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Donnerstag, den 29. September 1881

Fuldaer Ql Altung.

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qp* Die Bewegung im Islam u«d die Franzosen in Tunis.

Daß Sultan Abdul-Aziz keines natür­lichen Todes gestorben sei, war die in- stinctive Meinung aller Welt und am wenigsten war man darüber im Sultans­palast selber zweifelhaft. Gerade zwei Jahre vor der Gefangennahme und Proces- sirung der damaligen Minister, soweit sie nicht alsbald nach der Blutthat von dem Rächerdolch des Tscherkessen Hassan ge­troffen waren, ist ein augenscheinlich von Abdul-Hamid selbst inspirirtes Actenstück veröffentlicht worden, in welchem mit dürren Worten von einem an dem Sultan Abdul- Aziz begangenen politischen Mord gesprochen und mit Fingern auf Midhat Pascha als den Haupturheber gedeutet wird. Dennoch ruhte die Sache vollständig; der Mann kam sogar wieder zu Ehren und Würden, bis sich für die großherrliche Politik die Noth- wendigkeit herausstellte, der Welt des Islam durch ein eclatantes Factum zu beweisen, daß der Sultan noch stark genug fei, um, den europäischen Mächten zum Trotz, deu hochgestellten Giaur-Freunden, Verräthern und Verächtern des heiligen Gesetzes ihr Recht anzuthun.

Während die liberale Presse aller Länder über den an Midhat Pascha, ihrem frei­maurerischen Liebling, und seinem Complicen begangenen Justizmord Zeter schrie, dürste man in dem westmachtlichen Cabinete über die eigentliche Bedeutung des türkischen Hochverraths-Processes nicht im Unklaren gewesen sein. Der französische Minister insbesondere scheint sehr wohl gewußt zu

Tante Agnes. o

Novelle von O. de C.

Ins Deutsche übersetzt von M. B. (Fortsetzung.)

„Wissen Sie wer es gekauft hat?"

„Ich weiß es gar nicht. Der Verkauf ist durch die Vermittlung des Herrn Moreau abgeschloffen worden und der Käufer wollte nicht, daß man seinen Namen wisse."

„Man könnte an Herrn Moreau schreiben." „Ich habe es schon gethan." „Was hat er geantwortet?"

„Bis jetzt noch nichts, und das wundert mich, denn er hatte Zeit genug, sich mit seinem Clienten zu berathen und mir zu antworten. Ich muß durchaus vor meiner Abreise wissen, woran ich bin. Ah! wenn meine Tochter in Villery groß werden könnte, wie Du!"

Er sprach noch, als man an unserer Thüre schellte, und ich weiß nicht, wer von uns Beiden am meisten überrascht war, als wir Herrn Moreau in seiner weißen Halsbinde, seinem breitränderigen Hute und seiner Mappe unter dem Arme in Person eintreten sahen. Mit seiner aintlichen Ruhe sagte er uns, da seine Geschäfte ihn nach Paris ge­rufen, hätte er Friedrich die Antwort münd­lich hringen und Fräulein von Morangis den Kaufact von Villery übergeben wollen.

haben, weshalb er dem in's französische . Consulat zu Smyrna geflüchteten Midhat - das angerufene Asyl nicht gewährte. Man - ist eben in Paris nicht darauf eingerichtet, t den Kampf mit dem ganzen Fanatismus - des Islam aufzunehmen, wenn die harte

Nothwendigkeit irgend zu vermeiden oder zu verschieben ist, und sucht daher in Constanti- nopel mit allen Mitteln zu begütigen.

Die Franzosen mögen es anfangen, wie sie wollen, sie führen jetzt in Nordafrika einen Religionskrieg wider Willen. Denn nicht etwa eine andere Nation oder politische Macht, sondern die Religion des Islam ist ihr Feind und steht ihnen im Feld gegen­über. Die Franzosen in Algier geradeso wie die Engländer in Indien, ja jene noch mehr als Diese, haben Alles gethan, um das religiöse Gefühl der Moslim nur ja nicht zu verletzen, die christliche Missions- thätigkeit ist in China und Japan freier als dort unter den christlichen Landesherren. Aber die Moslims wollten eben aus Reli­gion keine christliche Herren. Sehr treffend hat jüngst ein protestantischer Pastor in Oran die hochfluthende Bewegung des Is­lam um ihn her und die begeisterte Hoff­nung der Araber auf den Triumph ihrer nationalen Sache, die ihnen identisch ist mit ihrem religiösen Glauben, in Gegensatz gestellt zu dem freigeistigen Materialismus der ihnen gegenüberstehenden, des christ­lichen Enthusiasmus völlig baaren Gesell­schaft: „Welch ein Unterschied," sagt er, „zwischen der Gemüthsverfassung der euro­päischen Christen und der der Araber! Während die ersteren nur ihre materiellen

„Mir?" rief ich. „Ich begreife das nicht." „Es ist aber sehr einfach, der Verkaufs­act ist auf Ihren Namen ausgefertigt."

