JV1 220» Sonntag, den 25. September 188 ,
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DK rSutocte Zeitung« «rjchnnt täglich, Sonn- ans gekrrag« ausgenommen. Man abonnirt gegen BorauSSezahlung zu Falsa
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Das Centrum ist „reichsfeindlich". Ei, das wußten wir längst; ^ufgewärmter Brei schmeckt aber nicht gut, und selbst die pi» cantesten Leckerbissen und Phrasen kitzeln den Gaumen nicht mehr, wenn man sie alle Tage vorgesetzt erhält. Beste Großtante am Rhein, ich hätte Dich für genialer gehalten; Du mußt neue Schlagwörter erfinden; die alten ziehen nicht mehr! „Dem Centrum ist das Kaiserthum in dem protestantischen Hause der Hohenzollern ein Greuel." Auch alt, uralt; auf diesen Speck geht keine Maus mehr in die Falle. Und die guten Liberalen haben einen so „harten Kampf" gekämpft. Jawohl, sie haben immer Ja genickt und immer gerufen: „Der Herr Reichskanzler hat ganz Recht!" Ein harter Kampf! Rur immer feste gegen da« Centrum. „Wählet bei Stichwahlen die Candidaten jeder anderen Fraction, er ist erträglicher als ein Centrumsmann!" Also einen Socialdemokraten, Secesstonisten, Frei« conservaliven, Fortschrittler, — doch nein, da kommt Herr von Bennigsen im .Hannoverschen Courrier« und schreibt, ohne die .Kölnerin« um Erlaubniß zu fragen, einen sehr deutlichen Abschretbebrief an den Fortschritt. Er nennt den Gedanken an eine „große liberale Partei" eine „Thorheit;" er will sich dem „bewährten Jntriguenspiel linksliberaler Capacitäten nicht abermals aussetzen;" „er kann und will sich mit der Fortschrittspartei nicht verbrüdern," mit ihr keine „Gemeinschaft haben," denn fragte er, „was hülfe uns ein künstliches Zufammen- schmeißen von Elementen betrogener Denkart?" (Soll heißen: Zusammenschwei
ßen von Elementen heterogener Denkart.") Also der Bennigsen'sche Nationalliberalismus wirft dem Fortschritt recht derb den Fehdehandschuh hin, der .Köln. Ztg.« ist aber Jeder recht, der nicht zum Centrum gehört, von Cremer bis Bebel, — und.da träumen liberale Hellseher noch von einer „großen liberalen Partei", die wider dar Centrum rennen soll! Wo steckt denn eigentlich die Größe? Allenfalls im Munde der Herren Jung, Leckebusch und der übrigen Helden, die das „echte Deutschthum" gepachtet haben. Seid erst einig; dann könnt ihr auch den Mund voll nehmen; aber auch mit dem vollsten Munde erreicht ihr noch lange Nichts, denn Bismarck will Nichts mehr von euch wissen.
„Bei Leibe keinen Centrumsmann!" So stöhnt die rhein'sche Tante; „Jedweder Andre ist uns recht, Nur nicht die schwarze Bande! Reichsfeindlich sind sie alle ja, Wählt lieber Demokraten, Und seien sie auch noch so roth! — O, Freunde, laßt euch rathen!" „Mit Nichten", ruft von Bennigsen, Ich danke für Gemüse;
Der Fortschritt bleib' gewogen mir, Ich gras' auf eigner Wiese!" Derweil die Beiden zanken sich Mit keifendem Gejohle, Vergnügt und schmunzelnd rufen wir: „Das Centrum die Parole!"
Blos wenn der „Culturkampf" ins Spiel kommt, dann reichen Nationalliberale und Fortschrittler sich die Hand, und je mehr die Hoffnung sich belebt, dem kirchenpolitischen Kampfe könnte ein Ziel gesetzt werden, um so mehr bieten sie Alles auf,
Abonnements-Einladung.
Auf das 4. Quartal 1881 der ,Fuldaer Zeitung" bitten wir ungesäumt zu abonnire«.
Die,Fuldaer Zeitung" erscheint an allen Werktage« mit dem Datum des folgenden Tages und kostet vierteljährlich bei der Expedition (Buttermarkt Nr. 112) sowie an den Poftschaltern Mk. 1.50. Jrr's Haus gebracht: in Fulda Mk. 1.70, auswärts Mk. 1.90. Die Kichtung der , Fuldaer Zeitung" ist anerkanntermaßen eine entschieden katholische; auf dem Gebiete der Politik ist ihr Stand- punet der des Centrums; auf wirthschaftlichem Gebiete geht sie rücksichtslos gegen Wucherer und Halsabschneider vor und bringt häufig belehrende und anregende Artikel für die landwirthschafttrei- bende Bevölkerung. Sämmtliche Loeal- und Provineial-Rachrichte« von einigem Jnterefie. Coursund Marktberichte. Familiennachrichte« re. Inserate finden durch die ,Fuld. Ztg." die wirksamste Verbreitung.
