Jts. 210. Mittwoch, den 14. September 1881
Fuldaer SB Zeitung.
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Ein Chilluf ist ein Challaf.
(Schluß.)
Immer wird davon gesprochen, das mobile Geldcapital beffer zur Besteuerung heranzuziehen. Hier macht ein Israelit einen Vorschlag. Nehmen wir das Gute» wo wir es finden, namentlich, wenn das Gute zu dem Besten gehört, das wir bisher in dem Sammelsurium der Reformanträge zu entdecken vermochten. Die gefährlichsten Feinde der socialen Ordnung sind aber die Actienbanken, weil sie wie ein Schwamm die kleinen Vermögen aufsaugen, die großen Geldhaufen sowie die sociale Ungleichheit stets vergrößern helfen. Man entziehe daher den Privatbanken das Recht des Wechfeldiscontos und übertrage es auf die Staatsbank, so wird sich das Großcapi« tal gezwungen sehen, in anderen vielleicht allgemein nützlicheren Speculationen sich zu versuchen.
Unser Verfasser übersieht hier die Voraussetzung, so bemerkt dazu die ,A. Pztg.' daß die Reichsbank selber reformirt werden müßte. Die Reichsbank ist eben ein Actieninstitut mit außerordentlichen Privilegien und müßte zu einem ausschließlichen Staatrinstitut erhoben werden. Der Profit aus der Notenausgabe soll künftighin der Gesammtheit zu gut kommen. Private haben darauf absolut kein Recht, da ja die Noten wie Geld cursiren und nur mit Bewilligung der Staatsgewalt den Münzcharakter erhalten. Aehnlich steht es mit dem Wechsel, dessen Bedeutung vornehmlich nur durch seine gesetzliche Privilegien geschaffen und garantirt wird. Wenn sich
nun aus den Privilegien häufige und gemeingefährliche Mißbräuche ergeben, so muß der Staat diese beseitigen. Zu dem» Ende wurde schon vielmal die Beschränkung i der Wechselfreiheit gefordert. Noch Nie«- mand war bis dato in der Lage, den Umfang des Mißbrauches zu bestimmen. Dies; wird erst möglich an der Hand der Con- j trolle, welche der verstaatlichten Reichsbank mit dem Monopol der Wechseldiscontirung j ertheilt wird. Solcher Gestalt würde der \ Wechsel den Werth einer öffentlichen, soliden i Note erhalten.
Immer wird davon gesprochen, daß die Währungsverhältnisse solider gestaltet und die allgemein giltigen Tausch- und Umlaufmittel vermehrt werden müßten, um nicht von der „goldenen Internationale" abhängig zu sein. Wir begnügen uns aber, ! über diejenigen zu schimpfen, welche uns die Goldwährung bescheert und übersehen, daß dieselben ohne Gold, vornehmlich mittelst des Wechsels die Bezahlung der französischen 5 MMarden ermöglichten. Nun stoßt sogar ein Jude dem deutschen Michel die Nase auf das Papier, welches j unsere gesetzlichen Umlaufmittel mit einem ! Male um Hunderte von Millionen vermehren [ könnte, ohne daß wir durch Abschaffung ; der Goldwährung und Einführung der ? Doppelwährung dem Reiche einen aber- ; maligen Verlust einer halben Milliarde ’ beibringen.
Immer wird davon gesprochen, daß der deutsche Handel unsolid ist, daß er mit seinen schlechten Eigenschaften die deutsche Industrie angesteckt hat, und daß diese da- ;
durch im Auslande in einen schlechten Ruf gerathen ist. Ein Israelit zeigt uns nun ein Mittel, wie wir dem notorischen Monopol an Solidität und Sicherheit im öffentlichen Verkehr entgegenarbeiten, den Handel und das Capital zum Diener der productiven Thätigkeit machen, den Schwindel bei seiner kräftigsten Wurzel angreifen, das Monopol der privaten Ausbeutung zu brechen, den Zinsfuß erniedrigen, die Anhäufung der großen Vermögen hindern, die Münzverhältnisse reguliren, die socialen Zustände verbessern, die Gleichheit Aller durch ein heilsames und gerechtes Gesetz zur Wahrheit machen, die Privilegien eines gemeinschädlichen Aurbeuterthums zum Nutzen des Volkes wie der Staats- casse abschaffen und eine großartige Bank- und Handelsreform einleiten können.