„Auf meinen Namen?"

„Ganz gewiß."

Er zeigte mir ein Papier, von dessen In­halt ich nichts anderes verstand, als daß das Schloß von Villery aufgehört habe, dem Grafen von Villery zu gehören, um von jetzt an mit Allem, was dazu gehöre, das Eigenthum von Agnes de Morangis zu sein.

„Aber, wer hat das gethan?" rief ich.

„Man hat mir Schweigen anempfohlen, und da ich sehr eilige Geschäfte habe," sagte er, auf seine Uhr sehend, „so werden Sie mir erlauben, mich zu empfehlen. Sollten Sie meine Dienste nöthig haben, so stehe ich immer zu Ihrem Befehle. Ich habe die Ehre, Sie zu grüßen."

Er ging und ließ uns starr vor Erstau­nen zurück. Mit dem Acte des Notars in der Hand stand ich Friedrich gegenüber.

„O, jetzt begreife ich es," rief ich endlich. „Ich habe nur einen Freund, der einer sol­chen Handlung fähig ist. Es ist Louis Bernier, der dieses gethan hat."

„Louis Bernier!" wiederholte Friedrich mit einem Ausdruck unbeschreiblicher Angst, der mir wehe that.

„Ja, Louis Bernier, iyy rechtschaffenste,

Interessen verfolgen und von dem Streben darnach gänzlich in Befchlag genommen werden, während sie die Offenbarung ver­achten und das übernatürliche ins Lächer­liche ziehen, während sie ihren Blick von der ewigen Zukunft abwenden, suchen die letzteren ihren Lebensodem in dem Unsicht­baren, im Mysteriösen, schauen den Himmel an und bitten ihn um den Triumph ihrer Hoffnungen. In dieser glühenden Denk­ungsart vergessen die Araber ihre materiellen Interessen, ihre physischen Bedürfnisse. Sprechen Sie nur nicht zu ihnen von Glück, von menschlichem Wohlbefinden; eine weit erhabenere Sache zieht sie an, und läßt sie die größten Strapazen ertragen und die härtesten Plagen überstehen."

Mit einem solchen Gegner ist, selbst ab­gesehen von den Hinderniffen des Klimas und den Schrecken des unabsehbaren Wüsten­landes, so leicht nicht fertig zu werden. Die Ueberlegenheit der modernen Waffen wird den Franzosen den materiellen Sieg verschaffen; bis sie aber eines moralischen Sieges fähig fein werden, sind sie ge­zwungen mit starker Militärmacht ständig auf Wache zu stehen, und inzwischen wird der europäische Continent von ihnen Ruhe haben. Sogar die Meinung wagt in Frankreich, freilich unter der Entrüstung der Gambettisten, schon laut zu werden, daß der Schritt nach Tunis die deftnitive Abwendung von der Continentalpolitik, die für Frankreich seit zwei Jahrhunderten ohnehin nur Niederlagen und Kathastrophen eingetragen habe, und den Uebergang zur Colonialpolitik bedeuten müsse, die für der biederste, der großmüthigste Mensch, dem ein Mädchen mit Stolz den Titel eines Freundes geben kann; Louis Bernier, den ich mein ganzes Leben wie einen Bruder lieben werde und dessen Mutter in Wahr­heit eine Mutter für mich gewesen ist."

„Warum hast Du ihn denn nicht qe- heirathet?"

„Weil . . . ." Ich zögerte; sein Gesicht war blaß und ganz verstört, seine Hände zitterten. Warum ihn noch länger auf der Folter lassen? „Weil ich nie Jemand geliebt habe, als Dich allein!" rief ich. Er stieß einen Schrei aus und öffnete mir seine Arme, in die ich mich warf. „Weil ich Dich liebe! Weil mein Herz nur für Dich geschlagen hat," murmelte ich.

Und dieser Mann in seiner ganzen Jugend­kraft weinte wie ein Kind! O mein Gott! wie sehr liebte er mich! wie sehr liebten wir uns! Ich schloß die Augen, um das Entzücken dieses so lange erwarteten, nicht einmal gehofften Augenblickes bester genießen zu können! Endlich glaubte ich, das Paradies., gefunden zu haben, diesen Zufluchtsort, in ' dem ich ruhig meine Augey schließen konnte. Aber Ach!

„Sie hatte inich also getäuscht," sagte er endlich. „Arme Anita! Sie wieder-^ > holte mir jeden Tag die vertraulichen Mit- ■