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JVi 218

Freitag, den 23. September 1881

Di« »Fuldaet Zrirung' erscheint täglich, Sona- and Feiertag« ausgenommen. Stan abonnirt gegen BorauLvezahlunz zu Fulva itl d« Expedition, Buttermarkt Nr. 112,auswärts beiden Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt auSschleßlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und 48 R.-Pfg., mit Bringeriohn 1 R. 70 Pf., auswärts bei dm Postämtern: bei der Post »bgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Hau« gebracht 1 Mark 90 Psg Bi» »illustrieren SorntagLblStter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fnlda SO Pkq., auswärts am Postschaiter S5 Pfg., in'S Haus gebracht 40 Pf.

Ins« rat er Di« Petit,eil» »der beten Raum 10 Psg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Abonnements-Einladung.

Auf das 4. Quartal 1881 der /Fuldaer Zeitung' bitte« wir un­gesäumt zu abonnire«.

Die /Fuldaer Zeitung' erscheint an allen Werktagen mit dem Da­tum des folgenden Tages und kostet vierteljährlich bei der Expe­dition (Buttermarkt Nr. 112) so­wie an deu Postschaltern Mk. 1.50. In s Haus gebracht: in Fulda Mk. 1.70, auswärts Mk. 1.90. Die Richtung der ,Fuldaer Zeitung' ist anerkanntermaßen eine ent­schiede« katholische; aus dem Gebiete der Politik ist ihr Stand- punet der des C-ntrums; auf wirthschaftlichem Gebiete geht ste rückstchtslos gegen Wucherer und Halsabschneider vor und bringt häustg belehrende und anregende Artikel für die landwirthfchafttrei- bende Bevölkerung. Sämmtliche Local- und Provineial-Nachrichten Von einigem Interest-. Cours­und Marktberichte. Familiennach­richten re. Inserate stude« durch die ,Fuld. Ztg.' die wirksamste Verbreitung.

(Die »Fuldaer Zeitung' ist im Post-Zeitungs- Preisverzeichniß pro 1881 im II. Nachtrag sub Nr. 1673 eingetragen.)

* Frieden oder Waffenstillstand! (Schluß.)

Der Kriegszustand dauert somit fort, aber trotzdem suchte man nach jenen ver-

ä geblichen Verhandlungen durch thalsächliches | Entgegenkommen dem Frieden näher zu rücken. Es wurden die Capitularvicare gewählt und ohne maigesetzlichen Eid zuge­lassen; die Diöcese Trier erhielt unter denselben Zugeständniffen einen Bischof wieder. Sogar verlautet bereits jetzt, daß beim hl. Stuhle eine diplomatische Ver­tretung Preußens wieder accreditirt wer­den solle, woraus man allenfalls schließen dürfte, daß die Regierung die Herstellung eines wirklichen Friedens für die nächste Zeit in Aussicht faßt. Vorläufig besitzen wir aber noch nicht einmal einen voll­ständigen Waffenstillstand, da die staatlichen Waffen, die Maigesctze, wenn auch nicht in ihrer ganzen Schneidigkeit, in Wiiksam- keit sind.

Allem Anschein nach wird die Regierung bei der Erkenntniß, daß der Principien- streit nicht zu lösen, und daß die Fort­setzung des Krieges den Staat am meisten schädige, die Kirche aber durch den Kampf an Ansehen und geistiger Macht nur noch gestiegen ist, die Absicht haben, einen sog. „modus vivendi“, also einen Waffenstill­stand von unbestimmter Zeit herzustellen und denselben praktisch durch gegenseitiges Entgegenkommen sich selbst bilden lassen zu wollen. Der modus vivendi ist, wie wir früher schon sagten, kein eigentlicher Frieden, er kann aber dazu führen; sein Wesen besteht darin, daß die Streitfragen bei Seite gestellt und daß Normen ver­einbart werden, unter denen ein Neben- und Miteinandergehen der bisherigen Gegner möglich ist. Der modus vivendi

ist aberg immer noch ein Zustand des gegenseitigen Mißtrauens, das auf die Dauer weder dem Staate, noch der Kirche zum Nutzen gereicht. Die Waffen werden zwar nicht gebraucht, können aber jederzeit wieder vom Fechtboden geholt werden, sie bleiben also wie ein Damoklesschwert über dem Haupte der Kirche hängen. Solch ein Verhältniß frommt weder dem Staat noch der Kirche, die beide eine göttliche Mission besitzen: der Staat für das bürgerliche Wohl seiner Angehörigen, die Kirche für die ewige Bestimmung des Menschen. Aus dieser doppelten Mission desselben Ur­sprungs ergibt sich von selbst, daß keine dieser beiden Gewalten über die andere herrschen soll, sondern daß beide sich gegen­seitig die Hände reichen und vertrags­mäßig dasjenige thun, was zu allseitigem Besten gereicht, jeder Theil aber in seiner Sphäre autonom bleibt. LKNMMKÄ

