Samstag, den 27. Anguft 1881
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-h- Zahlen sprechen!
In ihrem diesjährigen sechsten Hefte ver« öffentlichen die .Stimmen aus Maria Laach' unter der Ueberschrift: „Italien in den letzten drei Jahren" eine recht interes« fönte Abhandlung aus der Feder des rühmlichst bekannten ?. A. Baumgartner. Unter den Motiven, sagt der Verfaffer im Eingang seiner Abhandlung, mit welchen unser Heiliger Vater Leo XIII. in seinem Apostolischen Schreiben Militans Jesu Christi ecclesia (Die streitende Kirche Jesu Christi) die Gewährung eines abermaligen außerordentlichen Jubiläums begründet, steht die kirchliche und politische Lage Italiens oben an. Die ganze politische Entwickelung Italiens eingehend zu zeichnen, fährt der Verfasser dann fort, ist nicht unsere Abstcht. Wir n ollen nur einige Hauptmomente hervorheben, welche genugsam zeigen, wie wenig der Traum eines wahrhaft großen und glücklichen Italiens ohne Papst und Kirchenstaat sich bis dahin verwirklicht hat.
Nachdem sodann der Verfasser die unaufhörlichen Ministerkrisen und die mißliche Stellung der Krone besprochen hat, geht er daran, die financielle Mißwirthschaft
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Tante Agnes.
Novelle von O. de C.
Ins Deutsche übersetzt von M. B. (Fortsetzung.)
„Aber, ja," stammelte ich, ganz außer Äthern vor Bewegung. „Wir glaubten Sie ja im Süden."
Friedrich schien eben so bewegt zu sein wie ich.
„Es ist schon ziemlich lange, daß ich nicht mehr dort bin," sagte er mit einer Stimme, die ich kaum wiederkannte. „Ich bin schon seit einem Monate in Paris."
„Seit einem Monate!" rief meine Großmutter. „Wie kommt es aber, daß Mr. de Morangis uns nichts davon geschrieben hat? Ich mache Dir keine Vorwürfe unartiges Kind, denn ich kenne schon lange Deinen Abscheu vor Briefen und Deine Nachlässigkeit, deren zu schreiben."
„In der That. Aber wie befinden Sie sich, Großmutter?" Dieses wurde offenbar in der Absicht gesagt, um das Gespräch auf etwas Anderes zu bringen.
„Nicht schlecht," antwortete meine Groß- . mutter, „aber wie kommt es, daß Du in ' so kurzer Zwischenzeit einen Urlaub er- I halten hast?"
„Ich bin nicht aus Urlaub, ich hatte ’
im „einigen freien" Königreich Italien ziemlich eingehend zu schildern.
Obgleich die Verlegung der Hauptstadt nach Rom allein schon 26 Millionen gekostet hatte, neue Einrichtungen für die Ministerien wieder 2 Millionen, Umbauten am Quirinal abermals einige Millionen, das einzige Kriegsschiff Damdolo 20 Mil- ! Honen, konnte die Regierung sich noch nicht an ein haushälterisches Leben gewöhnen. Für die bloßen Vorstudien eines Victor- ; Emanuel-DenkmalS wurden 30,000 Lire i votirt, für ein Denkmal zweier im „heiligen s Kampfe" gefallener Brüder Cairoli (Brüder \ des Ministers) 40,000 Lire.
Benedict Cairoli, der kürzlich abgetretene l Ministerpräsident, gilt für einen der un- eigennützigeren Patrioten, denen selbst ihre Gegner nicht viel Arges nachzusagen s wissen. Dennoch bezog dieser Patriot, als l er am Ruder war, an Gehalt und Dis- s Positionsgeldern die jährliche Kleinigkeit j von 356,000 Lire, also etwa 1000 Lire per Tag (15,000 als Ministerpräsident, 45,000 als Minister des Auswärtigen, ; 100,000 für geheime Ausgaben im Ministerium des Auswärtigen, 85,000 für zufällige Ausgaben, 41,000 für Post- und Telegrcphen-Ausgaben). Hiervon waren bloß 85,000 Lire versteuert. Was mögen aus den Staatscaffen erst Männer schöpfen und geschöpft haben, die nicht im Rufe der Uneigennützigkeit stehen? Nun hat aber Italien ein ganzes Heer Minister in und außer Dienst, von den General-Secre- tären und ^anderen Höheren Beamten zu schweigen.
