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Sonntag, den 18. September 1881

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xt Politische Streifzüge.

Nachdruck verboten.

Was die preußische (also keine deutsche!) Gesandtschaft beim Vatican anbelangt, so haben die Liberalen keine Ursache, sich allzu sehr zu erhitzen, wie sie es thun. Der Eine meint, „die Staatsregierung weiche Schritt für Schritt vor der unbotmäßigen Curie zurück", und der Andere behauptet, „es fei die feierliche Anerkennung des Uni« versal-Charakters der römischen Kirche". Ich meine, es sei nur ein Schachzug, ein feiner diplomatischer Griff. Man schickt Herrn v. Schlözer nach Rom; dort sitzt er an der Schwelle des Vaticans und scheint zu sagen: „Nun komm, Curie, und mache deine Concessionen!" Wenn es wirklich Ernst um den Frieden ist, warum konnte Herr Dr. Korum, der „gefesselte Bischof", nicht der Träger desselben sein? Der Welt gegenüber, die nach dem Schein ur« theilt, heißt die Sendung des Herrn v. Schlözer: „Seht, wir sind bereit; zu einer Zeit, wo andere Staaten ihre Beziehungen zum Vatican abbrechen, schicken wir einen Vertreter nach Rom; wir wollen den Frieden!" Ich möchte dies von Herzen unterschreiben können, aber ich weiß nicht, mich erinnert die ganze Geschichte an Herrn v. Bunsen, zweifelhaften Andenkens, und das sagt genug. Herr v. Schlözer soll die Aufgabe haben, über die „Grund­ansichten der Curie, über das Verhältniß der Kirche zum Staat" Hinwegzukommen; die ,Rordd. Allg. Ztg.' ist nicht einmal über die „Grundansicht" hinweggekommen, daß Pius IX. keine „stärkere" Sprache

geredet hat, wie Leo XIII.; man nennt das „ofsiciöse Geschichtsfälschung". Die Collegin der .Norddeutschen', die ,Prov.- Corr.', die sich zu jener verhält, wie ein Polizist zu einem Gendarmen, meint, man wolle den Principienstreit bei Seite lassen ! und die Schwierigkeiten im Geiste der? Liebe ebnen. Das wäre ganz schön, aber ! der Kuckuck werde klug aus dem viel- I heutigen Orakel, das dem delphischen Drei- ! fuß noch über ist; um die Officiösen zu ; verstehen, muß man schon mehr als Menschenverstand haben. Im Grunde läuft Alles auf das alte Juligesetz und die „dircretionären Vollmachten" hinaus. Wenn ein Gendarm über seine Uniform einen Civilrock anzieht, bleibt er immer ein be­waffneter Gendarm; wird es ihm schwül, dann zieht er den Rock aus und steht wie­der als Gendarm da. Fort mit den Mai­gesetzen, eher haben wir keine Ruhe und keinen Frieden. Den wirthfchaftlichen Plunder hat Bismarck den Liberalen an den Kopf geschmissen, möge er ihnen auch den kirchlichen vor die Füße werfen; an das Gequietsche der Jammergestalten, die ohnehin jetzt mit ihm umgehen, als sei er ein Reactionär und Gott weiß was, wird er sich doch nicht stören! Ein fester Ent­schluß, Durchlaucht, und Deutschland hat Frieden!

Auch der Kaiserzusammenkunft in Dan­zig wird eine Bedeutung beigelegt, als habe sie den Frieden Europas gerettet. War dieser denn bedroht? Deutschland und Oesterreich sind die besten Freunde; Italien streichelt die österreichischen Grenzpfähle und

buckelt wie eine Katze um ein Stück Fleisch; Rußland wird sich hüten, nach Westen zu marschiren, es hat im Innern mehr als genug zu thun; daß der Czar seinem Groß­oheim die Hand schüttelte und die pansla- vistischen^ ^deutschfeindlichen Gesinnungen unter den Dampfhammer einer bessern Er» kenntniß legte, bedingte sein eigenstes Inte­resse; es handelt sich also nur noch um Frankreich, das heute ganz isolirt dasteht, denn auch Spanien kündigt ihm die Freund­schaft, und England wird wohl aus dem ägyptischen Soldaten-Ausstand einen Grund herleiten, den übermüthigen Franzosen die Zähne zu weisen. In der Danziger Kaiser­begegnung finde ich Nichts weiter, als einen feinen diplomatischen Schachzug Birmarck's, der die Antwort auf die Rachereden und Prahlereien Gambetta's ist und — das erhoffte russisch-französische Bündniß mit einem .Schlage zu Wasser machte. Ein Ge­spenst, das kaum ein solches war, hat man vertrieben. Im Uebrtgen ist im Puncte der Allianzen alles Wissen Stückwerk. Es gab einmal einen Dreikaiserbund, der den Frieden der Welt verbürgte, aber er be­stand nicht einmal die Probe, die ihm das Bischen Herzegowina auferlegte. So sind bei jeder Allianz die Sonderinteressen die maßgebenden Factoren. Es war eine schöne Zeit, als Rußland unser Schwieger­sohn, resp. unser Schwager war; doch hinderte das nicht, daß der Czar Nikolaus in der entscheidenden Stunde auf die Seite Oesterreichs trat und uns die Buße von Olmütz zudictirte. Ich könnte noch an, Italien und andere Allianzen erinnern

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Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

Ins Deutsche übersetzt von M. B.

