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Mittwoch, den 7. September 1881
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Jeitung
Deutsches »eich.
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Taute Agnes.
Novelle von O. de C. Ins Deutschs übersetzt von M. B. (Fortsetzung.)
Wie viele Bekanntschaften machte ich wäh« r?nb meines Aufenthaltes in Baden; Leute, d'.e ich alle Tage sah und von denen ich fettbem nie mehr etwas gehört habe, frisch aussehende Deutsche, welche Abends im Mondschein träumten bei einer Taffe Kaffee mit Milch und einem Teller Butterbrode, ber zur Nahrung eines ganzen Regimentes hingereicht hätte, an einem Tische saßen unb plauderten, blonde Engländerinnen, welche mit Allen, jung oder alt, sich arnü- nrten, emanicipirte Amerikanerinnen, welche die Herren lorgnettirten und ein Wörterbuch dabei gebrauchten, unverstandene io« minen, zu gut verstandene Pariserinnen, Männer jeden Alters, von allen Nationen und von allen politischen Meinungen.
Einer davon ist mir doch, wie ein böser lferst, im Gedächtniß geblieben, er war an einer unangenehmen Entdeckung, die ich in dieser Zeit machte, beteiligt. Er hieß Maschmsky, war ein Pole und sagte, er sei ®rof, vielleicht war er ee auch. Er grüßte immer mit einem Lächeln, welches mich zornig machte, ohne zu wissen warum, sein Lächeln
Wir schließen uns diesen Stimmen insofern an, als sich das Garantiegesetz als unzulänglich und unwirksam erwiesen hat, und als Gerechtigkeit und Staatsklugheit in gleicher Weise die Reactioirung der Selbstständigkeit und Souveränität des Papstes gebieterisch erheischt. Keine Fiction, keine Selbsttäuschung mehr! Napoleon III., von seinen Mitverschworenen gedrängt, von Cavour aufgefordert, ja zu Tode ge« quält, konnte sich nicht zur Auslieferung de? päpstlichen Souveränität entschließen. @8 war ein Ungeheuerliches, das man von
Ganz müde die abgedroschenen Comp« limente, die Witze und Scherze zu hören, welche ich nicht besser verstand, wie wenn ste Chinesisch gesprochen hätten, führten mich meine Gedanken unwillkürlich in die Zeit zurück, welche nicht mehr war und nie mehr sein wird; ich verglich dieses Fest mit den Festen, welchen ich in Villery Vorstand. Da waren die Gäste sehr zahlreich; es waren
> einem Blocke an diesem malerischen Orte \ gewesen, als in einer solchen Gesellschaft, i Die auf Eitelkeit und Champagner gegründete Freude schien mir eine Entheiligung der Gegend, welche sie umgab; das Stöhnen der Aeolsharfe kam mir vor wie eine von dem unbekannten Genius der Natur aus- gestoßene Klage.
: * Berlin, 5. Sept. Die,Nordd. Allg. Stg.' veröffentlicht folgende Danksagung
i Bismarck's aus Barzin vom 3. September: j „Patriotische Begrüßungen, wodurch ich 5 aus vielen Theilen Deutschlands, auch aus i weiter Ferne, am Nationalfesttag, am 2. I September, beehrt worden bin, haben mir
Wahrscheinlich hätten, um den Gegenstand der Untersuchung werth erscheinen zu lassen, die anwesenden Cardinäle im Tumult um« kommen müssen. Die nicht officiöse Presse fordert aber Aufhebung des Garantiegesetzes.
Alle, welche mir bei diesem Anlaß den Aus- druck der Sympathie entgegenbrachten, da-
herstellung der weltlichen Herrschaft des Papstes als einer Bedingung gedeihlichen Kirchenregiments zu wirken.
tete es immer so ein, daß ich an ihrer i Seite war. Denn, o mein Gott, ja trotz meines Kummers und meiner zerstörten Zukunft war ich noch hübsch. Ich hatte < sogar meine rosigen Wangen wieder und : weinte auch nicht mehr so viel, um rothe Augen zu haben.
-i- Der heilige Stuhl und das Garantiegesetz«
(Schluß.)
J8i§ zum 12. Juli 1881 konnte man stch> wenn man sorglos unb leichtgläubig genug roar, ber Täuschung hingeben, baß das Blatt Papier, auf welchem das Garan« uegesetz verzeichnet war, ein Aequivalen ber wirklichen auf Länberbesitz gestützten Souveränität zu bilden vermöge. Pius IX. unb sein Nachfolger hatten zwar, so dringend auch die Aerzte dazu riethen, ihren Aufenthalt innerhalb des Vaticans nie geändert; sie waren Gefangene ge« Bhe6en. Diese Gefangenschaft war „Schau« spul, so hieß es. Die Nacht vom 12. auf den 13. Juli brachte, wenn nicht «i$t, so doch Aufklärung unb Wahrheit.
