Jfs. 197.
Dienstag, den 30. August 1881
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* Das Centrum und die'Land- wirthschaft.
6 In ähnlicher Lage, wie die Handwerker, befinden sich die Bauern gegenüber den Parteien, um welche es stch bei der^Wahl handelt. Der „Liberalismus" ist der Vertreter des Copitals, und als solcher der natürliche Feind derjenigen Classen, welche dem Ackerbau und dem Handwerk sich widmen.
Nur bei den Gegnern desI„LiberaliS- mus", bei den Conservativen und dem Centrum, ist Interesse für die Bedürfnisse der Landwirthschaft zu finden. Welcher von diesen Parteien der katholische Landmann den Vorzug geben' wird, ist leicht entschieden.
Die Conservativen stellen sich gern als die eigentlichen und ausschließlichen Ver- tretet der Landwirthschaft hin; es gibt unter ihnen sogar eine eigene Gruppe, welche sich agrarische Partei nennt. Den Letzteren ist es aber niemals möglich ge- worden, selbstständig in die Wahlen und in die Gesetzgebung einzugreifen; sie gehen in der deutsch conservativen Fraktion auf. Und was diese Fraktion anlangt, so kann
beschafft waren, wieder verloren gegangen.
noch nicht die erhofften Erleichterungen zu
liegt wahrlich nicht am Centrum, welches dem Princip der Ecsparniß stets treu geblieben ist.
Wenn der katholische Landmann diese Punkte erwägt, so muß er mit uns sagen, daß es keine Partei gibt, welche seine Inte- ressen besser vertritt, als die Centrumspartei. Aber bedeutsamer als die irdischen
ist das Centrum bei der Berathung der i Verwendungsgesetze treu geblieben; es ist ja bekannt, wie eifrig und erfolgreich der Abg. v. Huene für die Entlastung der Communen eintrat, deren Bedürfnisse ja
gerade auf die Landwirthschaft am schwersten drücken. Wenn die Anstrengungen auf stärkere Heranziehung des Capital» zu den Staatslasten noch nicht durchschlagende Erfolge erzielt haben, so liegt dar wahrlich nicht am Centrum, welche» sich allzeit eifrigst dahin bemüht hat. Das Wucher- gesetz, welches wesentlich zum Schutze der bedrängten Ackersleute dient, ist den Anregungen aus dem Centrum zu verdanken.
Die Conservativen werden in der Fürsorge für die Landwirthschaft wesentlich behindert durch ihre Abhängigkeit von der Regierung und ihre Vorliebe für den Militarismus. Eine gründliche Erleichterung in den schweren Lasten des Grundbesitzes kann erst eintreten, wenn die Ausgaben des Staates gehörig vermindert werden und dazu ist die Beschränkung des Militär-Etats nothwendig. Die Conservativen haben in Verbindung mit den Nationalliberalen alle Ausgaben, welche die Regierung in dieser Hinsicht forderte, ergebenst bewilligt; dadurch ist ein großer Theil der neuen Einnahmen, welche mit Hilfe des Centrum»
sie die Vertretung der Landwirthschaft bloß für die protestantischen Provinzen im Osten des preußischen Staates beanspruchen und sie ist im Grunde nur die Repräsentantin des Großgrundbesitzes.
Ihre naturgemäße und erfolgreichste Vertretung finden die katholischen Landleute in dem Centrum. Das Centrum hat stch überall mit Eifer bemüht, die Jntereffm der Landwirthschaft zu vertreten. Erwähnen wir zunächst dir Durchsetzung des Getreidezolles. Das war keine Kleinigkeit, da gerade dec Getreidezoll zu vielfachen Anfeindungen und Verdächtigungen Anlaß bietet. Die Centrumsfraction hat dieselben über sich ergehen lassen, um der Lack)- wirthschaft ihr gutes Recht zu verschaffen. Denn wenn die Industrie durch Zölle vor der gefährlichen Concurrenz des Auslandes
geschützt wird, so kann auch die Landwirthschaft wenigstens so viel Schutz verlangen, ! daß ihre^Erzeugniffe überhaupt verkäuflich ; bleiben. Und sollten die Zölle eine Ver- \ theuerung ergeben, so fist die Preissteige- • rung zu Gunsten der Landwirthe nut,{ein ? billiger Ausgleich für die Vertheuerung der I Geräthe und Maaren, welche sie von der , Also kein Wunder, daß der Landwirthschaft Industrie kaufen muß. Bei der Bewillig- ' noch nicht dir rrhofftrn Erleichterungen zu ung neuer Einnahmen und indirekter ; Theil geworden sind. Aber die Schuld Steuern war die Absicht besonders darauf . gerichtet, eine Entlastung der ländlichen !
