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M 4. Donnerstag, den 5. Januar 1882.

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-g- Der deutsche Reichstag hält, wie alle anderen politischen Körper­schaften, gegenwärtig noch Weihnachtsferien. Möge es uns gestattet sein, einen Rückblick auf die Eröffnung des neugewählten deut­schen Reichstages zu werfen und hieran einige beherzigenswerthe Worte für geivisse Mitglieder des Reichstages, besonders der Centruinsfraction, zu knüpfen.

Der Reichstag ist am 17. Rov. v. I. nicht mit einer Thronrede, sondern mit Ver­lesung einer kaiserlichen Botschaft eröffnet ivorden, in welcher der Kaiser die oft er­wähnten Entwürfe politischer und socialer Reformen des Fürsten Bismarck sich persön­lich aneignet und unerschütterlich dabei zu verharren verspricht. Mit feierlichen Worten erklärt der Kaiser: „Auf dem Gebiet der inneren Reichseinrichtungen stehen weitgrei­fende und schwierige Aufgaben bevor, deren Lösung in der kurzen Frist seiner Session nicht zu bewältigen ist, zu deren Anregung Wir Uns aber vor Gott und Menschen ohne Rücksicht auf den unmittelbaren Erfolg der- felben verpflichtet halten." In bewegten! Tone, als setze er vor dem ganzen Lande seinen letzten Willen auf, wünscht der greise Herrscher dereinst das Bewußtsein mitzu­nehmen, daß auf diese Weise den kommenden Generationen das gefestigte Reich und dem Vaterlande neue und dauernde Bürgschaften seines inneren Friedens hinterlassen werden. Damit ist nicht nur jede Berechnung, daß der Kanzler fallen gelassen werden könnte, definitv vereitelt, sondern es ist auch seine staats-socialistische Politik voin Kaiser testa­mentarisch dem Reiche vermacht.

Eine Pfingstfeier.

Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkanipfes in der Schweiz. Von B. K.

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Das Wasserrauschen kam jetzt in unmittelbare Nähe. Am Himmel bildete sich allmählig ein weißer Fleck, welcher sich zusehends ver­größerte. Feurige Puncte tauchten daraus hervor und dehnten sich zu weißen Streifen, die sich als schimmernde Wolkenränder zu erkennen gaben. Der Wind wehte mild und milder, als sei er des Tobens müde und auch der Regen schien eine längere Pause beschlossen zu haben. Plötzlich schielte der Mond, wie ein verstohlener Lauscher hinter einer Wolke hervor, zeigte sich immer freier und leuchtete zuletzt groß und klar hernieder. Aber wie erschrack der Bauersmann, als er Umschau hielt. Oben rechts in ziemlicher Entfernung zog sich gleich einem schwarzen Bande der Fichtenwald hin; geradeaus lag ein Eichenwäldchen, der -sogenannte Ottern­busch und links — die Abgeirrten trauten ihren Augen kauin, — zeigte sich eine mehrere Stockwerk hohe Böschung, an deren Fuß der angeschwollene Fluß seine schäumenden Fluthen hinwälzte. Der Dornhecke entlang waren nur kaum noch fünfzig Schritte möglich, dann schloß sie jäh mit einer über zwanzig

Die Verlesung der kaiserlichen Botschaft scheint einen sehr gemischten, auf die Libera­len aber einen niederschlagenden Eindruck gemacht zu haben. Bei letzterer Partei hat allem Anschein nach die Fixirung der staats- socialistischen Entwürfe nicht einmal den Hauptanstoß gebildet. Denn die hauptsäch­lichsten derselben sollen ja den Reichstag augenblicklich nicht beschäftigen, und kommt Zeit kommt Rath. Bezüglich des vom vori­gen Reichstag bereits behandelten Arbeiter- Unfall-Versicherungsgesetzes ist überdieß aus­drücklich gesagt, daß bei der Umarbeitung die damaligen Verhandlungen berücksichtigt seien. Dagegen soll dem Reichstag der Ge­setzentwurf über die Verlängerung der Legis­latur- und Budget-Periode wieder vorgelegt und feine Entscheidung über die Einführ­ung des Tabaksmonopols herbeigeführt werden. Beide Puncte gelten für die Libe­ralen als nicht discutirbar, wogegen sie für das Centrum, so sehr sie auch politisch in's Gewicht fallen mögen, jedenfalls nicht prin- cipieller Natur sind.

