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Freitag, den 6. Januar 1882

Fuldaer 831 Ieilung.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Rr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in s Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

-g- Der deutsche Reichstag.

Das Centrum wird die Vorschläge des Fürsten stets rein sachlich erwägen und niemals einen Handelsartikel aus seinen Abstinimungen machen. Das Centrum will nicht einen faulen Frieden dadurch herbeiführen, daß es die Beseitigung des Culturkampfs durch gewissenlose Parlaments-Dienste erkauft. Das Centrum kann es jetzt umso mehr dem Reichs­kanzler überlassen, zu erwägen, wie sich der Culturkampf mit den von der kaiserlichen Botschaft gestellten Aufgaben verträgt. Für politische Handelsschaften ist in so hohen Dingen kein Raum. Das Centrum ist auch weit entfernt, dem Reichskanzler ein Bein stellen und seinen Rücktritt veranlassen zu wollen. Den Culturkampf in's Leben zu rufen, das hätte bei dem herrschenden Fana­tismus der ersten Siebenziger Jahre, auch der nächste beste Kleinmeister zu thun ver­mocht; aber ihn zu beendigen, dazu gehört eine Autorität, die im Reich nur der Eine besitzt, und nur er braucht sich um die Nachreden der Fanatiker aller Farben nicht zu kümmern. Wenn jüngst gesagt worden ist, daß sein Rücktritt kaum irgendwo tiefer empfunden würde als in Rom, so halten wir das aus guten Gründen für vollkommen richtig. Das Centrum kann sich also ruhig bewegen, wie bisher.

Rur in Einem Puncte ist die Fraction den Wählern und sich selbst unbedingt schul­dig, eine gründliche Correctur in ihrem Schooße vorzunehmen, damit das Centrum seiner neuen Stellung als zahlreichste und gewichtigste Fraction im Reichstag auch wirk­lich gerecht werde. Die Correctur betrifft

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Eine Pstngstfeier.

Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampfes in der Schweiz. Von B. K.

(Fortsetzung.)

II.

Die Sonne stand groß und klar im Osten; der Himmel trübte kein Wölkchen mehr. Schmeichelnde Lüfte umkosten mit wohlthuender Frische des Priesters Wangen und ließen ihn die Unbill vergeffen, welche ihm das Unwetter der Nacht zugefügt hatte. Dieser Morgen glich einem Herolde, ausgesandt, den Sieg des Frühlings zu verkünden. Alles blitzte und leuchtete und lachte dem Pfarrer in's Herz hinein, daß er sich von einem beseligenden Wonneschauer durchdrungen fühlte. Die dunklen Schatten, welche am Sterbebette seine Seele beschlichen hatten, zerstoben angesichts dieser Pracht wie die Finsterniß vor dem Licht. Aus der Brücke blieb er stehen, .schaute hinab in die tanzenden Fluthen, dann den Fluß hinauf bis zum grünen Tannenwalde, zur braunen Felswand und weithin zu Den, von duftigem Schleier umwobenen Bergwiesen mit ihren schneebedeckten Häuptern. „Ja", dachte er, „die Erde ist schön, aber sie wäre noch tausendfach schöner und ihrem Schöpfer ein Lieblingswerk, wenn sie nur gute Menschen

die einzelnen Mitglieder. Der Kanzler hat in seiner Rede vom 8. Mai 1880 darauf hingewiesen, daß bei dem unregelmäßigen Besuch des Reichstags eine ziemlich kleine Anzahl von Gegnern der Regierung in einer bestimmten Sache hinreichend sei, um die Majorität, gegen die Negierung zu sichern." Ebenso oft hat der Absentismus die Ma­jorität auch für die Regierung gesichert. Nicht selten hingen wichtige Beschlüsse rein von dem Zufall ab, ob auf der Einen oder an­deren Seite des Hauses mehr Mitglieder noch rechtzeitig aus der Heimath herbei- telegraphirt werden konnten oder trotzdem bei ihren Penaten blieben, wenn nicht gar mit ihren Freikarten im Reiche umherspa­zieren fuhren. Der Krebs dieses Leichtsinnes, der ein Parlament mehr entwürdigt, alles die Verlängerung der Budgetperioden thun könnte, nagte an allen Fractionen; es ist aber statistisch nachgewiesen ivorden, daß von allen großen Fractionen keine so schwer unter dem Absentismus zu leiden hatte, wie das Centrum.