Ueber das veräußerte Kirchengut brachten genauere Angaben zwei Berichte von Behörden des sog. „Cultus-Fonds", die Anfangs 1879 ins Publicum gelangten. Diesen Berichten zufolge sind nicht allein (Rom nicht mitgerechnet) 4244 Ordenshäuser (3037 männliche, 1207 weibliche) aufgelöst worden; 29,863 Ordensmänner, 23,999 OrdenSfrauen, im Ganzen 53,862 Ordenspersonen, wurden aus ihren Häusern getrieben, 38,478 andere geistliche Personen ihrer Güter beraubt, 46,237 fromme Privatstiftungen unterdrückt. Nach dem zweiten Bericht waren in dem Cultus-FandS ursprünglich 942 Millionen Lire eingelaufen. Hiervon gingen 138 Millionen an die Stifter und Patrone zurück, 15 Millionen an beibehaltene Pfarrkirchen und Stiftungen, 237 Millionen als Steuer an den Fiscus. Dem Cultus-Fonds blieben noch 552 Millionen. Merzario, der Verfasser des Berichts, constatirt, daß der Fonds von 1867—1874 um 38 Millionen abgenommen, also durchschnittlich im Jahr um 5 Millionen. Alles in Allem setzt Merzario den Gesammtverlust auf 82,307,570 Lire an.
Wo kommt, heißl es nun in der vorliegenden Abhandlung, all das schöne, gute Geld nur hin?
Die UnitL Cattolica stellte im November 1879 eine Statistik der Opere pie (Wohl- thätigkeitS-Jnstitute) unter der italienischen Regierung zusammen» aus welcher sich ergibt, daß die Einkünfte derselben kaum zur Hälfte wirklichen Wohlthätigkeitszwecken zu- flössen, olles Uebrige ging in Bureaukratie auf. Der Minister Ntcotera selbst be«
Geschäfte in Paris am Ministerium. Sie müssen sich jetzt sehr allein hier finden?"
„Nicht mehr wie gewöhnlich, wenn Du nicht hier bist?"
Alle Nachbarn sind in Paris; ich bin kürzlich Herrn Bernier begegnet I"
„Wirklich?" sagte meine Großmutter, indem sie mich mit einem kleinen, schelmischen Lächeln ansah, über das ich tief erröthete. „Wir haben Dir über diesen Gegenstand eine Mittheilung zu machen."
„Ich bitte Sie, hebe Mutter, nicht heute," sagte Friedrich schnell, indem er auf seine Uhr sah; „ich kann wirklich keine Minute länger bei Ihnen bleiben. Es hat mich viele Mühe gekostet, um Zeit zu finden, nach Biller y zu kommen, aber da ich in Paris war, wollte ich den Neujahr»« tag nicht vorüber gehen lassen, ohne Sie begrüßt zu haben; doch wie ich sehe, habe ich nur gerade Zeit in Pressigny zu sein, wenn der Zug von Rouen vorbe,kommt, und wenn Sie wollen, verschieben wir die Mittheilung auf einen andern Augenblick. Ich habe Ihnen bann vielleicht auch eine zu machen. Leben Sie wohl, liebe Großmutter, und ein glückliches Neujahr."
Er küßte ein wenig heftig unsere Großmutter, und näherte sich mir:
„Lebe wohl, liebe Agnes, ich wünsche Dir alle» Glück."
Er drückte mir die Hand, suchte seinen Hut und feinen Mantel, und ging hinaus.
Ich wollte ihm nachgehen; aber als ich an die Thüre kam, ging das hinkende Pferd schon mühsam durch den Schnee.
Anstalt zu meiner Großmutter zurückzukehren, ging ich in mein Zimmer, kniete mich an mein Bett, verbarg mein Gesicht in die Decken und fing an laut zu schluchzen.
Was war geschehen? Was gab es Neue» ? Ich war so glücklich, als ich aus der Schule kam; jetzt schien es mir, al» fühlte ich ein kaltes Leichentuch von Schnee auf meinem Herzen.
VIII. Kapitel.
„Einen Brief für Fräulein Agne»," sagte der Briefträger, welcher alle zwei Tage von Pressigny nach Mllery kam. Ich erkannte Anita's Schrift.
Ich saß auf dem Steingeländer der Terrasse und wärmte mich in der ersten Sonne de» Jahres; ich that nichts.
Die Briese meiner Schwester waren selten, aber gewöhnlich ziemlich lang, voll Beschreibungen über Toilette und Feste, sowie von Möbeln und Einrichtung«plären. Deshalb war ich nicht wenig erstaunt, als ich den Brief öffnete und sah, daß er nur