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193. Donnerstag, den 25. Anguft 1881

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. .. -- 'Sufi*«« 8‘iturtB erscheint täglich, Sonn- uns^jFeiertag, ausgenommen. Ran abonnirtggegrnz«orauSbezahluna ,u Fulda •t** Expedition, Buttermarkt Nr. 112 .auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich B ringerlohn in Fulda eine Mark und •® R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei lest Postämtern: Sei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Hau« gebracht 1 Mark 90 Pfg D» »illustrirten SonntagSblätter^ der Fuldaer Zeitung koste« vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Pöstschalter 2b Pfg., in'S Hau« gebracht 40 Pf Inserate: Di, Petitteile oder derm Raum 10 Pfg., bei ^Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

* »Das häusliche Glück." W

Dieses Frühjahr machte ein Erlaß der; Königlichen Regierung in Düsseldorf die ' Runde durch die Presse, in welchem die; ungenügende Ausbildung der Arbeiterfrauen < als ein Hauptgrund für die materiellen j und sittlichen Uebelstände, wie sie in ' Fabricdistricten herrschend sind, hingestellt; wurde, und Einrichtung von Vereinen und \ Schulen zum Zwecke des Unterrichts in den häuslichen Verrichtungen Empfehlung fand, ähnlich wie sie von den Herren Kap­lan Liesen in M.-Gladbach und Kaplan „ Narren berg in Viersen u. A. geschaffen seien.

Eine Commission des Verbandes kath. Industrieller und Arbeiterfreunde, „Ar­beiterwohl", war bereits vor dem Erlaß der Königlichen Regierung derselben Frage praktisch näher getreten durch die Abfassung eines „Vollständigen Haushaltungsunter­richtes nebst Anleitung zum Kochen für Arbeiterfrauen. Zugleich ein nützliches Hilfsbuch für alle Frauen und Mädchen, die billig und gut haushalten lernen wollen." „Das häusliche Glück" — so be­titelt sich das Buch — hat nun nicht blys den größten Beifall in Presse und Pub­licum gefunden (in vier Wochen wurden 5000 Exemplare abgesetzt), sondern auch die König!. Regierung zu Düsseldorf hat ihm in dem Amtsblatt vom 13. d. M. nachfolgende Empfehlung zu Theil werden lassen:

Unter dem Titel „Das häusliche Glück" hat eine Commission des Verbandes „Arbeiterwohl" ein Büchlein herausgegeben, welches einen voll­ständigen Haushaltungsunterricht nebst Anleitung

zum Kochen für Arbeiterfrauen enthält und zugleich ein nützliches Hilfsbuch für alle Frauen und , Mädchen ist, die billig und gut haushalten lernen wollen.

Das Büchlein beginnt mit dem Mahnwort eines Seelsorgers an junge Hausfrauen und er­örtert sodann die Mittel und Wege zur Erlangung des häuslichen Glückes in drei Abtheilungen. Die erste lehrt die Besorgung der Wohnung, die zweite die Besorgung der Nahrung mit einer Anleitung zum Kochen und 118 Recepten 'zum Kochen der Speisen, die dritte die Besorgung der Kleidung und Wäsche, den Schluß bilden Anweisungen über die Kunst, gut hauszuhalten mit einem Formular für die Einrichtung eines Haushaltungsbuches.

Durch seinen äußerst praktischen Inhalt, durch die leicht verständliche Form und durch die Vermeidung jeder Bezugnahme auf eine fpecielle Confesston eignet sich „das häusliche Glück" zum trefflichen Unterweiscr für alle Arbeiterinnen, so­wie für alle Frauen und Töchter von Arbeitern.

Bei der Wichtigkeit, welche die tüchtige Führ­ung des Haushalts für das wirthschaftliche und sittliche Gedeihen der gesammten Arbeiterbevölkerung hat, und bei der leider unbestreitbaren Thatsache, daß sehr viele Arbeiterfrauen und Töchter die ordentliche Führung eines Haushalts nicht ver­stehen, empfehlen wir allen Gemeindebehörden, Geistlichen und Schulvorständen, allen Arbeit­gebern, Volks-Bibliotheken und wohlthätigen Ver­einen, auf die möglichst weite Verbreitung „des häuslichen Glücks" in den Arbeiterkreisen hinzu­wirken. Namentlich verdient dasselbe vertheilt zu werden an Fabrikarbeiterfrauen und an Mädchen, welche die weiblichen Handarbeitsschulen oder den Handarbeitsunterricht der Volksschulen absolvirt haben.

„Das häusliche Glück" ist im Verlag von A. Riffrath zu M-Gladbach und Leipzig 1881 er­schienen und kostet gut kartonnirt 1 Mark. Der Preis ermäßigt sich bei Abnahme von 50 Exem­plaren auf 60 Pfg., von 25 Exemplaren auf 65 Pfg., von 10 Exemplaren auf 70 Pfg.

Düffeldorf, den 30. Juli 1881.

L III. B. 3539. Königliche Regierung. Wir dürfen gewiß auch unsere Leser

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Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

Ins Deutsche übersetzt von M. B.

(Fortsetzung.)

Laß mich endigen. Du bist kein Kind mehr. Drin Urlheil ist ziemlich klar. Ueber« lege es, Agnes. Ich habe Deine Zukunft in Deine Hände gelegt. Ich habe Herrn Bernier versprochen, heute Abend noch Deine Antwort zu schicken, damit er weiß, ob er sich an Deinen Vater wenden soll oder nicht. Ueberlege. E» ist der erste Heirathsantrag, Bernier liebt Dich, mein theures Kind. Fühlst Du Dich geneigt, seine Frau zu werden?"