Bevölkerung herbeizuführen. Diesem Streben
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Tante Agnes.
Novelle von O. de C.
Ins Deutsche übersetzt von M. B.
(Fortsetzung.)
Ich nahm ihre Hände, sie waren eiskalt, ihr Kopf war so tief auf ihre Brust ge- beugt, daß ich kaum ihr Gesicht sehen kopnte. Ich stürzte mich auf die Klingel. Johann kam mit der Lampe.
Auf meinen Schrei der Verzweiflung antwortete der feinige. Er lief fort, um Therese zu rufen, und es wurde gleich ein Mann zu Pferde geschickt, um den Arzt zu holen.
Als er bei der geliebten Kranken, welche ich mit Hilfe Theresens auf ihr Bett gelegt hatte, angekommen war, schüttelte er langsam den Kopf.
„Ist noch Hoffnung da?" fragte mein Vater.
„Wenig," antwortete er, „das Alter der Kranken macht diesen Anfall sehr bedenklich."
Sie kann vielleicht noch einige Zeit leben; aber ich zweifle, daß sie den Gebrauch ihrer Sinne wieder erlangen wird."
„Mr. de Villery müßte hier sein," sagte mein Vater, sich an Anita wendend, welche unbeweglich in einer Ecke des Zimmers saß. „Du mußt ihm eine Depesche schicken." Anita beugte den Kopf, ohne zu antworten, und ging hinaus.
Welche Nacht! Meine Augen auf dieses liebe, blasse unbewegliche Gesicht geheftet» welches mir zum ersten Male meinen Blick nicht mit einem Lächeln beantwortete, belauschte ich mit einer unschreiblichen Angst die leiseste Bewegung der Muskel, welche mir zeigen könnte, daß sie noch lebe. Gegen Morgen öffnete sie die Augen, aber sie waren stier und ohne Glanz; ich «kannte in ihnen weder Farbe noch Ausdruck.
Gegen Voraussetzung des Arztes bekam sie den Gebrauch der Sprache wieder. Ich aber ging aus dem unumschränktesten Vertrauen in die vollste Verzweiflung über: denn wenn sie sprach und mich ansah, glaubte ich sie nicht nur gerettet, sondern schon genesen; aber wenn sie die Augen schloß, war es mir, als wenn sie tobt sei.
Gegen Morgen kam der Pfarrer von Villery; sie hatte ihre volle Besinnung und sprach allein mit ihm. Man versah sie mit den heiligen Sakramenten. Ich konnte weder denken noch meinen, und fragte mich mit Angst, ob dieses Unempfindlichkeit sei?
Al» der Geistliche fort war, ging ich zu meiner sterbenden Großmutter zurück, denn daß sie statb, darin konnte ich mich nicht täuschen.
Sie rief mich mehr durch einen Blick als mit der Stimme zu sich. Ich beugte mich
über sie und legte meinen Kopf neben den ihrigen auf das Kiffen.
„O, Großmutter! nehmen Sie mich mit," sagte ich.
„Armes Kind!" murmelte sie. „Er ist meine Schuld. Verzeihe mir. Ich habe Unrecht gethan. Ich hätte nicht mit Dir von der Hoffnung, welche das Glück meines Leben» war sprechen sollen. Golt hat es nicht gewollt! O, mein Kind! Mein Herz bricht bei dem Gedanken, daß ich Dich so jung und ohne Stütze verlassen muß. Ich habe unrecht, ich weiß e». Gott weiß besser als wir, was unfern Lieben gut tl. Die Zukunft gehört nur ihm allein. O, mein theures Kind! Mache es niemals wie ich und setze nicht Dein ganzes Vertrauen auf einen Plan, so gerecht und billig er auch sein mag. Ich habe sehr schlecht an Deinem Glücke gearbeitet, mein armes Kind; aber Gott ist mein Zeuge, daß ich nie ein anderes Ziel gehabt habe. Armes Kind! wer wird Dich jetzt so lieben, wie Deine alte Groß« mutter Dich geliebt hat?"
„O, Großmutter!" tief ich mit Erregtheit. „Verlassen Sie mich nicht! nehmen Sie mich mit, ich will mit Ihnen sterben!"
„Stille, mein Kind!" erliege nicht bei Deiner ersten Prüfung. Dein junges Herz kann nicht brechen, wie das meinige. Sei