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M 2. Dienstag, den 3. Januar 1882.

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Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Psg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. PlLtzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

-n Börse und Presse in Frank­reich.

Die Presse lebt in Frankreich thatsächlich von der Börse und der Geldmacherei. Die Blätter stehen, ein paar ehrenwerthe Aus­nahmen abgerechnet, ganz im Dienste der Geldmacht. Die Politik erscheint zivar den Lesern als die Hauptsache, aber sie ist für den Besitzer, die maßgebende Person des Blattes, nur die Flagge, Werkzeug und Mittel, um Geschäfte zu inachen. Daher die Thatsache, daß Blätter der verschiedensten Parteirichtung Einein und demselben Eigen- thümer angehören. Jedes Blatt steht int Dienste einer Bank oder eines Börsenmannes. Besteht auch kein festes Berhältniß zu einer bestimmten Bank oder Persönlichkeit, so ist das Blatt doch gezwungen, auf diejenigen Finanzmüchte Rücksicht zu nehmen, welche ihre Börsen - Unternehmungen in seinen Spalten mittelst bezahlter Einrückungen an­preisen lassen. Da die Kosten eines Tages­blattes ungemein hoch geschraubt sind, so ist jedes mehr oder minder auf diese' Ein­nahmen angewiesen. Die große Masse bet Leser weiß nichts von dem Berhältniß der Börse zur Presse oder glaubt nicht daran, selbst wenn sie etwas davon erfährt; fo sehr ist sie auf die hochtrabenden Redens­arten, den Aufklärungs-Fanatismus ihrer Lieblingsblätter versessen. In der Welt der Börse und der Journalisten dagegen sind diese Dinge einem Jeden bekannt und werden wie andere Geschäfte behandelt.

Ein Proceß, welcher Anfang v. I. vor Gericht und in der Presse ausgetragen wurde, beweist schlagend, daß die Politik

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Zweierlei Weltanschauung.

Ein, es ist ein kleines — ein Unglück im Hause passirt, murmelte der Portier, und eine Thräne lief ihm langsam über die Wange herab. Droben werden sie das Andere schon erfahren.

Paul hatte die letzten Worte kaum mehr vernommen; wie ein Wahnsinniger stürmte er die Treppe hinauf.

Im Vorzimmer stand die Tante Anna's. Sie hatte sich zwar stets schwarz getragen, aber heute sah sie anders aus, als sonst. Ihre Augen waren roth und geschwollen; ihr Gesicht blaß, tiefer Schrecken wohnte auf ihrem Antlitz.

Was ist geschehen? rief Paul.

Die Tante entsetzte sich über diesen Aus­druck in Paul's verstörten Zügen. Paul, sagte sie schmeichelnd und beruhigend, es ist etwas vorgefallen, aber setzen Sie sich zu­erst, dann will ich Ihnen Alles der Ord­nung nach erzählen. Sie ivollte ihn auf einen Stuhl niederziehen.

Aber Paul schrie mit heiserer Stimme: Run, wo ist Anna? und wollte in das nächste Zimmer hineingehen.

Die Tante stellte sich vor ihn, hob die Hände auf und sagte: Ich bitte und be- .chwöre Sie bei Anna's Ruhe, hören sie

nur die Flagge ist, unter der man Geld machen will. Der ,Gaulois' war vor Jahr und Tag aus einem bonapartistischen ein royalistisches Blatt geworden, eilte Wandlung, welche sich auch bei anderen Organen vollzogen hat und ganz in der Natur der Sache liegt, seitdem das Kaiser­reich keine Zukunft mehr hat. Eines Tages jedoch hatte der ,Gaulois' sich wiederum umgewandelt und zwar noch viel schroffer. Am Vorabend war er. noch royalistisch, am anderen Morgen war er gambettistisch, nachdem seine gesammte Redaetion erneuert worden war. Die abgetretene Redaetion jedoch ließ sofort den ,Clairon' erscheinen. Sie leitete eine Klage gegen Herrn v. Werbrouk, den Eigenthümer des ,Gaulois' wegen Vertragsbruch ein. Vor Gericht machte dieser geltend, daß er als Leiter der „Bangue Parisienne", Gründer vieler Unternehmungen und Geschäftsmann über­haupt in guten Beziehungen zu der be­stehenden Regierung sich halten müsse, des­halb nicht dulden könne, daß ein ihm ge­höriger Blatt-' t-.'v 3'cgicrrmg bekämpft. Also habe er die bisherige Redaetion des ,Gaulois' an die Thür gesetzt.

