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Dienstag, den 23. August 1881
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qp. Die progressive Einkommensteuer nach dem Borschlage von
-7. Constantin Frantz.
Dre »Histor. pol. Blätter' unterziehen in ihrer am 1. Aug. er. ausgegebenen Nr. Die neueste Schrift des genannten berühmten Publicisten (Die sociale Steuerre« sorm, als die conditio sine qua non, wenn ber socialen Revolution vorgebeugt werden ’°u- Von Constantin Frantz. Mainz, Kirchheim 1881) einer eingehenden Erörterung. Der Verfasser nennt die von ihm empfohlene Steuerreform „social" und legt darauf den schärfsten Ton. Er behauptet, daß in diesem Sinne der Vorschlag ganz neu sei.
Bekanntlich ist es das Ideal des Reichs- kanzlers, die Reichsfinanzen durch immer stärkere Heranziehung indirecter Steuern zu nähren und zu mehren. Der Verfasser bemerkt mit Recht, daß von diesem Stand- puncte aus von vornherein die Möglichkeit verschwinde, auch nur überhaupt den Gedanken zu fassen, daß das Steuerwesen neben seinem fircalischen Zwecke doch zugleich auch eine sociale Aufgabe haben möchte, weil in letzterer Hinsicht allein die dnecten Steuern wirken könnten. Mit unserem jetzigen Steuerwesen sei es dahin gekommen, daß die Hauptfrage zu sein scheine: was etwa an Tabak und Ge- tränken, an Zucker, Kaffee und dergleichen L?och mehr bluten" könnte. Von einem L>taats'Finanzmann, wie unsere Zeit eines solchen bedürfte, fordert der Verfasser, daß er nicht nur aus der herkömmlichen Finanz. Praxis heraustrete, fondern sich auch von
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Tante Agnes.
Novelle von O. de C.
Ins Deutsche übersetzt von M. B.
(Fortsetzung.)
Ruhig, aber mit zusammengepreßten Lippen und entmutigtem Herzen erhob ich mich von meinem Heuhaufen.
Die hierauf folgenden Tage vermied ich Friedrich eben so sorgfältig, wie er mich ru vermeiden suchte, und ich ging aus einem Anfalle der düstersten Traurigkeit in den der ausgelassensten Freude über. Friedrich schien mich mit Erstaunen zu beobachten; er selbst war sehr ungleicher Laune und ich bin über- zeugt, daß wir alle Beide sehr unangenehm sein mußten.
Dieser Zustand dauerte bi» zum Ablauf seines Urlaub«. Außer einigen Besuchen und Einladungen in die Familien der Nach, barschaft war nichts Neue« vorgefallen.
Da Friedrich sehr früh abreisen mußte, nahm er den Abend vorher tm Saale von un« Abschied.
Er sollte im südlichen Frankreich mit fernem Regiments zusammentreffen.
„Huf Wiedersehen Herr Marquis," sagte er, meinem Vater die Hand reichend, denn er nannte ihn nie Onkel.
„®ute Reise, mein Lieber, ich hoffe, daß
den Lehren der Schule lossage, da nach beiden das Finanzwesen nur zur Deckung : des Staatsbedarfs bestimmt sei, während
die progressive Einkommen- und Erb- ; schaftsstener ihre wahre Bedeutung erst { dadurch empfange, daß sie nicht minder i zur Ausgleichung der socialen Gegensätze dienen soll.
i Wie das gemeint ist, mag hier gleich ! durch folgende Stelle aus dem vorliegenden ; Buche angedeutet werden: „Das Capital j wächst wie der Schneeball, der, vom Berge : rollend mit jeder Umdrehung immer dichtere i Schneemassen ansetzt und endlich zur zer- störenden Lawine wird. Dem ähnlich ab- sorbiren die großen Geschäfte die kleinen; daß sie aber groß wurden, beruht eben auf dem großen Capital, welches ihnen zur Basis diente. Einkommen und Capitali- sirung stehen in Wechselwirkung, und je weniger Hemmnisse dem wachsenden Ein- kommen und folglich der Capitalistrung bereltet werden, um so mehr verfällt die Gesellschaft in Plutokraten und Proletarier. Bei einer auf kapitalistischem Betrieb der Geschäfte beruhenden Volkswirthjchaft folgt das mit innerer Nothwendigkeit. Bleibt es nun trotzdem einstweilen unmöglich, an Stelle des capitalistifchen Geschäftsbetriebs eine andere Geschäftsform zu setzen, so müssen dem Fortschritt der Plutokratie von Staatswegen Hemmungen bereitet werden; und dies geschieht durch —Progressivsteuern — in indefinitium d. i. ins Unbegrenzte.