(Fortsetzung.)

„Agnes," sagte er, „ich war eben bei Deiner Schwester, ich hoffte sie würde mir ein wenig Geld leihen können, denn ich bin in diesem Augenblicke sehr in Verlegenheit; aber sie ist, wie es scheint, und zwar durch Übertriebene Ausgaben ihres Manner, eben so eingeschränkt wie ich. Kannst Du mit etwa» leihen?"

Mein Verstand würde mir gerathen haben es nicht zu thun; aber mein Ehrgeiz em­pörte sich bei dem Gedanken, daß er mich für geizig halten könnte. Ich öffnete meine Börse und gab ihm das letzte Goldstück, welches sie enthielt. In demselben Augen- blicke als er es in seine Westentasche gleiten ließ, trat Maschinsky herein.

„Ich habe die Ehre, Sie zu grüßen, mein Fräulein," sagte er, sich tief vor mir ver- beugend. „Ich glaubte nicht das Glück zu haben, Sie zu treffen; und bin gekom­men mich nach diesem lieben Marquis zu erkundigen. Wir sollten gestern zusammen speisen; wir erwarteten ihn mit der größten Ungeduld, aber er hat nicht Wort gehalten."

Als ich aufstand, um wie immer, wenn

er herein kam, den Saal zu verlassm; stellte er sich zwischen mich und die Thüre.

„Verzeihen Sie, mein Fräulein; es ist schon lange, daß ich mit der Bewilligung des lieben Marquis mit Ihnen über eine Sache zu sprechen wünsche, die mir sehr am Herzen liegt; aber Sie würdigen mich nie einer Unterredung, Sie scheinen mich sogar zu fliehen, wie eine aufgescheuchte Taube."

Mit der größten Ruhe näherte ich mich immer mehr der Thüre; er schien erstaunt, denn als ich an derselben angekommen und meine Hand ausstreckte, um sie zu öffnen, und es ihm unmöglich war noch mehr rück­wärts zu gehen, zog er sich schweigend zurück um mich vorbeigehen zu lassen. Als ich in mein Zimmer kam war mein Entschluß ge­faßt. Ich mußte einen Beschützer haben, der mich von den Unverschämtheiten, denen ich ausgesetzt war, befreite. Vielleicht konnte er auch meinen Vater von dem Abgrunde, dem er sich mit jedem Tage mehr näherte, zurückziehen, denn die traurige Erfahmng hatte mich gelehrt, daß ich nicht» thun konnte, um ihn zu retten.

Als Louis Verniet den anderen Tag kam, war er sehr gerührt, ich aber seht ruhig und auch die erste, welche sprach.

„Hören Sie, mein Freund," sagte ich,

„ich habe mich wohl bedacht und hier ist meine Antwort. Ich nehme Ihren An­trag bedingungsweise an. Ich liebe Sie nicht, wie eine Frau dm lieben muß. dem sie ihr ganzes Dasein, ihr ganzes Leben widmet; aber ich achte Sie, ich fühle eine innige Freundschaft für Sie und will auf­richtig versuchen Sie zu lieben. Vielleicht gelingt es mir, was Gott geben möge! Bis dahin seien Sie geduldig und nachsich­tig mit mir, fordern Sie nicht mehr von mit als ich Ihnen geben kann, das Ueb- rige wird vielleicht auch kommen. Es ist ein trauriges Geschenk, welches ich Ihnen da mache."

„O! Sie werden mich lieben! ich hoffe es mit Zuversicht. Ich verdiene es nicht; aber meine Liebe zu Ihnen ist zu groß, zu aufrichtig, als daß dieselbe Sie nicht rühren sollte. O! Agnes! Sie machen mich seht glücklich! Was würde es erst fein, wenn Sie mich liebten ? Großer Gott!"

Wenn ich ihn liebte! Warum konnte ich es nicht schon gleich!

„Soll ich den Marquis um seine Ein­willigung fragen?"

Ich erschrak. „O nein! nein! noch nicht!"

E» war nicht seine abschlägige Antwort, die ich fürchtete, ich hätte mich sogar glück­lich geschätzt, dieselbe L. Bernier als Ent-