Einzelbild herunterladen
 

190

Sonntag, den 21. August 188L

. . „ »Mdatt Ziit>wS«rich«nt t ü gl ich, Ssnn- Feiertage ausgenommen. Ran abvnnirtg gegenZ Borausdezahlung zu Fulda Expedition, Buttermarkt Nr. 112,auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche SbonnementspreiS beträgt auSschl.eßlich B ringerlohn in Fulda eine Mark und BringerlohnlM. 70 Pf., auswärts Sei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Hau« gebracht IMarkSOPfg »t, Mustrirten SoMtagSbläkter- der Fuldaer Zeitung koste« vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Poßfchalter 2S Pfg., in'L Haus gebracht 40 Pf Zrifrrais: Die PetitzÄ» oder der«: Raum 10 Pfg., bri MrderholungW -ntsprschend-n A-Lstt.

O Die revolutionäre Bewegung gegen Vas Papstthum.

(Schluß.)

Die von der Polizei nicht zu wörtlicher Vorlesung zugelaffene Motion lautet:

„In Anbetracht, daß das Papstthum und die italienische Einheit ein politisch- historischer Widerspruch sind, daß die Päpste 35 Mal Fremdlinge nach Italien riefen, daß das Papstthum die National-Sou- veränetät beeinträchtigt, daß das göttliche Recht, woraus das Papstthum fußt, mit dem italienischen Volksrecht unverträglich ist, daß das Papstthum als religiöse In­stitution im Geist, im Princip und im Zweck die Selbstständigkeit der Vernunft und des Gewissens verneint, jedem modernen Rechtsbegriff widerspricht und sich im Dunkel des Mittelalters verliert, daß das Garantiegesetz als Stützpunct der sou­veränen Autorität der Ration jenes Dunkel mit allen Folgen neu belebt, in Anbetracht alles dessen verlangt das römische Volk die Abschaffung der Garantiegesetze und die Besitznahme aller apostolischen Paläste."

Dies der Wortlaut der ziemlich schwülstigen Motion. Am Meeting selbst betheiligten sich nur Republikaner. Alle Parlaments- deputirte Roms und der römischen Provinz ohne Unterschied der Partei halten — Menotti Garibaldi allein ausgenommen — bte Einladung zur Theilnahme abgelehnt.

Daß der liberale Berichterstatter den Verlauf der Debatte abschwächt, zeigt schon die Thatsache, daß er in der Garibaldi'schen Zustimmung die Worte unterdrückt hat: ich fordere auch die Abschaffung des Garanten,

dem Minister Mancini Vorstellungen ge«

die radicale Agitation gegen das Papstthum zugleich die Monarchien bedroht und ihren internationalen Charakter deutlich verrälh. Sollte der hl. Vater je gezwungen werden, Rom zu verlassen, so fällt die Schuld zu­nächst auf die italienische Regierung, die dem Papstthum den weltlichen Besitz ge­

macht haben, zutreffend ist, lassen wir da­hingestellt, jedenfalls hat die Diplomatie allen Grunv, sich aus Anlaß jener Vor­gänge und besonders des scandalösen Meetings ernstlicher wie bisher mit der römischen Frage zu beschäftigen. Es ist ein sehr geringer Trost für das italienische Cabinet, daß die spanische Regierung ihm

unter dem doch nur der König Humbert i sellschaft nicht das Werk spontaner saus verstanden werden kann. So meldet ein i eigenem Antriebe gefaßter^ Entschließungen Telegramm des ,Univer«,' nach welchem ii des italienischen Cabinels. Ohne Zweifel man Leo XIII. auch einen „Meuchel- l haben die Vertreter des Auslandes das

Mörder" genannt hat. Charakteristisch ist j Ministerium an seine Pflicht erinnert. Ob

das Fraternifiren der rolhen Agitatoren f die Meldung des .Journal de BrvxelleS',

mit dem Militair, unter welchem allerdings j daß der deutsche Botschafter, Herr v. Keu-

zahlreiche, republikanische Vereine existiren, ? dell, und mit ihm das diplomatische CorpS die nicht ohne eine gewisse Berechtigung ' <n—n-n------ --

find, da die Negierung König Humberts

I noch heute den Angehörigen des Soldaten Agesilaus Milano, der gegen seinen recht­mäßigen Kriegsherrn, den König Franz von Neapel, ein Attentat beging, dankbar- lichst Pensionen zahlt, und auch jetzt noch alljährlich das gemeine Verbrechen der Attentäter Monti und Tognetli honorirt, welche die Sprengmine an eine päpstliche Caserne legten.

