Jte 216. Mittwoch, den 21. September WM
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-h- Nutzen des Culturkampfs.
Mit schöneren und wahreren Worten i kann man den Nutzen des Culturkampfs wohl nicht schildern, als dies der Herr Bischof von Münster in einem Schreiben vom 28. v. M. gethan, das er an seine Diöcesanen als Antwort auf die Glückwünsche richtete, die ihm zu seinem Namenstage (Fest des hl. Bernard am 20. Aug.) zugegangen waren. Im Eingänge seines Schreibens weist der Herr Bischof auf die Trümmer und Ruinen hin, die der Cultur- kampf auch in der Diöcese Münster geschaffen hat, die jedoch in allen Diöcesen, welche durch den Tod oder die Verbannung ihrer Bischöfe verwaist sind, fast dieselben sind; aber es wirkt immerhin erschütternd, wenn man folgende Stelle des bischöflichen Schreibens liest: „In neunzehn Gemeinden sind die Gotteshäuser verödet, das ewige Licht vor dem Tabernakel ist ausgelöscht, weil der nicht mehr im Tabernakel wohnt, der als das Licht der Menschen in die Welt gekommen ist. Die Eingesessenen denken mit Zittern an die Stunde ihres Todes, weil sie fürchten, es möchte ihnen in dieser ernsten Stunde, welche über die ganze Ewigkeit entscheidet, der göttliche Beistand fehlen und kein Priester gegenwärtig sein, der ihnen die hl. Sterbesacra- mente spendet."
„Doch", fährt nunmehr der Herr Bischof in seinem Schreiben an seine Diöcesanen fort, „ihr habt gelernt, die Ereignisse in der Welt mit dem Auge des Glaubens zu betrachten. Durch den Glauben seid ihr unerschütterlich überzeugt, daß Gott die
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Tante Agnes.
Novelle von O. de C.
Ins Deutsche übersetzt von M. B. (Fortsetzung.)
„Ich bin sehr strafbar," wiederholte ich, indem ich mich vor sie hinkniete, wie ich es bei meiner Großmutter that. „Ich hätte Sie und Ihren Sohn bald betrogen. Ur- theilen Sie selbst, ich will Ihnen nichts verhehlen, ich will Ihnen Alles bekennen, und Sie werden sagen, daß ich Recht habe. Ich habe eingewilligt, die Frau Ihres Sohnes zu werden, den ich von ganzer Seele hoch- achte, der aber leider nicht die erste Stelle in meinem Herzen einnimmt, obschon er die Liebe einer Frau verdient, welche hundertmal besser ist als ich. Ich habe zuge- laflen, daß er sich an mich angeschlossen und sein ganzes Glück in die Hoffnung gesetzt hat, daß ich ihn lieben würde, und ich werde ihn nie lieben! Nein, nie; bitte, unterbrechen Sie mich nicht, lassen Sie mich mein Bekenntniß beendigen. Mein Herz ist nicht frei, ich liebe leidenschaftlich einen Mann, welcher der Gemahl einer Andern ist und weil ich daran zweifle, diese Liebe aus meinem Herzen reißen zu können, bin ich gekommen, Sie anzuflehen, Ihren Sohn zu überreden, mir zu entsagen.
Welt weise regiert, daß ohne Gottes Willen i und Zulassung nichts geschieht, daß er bei Allem die weisesten und besten Absichten hat, wie für die gesammte Menschheit, so für den Einzelnen, und daß er durch seine Allmacht Alles und Jedes, das Kleine wie das Große, so lenket und leitet, daß seine Absichten erfüllt werden, daß er selbst die Verfolgungen der Kirche seitens der Menschen, mithin auch den gegenwärtige Cultur« kampf, eingepaßt hat in den Plan seiner Weltregierung, und daß jene durch seine weise Fügung der Kirche, gegen den Willen und die Absicht der Verfolger, stets zum Nutzen und Segen gereichen. Wie groß wäre nicht schon für uns der Nutzen des Culturkampfs, wenn wir au« demselben die große Wohlthat, welche uns durch die Einsetzung des Priesterthums zu Theil geworden, und die kostbaren Gnadenschätze und Segnungen, welche uns durch dasselbe zufließen, gehörig schätzen lernten und lebendig erkennten, welchen Werth und welch' hohe Bedeutung das Priesterthum für die menschliche Gesellschaft hat, und was aus dieser werden würde, wenn wir keine Priester hätten. — Vor dem Culturkampfs haben wir durch eine lange Reihe von Jahren die Gnaden und Segnungen des Priesterthums im reichsten Maße genossen. Jetzt wird uns dieser reiche Segen entzogen, die Priester werden uns genommen, vielleicht weil wir in den früheren Jahren jene Gnade nicht nach Gebühr hochgeschätzt, weil wir uns dieselben nicht gehörig zu Nutzen gemacht oder gar mißbraucht, weil wir uns am Priesterthum schwer versündigt