So, behauptet der Verfasser, gewänne das Steuer- und Finanzwesen auf einmal einen ganz anderen Charakter. Es trete Sie, sobald wir in Paris eingerichtet sind, einen langen Urlaub bei uns zubringen werden."
„Ich werde mein Möglichstes thun." Einen Augenblick, nachdem er den Saal verlassen hatte, ging Anita auch fort und '4 folgte ihr bald darauf. Im Vorbei, gehen sah ich, daß ihre Thüre halb offen und ihr Zimmer dunkel war. Durch die Dhüre des Ateliers aber schimmerte ein Lichtstrahl und ich hörte drinnen die Stimme Anitas.
Ein schreckliches Gefühl der Eifersucht bemächtigte sich meiner. Ich war entschlaf- sen Friedrich vor seiner Abreise noch einmal aufzusuchen.
Ich kämpfte die ganze Nacht zwischen diesem Entschlüsse und dem Wunsche meine Ehre zu behaupten. Mein Ehrgeiz wurde überwunden und lange bevor die Sonne hinter den Bergen erschien, saß ich unter der Halle und wartete. Ich wußte, daß Friedrich in dieser frühen Morgenstunde nicht durch da« große Thor, sondern durch die kleine Thüre gehen werd?, von der er den Schlüssel hatte. Sie hatte eine Art Vorhalle, welche mit Rosen und Geisblatt bedeckt war. In einen Shawl gehüllt, denn es war um diese Stunde kalt, wartete ich ziemlich lange. In der Nachbarschaft
in den Mittelpunkt der ganzen VolkSwirth. schäft, die Finanzwissenschaft würde eine eminent sociale Wissenschaft, die sich bis in das ethische Gebiet erhöbe, ja das Finanzwesen würde dann ein wichtiges Mittel werden, wodurch der Staat feinen mit leeren Worten so viel betonten ethischen Beruf erfüllen könnte.
Warum man denn, so fragt sich der Verfasser, von einer richtigen Progressiv- Elnkommensteuer nichts wissen wolle? Sowohl Preußen als Sachsen haben eine allgemeine Einkommensteuer, wenn auch in verschiedener Form. In beiden Ländern hat sie aber das Eigenthümliche, daß die Progression nur bis zu einer bestimmten Einkommengröße geht, von da aber plötz- lich aufhärt. Eine solche Steuer, sagt der Verfasser, sei ihrem Aussehen nach nichts weiter als eine plötzlich ins Stocken gekommene Progressivsteuer. Man macht dabei einen Anlauf, aber wenn man bis zu einer gewissen Einkommensstufe gekommen ist, steht man wie versteinert still und will von Progression nichts weiter hören. Und warum wohl NW? Darum nicht, weil das den Leuten mit hohen Einkommen empfindlich sein würde, und sie haben eben Das Heft in Händen."
Es sind überdies nicht bloß persönliche Gründe, welche den indirekten Steuern die entschiedene Bevorzugung vor den direkten in den Kreisen der Reichsregierung zugewendet haben. Auf ein hochpolitisches Motiv macht der Verfasser auch selber aufmerksam. Mit der progressiven Erbschaft«. und Einkommensteuer ließe sich keine Reichs- krähten die Hähne, und ein frischer Wind wehte die verwelkten Rosenblätter auf mich herab.
Ich saß auf einer kleinen Mauer, den Blick auf die von einem kleinen Nebel be. deckten Berge geheftet. Endlich öffnete sich die Thüre. Friedrich kam in Reisekleidern heraus, er trat einen Schritt zurück als er mich sah.
Das hatte er nicht erwartet, denn Alle un Schlosse schliefen. Er schien ganz bestürzt, aber ich näherte mich ihm, denn ich wollte eine Erklärung haben.
„Friedrich," sagte ich, „Du hast mir in diesen Tagen keine Gelegenheit geben wollen mit Dir zu sprechen; aber Du siehst, ich wollte Dich nicht abreisen lassen, ohne daß Du weißt . . . —"
Er unterbrach mich hastig.
„Ich will nichts wissen," rief er mit Heftigkeit mich in die Arme schließend. „Du solltest wenigstens Mitleid mit mir haben. O mein Kind, ich bin unglücklich, habe Mit« leid mit mir!"
Er drückte mich an sein Herz, daß ich fast erstickte und küßte meine Stirne.
,„Ja ich bin verrückt!" wiederholte er mit einer Stimme, welche seine Gcmüths- )eroegung bekundete, „Verzeihe mir. Sei Du wenigstens glücklich. Leb wohl, leb wohl!"