205. Donnerstag, den 8. September 1881
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* Irland an einem Wende- ; jeden Tag in Irland, und man fürchtet, punete. i daß Gladstones Landbill, die nun in Kraft
Die Austreibungen nehmen in Irland ' gesetzt ist, kaum etwas helfen werde, um noch immer ihren Fortgang und vermehren ] geordnete Verhältnisse wieder anzubahnen die Aufregung, die namentlich in der Um- i oder gar zu begründen. Die Karre ist gegend von Limerick ihren Höhepunct er- s eben zu tief verfahren, das Volk wird reicht hat. Am 24. August ging der ! immer wieder mächtig erregt durch die Sher'.ff von Limerick mit hundert Mann ‘ Hartherzigkeiten, um nicht zu sagen Grau- Infanterie und zwei Kanonen nach einer ; samkeiten so vieler Grundbesitzer. Die Farm bei Felnagh, um die Pächterin i Stimme derjenigen irischen Patrioten, wegen Nichtbezahlung ihrer Pacht gewalt- 1 welche wie Sir Duffy mahnen, einen „ehr- sam an die Luft zu setzen. Nachdem dies \ lichen Versuch" mit den neuen Landgesetzen geschehen, forderte der Agent de« Land- zu machen, findet wenig Widerhall im lords die Mannschaft auf, die Hütte in Lande. Noch weniger wahrscheinlich klingt Brand zu setzen, damit die Pächterin nicht es, daß Parnell sich in demselben Sinne wieder Besitz von der Pachtung ergreifen ; erklärt habe, und daß in Folge dessen konnte! Diesem Ansinnen ward denn auch i zwischen ihm und Dillon, der für eine Folge geleistet, worauf die Truppen ab- j nationale Erhebung Irlands schwärmt, zogen. An demselben Tage ward von z jüngst ein Bruch stattgefunden habe. Llmenck eine zahlreiche Polizeimacht nach ? Parnell hat wenigstens noch vor acht Nathkeale abgeschickt, um die dort ausge- s Tagen Irlands „nationale Rechte" auf brochenen Unruhen zu dämpfen. Große [ Abtrennung von England und zum Min- Volksmassen erwarteten bereits die Polizei, j besten auf eine vollständig freie, selbst- mit der es zu einem heftigen Kampf kam, [ ständige Regierung hurch das Land selbst wober es verschiedene Verwundungen und | auf einem großen, Meeting vertheidigt und Verhaftungen absetzte. Auch in Clogtzän f als PartLiparote ausgegeben.
kam es vor einer Woche zu einem großen i Da von büden Seiten, von Seiten der Scandal. Dort waren drei Männer an- - Irländer und der Grundbesitzer auf wenig geklagt worden, einem Hufschmied den Tod j Entgegenkommen zu rechnen ist, so sehen angedroht zu haben, wenn er es wage, z wir nicht ab, wie mit der Landbill ein an- die Pferde eines Mannes zu beschlagen, ’ nehmbares Resultat erzielt werden soll, über den das „Boykotten" verhängt wor« j Wird ein solches aber nicht erzielt, dann den war. Die Männer wurden für » ist der Sturz Gladstones sicher. Die i huldig befunden und abgefühlt, doch kostete ] Tories würden dann wieder ans Ruder e! es große Mühe, die Menge welche die- E gelangen und zu blutigen Gewaltmaßregeln \ felben 6efreun wollte, zu zerstreuen. greifen, denen die Iren unter Führung
Solche Austritte wiederholen sich jetzt * von Dillon und Anderen offene Gewalt ?
entgegensetzen würden. Vielen alt-protestantischen, alt-englischen, fanatischen Grundbesitzern ist es eben gar nicht um die Beruhigung der grünen Insel zu thun: eine gründliche Lichtung ihrer katholischen Bewohner und die Hinaustreibung des Restes derselben über das Meer nach Amerika: — das ist die ultima ratio, das das „Ideal" dieser Politiker im Stile Heinrichs VIII. und Cromwells! Diese Gefahr haben die irischen Bischöfe längst erkannt: sie haben schon seit Jahren zu dem Zwecke, daß Irland seinen alt-nationalen, seinen katholischen Charakter nicht verlieren sollte, vor der Auswanderung gewarnt. Würden nunmehr nach dem Scheitern der Landbill die Söhne der alten Eroberer Irlands es fertig bringen, die Irländer theils zu vernichten, theils außer Langes zu treiben, so würde der größte Gewaltact, den die Weltgeschichte zu verzeichnen hatte, einen „würdigen Abschluß" finden. Man sieht, in der Geschichte Irlands ist wieder einmal ein kritischer Moment eingetreten; es bedarf der ganzen Klugheit der Führer des kath. Volkes, um die richtige Entscheidung ber- beizuführen. Möchte der Episkopat bald seine Stimme erheben zu einer Erklärung, ob nach dec Lage der Dinge ein Versuch mit der Landbill gemacht werden kann, damit, läßt sich dieselbe durchführen, später weitere, berechtigte Forderungen der Irländer geltend gemacht und durchgeführt werden!
