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und gut haushalten lernen wollen, bestimmt ist und also ebenso sehr für die Frau des Handwerkers und des kleinen Beamten und Bauern rc., wie für die Arbeiterfrau ge­eignet erscheint.

Die Familie bleibt doch ,bie Grundlage von Gesellschaft und Staat, und so lange es nicht gelingt, den vielfach auflösenden Einfluß der Industrie auf das Familien­leben unserer Arbeiter und damit auch weiter der übrigen Stände zu paralysiren, sind alle gesetzgeberischen Maßnahmen zur Lösung der socialen Frage vergeblich.

Deutsche- Reich.

* Berlin, 23. Aug. Der Kaiser em­pfing gestern in Babelsberg den Besuch des Kronprinzen von Schweden, welcher am Sonntag aus Mainau hier eingetroffen ist.

— Bei dem Trierer Domcapitel ist ein Schreiben aus Rom eingetroffen, welches die Ernennung des Domherrn Dr. Korum zum Bischof von Trier anzeigt und das bezügliche päpstliche Breve ankündigt. Dem .Berliner Tagebl.' zufolge hat die Regier­ung dem neuen Bischof den Eid erlaffen.

— Generalfeldmarschall Grafv. Moltke ist am Sonntag Abend von seiner Reise nach Dänemark und Schweden wieder nach Berlin zurückgekehrt.' Die Reise ist dem greisen Strategen vortrefflich bekommen.

— Ein Telegramm des ,Bad. Beob.' meldet: Professor Kraus, welcher sich gegen­wärtig auf einer Reise in der Schweiz befindet, dementirt die Nachricht, daß er bei dem Canossa-Artikel der ,Augsb.Allg. Ztg.' betheiligt sei.

— Die .Vossische' schreibt: „In den ,Grenzboten', welche sich gleich den offi- ciösen Organefi seit einiger Zeit mit großer Vorliebe mit dem Cobdenclub beschäftigen, wird nunmehr auch der deutsche Bot­schafter in Rom, Herr v. Keudell, als Mitglied des Cobdenclubs denuncirt, und da nach der Ansicht der,Grenzboten', die Mitglieder dieses Clubs vaterlandslos und gemeingefährlich sind, so wird dadurch in- direct dem Botschafter Deutschlands bei einer Großmacht der Vorwurf der Vater­landslosigkeit und Gemeingefährlichkeit ge­macht. Die ,Grenzboten' haben vermuth- lich vergessen, daß Herr v. Keudell vor Jahren die gleiche Vertrauensstellung beim

Reichskanzler inne hatte, deren sich bis jetzt Herr Tiedemann erfreute, seine Mit­gliedschaft des Cobdenclubs ballet wahr­scheinlich aus jener Zeit, in welcher der Reichskanzler selbst noch Freihändler war und keinen Anstoß daran nahm, daß seine nächste Umgebung diesem „vaterlandslosen" Vereine angehörte. Daß es Leute gibt, welche ihre Ansichten nicht auf Commando wechseln, können die Mitarbeiter unserer officiösen Presse natürlich nicht begreifen und denunciren deßhalb frischweg einen der höchsten activen Retchsbeamten als vater­landslos und gemeingefährlich."

— Zu dem Ausfall der französischen Wahlen schreibt die .Norddeutsche': „Bis zum Bekanntwerden des ziffermäßigen Ge- sammtergebnisses der Wahlen mögen immer­hin noch einige Tage verstreichen; ihr Cha­rakter steht schon heute fest und bedeutet den Sieg der fortschrittlich revisionisti­schen Politik, welche Gambetta proclamirt und der sich das Ministerium Ferry ange­schloffen hat.

— Es soll demnächst eine abermalige t Reise des Schah von Persien nach Europa | bevorstehen, auf welcher derselbe Petersburg, Z Rom, Paris, Wien, London und Berlin j besuchen wird.

j * Aus Bayern, 22. Aug. Aus An- j laß der Vorgänge in Rom bei Ueberführung i der Leiche des Papstes Pius IX. hat nun | der Erzbischof von München - Freising einen | Hirtenbrief erlassen, der am Sonntag den ; 21. August von allen Kanzeln der Erzdiö- t cese verkündigt worden ist.

