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Samstag, den 24« September 188

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« d«Sxpeditisn, Buttermarkt Nr. 112 .auSwärtS bei den Postämtern. Der vierteljährliche «bonnementSprei« beträgt aaSlchl-eglich S ringerlohn in Fulda ein« Mark und 56 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf-, auSwärtS Sei »en Postämtern: Sei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg-, inS HauS gebracht I Mark 90 $fg Di« ,'.«uftrirten «o mtsgSSlätter' der Fulda« Zeitung kosten ot-rteljährlich in Fulda SOPfg., auswärt» am Psstichalt« 25 Pfg-, in'S Haus gebracht 40 Pi.

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Kammersängerin Lilli Lehmann den jüdischen Redacteur Davidson hinter dir Ohren und wurde in Folge dieser „Judenhetze" im königl. Opernhause mit Blumen und Lor« beerkränzen überschüttet; in München wurde ein Soldat, der das Pferd eines Lieute­nants geschimpft hatte, zu drei Tagen Mittelarrest verurtheilt „wegen ungeeigneten Benehmens gegen ein Officiers-Pferd"; in Pest geriethen der Hauptmann Lendl und der Lieutenant Göczel hintereinander, was von den Großmagyaren als vollgiltiger: Beweis angesehen wird, daß Oesterreich und Ungarn keine gemeinsame Armee haben dürfen, und in Bern schnüffeln die Bundes- i räthe nach den Jesuiten, die bei dem Ca« nisiuSfeste in Freiburg das eidgenössische Republikchen in Gefahr und die schweizer. Berge ins Wanken gebracht haben sollen; einem liberalen Gerüchte zu Folge sollen ; sogar die staatsgefährlichen Jesuiten den \ Bergsturz im Canton Glarus verschuldet; haben, der das Dorf Elm zum Theil ver- ; schüttete.

Die Lilie schlug den Davidsohn, Und Kränze wurden ihr zum Lohn. Der stolze Sohn der Pußta schreit: „Ich will ein ganz besondres Kleid!" Doch betet nur ein Jesuit, Gleich schreit die ganze Hölle mit!

Aber damit sind die Rempeleien, Hetzereien

und Prügeleien nicht erschöpft; bewahre, s wofür wäre die Erde denn so groß und j der Mensch so klein; wofür gäbe es Mei- j nungsverschiedenheiten, Selbstsucht, Ehrgeiz i harte Fäuste und noch härtere Köpfe, wenn j dieselben keine Rolle spielen sollten in der ° großen 'Menschheitskomödie? Anstatt, daß

in Bayern die Katholiken nach dem schwer erfochtenen Wahlsiege sich die Hand reichen und gemeinsam eine feste Burg und Pha­lanx gegen den Liberalismus bilden, spalten sie sich in zwei Parteien, „Extreme und Gemäßigte", hauen sich selbst die Schädel ein, und der Gegner lacht sich ins Fäustchen. — In Rom, wo vor elf Jahren die Truppen Victor Emanuels einzogen, haben es die Radicalen schon zu jener Vollkom­menheit ihrer Grundsätze gebracht, daß sie den Papst aus der ewigen Stadt vertreiben und den Thron Umberto's stürzen wollen; der König der Revolution, der schon mit einem Fuß an dem klaffenden Abgrunde steht, den seine Freunde gegraben, sucht Allianzen, um sein purpurnes Kartengehäuse zu veraffecuriren; aber Häuser mit feuer­gefährlichen Stoffen nimmt keine Brand­versicherungsgesellschaft gerne auf. — Die „Brüder" in Belgien gingen in ihrem Hasse gegen die katholische Kirche so weit, daß sie den Klerus von allen Ratioualfesten ausschloffen, bis dir König hinter die „tole­ranten" Schliche und Kniffe kam und sehr ungnädig dazwischen fuhr; natürlich fällt jetzt die liberale Meute brüderlich-biffig | über den König selbst her. —Der Bürger­meister von Lille hat seine Gesinnungsge­noffen in Belgien aber noch um eine Pferde­länge überholt, denn er hat sogar den Geist­lichen verboten, das Ornat anzulegen, wenn sie einem Sterbenden die letzte Wegzehrung bringen; das soll eine „De­monstration" sein! Unser Herrgott, der Herr Himmels und der Erde, muß sich also vor dem Bürgermeister von Lille

Abonnements-Einladung.

Auf das 4. Quartal 1881 -er ,Fuldaer Zeitung^ bitten wir un­gesäumt zu abonuire».

