Dienstag, den 20. September LML
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-g- Was der Handwerkerstand < will!
In jüngster Zeit wurden bekanntlich in j verschiedenen norddeutschen Städten sog. | Handwerkertage gehalten. Auf diese An« \ regung hin fand am 29. v. M. auch zu j Würzburg im Saale des Platz'schen Gartens eine sehr zahlreich besuchte Versammlung von Handwerksmeistern und Ge« werbtreibenden statt, welchem der schönsten Weise verlief. Die Politik spielte hiebei keine Rolle, es waren Vertreter aller politischen Parteien anwesend, aber sie vereinigten sich alle in dem Bestreben, gemeinsam an der Besserung der gewerblichen Zustände zu arbeiten und ein möglichst vollkommenes Bild von den Wünschen und Anschaungen des Handwerkerstandes zu bieten. Die Debatten waren selbstverständlich sehr lebhaft, aber stets sachlich, die Ansichten differirten oft stark, aber sie klärten sich in der Discussion und wurden schließlich mit großer Mehrheit folgende sehr be« herzigenswerthe Resolutionen von der Versammlung angenommen. Dieselben lauten:
In Erwägung:
I. Daß die unbeschränkte Gewerbesreiheit den soliden Handwerkerstand schwer schädigt;
II. daß zur Abhilfe des gegenwärtigen gewerblichen Rothstandes ein selbst- i ständiges Vorgehen der Handwerks- l meister dringend geboten und die Er« | richtung gewerblicher Verbände (Innungen) nothwendig ist;
III. daß durch die Freizügigkeit und Verehelichungsfreiheit große sociale Nach
theile, insbesondere für den Gewerbestand erwachsen sind;
IV. daß durch blos theoretische Fachbildung dem Handwerk nicht aufgeholfen wird, und die Werkstätte stets die beste Schule für den angehenden Handwerker bleiben muß;
V. daß das Haufirwesen, die Wanderlager, die Auctionen fertiger gewerblicher Produkte, die Ausnützung der Gefängnißarbeit durch die Großindustrie hauptsächlich zum Ruin des Kleingewerbe« beigetiagen haben, sowie daß das Submissionswesen einer Abhilfe bedarf;
VI. daß die jetzige Besteuerungsform den | Concurrenzkampf des Kleingewerbes mit der Großindustrie erschwert;
VII. daß ohne religiöse Grundlage dem Handwerker der rechte Segen fehlt, beschließt die Versammlung in Uebereinstim- mung mit den Beschlüssen der in Köln, Dortmund, Breslau, Berlin u. s. w. stattgehabten Handwerkertage und in Berücksichtigung der localen Verhältnisse in Würzburg folgende Resolutionen:
1. Eine gründliche Revision der Gewerbeordnung im Sinne einer weisen Beschränkung der Gewerbefreiheit.
2. Errichtung von Innungen mit corpora« tivrn Rechten, Abänderung bezw. Erweiterung des Reichsgesetzes vom 18. Juli 1881 (Jnnungsvorlage), Feststellung des Wirkungskreises der Innungen innerhalb des Rahmens der Reichsgesetzgebung durch die Landesgesetzgebung.
3. Beschränkung der Freizügigkeit und
der Verehelichungsfreiheit, Reform der bayerischen Socialgesetze über Heimath und Aufenthalt.
4. Strengste Durchführung des Grundsatzes: daß Niemand Handwerksmeister sein kann oder selbstständig ein Gewerbe betreiben darf, der nicht seine Gesellen« und Meisterprüfung bestanden und von den Handwerksmeistern des betreffenden Gewerbrzweige« (Jnnungs-Vorständen) ein Befähigung«- zeugniß erhalten hat; Durchführung nachfolgender Bestimmungen:
A. des Lehrlingswesens:
a. nur selbstständige Handwerksmeister find zur Haltung und Ausbildung von Lehrlingen befugt. Meister, welche die Lehrlinge zu Zwecken mißbrauchen, die seinem Lehrberufe entgegenstehen, kann das Halten von Lehrlingen untersagt werden;
b. Besuch von Nachschülen und Fachschulen ist erwünscht und den Lehrlingen die nöthige Zeit einzuräumen;
c. ohne Lehrcontroct darf kein Lehrling ausgenommen werden;
d. die Jnnangsoorsteher sind mit der Ueberwachung des Lehrlingswesens zu betrauen;
e. alljährlich haben Lehrlings- und Gesellenprüfungen in Gegenwart der JnnungSvor stände stattzufinden;
f. Ausstellungen von Lehrlingsarbeiten sind zu veranstalten und Prämiirungen derselben vorzunehmen.
