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Sonntag, den 28. Angnst löt 1

. . _ Die ,Fuldaer Zeitung^ «schemt rLgtrch, Sonn» ,uns Feirrrag» ausgenommen. Ran aSonnirt gegen Boraukbezahlung »u Fulda »»«Spedition, Buttermarkt Nr. 112,auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche NbonnementSprsiS beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und m t Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts Bei den Postämtern: Sei der Post abgehslt 1 Mark und 50 R.-Pfg., tuS LauS gebracht 1 Marl SO Pia Vie ,illustrieren SorrntsgSblLttrr' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschaltex 25 Pfg., in'S Haus gebracht 40 Pf Inserate: Di« Prtitseile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

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-h- Zahlen sprechen!

(Schluß.)

Die Städte Italiens haben das gute Beispiel ihres saturnischen Vaters, des „Staates," nach Kräften nachgeahmt und Communalschulden auf Communalschulden gehäuft. In Florenz betrugen diese Schulden im Frühjahr 1878 schon 129,640,070 Lire, in Neapel 92,355,427, in Mailand 61,865,663, in Rom 48 608,677, in Genua 36,731,457, in Turin 17,371,100, in Pisa 10,387,044, in Livorno 12,257,259, in Venedig 10,387,044, in Bologna 10,148,974. Im Ganzen stiegen die Provincial» und Communalschulden auf co. 600,000,000. Nach Florenz schickte die Regierung den Commissär Reichlin mit außerordentlichen Vollmachten. Er soll eine größere Schuldenmaffe vorgefunden haben, als früher angegeben worden, ca. 175 Millionen. Während eine Commission die Ursachen dieses Elendes ergründete, proclamirte Reichlin den Bankerott der Stadt. Nicht nur jede Zahlung der Com» munalschulden wurde eingestellt, sondern auch die Zahlung der Interessen, ebenso j alle schon angefangenen öffentlichen Ar» *

Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

Ins Deutsche übersetzt von M. B.

(Fortsetzung.)

Den folgenden Tag kamen Anita und j mein Vater gegen Abend an. Oh! was für ? ein Tag! Man spricht oft von Ahnungen. i Ach! ich glaube nicht viel daran; denn wie \ hätte ich an diesem Tage den Anblick aller '■ dieser traulichen Gegenstände mit Gleich» giltigkeit ertragen können? Wie würden der Tod und die Verzweiflung sich nicht meines Herzens bemächtigt haben. Ach! wenn Ahnungen zuweilen eine Wohlthat von Gottes Barmherzigkeit sind, so glaube ich doch, daß wir glücklicher sind, unerwar­tet getroffen zu werden.

Nachdem wir uns begrüßt hatten, nahm meine Schwester meinen Arm, und zog mich in ihr Zimmer.

„Bist Du sehr überrascht, oder erwartest Du cs in etwa?" fragte sie, während sie ihren Hut abnahm.

„Ja und nein. Bei Deiner Schönheit und Deinem Vermögen darf ich mich nicht sehr wundern."

„Ich hätte bessere Partien machen kön­nen. Aber was willst Du, ich liebe ihn. Er ist so schön und vornehm; und vor Allem

beiten, die unerläßlichsten gesundheitspoli­zeilichen Ausgaben abgerechnet.

Hier aber auch ein Beispiel, wie Städte und Provinzen in Unkosten und Schulden gestürzt werden. Bekanntlich endete die erste Rundreise König Humberts und seiner Gemahlin in tragischer Weise in Neapel, wo, mitten unter den lebhaftesten Be­zeugungen der Freude und Begeisterung, ein wüthender Fanatiker der „Freiheit," Passanante, am 17. November einen ver­zweifelten Mordversuch auf das Leben des Königs unternahm. Eine weitere Rund­reise des Königspaars in ©teilten wurde zwar durch keine unheilvolle Katastrophe ge­stört ; doch kaum waren die Herrscher wieder nach Hause zurückgekehrt, als der radicale Deputirte Cavalotti in der Kammer mit Rechnungen herausrückte, welche den königl. Besuch in Catanzaro nicht als eine Freude für das Volk, sondern als eine wahre Brandschatzung erscheinen ließen. Er rechnete den Landesvätern vor, daß der Communal- rath von Catanzaro, um ein Deficit von 200,000 Lire zu decken, eine Anleihe von 500,000 Lire habe machen müssen, daß derselbe d->nn 60,000 Lire für den königl. Empfang dccretirt, aber in Wirklichkeit gegen 200,000 Lire dafür ausgegeben habe: „Ja, hätten sich die Ausgaben nur auf jene 60,000 Lire beschränkt! Wissen Sie, welche Ziffer sie in Wirklichkeit er­reichten? Ungefähr 200,000. Wollen Sie specificirte Rechnung? Hier ist sie — Re­paraturen am Municipialpalaste für den Herzog von Aosta 26,000; Illumination 28,000; Fahnen und Kränze 12,000;

i Möbel für das Municipium 30,000; Zu- l rüstungen für das Galatheater 28,000; • Pflanzen für die Villa und anderes dergl. > 24 000; künstliche Mauern für Decora- ! honen ca. 40,000 — Alles in Allem