:rlci9,(L fi<$' baß das ganze Verhältniß zwischen der italienischen Regierung und dem Papste auf Fiction beruhte. Der P°pst war nicht souverän, nicht exterri« korial, nicht einmal frei und geschützt wie «ber anbere italienische Staatsbürger. Der Lerchenzug Pius IX. würbe in sacrilegischer Werse gestört und bie italienische Regierung machte, trotz der besseren eigenen Ueber« zrugung, das Cardinalscollegiurn resp. die Testamentsvollstrecker Pius IX. für die Störung der öffentlichen Ordnung verantwortlich. Die officiöse Presse behandelt aber den frevelhaften Angriff auf bie Ueberreste bes Statthalters Christi als eine Kleinigkeit, kaum ber Berührung werth, als etwas, bas ber Vatican um so letzter hinnehmen sollte, als nicht einmal em Menschenleben habet verloren ging.
Ich wasche meine Hände in Unschuld. Jedermann hat die schreibende Hand an der Wand erblickt, Jedermann fühlt das Nahen des Gerichtes.
Wollen die Throne nicht ihre Aufgabe verkennen, ihre Pflicht verleugnen sich jedes Hochgefühles und aller Idealität baar zeigen, wohnt noch ein Funken christlichen Eifers in ihnen, so werden sie sich auf« raffen, um die ehrwürdigste und älteste Staatsinstitution des Welttheils sicher zu $ stellen und dem Heiligen Vater mindestens । einen Theil dessen zurückerstatten, was ihm unb der katholischen Welt ein Augenblick politischer Schwäche und Zerfahrenheit raubte. Gewissenssache jedes Katholiken wird es nach dem 13. Juli b. I., so ihm eine ruhige Sterbestunbe lieb ist, sein, auf dem Platz, wohin ihn bie Vorsehung ge» R.rrt ein Mnisterstichl sei
vu9 man von ? oetn Protz, wohin il
2“ r”Ä9te- “nb F fe6te buser Unge- j stellt hat, ob bieser nn wminerpugi iei Pr si? ? C.tnef?n^re entgegen, inbem 1 ober ber väterliche Acker, für bie Meder- er das Leonmische Rom für den Papst ’ f " " ' —
reservirt wissen wollte. Unb bennoch war ' dieses Aeußerste noch immer würdiger als das, was Italien dem Papste nach 1870 anbot. Wer beherrschte aber damals die öffentliche Meinung? Der protestantische Kanzler in Berlin der protestantische Kanzler in Wien, und der orthodox« griechische Kanzler in St. Petersburg.
Die Lage ist heute nicht besser gewor- >en, aber dir Verhältnisse haben sich ge« lärt und in dieser Klärung liegt auch ein Trost. Man kann nicht mehr blind in , —........ „„„„ luulu<n UUi DaDen
ben Abgrunb h'.neintaumeln. Kein Mächtiger zu großer Freude gereicht unb ich bitte vermag mehr ohne Erröthen sich Wasser " • ' • • - ------9 uie
auf die Hänbe zu gießen unb zu fpredben:
zeigte unter einem langen gut gepflegten famkeit auf sich zu ziehen? Aber sie ritfi-
blonben ©4nttn6arte feine weißen spitzen tete es immer so ein, baß ich an ihrer
Zähne, seine erloschenen blaßblauen Augen sahen Niernanb in's Gesicht, übrigen« war er ein schöner, eleganter Mann. Ich hatte schon bemerkt, baß er auf meinen Vater einen Zauber auszuüben schien. Wenn er er ihn von Weitern bemerkte, ging er auf
ifcn zu, unb eine Cigarre rauchend, gingen j 'Die' Baronin Rosanoff hatte eines Zeit zusammen sparen, dann ! Tages eine zahlreiche Gesellschaft mit»
tC Unbq- mei|icnA f°h ich sie ; genommen, um in den Ruinen des alten
9 tni!n $“9eS n,d^t m^r- i Schlosses zu frühstücken. Ich wäre weit
Maschmsky hatte em Schwester, die l lieber mit Ryno, einem Malerkistchen unb
Baronin Rosanoff. Sie sagte, sie sei Wittwe. E "" > • - J
Sie war eine große, elegante Frau, welche sehr schön gewesen sein mußte unb ber es gelang, burch den Gebrauch von Schönheitsmitteln bie Menschen über ihr Alter in Ungewißheit zu lassen. Sie bezeigte mir eine große Freunbschaft, ohne zu bemerken oder bemerken zu wollen, baß sie mir bie» fen Wiberwillen ohne Ursache einflößte, welche ber Jugenb unb der Unerfahrenheit eigen ist- Die Jugend urtheilt nur instinctmä« ßig, später überlegt man mehr und weiß an Andern bie Eigenschaften, welche anziehen, und bie Fehler, welche zurückstoßen zu unterscheiden. War es wirklich Sympathie, ober hoffte ste burch bie Gegenwart eines hübschen, jungen Mäbchens bie Aufmerk»