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« srr Expedition, Buttermarkt Nr. 112,auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschl .eßltch B rmgerlohn in Fulda eine Mark und 5£ A.'Pfz., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts Bei iw Postämtern: Bei der Post äbgeholr 1 Mark und 50, R.-Pfg., inB Haug gebracht X Mark 90 Pfg Di» Mustrlrken ToMtagSblStter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg-, auswärts am Postschalter 25 Pfg., in'S Haus gebracht 40 Pf Inserate: Dir Petitzrile oder deren Raum 10 Pfg., bei 'Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

3MS* Für den Monat Sep­tember nehmen Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung^ alle Postanstalten, Landbriefboten und für Fulda die Expedition, Buttermarkt 112, zum Preise von 50 Pfg. (ohne Bestellgeld) an.

O Unsere Parteiverhältnisse.

Man hat neuerdings vielfach die Mei­nung ausgesprochen, daß unsere Parteibil­dungen sich überlebt hätten und über kurz oder lang andern Gebilden den Platz wür­den räumen müssen. Wahr ist es, daß die sogen. Mittelparteien über kurz oder lang von der Bildfläche unseres politischen Lebens verschwinden werden, wie attgewordene Photographien; der Nationalliberalismus und der Freiconservatismus, diese mit allem möglichen Kunstdünger grobgezogenen Ge­wächse sind schon nahe am Eingehen, und es wird nicht mehr lange dauern, so wer­den sie in die Sammlung der Geschichte gelegt, die sie mit dem dreifach gestrichenen Kreuze versieht al» Gewächse, di? zur Zeit ihrer Existenz und Blüthe unheilvoll genug gewesen sind. Wir meinen, daß auch noch andere Parteien eine durchgreifende Um­wandlung erfahren werden und müssen; fo der ConservatiSmuS von heute.

Wie wir einen falschen Liberalismus haben, so haben wir auch einen falschen ConservatiSmuS, und beide sind, wenn auch nicht dem Namen nach, so doch ihrem Wesen nach, so alt wie die Geschichte. Wir sagen beide, denn sie sind begründet in der Schat-

i tenseite der menschlichen Natur, sowie nicht i minder in Unkenntniß der geschichtlichen j Erscheinungen und ihrer Forderungen. Wir ; sagen „Beide", auch darum, weil sie sich ■ zu einander verhalten können wie Ursache - und Wirkung und zwar so, daß der falsche - ConservatiSmuS der Vater des falschen l Liberalismus werden kann und in der That j auch schon geworden ist.

Ü Das mag wohl paradox klingen, ändert i aber nichts an der Richtigkeit der Sache, i Man hat das Wesen des ConservatiSmuS j — ohne noch seinen Namen zu führen — l in der Erhaltung und Pflege des geschicht- s lich Gewordenen gesucht. Das war an sich s recht und gut. Allein man achtete dabei i nicht, oder wollte nicht in naturgemäß ge« l botener Weise darauf achten, daß die große - politische und sociale Aufgabe der Völker in s der Fortentwickelung der Cultur, der Ver- ; edlung besteht, daß somit die Geschichte in einer immerwährenden Entwicklung begriffen ; ist und demgemäß von dem geschichtlich Ge« I wordenen -nur dasjenige erhalten und ge- ? pflegt werden müsse, was als fundamental > für den geschichtlichen Weiterbau, zur Ver« . vollkommnung des Volk», und Staattwohlr, i absolut nothwendig ist. So wurde der z ConservatiSmuS zu einem Versteinerungs- ' systern. Es gestaltete sich eine sociale Wüste . mit einigen fetten Oasen. Da erhob sich j der Geist der Rkaction, durchgiftet von j religiöser Ungläubigkeit, durchbrach als i falscher Liberalismus die die sociale Wüste ? eingrenzenden Schranken und stellte sich ent- i gegen dem falschen ConservatiSmuS; das ’ geschah in der Schreckensrevolution Frank«

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Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

Ins Deutsche übersetzt von M. B.

(Fortsetzung.)

Dieser Traum, soll er sich verwirklichen? Ich werde mein ganzes Leben bei Friedrich und in Villery bleiben. Friedrich liebte mich! Das Leben welches mich erwartete, war das Paradies auf Erden. Ich liebte Friedrich mit der Gluth der Ergebung und der unumschränkten Selbstverläugnung eines 20jährigen Herzens. Friedrich war immer mein Ideal eines Helden, eines tapfern Ritters gewesen, und wenn ich in der Ge­schichte von einer glänzenden Heldenthat las, so trug der Held immer seine Züge. Wäre der Unterschied de» Alter» zwischen uns weniger groß gewesen, so hätte diese Vor­stellung in meinen Augen vielleicht viel von ihrem Anziehenden verloren. Ein junges Mädchen kann sich einen Mann, den sie im Knabenalter in kurzen Schuljacken ge­kannt hat, nicht leicht al« einen Helden vor« stellen. Sie kann ihn zärtlich lieben, aber schwerlich achten. Ich erinnere mich nicht, ihn lange vor seinem Eintritte in die po­lytechnische Schule gekannt zu haben. Er war schön, sogar sehr schön, ich wußte e«; in diesem Augenblick aber bemerkte ich mit

Erröthen, daß diese Schönheit mir nicht gleichgiltig war. Mein Paladin, mein Ritter ohne Furcht und ohne Tadel, schien mir jetzt, seit ich wußte, daß er mir gehörte, noch tausendmal biederer, großmüthiger und einer Lüge unfähiger; so wie wir von der Schönheit eines Meisterstückes plötzlich über­rascht sind, das wir alle Tage gesehen haben.