B. Bezüglich de» Gesellenwesens:
a) obligatorische Einführung von Wander« und Arbeitsbüchern;
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Tante Agnes.
Novelle von O. de C.
Ins Deutsche übersetzt von M. B.
(Fortsetzung.)
Mme. Bernier kam zu mir; weinte vor Freude und nannte mich ihre geliebte Tochter. Der Ausdruck ihrer Zärtlichkeit und ihrer Freude war so herzlich und so aufrichtig, daß ich mich glücklich schätzte, meine Abneigung überwunden zu haben, weil ich dadurch so v'el zu dem Glücke dieser beiden vortrefflichen Menschen, welche ich so innig liebte, beigetragen hatte. Dennoch machte ich mir Vorwürse, daß ich die Gesellschaft der Mutter die de» Sohne» vorzog. Sehr oft legte ich meinen Kopf auf die Schulter dieser treuen Freundin; schloß die Augen und suchte mir vorzustellen, sie sei meine Mutter und Louis Beinier habe nie ex stirt. In diesem Augenblicke fühlte ich mich glücklicher, al« wenn er mir von seiner Liebe sprach. Sie forderte nur meine >' Freundschaft; er aber forderte mehr. Ar- \ nur Louis Bernier! Warum hatte er sich - an mich angrschlvssen?
Eines Tages kam er viel freudiger als ; gewöhnlich zu mir. i
„Ich habe Ihnen nie Etwas gescherkt," ! sagte er: „Wollen Sie mir erlauben Ihnen
Etwas zu geben, was Sie an mich erinnern soll?"
Er nahm meine Hand und steckte einen einfachen goldenen Ring mit einem prachtvollen Saphir an meinen Finger.
„Unser Verlobungsring I" sagte er ganz leise.
Al« er weggegangen und ich allein in meinem Zimmer war, betrachtete ich sein Geschenk und bemerkte, daß ich an diesem Finger schon einen andern kleinen Ring trug, auf dem fünf blaue Türkisen ein Vergißmeinnicht bildeten. Wie prächtig hatte er mir geschienen, al« Friedrich ihn mir einst an meinem Namensfeste an den Finger gesteckt und den ich von dieser Zeit an immer getragen hatte.
War e« da« verschiedene Blau de« Sahir« und der Türkisen, welche so schlecht; zusammen paßten, oder war e« die noch; auffallendere Verschiedenheit zwischen dieser - ehemaligen Liebe, welche noch mein ganze« Herz erfüllte und der achtungsvollen Freund- • schäft für den, der mir so eben seinen Ring > an den Finger gefleckt hatte? Ich weiß j e« nicht; aber ich zog hastig den Saphir j vom Finger und wie vom Blitze getreffen; blieb ich zitternd und unentschlossen stehen.
Ah! ich wollte mich einer strasbaren Handlung schuldig machen. Ich wußte recht gut,
daß es junge Mädchen gab, welche au« Interesse oder einfach au» Uebereir kommen Männer heiratheten, die sie nicht liebten und nicht einmal hoffen konnten, sie jemals zu lieben. Wahrscheinlich hatte ich aber nicht denselben Charakter, denn diese» war mir unmöglich, ganz unmöglich; ich konnte diesen Mann nicht täuschen, ich fühlte eine zu aufrichtige Freundschaft für ihn, um ihn ohne Liebe zu heirathen. E« war nicht nur mein Gewissen; e» war die gebietende Stimme der Pflicht, welche mich davon abhielt. Ich liebte Friedrich, ja ich liebte ihn mehr al» jemals. Ich sah ihn jetzt selten; aber jedesmal, wenn ich ihm begegnete, flog meine ganze Seele ihm entgegen. Nur ein Gegenstand, der mich an dir glücklichen Tage erinnerte, wo er für mich Alles war, machte mein Herz schon stärker schlagen. Und ich sollte die Frau eines Anderen werden, sollte ihm Liebe und Treue schwören. Ach! Gott bewahre mich vor einer solchen Lüge!
Wa» aber soll aus mir werden? Was wird mein Schicksal sein ? Sollte ich mein Leben elenderweise als alte Jungfer Herumschleppen; sehen wie von Tag zu Tag meine Jugend nutzlos dahin schwindet; mich täglich den Zudringlichkeiten Ma« schinsky'» aussetzen, oder mit seiner mir so