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Tante Agnes.
Novelle von O. de C.
Ins Deutsche übersetzt von M. B. (Fortsetzung.)
Weder der Eine oder der Andere sahen mich. Eine Bewegung der Menge trennte mich glücklicherweise von der Baronin Ro- sanoff und ich verließ schnell die Hölle. In dem Hotel angekommen, schloß ich mich in in mein Zimmer ein. Das Gesicht meines Vaters, wie ich es eben gesehen hatte und das teuflische Lächeln des ^olen stand vor meinem Geiste. Ich wußte, daß er ehe- mals sein und meiner Mutter ihr Vermögen verspielt hatte und suchte in meinem Kopfe und in meinem Herzen ein Mittel, um ihn dem Einflüsse dieser verhängniß- vollen Leidenschaft zu entreißen. Ich hatte keine Macht über ihn und wußte auch, daß die einfache Vernunft und mein Pflichtgefühl nicht hinreichen würden, um eine Aenderung zu bewirken, welche Anita wahr- scheinlich durch eine Laune des verwöhnten Kindes erlangt hätte.
Dar Herz von einer neuen Angst bedrückt, wartete ich die halbe Nacht auf ihn. Nach Mitternacht kam er und schien überrascht und nicht zufrieden mich zu sehen.
„Mein Vater," sagte ich ohne Umschweife,
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steht, sie zu erfüllen.
Er nannte mir eine Summe.
Ich setzte mich gleich hin und schrieb an den Herrn Notar Moreau in Pressigny. Dann kniete ich mich neben den Sessel, in den er sich gesetzt hatte.
„Mein Vater," sagte ich, seine Hand' nehmend, „ich weiß, daß Sie mich nicht lieben können, wie Sie meine Schwester lieben, Sie haben mich nicht erzogen, ich
„Dieses hängt nur von Ihrem Willen ab. Reisen wir gleich morgen hier fort."
„Hat Dir Jemand mißfallen oder Dich beleidigt?"
„Niemand — aber mir mißfällt es hier mehr, als ich es ausmsprechen vermag."
„Das wundert mich, denn Du bist sehr umringt und man zollt Dir einen Beifall, der mehr als eine hübsche Dame eifersüchtig macht; auch kenne ich mehr cis einen Deiner Bewunderer, der nichts sehnlicher wünscht, als Deine Fesseln zu tragen."
„Wir reffen also ab, mein Vater?"
„Das habe ich nicht gesagt. Ich habe Dir versprochen, Deine Bitte zu erfüllen, wenn es möglich wäre, aber es findet sich, daß es in diesem Augenblicke ganz und gar unmöglich ist."
„Warum?" Ich vergaß in dem heißen Wunsche, ihn zu retten, meine gewöhnliche Zurückhaltung.
_ „Neugierige! — Ersten-, weil ich Deiner Schwester versprochen und dann habe ich in diesem Augenblicke auch nicht viel Geld."
„ich habe Sie nie um Etwas gebeten, ich Hatte ich jene Art Furcht, welche er mir weifi Sie werden die erste Gunst, um welche gewöhnlich einflößte, ganz verloren, oder rch Sie bitte, mir zu bewilligen nicht ver- ; war es der Wunsch, ihn seinem Unglücke weigern." $u entreißen, welcher mir eine meinem
_ .„Genuß nicht, wenn es in meiner Macht \ Charakter ganz fremde Kühnheit gab? ich
t. s,e »n -rk.m-n « - weiß es nicht; aber als ich meine Augen
: fest auf die seinigen heftete, sah ich, daß s dieser Blick ihn verwirrte und er ganz ver- ? legen den Kopf beugte.
\ „Wie viel haben Sie verloren," fragte i ich einfach.
i „Fünfzigtausend Franken."
s „Wie viel bleibt Ihnen noch übrig?" „Für den Augenblick fast nichts. Du weißt, daß mein Vermögen nicht bedeutend ist, und Anita braucht von dem ihrigen so viel, daß es ihr trotz ihrer Einkünfte unmöglich sein wird, mir Vorschuß zu leisten." „Wie viel brauchen Sie, um hier Ihre Schulden zu bezahlen und nach Paris zurückzureisen?"