver­hindern. Während dessen hatte sich der An­walt zum Gange bereit gemacht, welcher von Beiden beabsichtigt ivar. Unter devo­testen Knixen, welche kaum Beachtung fan­den, verabschiedete sich Dr. Hager von der Frau Anwalt, während Robert für sie nur einen kalten, das Geschehene bekräftigenden Blick hatte.

„Wir müssen noch einige Minuten ver­weilen," äußerte Franke am Hausflur. „Mein vertrautester Jugendfreund und Studienge- noffe, Hermann Victor, hat sich vor Kurzem

man nichts Anderes wußte und keine zweck­mäßigere Regierungsform kannte, den Staat dem Liberalismus auszuliefern und sich Blutvergießen, Vorwürfe und schwere Kämpfe in nächster Zukunft zu ersparen. Hätte sich der Hof 1848 mit dem gesammten Libera­lismus überworfen, gegen denselben Krieg führen und sich von englischen und sranzösischen Zeitungen noch Grausamkeit und Unverstand nachsagen lassen sollen? Die Stunde für Halbbildung und Oberflächlichkeit hatte ge­schlagen, wer jemals einen wohlklingenden Vers gemacht oder zu einem politischen Ex- curs Zeit gesunden hatte, hielt sich für be­rechtigt und befähigt, den Staat umzumo­deln und wurde für befähigt gehalten. Und so folgten sich denn die verschiedenen Phasen des liberalen Regiines in Oesterreich. Hält man nun heute über die Handlungen und Werke der liberalen Aera Gericht, so wird man sie keinesfalls felig preisen dürfen. Die Bevölkerung Oesterreichs verfpürt wenig­stens nichts von Seligkeit, und wenn es unter dem liberalen Regime in Oesterreich Glückliche gab, so waren die jüdischen und christlichen Capitalisten, Geld- und Börsen- speculnnten, die gewinnsüchtigen Volksver­treter und ihre Schützlinge, die Lehramts­candidaten und die zahllosen Streber aller Stände und Gesellschaftsstände solche Glück­liche. Der Beweis, ob das constitutionelle System in Oesterreich anwendbar sei, ist, wenn man nicht alle Schuld an dem Miß­erfolg der persönlichen Unzulänglichkeit der Regierungs-Mitglieder aufzuhalsen geneigt ist, erbracht und kann nur im ungünstigen Sinne ausgefallen gelten; wir glauben nicht, als Rechtsanwalt in hiesiger Stadt nieder­gelassen. Selbigen beabsichtige ich heute in unseren Cirkel einzuführen und hoffe von ihm eine bedeutende Förderung unserer Interessen.

In der Literatur ist er bewandert, als wäre sie sein Fachstudium; sein Urtheil ist klar und scharf; seine politische Gesinnung ist von der unsrigen ziemlich divergirend, aber was thuts? Man muß ihm die Augen öffnen; hat er die Wahrheit erst einmal im rechten Lichte gesehen, dann liebt er sie leidenschaft­lich ; das weiß ich! Seine eingerosteten Grundsätze werden den wuchtigen Hammer­schlägen der Vernunft nicht dauerhaften Widerstand leisten. Sorgen wir also, daß er ganz der unsere wird, dann ist viel ge­wonnen. Dir empfehle ich ihn ganz beson­ders. Boni naturwiffentschaftlichen Stand- punct aus beleuchtet, wird er am ehesten das Falsche und Thörichte seines Standpunktes erkennen."

„Vortrefflich; ganz vortrefflich;" entgegnete Hager, „immer neue .Kräfte in unseren Kreis gebracht; nur dadurch wird nuser Verein befähigt, das kirchliche, politische und literarische Leben mit Nachdruck zu beeinflussen."

Dem Anwalt auf das Bibliothekzimmer folgend, warf Hager die Frage auf: „Wie steht es mit Deiner Hauptangelegenheit?"

daß man zu einem anderen Schluffe als den der totalen Unbrauchbarkeit des Systems für Oesterreich gelangen könne.

Die Erwägungen, welche zu einem System­wechsel führten, sind unbekannt und lassen sich nur errathen. Wahrscheinlich war die aus­wärtige Politik für die innere bestimmend. Die Veränderung der Stellung Oesterreichs in Bezug auf den Orient, welche der letzte russisch-türkische Krieg nach sich gezogen hatte, machte auch eine geänderte Richtung in der inneren Politik geltend. Oesterreich mußte eine Verständigung mit den Slaven der Balkan-Halbinsel anstreben. Es muß dies, weil die Bevölkerung der occupirten türkischen Provinzen, Bosnien und Hercego- wina, aus Slaven besteht, weil die in Be­sitz genommenen Landstriche rings von Sla- venstümmen umgeben sind, weil Oesterreichs Vordringen in der Richtung von Salonichi von der freundlichen ober mindestens nicht feindseligen Gesinnung der umwohnenden Slaven bedingt ist. Der ganze Südrand der österreichischen Monarchie bis tief in's Herz des türkischen Reiches hinein ist von Slavenstämmen besetzt, in Ungarn sitzen zahlreiche Slaven und die österreichischen Kronländer Böhmen, Mähren und Galizien im Norden des österreichischen Staates sind von Slaven bewohnt. Eine glückliche Orient­politik ist ohne Befriedigung des slavischen Völkerelementes undenkbar, eine sichere Beherrschung der politischen Lage überhaupt unmöglich. Keine österreichische Regierung darf den Staat der Gefahr einer begrün­deten Unzufriedenheit des slavischen Elemen­tes aussetzen. Diejenige Regierung, die sich

„Der erste Schuß ist gefallen, aber ich muß offen bekennen, daß mir äußerst schlecht dabei zu Muthe ist. Die Gelegenheit wurde so zu sagen vom Zaune gebrochen und was ich Dir schon hundertmal wiederholt habe, muß ich abermals constatiren: Sie meint es gut mit mir, ernstlich gut und das setzt mir hart zu. Ihre Schuld besteht nur in der Hartnäckigkeit, mit welcher sie eine Aenderung meines Sinnes anstrebt. In der Einfalt ihres Herzens wähnt sie, meine neuen Lebensgrundsätze seien Wege in's Ver­derben; so strebt sie unablässig mich vom Unglücke zu retten und ahnt nicht, daß sie sich selbst das Verderben bereitet.'-'

„Thut nichts! thut nichts!" entgegnete Hager mit wahrer Mephisto-Miene, „Alles Vortreffliche läßt sich nur mit Opfern erringen. Friederike ist ein für allemal nicht die Frau, welche zu Deinem Wesen paßt; ihr müßt auseinander, Friederike geht zurück zu ihrer Tante, ober in's Kloster, wohin sie eigent­lich, ehe Du sie kennen lerntest, hätte gehen sollen unb Du verbindest Dich mit der Krone der Frauenwelt, mit der liebreizenden Amalie; wer vermag dann den Frieden noch zu hindern, wieder Einkehr bei Euch zu nehmen?"

„Aber was geschieht mit dem Kinde, Du kennst die Wonne nicht, welche es meinem Herzen bereitet?" '