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Mittwoch, den 4. Januar 1882.
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-n Börse ilnd Politik in Frank- " reich.
Alle meine Beobachtungen seit Jahren, sagt der Verfasser eines äußerst instructiven Artikels in den ,Histor. pol. Blättern', führen zu dem Schluffe, daß die Börsen- leute nicht ain wenigsten zum Scheitern der Wiederherstellung des Königthums und zum Sturze Mac Mahons, welcher ihnen übrigens durch seine politische Unfähigkeit die Sache sehr erleichterte, beigetragen haben. Ein liberales Blatt (die ,Liberte'), welches in Finanz- und Börsengeschichten vortrefflich bewandert ist, rechnete nach Abwickelung der Milliarden-Anleihe sehr eingehend nach, daß davon ungefähr 700 Millionen verloren gegangen seien und eine unaufgeklärte Bestiinmung erhalten hätten. Die gesammte Presse schwieg zu dieser Enthüllung. Nur ein einziges Blatt versuchte eine Erklärung, indem es von verändertem Coursfond, Spesen, Procenten der Bankiers it. s. w. sprach. Daß die Börsenleute wenigstens einen Theil dieser 700 Millionen eingesteckt haben, erscheint unzweifelhaft. Was sie seither an dem Treiben der zu 841/2 ausgegebenen Anleihen „verdient" haben, dürfte eine Milliarde übersteigen. Eine Regierung aber, welche solche Gewinne machen läßt, muß erhalten werden. Deß- halb waren von da ab alle liberalen Blätter unbedingt für die Republik und die Monarchisten vermochten selbst zur Zeit ihrer größten Macht nur über den weniger verbreiteten und einflußreichen Theil der Presse zu verfügen. Hätten sie es damals verstanden und die Entschlossenheit gehabt, den
Eine Pfingstfeier. 1
Geschichte aus den ersten Jahren des Culturkampses in der Schweiz. Von B. K.
(Nachdruck verboten.)
I.
In mitternächtiger Stunde einer stürmischen Aprilnacht stand ein Bauersmann ganz durchnäßt am Thore des Pfarrhauses zu Wehrthal. Die kleine Laterne für einige Augenblicke zu Boden setzend, schwenkte er das Wasier vom Hute, schüttelte die Regentropfen vom Mantel und zog die Schelle. Die Schwester des Pfarrers erschien am Fenster und fragte nach dem Begehr. Es wurde ihr zur Antwort: „Ein großes Unglück ist geschehen; der Gutsbesitzer Rampen in Sommergrund ringt mit dem' Tode und wünscht mit den hl. Sterbesacramenten versehen zu werden." Das Mädchen entgegnete: „Du lieber Himmel; welch schreckliches Mißgeschick hat denn diesen guten Mann so plötzlich getroffen; er war ja heute Mittag noch hier im Hause!"
„Er ist am Heimwege von hieraus in der Dunkelheit mit Knecht, Pferden und Wagen die Böschung des Straßendamines hinuntergestürzt und hat sich so unglücklich verletzt, daß voni Arzte alle Rettungsversuche aufgegeben worden sind. Ich habe aus Leibeskräften laufen müssen, damit geistlicher Trost
Hebel an der richtigen Stelle anzusetzen, auf die die Presse beherrschende Finanzmacht einen Druck auszuüben, die Dinge hätten sicher eine andere Wendung ge- nommen und die öffentliche Meinung hätte sich nicht so rasch der Republik zugewandt.
Die Nationalversammlung war überwiegend conservativ oder vielmehr monarchisch, was hier genau dasselbe ist. Der republicanischen Minderheit gelang es trotzdem, mehrfach in Finanzsachen ihren Willen durchzusetzen, theils wegen der Unkennt- niß vieler Conservativen in diesen Dingen, theils wegen der Schwäche der Constitutionellen unter ihnen für klingende Vortheile. Die Minderheit brachte ps fertig, eine Anzahl kleiner Bahngesellschaften durch Verweigerung einer Zinsbürgschaft zum Bankerott zu treiben und später diese Bahnen für den Staat anzukaufen, wobei die einge- weihten oder vielmehr treibenden Geldmächte mindestens 300 Millionen in die Tasche stecken konnten. Hierdurch, sowie einige minder bedeutende Geschäfte war das Bündniß zwischen den Geldmächten und den Republicanern befestigt.
