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JH 192

Mittwoch, den 24. August 1881

18 Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

Ins Deutschs übersetzt von M. B.

(Fortsetzung.)

VI. Capitel.

Die Rosen blühten nicht mehr und die Sommerblumen starben langsam in ihren Beeten. Die Bäume hatten ihre goldene und purpurne Livree angezogen.

An mein Fenster gelehnt sah ich zerstreut, wie von der blassen Novembersonne beleuchtet ein tobte» Blatt nach dem andern herabfiel. Ich habe den Herbst nie gern gehabt.

Seine reichen, metallgefärbten Farben­schmelzungen, sind von zu kurzer Dauer und gehen dem momentanen Tode der Natur zu nahe voran. Der Herbst gleicht zu sehr dem menschlichen Leben, wo alle Hoffnungen nur einen Augenblick glühen und entflammt werden, um den Tag nachher verwelkt nie-- derzufallen.

Ich liebe den Frühling mit seinen zarten Versprechungen mehr. Achl wir find nun einmal alle so!

Und wir vergessen e», daß der Frühling erst nach dem Reife de» Winter» grünt. Wir möchten den ewigen Frühling erreichen ohne durch den Herbst de» Leben», den Winter de» Tode», zu gehen.

Fuldm DD Jdtung.

inÜ«Uich, Sonn- unsaFeiertag« ausgenommen. Man »donnert 1gegen^Vorausbezahlung »u Fulda »2*« ^fab mit'»rin^rtnKn vm w»m*n^n vierteljährliche «bonnementsprei» beträgt ausschließlich B ringerlohn in Fulda ein- Mark und 1, Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfa., in» Lau» aebrackt i »o gif»

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qp. Die progressive Einkommen steuer nach dem Barfchkage von

Dr. Constantin Frantz.

, (Schluß.)

®te Einwendung wegen der enormen Schwierigkeit der Einschätzung trifft zum größten Theile auch fchon die bestehende Einkommensteuer. In Rücksicht auf den weiten Spielraum de» subjectiven Er­messen» schlägt aber Herr Dr. Frantz eine eigene unabhängige Steuer-Beamtenschaft und ständige Steuergerichte vor.

Uebrigen» will Dr. Frantz weder die bisherigen Objectsteuern noch die indirecten Steuern abschaffen. Nur daß die letzteren bloß noch eine Zuthat bilden sollen. Ob- wohl er scharf betont, daß die indirecten Steuern und Zölle stet» überwiegend den ärmeren Claffen zur Last fallen, und^daß den reicheren Claflen mit Consumsteuern niemals genügend beizukommen fei,£fo hält er doch die indirecter Steuern schon wegen der Masse flottirenden Bevölkerung für unentbehrlich. Da» aber scheint ihm vom liebel und eine verhängnißvolle Bahn, wenn man vielmehr gerade die Ausbildung der indirecten Steuern zur Basis des ganzen Steuerwesens machen will. Das will aber Fürst Bismarck, weil es in Frankreich sehr viel Geld einträgt.

Aber, so fragt sich der VerfasserZ selbst, laufen denn meine Steuervorschläge nicht gleichfalls auf einen Staats-Socialismus oder Communismus hinaus? Fürst Bis­marck will nämlich, sobald er einmal die Mehrerträgnisse au» den von ihm vorge­schlagenen indirecten Steuern, in der

Reichscasse hätte, einen Theil der directen Steuern an die Gemeinden und Kreise überlassen. So ist wenigstens versprochen. Auch der Verfasser will, daß der Ertrag der progressiven Steuer, und insbesondere die Erbschaftssteuer nicht in den laufenden Ausgaben des Staates verschwinde. Der Haupttheil der letzteren soll vielmehr den berufsmäßigen Corporationen, soweit es solche gibt, zufließen und andererseits den Gemeinden als den localen Verbänden, welche weit mehr als der Staat dazu be­fähigt seien, bauernde Anlagen zum Nutzen der besitzlosen Claffen zu machen. Insoweit man Eigenthum und Erwerb als reine Privatsache ansteht, ist nicht zu läugnen, daß der Staat kein Recht hat, den Einen ! zu nehmen, um den Anderen zu geben, und | daß von einem Miterbrecht des Staates | und der Gesellschaft keine Rede sein könnte. Wenn aber der Verfaffer behauptet, daß Eigenthum und Erwerb auch eine gesell­schaftliche Seite habe, so spricht er damit \ nur einen christlichen Grundsatz aus. Da» I Christenlhum kennt kein absolutes Eigen- j lhum ohne Verpflichtung gegen den Neben- Menschen. Der schrankenlose Individualis­mus der modernen Welt hat die christliche Gesellschaft zerstört und sein kalter Egois­mus hat gegen sich selbst die Zwangsge­walt des Staates herausgefordert. Vom christlichen Standpunct ist somit dem Ver« 1 faffer nicht zu widersprechen, wenn er ' sagt : auf Grund der Erfahrung müffe eine j Veränderung des bisherigen positiven Rechts i eintreten, welches den Anspruch auf seine - fernere Geltung insoweit verloren habe, *