Die„Fuldaer Zeitung^ erscheint an allen Werktagen mit dem Da­tum des folgenden Tages und kostet vierteljährlich bei der Expe­dition (Buttermarkt Nr. 112) so­wie an den Postschaltern Mk. 1.50. Ins Haus gebracht: in Fulda Mk. 1.70, auswärts Mk. 1.90. Di- Richtung der „Fuldaer Zeitung^ ist anerkanntermaßen eine ent­schieden katholische; auf dem Gebiete der Politik ist ihr Stand­punkt der des Ceutrums; auf wirthfchaftlichem Gebiete geht ste rülkstchtslos gegen Wucherer und Halsabschneider vor und bringt häufig belehrende und anregende Artikel für die landwirthschafttrei- bende Bevölkerung. Sämmtliche Local- und Provincial-Nachrichten von einigem Juterefie. Cours­und Marktberichte. Familieunach- richten re. Inserate finde« durch die ,Fuld. Ztg.^ die wirksamste Verbreitung.

(Die ,Fuldaer Zeitung* ist im Post-Zeitungs- Preisverzeichniß pro 1881 im II. Nachtrag sub Nr. 1673 eingetragen.)

Politische Streifzüge.

Nachdruck verboten.

Prügelkien und Zänkereien an allen Ecken und Enden! In Berlin schlug die zarte

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Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

Ins Deutsche übersetzt von M. B.

(Fortsetzung.)

„Bah! Du bist schwach genug gewesen, ihm Geld zu geben! Ah! meine Likbe, Du bist sehr gut! Mache es wie ich. Noch gestern war er wieder hier, um Geld von mir zu fordern, ober ich habe ihm deut­lich erklärt, daß ich für mich selbst nicht genug hätte, und ihm sogar gerathen, sich an Dich zu wenden, weil ich überzeugt war, daß Du es ihm abschlagen würdest. Man leistet ihm einen schlechten Dienst damit. Du weißt, daß er sich von, ich weiß nicht welchen Polen, prellen und ausplündern läßt, abgerechnet von dem, was er im Spiele verliert; ich rathe Dir, ihm nichts mehr zu geben. Wenn Du nicht so schwach gegen ihn gewesen wärest, hättest Du mir wahr­scheinlich den Dienst leisten können, den ich von Dir begehre."

„Nein, Anita, nie!" sagte ich mit Nach­druck, , mein Gewissen würde sich immer dageren gesträubt haben."

„O ja! heilige Agnes! Ich weiß, Du willst für ein Muster der Tugend und der Pflicht gelten! Ich habe ein schlechtes Ge­schäft gemacht, daß ich Dir Deinen Vetter -

von Villery genommen habe; ich hätte ihn , Dir laffen sollen, dann konntet Ihr die ; Tugend zusammen ausüben." In dem | höhnischen Lächeln, mit welchem sie diese» ; sagte, glaubte ich meinen Vater zu erkennen.

Ich stand gleich auf und entfernte mich.

An der Hausthüre, die ein winziger Groom sich beeilte, mir zu öffnen, hörte ich mich rufen. Als ich mich umwendete, sah ich Friedrich, welcher mir winkte, in eines der Zimmer des Erdgeschosses einzutreten. Es war ein reizendes, ganz mit Liller Atlas ausgepolstertes Boudoir.

„Agnes, ich wußte, daß Du bei Anita warst," sagte er, „ich habe Dich erwartet, denn ich will mit Dir sprechen." Er hieß mich Platz nehmen und blieb vor mir stehen.

„Du wirst mich vielleicht unbescheiden finden und mir vorwerfen, mich in Sachen zu mischen, die mich nicht« angehen; aber ich halte es für meine Pflicht, es zu thun, denn nach Deinem Vater hast Du keinen anderen Beschützer als mich. Nicht wahr, Du hast nicht aufgehört, meine kleine Schwester zu fein?" sagte er mit einem traurigen Lächeln.

„Nein," erwiederte ich zitternd.

„Weißt Du, daß Dein Vater spielt?" Ich machte ein bejahendes Zeichen.

„Daß er auf eine Weise spielt, die ih" unvermeidlich in's Verderben stürzt, und daß die Gesellschaft, in die er sich geworfen, Deinen Aufenthalt in seinem Hause un­schicklich und gefährlich macht?"

Ich antwortete nicht, ich wußte es wohl.

„Agnes," sagte er nach einem kurzen Schweigen, „ich kenne nicht die Ursache, weshalb Deine Heirath mit Mr. Bernier, welche Du auf den Monat Septemper fest­gesetzt hattest, noch nicht stattgefunden hat. Wenn Dir aber Deine Zukunft und Dein Ruf lieb sind, mußt Du Dich bald ent­schließen."

Mein Herz schlug hörbar, ich hatte Mühe zu antworten.

„Ich werde nie Mr. Bernier heirathen," sagte ich leise.

„Deine Heirath ist also aufgelöst?"

„Ja, seit gestern."

„Wirst Du mich unbescheiden finden, wenn ich Dich frage, aus welchem Grunde?"

Seine Stimme zitterte vor Bewegung und ich wagte kaum ihn anzusehen. Ich stockte. Sollte ich ihm die ganze Wahrheit sagen, ihm sagen, Anita hat Sie betrogen und ich habe sie nicht mit Lügen gestraft, um sie nicht ihrer Achtung zu berauben. Ihm gestehen, aus welcher Ursache ich Mr. Bernier nicht jheirathete, ihm sagen