Das freudigste Ereigniß in den bis­herigen Kämpfen ist, daß endlich der Staat das verkehrte Princip aufgegeben hat, einseitig über die Verhältnisse der Kirche zu verfügen, daß er vielmehr auf den früheren Vertragsweg zurückgekehrt ist. Das geschah schon zu Kissingen und soll nun eine mehr normale Gestalt in der Wiederherstellung einer diplomatischen Vertretung beim hl. Stuhle finden. Der Liberalismus erinnert hierbei den Fürsten Bismarck an das geflügelte Wort: „Nach Canoffa gehen wir nicht." Fürst Bismarck wird sich aber an solche Allarmrufe nicht kehren, ist er doch von der Nothwendigkeit einer Umkehr überzeugt, die alle Welt an-

44 Tante Agrres.

Novelle von O. de C.

Ins Deutsche übersetzt von M. B.

(Fortsetzung.)

„Aber," sagte sie endlich, „ich habe Dich ? nicht gebeten zu mir zu kommen, um über \ dieses zu sprechen. Die Sache ist, daß ich ■ mich in einer großen Verlegenheit befinde, i aus der Du mir heraurhelfen kannst, wenn ; Du e« willst. Friedrich ist so geizig, daß - er mir alles verweigert, um was ich ihn, bitte Ach! meine Liebe! was für eine i Dummheit habe ich begangen, ihn gehet- j rathet zu haben. Er hat nicht Vermögen | genug für mich und ist nicht der Welt- j mann, für den ich ihn gehalten. Auch fein , Charakter hat sich sehr geändert, er ist zwar ' immer gut und sanft, aber unerträglich : ernst. Früher ließ er mich mein Geld ; ausgeben, wie ich es für gut fand, jetzt i hat er Einfälle von Ordnung und Spar- I samkeit, die mich empören. Glaubst Du i wohl, daß er verlangt, ich soll Alles baar; bezahlen? Es ist so ermüdend, immer; Geld in der Hand zu haben! Und ich ver­sichere Dir, die Kaufleute geben sehr gerne auf Rechnung. Kürzlich sah ich einen präch­tigen Schmuck von Rubinen und Perlen,

er ist wunderschön und merkwürdig billig. Ich habe ihn hier und werde ihn Dir zeigen. Ich ließ mir denselben gleich bringen, aber als Friedrich ihn gesehen, hat er mir in einem sehr barschen Tone erkärt, daß er mir verbiete, ihn zu kaufen, ich hätte schon genug Schulden gemacht und wir hätten nicht mehr die Mittel, ähnliche Dummheiten zu bezahlen. Als ob das Vermögen von ihm her käme, hat er mir die sieben oder acht Bälle vorgeworfen, die ich diesen Win­ter gegeben habe und die, wie man allge­mein behauptet, die schönsten der Saison gewesen sind. Er hat mir gesagt, daß wir bei einer solchen Lebensweise bald genölhigt sein würden, Aller zu verkaufen. Ich habe ihm erwidert, es sei seine Schuld, weil er nicht auf Rechnung nehmen wolle, später finde man immer Mittel, dieses zu ordnen, Das Ende dieser Geschichte war, daß er dem Juwelier den Schmuck zurückgebracht hat; weil ich mich aber nicht beherrschen laffen will, so habe ich ihn selbst wieder­geholt, jetzt will der Juwelier gleich bezahlt sein, diese Leute machen lächerliche For­derungen. Ich habe keinen Pfennig und ich fürchte, daß er sich an Friedrich wendet, und dann wird es wieder eine Scene geben. Du bist so gut und liebst Deinen Vetter so sehr, ich dachte, Du würdest mir gerne

diese Summe leihen, um ihm eine Unan- i nehmlichkeit zu ersparen."

i „Meine liebe Anita, ich versichere Dir, ! daß ich keinen Augenblick zögern würde, ! Dir alle möglichen Dienste zu leisten außer I denjenigen, welche mein Gewissen mic ver­bietet; ich kann Dir nicht helfen, Deinen Mann zu betrügen."

, „Oh! ich war sicher, daß Du es mir abschlagen würdest. Du gleichst Deinem Vetter zu sehr, um nicht auch so geizig zu sein, wie er. Ich erkenne darin ganz die Ideen meines lieben Mannes. Gestern brachte man wieder eine Rechnung von einem Wa- genfabricanten, aber ich konnte doch keine Victoria entbehren und wie eine Provin- cialin in meinem Landauer in’« Bois de Boulogne fahren. Dann lieber gleich der Stellung zu entsagen, die ich mir al» ele­gante Dame gemacht habe. Mein Herr Gemahl hat es übel genommen, daß ich eigenmächtig gehandelt habe, und als ich ihm sagte, der Kaufmann habe eingewil- ligt, so lange zu warten, wie ich wollte, wenn ich ihm die Zinsen bezahle; aber er wollte nichts davon hören, hat die Rechnung selbst gleich bezahlt und mir angekündigt, daß er Villery verkaufen würde, um meine anderen Schulden bezahlen zu können.

„Villery verkaufen!"