188,000 Lire!" Endlich rechnete er weiter l aus, daß auch die Provinz Catanzaro noch ’ gebrandschatzt worden sei und daß Catan­zaro überhaupt (Stadt und Provinz) den f Segen des königl. Besuchs mit 215,000 l Lire, resp. ebenso vielen neuen Provincial- ■ und Communalschulden habe zahlen müssen. \ Ein noch traurigeres Licht auf das Unter» z thanenglück im großen, freien Italien ; wirft eine Liste der Expropriationen, welche ? in den Jahren 1872—1879 wegen „nicht j eingegangener Steuer" vollzogen wurden, l Aus derselben ergibt sich, daß in diesen 7

Jahren gegen 40,000 arme Familien j wegen schuldig gebliebener Steuern durch ! die Agenten des Fiscus gewaltsam cxpro« j priirt worden sind. Während die Zahl - der Expropriirten in Pyemont auf 73 mit \ einer Schuldsumme von 4763 Lire sich be- ; lief, betrug die Zahl der Expropriirten in - Neapel 8579 mit einer Schuldsumme von । 620,977 Lire, in Sardinien 20,077 mit

einer Schuldsumme von 1,976,816 Lire.

ä Diese Zahlen geben nur eine sehr un» I vollständige Voistellung von dem Elend, das in Folge der urerschwinglichen Steuern

- durch das ganze Land hin auf den ärmeren j Classen lastet. Der belgische Statistiker l und Socialpolitiker Laveleye, ein Protestant, - welcher Italien kürzlich von Norden bis s Süden durchreiste und Gelegenheit hatte, bei den competentesten Autoritäten Auf­

wollte ich einen eleganten Mann haben. Uebrigens erlaubt mir mein Vermögen auch, einen Mann zu heirathen, welcher weniger reich ist als ich. Ich werde die schönsten Pferde von Paris haben und habe mir auch schon einen prachtvollen Schmuck von Ru­binen ausgesucht; in Avenue Montaigne haben wir ein reizendes Hotel gemiethet, meine Liebe! Mft. de Villery wird eine ganze Etage für sich allein haben."

„Wird Friedrich mit Deinem Manne und Dir zusammen wohnen?" fragte ich ganz einfach.

„Aber wie leichtsinnig bin ich doch! Ich hatte vergessen, Dir den Namen meines Bräutigams zu schreiben. Hast Du ihn nicht errathen, liebe Agne»? Nein, ich vergesse daß Du nicht viel Erfahrung in Herzens­angelegenheiten hast. Hast Du nichts da­von gemerkt. Wünsche mir Glück, liebe Schwester, wir werden noch mehr verwandt, wir werden Cousinen. Ich heirathe den Grasen von Villeiy, Deinen Vetter Friedrich."

Ueberraschte mich diese Nachricht wie ein Donnerschlag? Nein. In einem Augenblick und mit der Schnelligkeit des Gedankens zeichnete mir meine Erinnerung tausend ver­gessene ©eenen vor, lausend halbverwischte Einzelheiten, von dem Tage an, wo ich

Friedrich in Betrachtung vor meiner Schwester in seinem Atelier überraschte, als sie ihm zu feiner Dalila saß. Es schien mir, daß die Worte Anitas den tausend leisen B-- fürchtungen, welche in meinem Herzen er­wacht waren, nur Gestalt gegeben hätten. Ich schrie nicht, ich wurde nicht ohnmäch­tig, aber es schien mir, als ob sich plötz­lich eine unermeßliche Leere in mir und um mich herum ausgebreitet hätte.

„Nun!" sagte Anita, „Du wünschst mir nicht Glück?"

„Ich hoffe, Du wirst glücklich fein," sagte ich mit einer Stimme, die ich nicht al» die meine erkannte.

„Was ist Dir?" sagte Anita, ohne sich umzuwenden; e« schien mir, daß ihr Blick den nninigen vermied.

„Wenn ich meine Schwester einer schiech» ten Gesinnung fähig hielt, würde ich sagen, daß sie eifersüchtig sei, weil ihre jüngere Schwester sich vor ihr verheirathet. Verzeihe mir, mein Engel I Die Reihe wird auch bald an Dich kommen. Wie weit bist Du mit Msr. Bernier?"

Aber ich hörte nichts mehr. Ich ging aus dem Zimmer und in den ©aal.

Meine Großmutter saß in ihrem Sessel, sie empfing mich wie immer mit einem liebe­vollen Lächeln. Ich warf mich zu ihren