Hinsichtlich stehe.l sich in der Frage der social-politischen Reformen allerdings grund­sätzliche Anschauungen gegenüber, für das Centrum jedoch nicht bezüglich des Ob, son- dern bezüglich des Wie. Bezüglich des Ob ift. das Centrum mit der Regierung völlig einverstanden. Seine Sprecher und seine Organe haben positive Maßregeln gegen die aus der socialen Desorganisation erwachsene socialistische Bewegung Jahre lang empfoh­len und gefordert, während man in den entscheidenden Kreisen immer noch mit den Liberalen ging. Diese letzteren müffen sich Fuß tiefen, vom Hochwasser zerwühlten Bucht ab, welche inehr und mehr durch die immer mit neuer Wuth anprallenden Wellen ver­größert wurde.

Der Führer des Pfarrers holte tief Äthern; wie Einer, der sich von einem drückenden Alpe befreit fühlt, heftete er den Blick anf den Mond, als wollte er sagen: „Habe Dank, lieber Freund, Du hast uns gerettet." Der Weg war bald wieder gefunden. Nachdem der Otternbusch durchschritten war, sah man die vom Mondschein versilberten Dächer Som­mergrunds. Die vorhin gesehenen Lichter befanden sich an der Stätte des Unglücks. Der Wagen lag umgestürzt, die Deichsel war zerbrochen; ein Pferd hatte man wegen erlittenen Beinbruchs auf der Stelle tobten müffen, das andere war noch am Trans­porte nach Sommergrund begriffen; mehrere Männer brachten es Schritt für Schritt vorwärts.

Das Rampen'sche Besitzthum lag jenseits der Brücke und ivar von einer Mauer um­schlossen. Bei Ankunft des Priesters schlugen die Hunde an, wurden aber sofort beschwich­tigt durch einen jungen Mann, welcher das Thor öffnete und nach ehrfurchtsvoller Ver­beugung vor dem Sanctifsimum den Pfar­rer in's Haus geleitete. In: Inneren des Wohnhauses ivaren fast alle Räume er-

iit der Frage des Ob von Hause aus, da sie die Gesellschaft ausschließlich dein Wirken sogenannter Naturgesetze anheimstellen, uegi- rend verhalten, sollte sich aber die Sache schlechthin nicht mehr abweisen lassen, dann werden sie bezüglich des Wie den bisherigen Anschauungen der Regierung sich anschließen und den omnipotenten Staat gewähren lassen. Daß das Centrum diesen Weg niemals be­treten wird, ift über jeden Zweifel erhaben. Auderfeits ist das Centrum die weitaus zahlreichste und insoferue die mächtigste Par­tei im Reichstage geworden, als ohne feine Stimmen ein positiver Beschluß nicht zu Stande kommen kann. Wo sie hinfallen, da ist die Mehrheit. Damit ist das Cen- trum in eine Stellung eingerückt, die sich schwieriger und verantwortungsvoller als je gestalten wird.

Deutsches Reich.

* Berlin, 3. Jan. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' bezeichnet das Gerücht, demzufolge ein activer Minister zum Nachfolger des Ober- präfidenten Horn designirt fei, aus zuver­lässiger Quelle als durchaus der Begünd- ung entbehrend.

— Der Kaiser empfing gestern Nach­mittag Bismarck zu längerem Vartrage.

— Dem Uebertritt einer Anzahl preußi­scher Officiere als Justructeure in die tür­kische Armee soll militärischerseits nidjts ent­gegen stehen.

— Die ,Kreuzztg.' dementirt die Meld­ung, daß Lothar Bucher in einer Sendung an die päpstliche Curie nach Italien gegangen sei. Derselbe sei aus leuchtet, es herrschte lautlose Stille. Der Bauersmann blieb, nachdem die mit Tep­pichen belegte Treppe erstiegen war, zurück und begab sich zum Dieustpersonal, welches niedergeschlagen und zusammengedrängt in einem hellerleuchteten Seitengange nahe dem Krankenzimmer verweilte. Beim Eintritte des Priesters vernahm man ein heißeres, aus tieffter Seele kommendes „Gott sei Dank". Der Verunglückte, ein ehrfurchtge­bietender Greis, hatte sich emporgerichtet und den matten zitternden Blick sehnsüchtig dem Eintretenden zugewandt. Der Arzt entfernte sich, ebenso auf des Pfarrers Wink die bejahrte, verwittwete Schwester des Kranken und deren Tochter. Nach Been­digung der hl. Handlung traten die Letzt­genannten wieder ein.

„So jetzt bin ich getröstet", sagte Ram­pen kaum hörbar und ließ den Kops wieder zurück in's Kissen sinken. „Herr Pfarrer, ich danke Ihnen, o ich danke Ihnen aus tieffter Seele. — Sie haben einen beschwer­lichen Weg gehabt, — der Herr wird es Ihnen vergelten, — der Tod hat mich über­rascht; — — Es ist traurig, daß wir kei­nen Priester haben. — Komm' her, liebe Schwester, reich' mir Deine Hand, — komm' her Franziska, treues Kind, Du hast des Guten viel an mir gethan, — Gott be-