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JVi 206

Freitag, den S. September 1881.

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Dir .Fuldaer Zritung' «scheint tSgttch, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Stan adonnirt gegen BorauSb-zahlung zu Fulda

»l d««rpedition, Buttermarkt Nr. 112 ,auswärts bei ven Postämtern. Der vierteljährliche ilbonnementspreiS beträgt ausschließlich B ringerlohn m Fulda eine Mark und |@ «..Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., in« tzauS gebracht I Mark 90 Pfg »i, »illustrirtrn Bo.rntagSSlätter' der Fuldaer Zeitung koste« vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 «fg., in'S Haus gebracht 40 P'.

Inserate: Dir Petitzril» oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

+ Versöhnung in Oesterreich.

In wenigen Wochen tritt in Wien der Reichsrath wieder zusammen und beginnt damit die parlamentarische Action aufs Neue. Mit allgemeiner Spannung sieht man der Eröffnung desselben entgegen und auf Tausenden und Tausenden von Lippen schweben die Fragen: „Wird auch in dieser Session der politische Hader nicht verstummen, wird die Linke fortfahren in ihrer sterilen Negation alles dessen, was von der Rechten oder von der Minister- bank kommt, wird sie sich fort und fort in starre Opposition stellen gegen alle noch so wohlgemeinten Versuche der inneren Ver« ; söhnung und wirthschaftlichen Regelten- . rung? Oder wird die Linke endlich den s Thatsachen Rechnung tragen, das Factum - einer bestehenden versöhnungsfreundlichen! Parlamentsmajorität anerkennen und die \ ihr gebotene Hand der Versöhnung zur j gemeinsamen redlichen Arbeit auf dem Ge- > biete der wirthschaftlichen Gesetzgebung j nicht zurückweffen?" Es ist schwer, Ant- , wort zu geben auf diese Fragen; denn | wenn man die deutschliberale Partei blos s nach ihrer Presse beurtheilen würde, dann j allerdings hätten wir keine Hoffnung auf j eine Verständigung; dann müßten wir fürchten, daß das Parlament auch in der kommenden Session eine Arena wüthender Parteikämpfe und die Leidenschaft aufregen­der, unfruchtbarer politischer und natio­naler Debatten sein werde. Aber glück­licher Weise ist die Wiener deutschliberale Tendenzpreffe nicht als wahrheitsgetreuer Ausdruck der centralistischen Partei zu be­trachten. Es gibt eine Reihe von Männern auf der Linken, welche mit der professio­nellen Hetze, die in diesen Blättern seit Jahr und Tag getrieben wird, nichts weniger als einverstanden sind und die Ausschreitungen dieser Organe lebhaft be­dauern. Es gibt auch viele Anhänger der centralistischen Richtung, welche die Unmög­lichkeit einer Beseitigung des jetzigen Re- gimes einsehend, mit der Thatsache seines Bestehens zu rechnen beginnen und die voraussichtlich in der nächsten Reichstags­session der Politik unfruchtbarer Demon­strationen nicht mehr beipflichten werden. Selbst Herbst, der erfahrene Führer der VerfaffungSpartei, scheint durchaus nicht geneigt zu sein, die „Opposition um jeden Preis", und sei es selbst den der Lächer- lichkeit, durchzuführen. Der Mann ist ein­sichtig genug, zu wissen, daß, wie die Dinge jetzt in Oesterreich stehen, einseitige Demon­strationen der Linken die Position des Re­gimes nur festigen, und daß die Linke mit ihrer unfruchtbaren Negationspolitik sich voll­ständig ifolirt und jedweden Anhalt im Volke verliert.

Deshalb glauben wir, daß das Gros der VerfaffungSpartei in der kommenden Reichsrathssrfsion eine wenn auch nicht dem Regime freundlichere, so doch den

Umständen entsprechendere Haltung an- nehmen wird. Man beginnt sich eben, ob nun die ,Neue Freie Presse' so oder so sagt, mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß es der Ausdauer des Cabi- netes Taaffe gelingen wird, das Ver­söhnungsprogramm durchzuführen und daß dieses trotz der dazwischen geworfenen Prügel siegen wird.