Frankreich.

I * Paris, 23. Aug. Definitives Wahl« ! resultat: Endgiltig gewählt sind 483 De- 1 putirte, 65 Stichwahlen sind erforderlich, i Wiedergewählt sind 364, darunter 61 von j der Rechten und 303 von der Linken. Die | Zahl der Monarchisten und Bonapartisten « ist 85. Die Republicaner gewannen 14 ) Sitze von den Monarchisten, 27 von den Bonapartisten und 13 in neuen Wahlbe- : zirken. Verloren haben die Republicaner ■ 2 Sitze an Bonapartisten und 7 an l Monarchisten. Letztere gewannen 2 Sitze 1 von den Bonapartisten. Von den gewählten 398 Republicanern gehören 41 dem linken : Centrum, 159 der Linken, 170 der repu« blicanischen Union und 28 der äußersten Linken an.

demüthig anklage. Warum habe ich Dich z. B. in so großer Abgeschiedenheit er- > zogen, warum habe ich so wenig Verbind- ; ungen in der Nachbarschaft anzuknüpfen ge- i sucht, warum habe ich Friedrich immer ge­beten, nicht seine Freunde mit nach Villery zu i bringen, mit einem Worte, warum habe ich t diesen armen Herrn Bernier so schlecht em- f pfangen? Ich liebe Friedrich, ich wollte ihm j Dich verwahren. Armer Friedrich I Ich denke | mir, daß er in der letzten Zeit durch seine j Eifersucht schrecklich gelitten haben muß, - weil er die Absicht Herrn Verniers sicher be- ' merkt hat, denn er ist abgereist, ohne mir I ein einziges Wort zu sagen, welches Be- i zug auf unsere Pläne hatte."

Armer Friedrich! Jetzt erkläre ich mir sein Benehmen und die Veränderung \ seines Charakters. Ec war eifersüchtig, und 8 ich war nicht scharfsichtig genug es zu be- ? merken. Wie warf ich mir in diesem I Augenblicke die Reizbarkeit vor, in die mich r seine Kälte versetzt hatte! Wie werde ich - ihn um Verzeihung bitten. Wie leicht i werde ich ihn überzeugen, daß ich ihn mit ganzer Seele liebe und nie an Herrn Ber­nier gedacht habe.

„Du bist also fest entschlossen," sagte meine Großmutter, indem sie aufstand. „Ich werde Herrn Bernier schreiben, daß

Du es für den Augenblick vorziehst, Fräu­lein de Morangis zu bleiben!"

Meine Antwort war sehr bestimmt.

Sobald sie mich verlassen hatte, suchten meine Augen das Aquarellgemälde, welches Friedrich mir im Frühjahr gegeben hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

* (Feierlicher Einzug eines „neuen Gottes.") Anfangs Juni er­hielt der König von Siam von einem seiner Statthalter die frohe Botschaft, daß in des letzteren Gebiet ein schneeweißer Elephant, den die Siamesen bekanntlich als ihren Gott verehren, gefunden worden und schon auf dem Wege nach der Hauptstadt Bangkok sei. Der König, die Minister, die Priester und Tausende von Bürgern zogen dem Gotte einige Meilen entgegen, brachen bei dessen Anblick in einen nicht enden wollenden Jubel aus und knieten nieder. Beim Ein­zug in Bangkok bildete in dessen Straßen Militär in voller Parade Spalier. Zur Rechten des Elephanten ging der König mit gezücktem Schwerte, zur Linken der Ober- Priester mit einem goldenen Stabe. Artillerie- Salven und die Jubelrufe des Volkes, das sich sogleich ins Knie warf, begrüßten den neuen Gott, während die Soldaten vor ihm

Italien.