(Die ,Fuldaer Zeitung« ist im Post-Zeitungs- Preisverzeichniß pro 1881 im II. Nachtrag sub Nr. 1673 eingetragen.)
Politische Streifzüge.
Nachdruck verboten.
„Wider das Centrum!" donnert die ,K. Ztg.« — und nun liegt es da, maufetodt!
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Tante Agnes.
Novelle von O. de C.
Ins Deutsche übersetzt von M. B.
(Fortsetzung.)
Ich seufzte und schüttelte den Kopf, wie wenn ich eine schmerzliche Erinnerung verscheuchen wollte.
„Also, Du gehst in's Kloster?" sagte er.
»Ja, Friedrich."
Wir schwiegen Beide. Es war eines von diesen vielsagenden Schweigen, für die man keine Worte hat. Wa» hätte ich ihm auch sagen können? Sollte ich ihm die ganze Wahrheit bekennen, mich in seine Arme werfen und ihm sagen: Wir sind Beide unglücklich, verlassen wir Alles, gehen wir fort und sangen ein neue« Leben an, von der Welt verachtet, aber glücklich durch unsere gegenseitige Liebe. O nein! nein, niemals I Als ich meine Augen er« hob, las ich in seinen verstörten Zügen denselben Kampf, der mir da» Herz zerriß, ich hatte Furcht. Ich mußte die Gefahr fliehen, denn wenn ich noch eine Minute länger blieb, waren wir vielleicht Beide verloren. Ich reichte ihm meine Hand und stand auf.
„Lebe wohl, Friedrich!"
Er hielt meine Hand fest.
„Agnes, ich habe eine Bitte an Dich, die Du mir hoffentlich nicht abschlagen wirst.««
„Welche?"
„Willst Du die Pathin meines Kindes sein?"
„Ja, Friedrich!"
„Wenn e» ein Mädchen ist, wirst Du mir erlauben, sie Agnes zu nennen. Agnes von Billery, sagte er mit einem Ausdruck voll Zärtlichkeit, der mich erschreckte. Er hielt noch immer meine Hand fest. Sollte ich mich in seine Arme werfen und ihm sagen: Ich liebe Dich, und habe Niemand geliebt, als Dich! O nein! Die Gefahr selbst gab mir Kraft, ich zog heftig meine Hand zurück und verließ schnell das Zimmer. Es war mir, als ob man- mir das Herz aus der Brust reiße.
Bon jetzt an war mein Entschluß unerschütterlich. Noch einige Monate und ich werde eine unübersteigliche Mauer zwischen uns gesetzt haben. Ich liebe ihn zu sehr, um ihn wieder einer ähnlichen Versuchung auszusetzen. Meiner Liebe zu ihm war ich es schuldig, seine und meine Ehre unbefleckt zu erhalten.
XTV. C a p i t e l.
Im Hospital.
Also noch einige Monate! Ich hatte
mich ohne dar mindeste Vergnügen wieder an meine Malerei gegeben, welche jetzt für mich eine große Lohnarbeit geworden war, denn ich glaubte, wenn die Kaufleute sie mir gut bezahlt hätten, wäre es mir gleich- giltig gewesen, mein ganzes Leben Scymet- terlinge und Vergißmeinnicht zu malen. Mein Gefühl für Kunst erlosch in mir, und wenn ich glaubte, mir eine Stunde Ruhe geben zu können, war es mein ein- ziges Vergnügen, in die Rue de Monceau zu den barmherzigen Schwestern zu gehen. Sie hatten sich an mich gewöhnt und ich durfte ihnen zuweilen in ihren Arbeiten behilflich sein. Auf diese Weise waren vierzehn Tage vergangen. An einem warmen Julinachmittag hörte ich an der Thüre unserer Wohnung schellen. Ich glaubte es sei mein Vater, denn wir hatten jetzt sehr selten Besuche, aber da die Saalthüre sich öffnete, erstaunte ich unwillkürlich, als ich Msr. Bernier eintreten sah. Er hatte es ohne Zweifel bemerkt, denn er sagte:
»Oh! haben Sie ferne Furcht, mein Fräulein; ich bin nicht gekommen, um Sie lange mit meiner Gegenwart zu belästigen, und will Ihnen gleich ohne alle Umschweife sagen, was mich zu Ihnen führt. Meine Geschäfte in Pans erfordern einen Mann, dem ich mein ganzes Vertrauen schenken