Es ließe sich noch Manches zu dem Vorschläge des Herrn A. Ephren sagen, so über die Verminderung der Executionen und Processe, die Ermöglichung einer Verbindung der Reichsbank mit der Post, der Post mit der Sparkasse und Grundrentenablösung. Je mehr wir uns in den Vorschlag der Wechselreform hineindenken, um so größer wird die Perspective, die er eröffnet. Allerdings würden durch dessen Ausführung manche zweifelhafte Existenzen gestürzt und viele ehrliche Leute an einer raschen Selbstständigmachung verhindert, allein für die ersten wäre kein Schaden, und das zweite wäre kein Unglück. Wir unterbreiten demnach dm Antrag der Prüfung denjenigen, welche sich bisher schon mit solchen Fragen beschäftigt haben
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Tante Agnes-
Novelle von O. de C.
Ins Deutsche übersetzt von M. B.
(Fortsetzung.)
Ich war im Begriffe mich in seine Arme zu werfen und ihn für die Beleidigung, welche er durch meinen Vater erfuhr, um Verzeihung zu bitten. Wie er, hatte auch ich die Kraft mich zurückzuhalten, aber ich \ fühlte wie sehr er litt. Ohne ein Wort ! zu sagen und mich gesehen zu haben, ent- j fernte er sich langsam.
Dieser Anfall schlechter Laune und Hef- : tigkeit von Seiten meines Vaters wunderte j mich nicht mehr. Er wurde über eine Kleinig. । keit zornig, und cs vergingen oft Tage, i ohne daß er ein Wort mit mir sprach. s
„Agnes," sagte er, als Friedrich fort war. ; „Ich habe mit Dir zu sprechen, willst Du mich anhören?"
„Immer, mein Vater."
„Setze Dich und höre mich; aber zuerst • wisse, daß das, was ich Dir zu sagen habe, ; sehr ernst ist, und ich bitte Dich mich nicht , zu unterbrechen, auch will ich Deine Ant- \ wort nicht gleich. Hörst Du, ich will nicht. 5 In zwei Tagen erst wirst Du mir ant- I warten, ich will Dir Zeit lassen, zu über- i legen." I
„Ja, mein Vater."
„Es handelt sich um Deine Zukunft, mein Kind. Es ist die höchste Zeit, daß Du Dich entschließest. Du wirst bald 21 Jahre alt, Deine jüngere Schwester hat sich vor Dir verheiralhct, und ich verhehle es mir nicht, daß Deine Stellung bei mir weit entfernt ist angenehm zu sein. Du hast keine weibliche Gesellschaft und mein Schwiegersohn hat es so gut verstanden sich Anita's zu bemächtigen, daß sie fast unsichtbar geworden ist. Du bist nicht mehr in dem Alter, daß ich Dir die Gesellschaft einer Gouvernante aufbürden kann, aber ich kann es nicht ertragen, Dich in Gesellschaft dieser Mme. Vernier durch Paris laufen zu sehen, deren Eitelkeit als Emporkömmling wahrscheinlich ihren Vortheil dabei findet, ihre vertraute Freundschaft mit meiner Tochter zur Schau zu stellen. Ich wünsche von ganzem Herzen Dich glücklich zu sehen und so hübsch gut und geistreich, wie Du es bist, wundere ich mich nicht über den Vorschlag, welchen man mir heute gemacht hat. Es handelt sich, wie Du vielleicht errathen hast, um einen Heirathsantrag. Du hast nicht viel Vermögen; die Erbschaft der Gräfin von Villery besteht nur in einer bescheidenen Mitgift; ich selbst bin in meinen Geldangelegenheiten sehr eingeschränkt.
„In der Partie, die ich Dir vorschlage/ ist also von keinem Interesse die Rede. Ein reicher, adeliger, höchst geistreicher, verständiger, in jeder Beziehung ausgezeichneter Mann und was noch mehr ist, mein bester Freund, hat Dich gesehen und genug kennen gelernt, um ganz von Dir eingenommen zu sein. Ich könnte keinen Schwiegersohn wählen, der mir persönlich angenehmer wäre, besonders aus einem Grunde, den ich Dir später anvertrauen werde, würdest Du mich, wenn Du einwilligst, aus einer sehr unan- genehmen Lage ziehen."
„Und wie heißt er?"
„Graf Maschinsky."
„Jhnl Nie! Aber mein Vater, was Sie mir da vorschlagen, ist abscheulich. O, mein Vater! mein Vater! ich bitte, hören Sie mich! machen Sie Ihre Tochter und sich selbst nicht unglücklich! Dieser Mensch, den Sie Ihren Freund nennen, ist Ihr böser Genius, Ihr gefährlichster Feind; Sie wissen es und werden es nicht wagen, mir zu wiedersprechen, denn Sie wissen es sehr gut. Mein Vater! Wenn Sie mir einen armen, abstoßenden, von gewöhnlichem Herkommen und ohne Geist, aber rechtschoffenen Mann vorgeschlagen hätten, Gott mag es mir verzeihen, ich glaube, ich würde eingewilligt haben, ihn zu heirathen, wenn ich