Angesichts der staatsmännischen Geschick­lichkeit des Grafen Taaffe hegen wir heute keinen Zweifel, daß derselbe das vorge­steckte Ziel der Versöhnung erreichen wird. In diesem Kampfe für die Consolidirung des Reiches, in diesem Kampfe mit einem Gegner, welcher hinter den Schlagworten „Verfassungstreue, Deutschthum, Reichsein« heil und Staatssprache" nur die für das Reich schädliche Verhetzung eines Volkes gegen das andere und den Krieg Aller gegen Alle verbirgt, wird Graf Taaffe unterstützt durch den festen Wellen des Monarchen selbst, welcher den schönen und beherzigenswerthen Ausspruch gethan hat: „Ich will Frieden haben unter meinen Völkern." Nebst diesen edlen Intentionen kämpft an der Seite Taaffe's als Ver­bündeter die Majorität des Parlaments, welche die große Mehrheit der öster­reichischen Völker vertritt. Jedes Herz, welches warm fühlt für die Interessen und die Zukunft Oesterreichs, wünscht auch den Erfolg für den Grafen Taaffe. Gegen solche Verbündete erweist sich die deutsch­liberale VerfaffungSpartei als unzureichend. Es mögen der feste Wille Sr. Majestät, die schönen Intentionen des Monarchen überall, wo das Uebelwolln und der Haß die Richtung der gegenwärtigen Regierung zu verdächtigen wagen, verkündet werden! Der Wille des Monarchen verscheucht zu­gleich alle Befürchtungen, es könnten die Deutschen in ihren Rechten verkürzt werden. Das wird von Niemanden geplant. Wir betonen dies gerade dem Auslande gegen­über ausdrücklich, um alle durch böswillige Correspondenzen in den Zeitungen Deutsch­lands ins Publicum gedrungenen falschen Gerüchte und Ansichten zu widerlegen. Wenn die verfaffungSparteiliche Opposition nur den einzigen Grund der angeblichen Deut­schenverfolgung, dieses lächerliche Märchen, als Basis für den wilden Kampf hat, dann sieht es traurig mit ihr aus. Die deutsch- liberale Partei hat auf volkswirthschaft- lichem wie politischem Gebjete Fiasko ge­macht. Ein Blatt fällt nach dem andern von ihrem Baume und bald wird sie sich der Welt in ihrer Nacktheit präsentiren und nicht mehr leugnen können, daß es sich bei ihr nie um etwas Anderes gehandelt hat, als um bloße Gewalt, Oberherrschaft und um egoistische Ziele. Wir zweifeln, wie schon oben gesagt wurde, nicht .daran, daß das Werk der Völkerversöhnung gelingen wird, wenn es nur systematisch und mit Nachdruck und ohne Abweichung vom Wege

des Rechtes und der Gerechtigkeit gegen alle österreichischen Völker betrieben wird.

Möge die nächste Reichstagssession die Politik der Versöhnung und der Ausgleich­ung von Gegensätzen fördern, mögen die Erwählten des Volkes sich weniger von Parteileidenschaften, als von dem Gefühle der allgemeinen Fürsorge leiten lassen; mögen sie vor Allem das schöne Friedens­wort des Monarchen beherzigen, auf daß den vielgeprüften Völkern Oesterreichs end­lich der Friede in Wahrheit beschieden werde. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten, gleiche Liebe, gleiche Treue, sie walte in Oesterreich und durchdringe alle seine Völker und Stämme.

D-utfOe» »eich.

i * Berlin, 7. Sept. Von der Reise ' Bismarcks zu der bevorstehenden Kaiserzu­sammenkunft in Westpreußen ist hier nichts bekannt.

— In einem längeren Artikel über die „Anbahnung des kirchlichen Friedens" sagt die ,Prov.-Corresp.', die Aussichten auf einen Frieden mit der katholischen Kirche hätten j in letzter Zeit erfreuliche Fortschritte gemacht. , Beide Theile hätten einen Standpunkt ge- - wonnen, welcher die Verständigung wenig- • stens ermögliche. Die Besetzung des bischöf­lichen Stuhles in Trier zeige, daß die Mög­lichkeit in einem Puncte zur Wirklichkeit geworden sei und gebe eine gewisse Bürg­schaft für weitere Annäherung und Ver­ständigung.

— Eine Depesche, welche der Pariser .Univers' aus Rom erhält, meldet, daß die letzte Coiferenz zwischen dem Cardinal Jacobini und dem deutschen Delegirten Herrn v. Schlözer stattfand. Cie war entscheidend. Das Einverständniß zwischen beiden Mächten soll vollkommen und voll­ständig hervorgehen. Herr Schlözer wird als Gesandter nach Rom zurückkehren.

— Ein Erlaß des Ministers des Innern verfügt, daß am 27. September die Aus­legung der Wählerlisten für die Reichstags­wahlen zu beginnen hat.

— Katholikenversammlung in Bonn. (Zweite öffentliche General-Ver­sammlung.) Als erster Redner derselben sprach Herr Pfarrer Schlösser (Bremen) über den St. Raphaels-Verein. Tie Aus­wanderung wird in diesem Jahre 200,000 Köpfe übersteigen und die bei weitem größte Zahl verfolgt dabei lediglich ma­terielle Interessen, die Verbesserung des irdischen Daseins. Die Thatsache dieses Ungeheuern Verlustes für unser Vaterland ist gewiß traurig; aber wegschaffen können wir sie nicht, sondern nur einen Theil der begleitenden Ucbelstände beseitigen. Der Raphaels-Verein dient diesem Zweck, indem er unsere Landsleute in christlicher Weise zur Fahrt vorbereitet, und dafür sorgt, daß dieselbe möglichst bequem und billig wird. Diese Bestrebungen haben in fort-