Mac Mahon schüttete Wasser auf die Mühle der Geldmächte, natürlich ohne es zu wollen. Als er am 16. Mai 1877 Jules Simon verabschiedete und dann die Kammer auflösen ließ, übersah er jedenfalls, daß die weitaus größte Mehrheit der Presse sich in den Händen seiner Gegner, der Re- publicaner und Geldmächte, befand. Seinen Ministern fehlte es an der nöthigen Entschlossenheit, einen großen Schlag zu führen, durch den allein eine Wirkung bei den in noch rechtzeitig ankomme." „Ach", schallte es von oben, „wenn doch der Sturm nur ein wenig nachließe; solch schrecklichen Krankengang hat der Herr Pfarrer noch nie gehabt. Warum hat man denn nicht für einen Wagen gesorgt?" „Daran hat man wohl gedacht, aber bedenken Sie den Sturm, die Finsterniß und den Weg! ist da wohl für Pferde ein Fortkommen möglich? Da könnte noch obendrein ein neues Unglück passiren."
Während dessen öffnete sich ein Fenster im ersten Stock und des Pfarrers Stimme ließ sich vernehmen. Der Bauersmann wiederholte seinen Auftrag. „Kommen Sie herein", sagte der Seelsorger, „ein wenig Ruhe nnrd Ihnen nach dieser harten Tour gewiß nicht unwillkommen sein." Das Thor wurde geöffnet und der Durchnäßte fand im Empfangszimmer einen noch ziemlich warmen Ofen, neben welchem er mit sichtlichem Wohlbehagen Platz nahm.
Kaum aber hatte er sich einigermaßen durchwärmt, so kam schon der Pfarrer und war marschbereit. Er prüfte den Zustand der Laterne, ließ sie vorsichtshalber aufs Neue mit Oel versorgen, befragte den Bauers- niann, ob er des kürzesten Weges kundig sei und als dies bejaht wurde, verließen beide das Pfarrhaus.
Sie schritten der nahegelegenen Kirche zu.
dieser Hinsicht sehr empfindlichen Geldmächten hätte erzielt werden können. SchM< die Zusammensetzung des Ministeriums aus Monarchisten und Bonapartisten hinderte jeden Erfolg bei der mißtrauisch gemachten Bevölkerung. Die Geldleute sahen sofort ein, daß Mac Mahon mit solchen Leuten keinen Wahlsieg erringen konnte, ebenso auch, daß sie unter ihm niemals so sreie Hand zum Geschäftemachen erlangen würden, als unter Herrschaft dor Republi- caner. Sie waren daher schnell entschlossen und stellten ihre noch verstärkte Presse den letzteren zur Verfügung. Es wurden ganz ungeheure Aufwendungen für diese pluto- kratisch-republicanische Presse gemacht. Täglich wurden Hunderttausende, ja bis zu einer Million Abdrücke der verschiedensten Blätter unentgeltlich vertheilt. Da die Mac Ma- hon'sche Regierung nichts gegen diese Presse wagte, wurde dieselbe immer dreister, bis zuletzt selbst das Journal des Debats in einen so frechen Ton verfiel, daß eine Ahndung dringend augezeigt war. Da diese nicht erfolgte, und man sah, daß das Staatsoberhaupt ungestraft wie ein unartiger Schulbube behandelt werden konnnte. verlor auch das Volk alles Vertrauen in die That- kraft der Negierung. Die öffentliche Meinung wandte sich von ihr ab, der Republi- caner siegten bei den Wahlen.
Die Wahlen aber erfordern Geld, viel Geld im Lande des allgemeinen Stimmrechts. Und doch fehlte es nirgendwo an Geld für die republicanischen Wahlen, es war vielmehr im Neberfluß vorhanden. Es deutet alles darauf hin, daß die Geldmächte
An den Kanten derselben brach sich der Sturm und heulte in allen möglichen Tonarten. Der Pfarrer schloß auf und fchritt voran in's Innere des Gotteshauses. Der matte Schein des ewigen Lichtes vermochte kaum die Finsterniß in der Nähe des Altars zu verdrängen. Der ganze Raum wurde jetzt jäh durch die Laterne erhellt. Ihr Licht warf flüchtige, abenteuerlich gestaltete Schatten auf die Seitenwände. Der fast grauenhafte Wiederhall der Schritte, der an den Fenstern rüttelnde Sturm, das gespenster- haste Aussehen der Gegenstände verursachten dem sonst beherzten Bauersmann einen Anflug bänglichen Schauers. Dein Pfarrer jedoch war ein nächtlicher Besuch des Gotteshauses nicht ungewöhnlich. Er nahm ehrfurchtsvoll das Sanctissimum aus dem Tabernakel, versah sich mit hl. Oele und nach wenigen Minuten stand die Kirche von Beiden verlassen. Der Weg führte eine Strecke an der Kirchhofsmauer hin, dann an einigen Häusern, welche sich als schwarze Massen in's Dunkelgrau des Firmainentes zeichneten, hierauf gelangte man in's freie Feld. Der Weg begann zu steigen, Sturm und Regen wurden heftiger und übertönten noch das Rauschen des zur linken Seite fließenden Gießbachs. Das Licht der Laterne flackerte und sträubte sich gegen den durch alle Fügen