als es den Lebensbedingungen^der heutigen Gesellschaft nicht mehr genügt. „Denn darin eben besteht die praktische Bedeutung des Rechts, daß all das, was zu den Lebensbedingungen der Gesellschaft gehört, nöthigenfalls zwangsweise zur GeltunMge- bracht werden kann. Bietet das bestehende Recht zu diesem Zwecke nicht die nöthigen Handhaben, so muß eS verändert und er­gänzt werden durch ein neuesj Recht, welches festzustellen Aufgabe der^Gesetz- gebung ist."

Den Einen nehmen, um den Anderensszu geben, mittelst Zwangsrechts dss Staates, sieht übrigens auch Fürst Bismarck al» ein unbedenkliches Mittel feiner socialen Reform an; nur daß er auch denjenigen nehmen will, die nichts Nebliges haben. H

Aber Eines sagen die,Histor. pol. Bl? im Verlaufe ihrer sonst sehr beifälligen Beur- theilung der Schrift, müssen wir doch be­merken: Der Verfasser hat es versäumt, die Frage aufzuwerfen, ob denn das große Capital, wenn man ihm im deutschen Reich dergestalt mit Aderlaß und Schröpf­köpfen zusetzen wollte, ruhig sitzen bleiben und herhalten würde, ob es nicht vorziehen würde, da ober dorthin in weniger blut­gierige Länder auszuwandern. Im Gegen­satz zum unbeweglichen Besitz hat das Capital die Fähigkeit hinzugehen, wo es ihm am wohlsten ist, ohne an seiner Fruchtbarkeit zu verlieren. Es ist kosmo­politisch und nirgends an die Scholle ge­bunden. Wo immer ein Landtag über Anlegung einer Capital-Rentensteuer ver, handelt, wird er sich des fraglichen Be,

Mein Vater und meine Schwester waren nach Paris abgereist, und ich hatte gegen mein Erwarten in Villery bleiben können. Mein Vater hatte eines Tages zu meiner Großmutter gesagt, daß er zu seinem größten Bedauern genöthigt sei, uns in einem Hotel einzumiethen, er würde vorgezogen haben vor uns abzureisen, um sich mit der Ein­richtung zu beschäftigen und uns dann ab­zuholen.

„Aber so reisen Sie doch," antwortete meine Großmutter, „er wird mich sehr freuen, Anita bei mir zu behalten."

Doch ich glaube, daß Anita nicht auf diesen Vorschlag hat eingehen wollen, denn am folgenden Tage zeigte mein Vater uns an, daß er mit ihr abreisen und mich, so­bald er eingerichtet sei, abholen werde. Meine gute Großmutter machte natürlich keine Einwendung. Und was mich betrifft, so war mein Herz zwischen der Freude, daß ich mich noch nicht von ihr zu trennen brauchte und dem Bedauern getheilt, mit Paris noch nicht Bekanntschaft machen zu können, wo mich der Louvre und die Oper erwartete, ebenso fürchtete ich, nicht dort zu sein, wenn Friedrich meinen Vater be­suchte; und ich muß es bekennen, ich war zufrieden, Anita abreisen zu sehen.

Seit der Abreise Friedrich» ertrug meine

Schwester mit Mühe die Einförmigkeit un­sere» Leben». Sie blieb jedoch noch immer das reizende, zärtliche und liebkosende Ge­schöpf, welches dazu gemacht schien, um ver­wöhnt und verhätschelt zu werden. Ich, die ich an ein thätiges Leben gewöhnt war, konnte ihr Müßiggehen nicht be­greifen, und mit der Strenge der Jugend, fand ich keine Entschuldigung dafür. Hatte diese Strenge jvielleicht eine andere Ursache? Ich fing an es zu vermuthen und machte mir Vorwürfe darüber. Aber end­lich war sie abgereist. Villery hatte sein gewöhnliches Aussehen wieder angenommen zur großen Zufriedenheit Theresens, welche sich beeilt hatte, meinem Zimmer alle meine kleinen Schätze wieder zu erstatten. Ryno war froh, wieder frei zu sein. Die arme Alte verhehlte ihre Freude nicht, der ge- putzten Zofe Anitas los zu fein, deren An- maßungen sie in Verzweiflung brachte.

Ich hatte geglaubt, mein früheres Leben, meine Studien, mein Lesen, meinen Aufent- halt im Atelier wieder an fangen zu können; aber bald bemerkte ich, daß ein unter- brochenes Leben nie wieder das wird, was es gewesen. Die Beschäftigungen find die­selben, aber der Geist, welcher sie leitet, hat sich geändert. Ich konnte mich nicht mehr wie sonst in meine Arbeit vertiefen,