„Niemals, liebe Großmutter!" rief ich mit Nachdruck, indem ich aufstand und mich schluchzend ihr zu Füßen warf.

Air ich ein wenig ruhiger geworden war, heftete sie ihre sich mit Thränen füllenden Augen auf mich.

„Agnes, Du machst mich sehr glücklich,? sagte sie sehr leise, mich noch immer an« sehend, wie wenn sie in der Tiefe meines Herzens hätte lesen wollen.

„Sehr glücklich," fügte sie mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung hinzu, welche uns unbewußt entschlüpfen, wenn unser Herz von einer Befürchtung befreit

ist. „Ich fürchtete einen Augenblick, nie meinen Traum sich verwirklichen zu sehen."

„Welchen Traum, Großmutter?"

„Hast Du ihn nie errathen?"

„Nein."

„Hat Friedrich Dir nie davon gesprochen?" „Nie," sagte ich erröthend, denn ich fing an, zu verstehen.

„Das rechtschaffene und biedere Kind!"

„Er hatte mir versprochen, bis zu Deinem zwanzigsten Jahre zu warten, um Dir die Freiheit nicht zu nehmen und Dein Herz wählen zu lassen. Ich hatte einen Augen­blick geglaubt, daß die Annäherung Ver­niers ihn veranlaßt habe, der unter uns übereingekommenen Zeit zuvorzukommen, denn in der letzten Zeit wäret Ihr Beide sehr verändert. Doch ich sehe, daß ich mich geirrt habe, seine Biederkeit hat sich nicht verleugnet, er wollte Dich frei lassen. Agnes, mein theures Kind hast Du es nie begriffen, daß Deine alte Großmutter ruhig sterben würde, wenn sie Dir einen Beschützer, die Stütze eines edlen Herzens gesichert hätte; dessen Liebe Dir niemals fehlen nnd der Dir helfen würde, die unvermeidlichen Sorgen des Leben« zu ertragen? Hast Du es nie errathen, nachdem ich gesehen, baß meine beiden Kinder sich ihr ganzes Leben wie Schwester und Bruder geliebt haben, es

bitten, recht eifrig für das „häusliche Glück" zu werben: sie können dadurch vielen Segen stiften. Die betreffenden Kreise, für welche das häusliche Glück bestimmt ist, werden aus eigener Initiative nur sehr selten das­selbe kaufen, er muß empfohlen und — ganz geschenkt oder zu einem billigeren Preise an dieselben vermittelt werden. Die HH. Seelsorger, Lehrer, Bürgermeister, Arbeitgeber und sonstige einflußreiche Per­sönlichkeiten sollten es in größeren Partien beziehen und stet» auf Lager haben, stets wieder von Neuem empfehlend und an» bietend. Der Bräutigam soll es seiner Braut, die Herrschaft ihrer Magd, der Fabricant seinen Arbeitern (für ihre Frauen) und Arbeiterinnen, der kleine Kaufmann seinen Kunden schenken; es muß gerade so allbeliebt und populär werden, wie der Thomas von Kempis oder die Handpostille. Es ist ein Katechismus der Standespflichten der Hausfrau. So soll es vor Allem der Seelsorger auffassen und speciell die Braut­leute daraus aufmerksam machen. Auch Vereine können und sollen es empfehlen, bekannt machen und an ihre Mitglieder zu dem billigeren Preise ablassen, al» Geschenk und Prämie geben rc. Durch einen kleinen Aufschlag zu dem Einkaufspreis bei größe­ren Partien lassen sich die Mittel gewinnen, es an ärmere Familien umsonst zu geben, wie denn auch Wohlthätigkeitsvereine, Vin­cenz-, Elisabethvereine durch Verbreitung desselben gewiß in mancher Familie die Quelle der Armuth verstopfen würden.

Es sei noch bemerkt, daß da» „häusliche Glück" überhaupt für Alle, welche billig nicht mein Wunsch sei, sie durch ein stärkere Liebe, durch ein unauflösbares Band vereinigt zu sehen?" Agnes liebst Du Friedrich genug, um seine Frau zu werden?"

Meine Antwort wurde kaum ausgesprochen, aber sie hörte sie. Ich verbarg mein Gesicht an ihrer Brust, sie preßte mich in ihre zitternden Arme und ich fühlte auf meinem Gesichte ihre Thränen.

Oh I das unaussprechliche Glück dieses Augenblicks I

„Mein Kind, wie glücklich bin ich! Lieber Friedrich! Wie glücklich wird auch ihn Deine Antwort machen. Aber nein, ich will ihm nichts sagen. Er wird wie ein gewöhnlicher Bewerber seinen Antrag selbst machen. Ich will ihm sein ganze» Glück lassen."

Sie lächelte sanft.

„Sie haben denn mit ihm darüber ge­sprochen, Großmutter?"

„Gewiß, und seit sehr lange; aber wir waren beide der Meinung, in keiner Be­ziehung auf Dich einzuwirken. Wie Du weißt, ist uns nie ein Wort entwischt, dar unfern Plan hätte verrathen können. Jetzt kannst Du Dir mein Benehmen bei manchen Gelegenheiten leichter ei klären, sowie auch manche kleine List, die Du nicht einmal bemerkt hast, über die ich mich aber