Vor etwa zwei Jahren hatte derselbe Werbronk einen Streithandel mit dem ,Figaro.' Werbrouk hatte mehrere Jahre vorher den Börsentheil des ,Figaro' ge­pachtet itnd besagte Banque Parisienne ge­gründet. Er zahlte dem Blatte jährlich 150,000 Fr., um das Recht zu haben, den täglichen Börsenbericht desselben abzufassen. Keine Börsengeschäfte und Gründungen be­treffende Nachrichten oder Artikel, selbst mich ruhig an und mäßigen Sie sich. Sie werden Anna sogleich sehen, aber hören sie mich vorher an, damit ich Ihnen sage, warum wir Sie heute Nacht hierher bemühen wollten. Dabei brach sie in Thränen aus. — Paul hielt inne.

In diesem Augenblick ging eine Thüre nebenan auf und ein Zimmermädchen wollte heraustreten, zog sich aber, sobald sie Paul's ansichtig wurde, erschrocken und schnell zurück und schloß die Thüre wieder hinter sich.

Ein gellender Schrei durchzitterte die Luft, Paul hatte erblickt, daß das Mädchen schwarz gekleidet war und hatte durch die halbgeöffnete ^hür brennende Kerzen ge­sehen.

Ein kurzes Ringen mit der alten, hilf­losen Tante, welche ihn noch zurückhalten wollte, so unvorbereitet in das Zimmer ein­zutreten, einige hastige Schritte, Paul riß die Thüre auf und stand in dem Zimmer.

An der Wand stand das Bett, iver darin lag, war nicht zu erkennen, denn die Gestalt war gänzlich verhüllt. Zwei Kerzen, ein Cxucifix und das Weihwafferbecken besagten, daß es ein Todtenbett sei, vor dem Paul stand. Ein eigenthümlich scharfer Geruch erfüllte das Gemach, obwohl die Fenster­flügel offen standen, durch welche der Helle Vor­mittagssonnenschein schimmernd hereinstrahlte.

Reklamen, durften ohne feine Zustimmung mifgenommen werden.

Nachdem das Berhältniß mehrere Jahre ge­dauert, hatte der Leiter des,Figaro', Ville- mesant, plötzlich gefunden, daß dasselbe in sittlicher Hinsicht nicht unanfechtbar sei, üb­rigens auch die lumpigen 150,000 Fr. eilt der Bedeutung des Blattes unwürdiger Lohn seien. Er warf die Zusendungen Wer- broucks in den Papierkorb. Werbrouck klagte, und das Gericht verurtheilte den ,Figaro' für die Dauer des Vertrages denselben rote früher int Börsentheil schalten und walten zu lassen. ,Figaro' erklärte, er tperde nun den Vertrag treu erfüllen, obwohl er nicht vortheilhaft für ihn sei.

Bei jeder Gründung und Emission ergießt sich ein reichlicher Mannaregen über alle Blatter, gleichviel welcher Partei sie äußer­lich angehören, welchem Eigenthümer sie dienen. Bei einer einzigen Emission des Credit foncier betrug die Betheiligung der Presse zwölf Millionen, so daß einzelne Blätter etwa 300,000 Fr. einsackten und <ms -jebeS 15 40,-000 Fr. karn-.-nr- Einig. Blätter, die dabei übergangen waren, brach­ten die Sache in die Oeffentlichkeit. In solchen Betheiligungen sind die sehr hohen Gebühren (5—10 Jranken die Zeile) für Reelamen und Anzeigen, die in alle Blätter eingerückt werden, nicht inbegriffen. Gegen solche Mitwirkung kann sich auch kein Blatt verschließen, denn ohne bezahlte Inserate kann keines exiftiren und die financteilen Einrückungen machen den größten Theil der aus bett Inseraten stammenden Einnahme ans.

In einem Nu hatte Paul ivie ein Rasender das Tuch, welches den Kopf ver- hüllte weggerissen. »

Ein Blick hinein, ein Ruck mit der Hand nach dem eigenen Kopfe, ein gellender Auf­schrei — und Paul stürzte zusammen au dem Todbette seiner Braut.

Da lag sie, die gestern noch so bewunderte Schönste und Glücklichste der Hauptstadt; das Gesicht war schrecklich entstellt, auf der einen Seite war Haut und Fleisch versengt und der Backenknochen schaute heraus, das goldene Haar war verschwunden und nur eine durch die Hitze zusammengekräuselte Flechte war auf die Schläfe gelegt, das Auge in herbem Schmerz halb nach oben geöffnet, um den Mund aber schien eine friedliche Ruhe zu spielen. Dicht vom Ohr an über den Hals hinab, war die ganze Gestalt in Watte gewickelt, eine Hand nur, in die das Kreuzchen gesteckt worden ivar, ragte schwarz und mumienartig heraus. Es war ein wahrhaft entsetzlicher Anblick, der auch dem Muthigsten Grauen einflößte.

Auf dem Todtbette lag nichts anders, als Anna's halbverbrannter Leichnam. Anna hatte sich todtmüde in ihr Schlafzimmer zurückgezogen und wollte sofort zu Bette gehen. Aber der Gedanke an Pauls Un­glauben hielt sie doch noch eine Zeit lang