Ich schrieb diesen Namen, welcher der meinige sein würde, schüchtern auf ein Pa­pier : Agnes de Villery; aber ganz beschämt über meine Kühnheit zerriß ich es schnell. Ich begriff jetzt auch, weshalb meine Groß­mutter Friedrich gerathen hatte, noch nicht seinen Abschied zu nehmen. Ich war stolz auf ihn, für ihn hatte ich meinen grenzen­losen Ehrgeiz, aber dieser Ehrgeiz bezog sich nicht auf seine militärische Laufbahn, welche ihn von Villery entfernt hielt.

An dem Tage wo er zum Hauptmann ernannt wurde, war mein Stolz durch den Gedanken, daß sein Regiment sich tief im südlichen Frankreich befand, sehr gemäßigt worden; aber mit Gewißheit erwartete ich den Tag, wo eine große Ehrenmedaille ihn bestimmen würde, den Degen gegen die Palette zu^vertauschen. Ich hatte auf die Dalila gerechnet, um diesen entscheidenden Erfolg zu erlangen: aber an demselben Tag, an dem Friedrich abgereist war, hatte

reich» 1789. Da waren die politischen Parteien „ConservatiSmuS" und „Liberalis­mus" entstanden.

Noch aber hatte der ConservatiSmuS an sich Grund und Boden; er stand auf dem Boden der Geschichte, wenn auch nur mehr auf Trümmern derselben. Der falsche Libera­lismus hatte in seiner stürmischen Reaction auch das zur Fortentwicklung zum großen allgemeinen Ziele absolut Nothwendige, die Grundlage des sittlichen Lebens, die Reli­gion, wenn auch nicht gänzlich zerstört, so doch gewaltig erschüttert, und einer Lebens- und Weltanschauung Bahn gebrochen, welche, bei allgemeiner Ausdehnung, nur zum Ab­grund führen konnte. Da hatte der Con­servatiSmuS eine große schwere Aufgabe, und es darf nicht geleugnet werden, daß seinem Streben nach Lösung dieser Aufgabe Viele» zu verdanken ift. Ohne seine Muhen würde es heute um uns noch schlimmer stehen, als es leider schon der Fall ist, namentlich in religiöser und sittlicher Be- ziehung.

Dennoch aber hat der ConservatiSmuS seine Aufgabe nicht erfüllt. Auch unter conservativen Elementen hat sich, ähnlich wie auf dem liberalen Gebiete, das Son­derinteresse breit gemacht. Daher haben sich dort wie hier die zwei Parteien in Fractionen aufgelöst, und so haben wir denn heute ein Parteigewirre.

Auf beiden Seiten fehlt da» bestimmte, gemeinsame Wollen, da» gemeinsame Ziel, und wenn es der Fall wäre, so würde man sich wieder um Mittel und Wege zum Ziele Herumstreiten.

ich jsie mit dem Gesicht gegen die Wand gestellt; denn ohne zu wissen warum, hatte ich einen Abscheu gegen die Dalila bekommen.

Der Anblick diese» Gesichte», welche» nur entworfen war, war mir unerträglich.

VII. Kapitel.

Der neue Schulsaal war im Herbste fertig geworden, aber er sollte erst am Ende des Jahre» eingeweiht werden. Um dieses Ereigniß recht zu feiern, hatte ich für den Neujahrstag ein Fest veranstaltet, an dem das ganze Dorf von Villery An« theil nahm. Auf ein einfache» und nahr­haftes Mittagessen folgte die Austheilung von Kleidern, Büchern und Spielzeug, je nach dem Alter und den Bedürfnissen der Gäste. Ich hatte lange vorher an den Zubereitungen zu diesem Feste gearbeitet; meine Mühe wurde durch den Erfolg ent- schädigt; und al» ich auf diesen armen, kleinen, vor Kälte rochen und von Rein­lichkeit glänzenden Gesichtern die innigste Freude sah, fühlte ich mich reichlich belohnt.

Obschon er erst anfing, war der Winter doch sehr strenge gewesen, und unser Vor­rath von wollenen Strümpfen und warmen, gestrickten Jacken war beinahe zu Ende. Die Armen kamen haufenweise von Pres« figny und den umliegenden Dörfern, um Unterstützung zu bitten. An diesem Tage