haben. Glücklich wären wir in diesem Falle, wenn wir au» der Entbehrung und dem Mangel der Gnaden, den wir in Folge des Culturkampfs erleiden, unsere frühere Undankbarkeit erkennten, und aufrichtig bereuten, wenn wir von nun an den hohen Werth der reichen Gnadenschätze und Segnungen, welche uns im Priester- thume geboten werden, gebührend würdigten, und alles Ernstes uns befleißigten, dieselben zur Heiligung unserer Seele gewissenhaft zu benutzen." Wie schön und eindring, lich, wie wahr und begründet sind diese Worte de« Herrn Bischofs von Münster! In der That, wenn die christl. Gemeinden aus dem Culturkampfe nur das Eine lernen würden, von nun an die Würde und die Segnungen des Priesterthums besser und höher zu schätzen, al» die» früher leider vielfach der Fall war, der Cultur- kampf hätte in dieser Hinsicht schon uner- meßlichen Nutzen gestiftet! Der Herr Bischof von Münster sagt uns aber auch in seinem Schreiben, was der Culturkampf eigentlich sei. „Dieser ist für uns Katholiken der Kampf um die der Kirche entrissene Freiheit. So lange diese der Kirche nicht zurückgegeben wird, so lange letztere unter den Ketten schmachtet, welche die Maigesetze ihr geschmiedet, so lange sie unter der Allgewalt des Staates steht, würde diese auch in der wohlwollendsten Weise gehandhabt — und abhängig bleibt von der Gunst oder Ungunst der Staatsbehörden, so lange die Bischöfe verurtheilt sind, in Betreff ihrer wichtigsten Amtspflichten entweder in gebundener Unthätigkeit auf bessere Zeiten zu
Haben Sie Mitleid mit mir! Sie wissen nicht, wie schwer es mir wird diesen Schritt zu thun 1 Sie sind meine einzige Freundin. Ich habe mich daran gewöhnt, Sie als meine Mutter zu betrachten, und wäre Ihre Sohn mein Bruder, ich könnte ihn nicht mehr lieben wie ich ihn jetzt liebe; aber verzeihen Sie mir, ich kann ihn nicht heirathen, mein Gewissen verbietet es mir. O, haben Sie Mitleid mit mir!" Und weinend küßte ich ihre Hände.
„Arme» Kind!" sagte sie ganz leise, so leise, daß ich in einer Aufwallung von Glück den Kopf erhob.
„Ah, Sie verzeihen mir! Sie verstehen mich! Sie sind ein Engel der Güte!"
„Und Sie ein Engel der Redlichkeit und der Aufrichtigkeit." Wir hielten un» lange umarmt und weinten.
Den Saphir ließ ich langsam in ihre Hand gleiten.
„Sie selbst werden ihn ihm zurückgeben."
„Ach Kind! Sie sind grausam! Sie brechen sein Herz und Sie wollen, daß seine Mutter ihm den Schlag versetzt!"
„Weil sie auch die Einzige ist, welche die Wunde heilen kann," sagte ich.
„Aber was wird aus Ihnen werden, mein arme« Kind?"
„Der liebe Gott wird für mich sorgen,
ich habe meine ganze Hoffnung auf ihn gesetzt."
XIII. Capitel.
„Erlauben Sie mir, mein Fräulein," sagte Schwester Marie zu mir, „daß ich meine Austheilung beendige, sogleich stehe ich zu Ihren Diensten. Wenn Sie mich im Sprechzimmer erwarten wollen, werde ich Ihnen dahin folgen."
Sie hatte in einer Hand eine Flasche und in der andern ein Glas, in das sie Chinawein goß, welchen sie einer armen Frau zu trinken gab, deren Krankheit, wie ich glaube, Elend hieß.
Ich ging in da» Sprechzimmkr; e» war ein großer, langes Zimmer, dessen Fenster auf einen mit Bäumen bepflanzten Klosterhof gingen; die Stühle, vor denen kleine, runde Strohmatten lagen, standen symmetrisch an den Wänden umher; in der Mitte de» Zimmers war ein Tffch ohne Teppich und auf dem Kamine stand zwischen zwei künstlichen Blumensträußen eine Mutter- gottesstatue.
Bald und mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen trat die Schwester herein. Ohne falsche Bescheidenheit, aber auch nicht mit Dnistigkeit, sah sie mir mit ihren klaren Augen frei in's Gesicht. Sie war groß und schmal und mußte sehr schön gewesen