Mit welchen Gefühlen die pflichttreuen Mitglieder die unbesetzten Sitze rings um sich her und die leeren Sessel in dem Frac- tionszimmer betrachteten, mit welcher Bangig­keit sie vor entscheidenden Abstimmungen die Häupter der Ihrigen zählten und auf die Eingangsthüren schauten, ob nicht der Eine oder Andere doch gerade noch von der Bahn eintreffen würde, um wo möglich am gleichen Abend Nacht und Tag hindurch wieder heim­zufahren: das muß man, sagt Herr Jörg in den ,Histor.-polit. Blättern', selbst er­fahren haben. Bis jetzt, bei dem Ueberge- zu tragen hätte." Er machte eine Wendung, um auch stromabwärts den Blick geleiten zu lassen, aber zu seiner nicht geringen lieber« raschung trat ihm ein Gensdarm entgegen. „Guten Morgen, Herr Pfarrer," meine Pflicht führt mich zu Ihnen, ich habe Auf­trag, Sie zur Verbüßung Ihrer dreiwöchent­lichen Gefängnißstrafe, zu welcher Sie sich am festgesetzten Termine nicht gestellt haben, einzuliefern. Gleichzeitig hielt er dem Pfarrer den Vollmachts-Schein entgegen. „Die Annahme wurde verweigert mit der Aeußerung: „Bin schon bekannt mit dem Inhalte; ähnliche Anerkennungszeichen meiner priesterlichen Diensttreue gehören seit neuerer Zeit bei mir fast zum Alltäglichen. Wollen Sie mich direct zur Stadt bringen?" „„Jawohl!"" „Dann bitte ich, den Weg durch Wehrthal zu nehmen, damit ich die geheiligten Gefäße, welche ich bei mir führe, in der Kirche ablegen kann." „„Wir müssen Wehrthal umgehen, damit kein Auf­sehen erregt wird,"" entgegnete der Diener des Gesetzes, besann sich einige Augenblicke und suhr dann in gemildertem Tone fort: „An der Kirche könnten wir wohl am Ende doch den Weg vorübernehmen, sie liegt ja so ziemlich außerhalb des Dorfes." Der Pfarrer ging und war doch einiger­maßen verwundert, so schnell Arrestant ge­

wicht der gegnerischen Parteien ließ sich in den meisten Fällen wenigstensjdie Entschuldig­ung hören, daß es ja doch nichts geholfen hätte, wenn man da gewesen wäre. Aber fortan gibt es keine Entschuldigung mehr. Nachdem sich die Parteien nunmehr nahezu die Waage halten, kann eine Handvoll beharr­licher Absentisten die geachtete Stellung des Centrums verderben. Es wird die Pflicht der Fraction sein, eventuell strenge Maß­regeln zu ergreifen und den Landsleuten die Herren namhaft zu machen, welche das Mandat nur angenommen haben, um es überall lieber auszuüben, als an dem Ort, wohin sie ihre Pflicht ruft. Bessert sich dieser Zustand nicht, so möge man nur lieber aufhören, das Centrum als eine Partei zu berühmeu, mit welcher die Reichsregierung von nun an zu rechnen habe.

Deutsches Reich.

* Berlin, 4. Jan. Der Kaifer will mit dem Kronprinzen, den Prinzen Karl, Wilhelm, Friedrich Karl und August von Württemberg und zahlreichen Cavalieren, darunter die Minister Dr. Lucius und v. Puttkamer, Generalpostmeister Dr. Stephan, die Botschafter Lord Amphtill und Gras Scechönyi, der bayerische Gesandte Graf Lerchfeld, am Sonnabend den 7. Januar eine große Hoffagd im Grünewald bei Ber­lin in einem abgestellten Jagen auf Dam­wild abhalten. Den Abschluß der Hofjagden wird der ,Voss. Ztg.' zufolge noch eine Feld­jagd bilden, jedoch hat sich der Kaiser, noch die Entscheidung über den Tag der Abhaltung vorbehalten.

worden zu sein. Die Leute, welche zur Arbeit gingen, zeigten sich nicht minder überrascht, als sie den Seelsorger in Be­gleitung des Gensdarmeu erblickten. „Ge­lobt sei Jesus Christus," sprachen die meisten im Vorübergehen. „In Ewigkeit, Amen!" erwiderte der Pfarrer herzhaft; während fein Begleiter ziemlich verlegen an den Helm griff. Am Ende des Dorfes an­gelangt kam ihnen Wittwe Franke, welche wir im Sterbehaus haben kennen lernen, nachgeeilt und bat den Gensdarmeu unter Thrünen, doch dem ehrwürdigen Pfarrer die Schmach nicht anzuthnn, und ihn gleich einem Verbrecher zu seiner Gemeinde zu bringen. „Liebe Frau," entgegnete der Angeredete, „ich kann nicht anders; ich thue nur, was meine Pflicht ist." Der Pfarrer beschwichtigte die Besorgte und setzte seinen Weg fort. Nach Verlassen des Dorfes zog er sein Brevier hervor, betete und erst, nachdem der Otternbusch durchschritten war, steckte er das Buch wieder zu sich. Als er sich umwandte, gewahrte er s inen Begleiter in tiefen Gedanken. „Nun, Herr Gube," Hub er freundlich an „Sie scheinen ernsten Dingen nachzusinnen. Nicht wahr, es ist doch keine erquickliche Sache, einen alten Wohl- thäter dem Gerichte überliefern zu müssen!"

Jener hob den Kopf: „Herr Pfarrer,