* Rom, 21. Aug. Die katholischen Blätter Roms: .Offerv. Rom.', ,Voce' rc., erscheinen heute, an dem Namenstage des hl. Vaters (Joachim), mit Festrand und Festartikeln. Die ,Voce' enthält u. A. fol­genden Satz: „Wir wissen nicht, hl. Vater, ob die Feinde des Thrones und des Altars dahin gelangen werden, ihre noch vor Kurzem j in Rom selbst, ja unfern Deiner Residenz, Z geoffenbarten Pläne zu verwirklichen. Aber - gesetzt, Gott lasse Solches in seinen uner« | forschlichen Rathschlüssen zu, sie würden uns \ Alle mit unserer Brust Deine geheiligte ! Person schützen sehen und nicht anders ■ würden sie Dich erreichen als über unsere | Leichen. Das ist keine eitle Prahlerei; das ‘ „facere et pati fortia“, große Thaten zu ! vollbringen und große Leiden zu erdulden, ! ist in Rom noch nicht aus der Mode ge« ! kommen, unsere Feinde wissen es."

Amerika.

i * Newyork, 23. Aug. Eine von Mit« ! gliedern der extremen revolutionären irischen i Partei erlassene Pcoclamation sagt: Das ' „Dynamit Council" erklärt, die Irländer j könnten in einer einzigen Nacht alle Schiffe ; mit englischer Flagge in Newyork, Halifax, - Quebec, Melbourne, Sldney, Capstadt und ! San Francisco zerstören und warnt Jeder­mann vom 1. September ab Schiffe mit ! englischer Flagge zu benutzen. Ein Meeting ; ist auf den 29. August in Newyork berufen • um diese Proclamation gutzuheißen.

- * Washington, 23. Aug. Das Ge-

■ rücht von dem Tode Garfields beruht auf ! Unwahrheit. Blaine versandte heute folgen« I des Telegramm über das Befinden Gar­fields: Der Präsident konnte bis zwanzig

i Unzen flüssige Nahrung schlucken und bei j sich behalten. Der Magenzustand ist heut etwas besser, das Allgemeinbefinden aber ernst, wenn nicht kritisch. Der Präsident j ist matt, erschöpft und abgemagert und ■ wiegt nicht über 125—130 Pfund, während j das Gewicht bei seiner Verwundung 205 » bis 210 Pfund betrug. Dies Ausbleiben ! der Kräftezunahme ist das einzige Symptom, ? welches zu Besorgnissen Anlaß gibt.

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ProvineieAes und Loeales.

' * Fulda, 24. Aug. Gestern, Nach­

mittags gegen 6 Uhr, gaben die vereinigten

, salutirten. Der König geleitete den Ele- | phanten in dessen im Palast selbst befind- i lichen Gemächer, decorirte ihn hier mit dem , Großbanse eines siamesischen Ordens und z verlieh ihm den Titel und Rang eines i Souveräns. Dar Tafelgeschirr des „neuen \ Gottes" besteht aus Gold uud Porcellan.

l * Naß, nässer, am nässesten. Wenn j der Deutsche stark beregnet wird und sehr s naß geworden ist, sagt er: „Ich bin bis | auf die Haut naß." Der Franzose, dem 5 wahrscheinlich das Naßwerden noch unange- ? nehmer ist, geht noch weiter und sagt: „Ich i bin naß bis auf die Knochen." Noch nässer \ wird der Spanier, welcher versichert, „daß z er bis auf's Mark naß sei." Am schlimm« l sten gebehrdet sich der Araber. Der sagt: I „Ich bin naß bis in die Gedärme." Nasser | kann also wohl keiner werden, als der ? Araber. x

!* Gegen das graue Elend der See­krankheit hat kürzlich ein junger Medi- । einer, der von Marseille nach Algier reiste | und vom Seekater fürchterlich heimgesucht wurde, Morphium-Einspritzung oberhalb des Magens unter der Haut mit großem Er­folge angewandt. Auch dürfte das Mittel sich erproben, wenn bei Kranken ein ge« jährliches Brechen rasch gehoben werden muß.