vui,untui zeig!, wugin eine 2/conarcyie ge- i oem Papplyum ven wetluchen Besitz ge­langt, die den Weg der Revolution betritt, j raubt und den beraubten Papst schutzlos Offenbar, so schreibt die ,Germ.' ist das ; der revolutionären Meute überlassen hat, Einschreiten gegen die revolutionäre Ge- ■ dann aber auch auf die europäischen Mächte,

neuerdings int Gegensatz zu der Kund« , gebung oes Episkopates ihre Freundschaft Angesichts alles dessen ist es pure Heuchelei, - versichert hat, während die übrigen Mächte wenn die Regierung jetzt in den Zeitungen l die Ereignisse in Rom und die Haltung die Reden confiscirt, die sie vor Tausenden l der Regierung mit steigendem Befremden ruhig hat halten lassen, und wenn der i verfolgen. Die europäischen Fürsten sind Staatsanwalt gegen Mario Anklage er- s an den Vorgängen nicht blos intereffirt, hebt. Mario hat feit dem schmachvollen j weil es sich um den völkerrechtlich garan- Attentat am 13. Juli in seinem Blatte tirten Schutz des Oberhauptes der katho- Tag für Tag die gröblichsten Injurien lischen Welt handelt, sondern auch, weil gegen den Papst geschleudert und die Re­gierung hat dazu geschwiegen. Sie ist Mario's Complice, und wenn ihr jetzt vor der Verantwortung graut, so finden wir das begreiflich. Ihre jetzt bewiesene Schwäche, ihr Capiluliren vor den Repu« blicanern zeigt, wohin eine Monarchie ge-

16

Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

Ins Deutschs übersetzt von M. B.

(Fortsetzung.)

VI. Kapitel.

Es war eine drückende Hitze. Die Som- merläden waren halb geschlossen und ließen nicht einen Sonnenstrahl in den Saal dringen. Angezogen durch den Geruch eines auf dem Tische stehenden Jasminstraußes versuchten die Wespen vergebens hereinzukommen und schlugen summend gegen die Fensterscheiben. Mr. Bernier hatte meiner Großmutter den 'Plan gebracht. Er war aber nur einen Augenblick geblieben. Sobald er fort war, fing sie an, in ihrem Sessel emzuschlum« mein. Ich nahm ein Buch und ging aus, um ein wenig Frische zu suchen.

Ganz am Ende der Allee sah ich den Wagen de« Herrn Bernier sich mit einigen i Reitern kreuzen; man grüßte sich. Aber wie hatte Anita den Muth gehabt in die­ser Hitze aus zureiten ? "

Man hatte das Gras gemäht, und der Geruch des Heue« that mir wohl. — Ich will Ryno holen, dachte ich, und uns dort unter den Apfelbäumen in einem Heufchoben niederlaffen. Armer Ryno, er war seit einiger Zeit nicht glücklich. Früher hatte

er im Saale und im ganzen Hause freien Zutritt gehabt. Meine Schwester duldete ihn nur, beklagte sich aber oft über ihn; eine« Tages jedoch, als er das Unglück gehabt hatte, feine schwere Pfote auf eine der feinen Spitzen Anita's zu legen, erklärte sie, daß er ihr unerträglich geworden fei. Ryno wurde in den Stall verwiesen und festgebunden; wo ich heimlich und mit fchwerem Herzen meinen Freund besuchte. An die- fern Tage wollte ich ihm seine Freiheit geben. In dem Augenblicke, wo ich auf die große Steintreppe trat hielten die Reiter gerate vor derselben an.

Friedrich stieg ab und näherte sich dem Pferde Anita'«; aber Ryno, der seinen Herrn lange nicht gesehen hatte und seine Freude nicht zucückhalten konnte, stürzte freudig bellend auf ihn zu und legte ihm beide Pfoten auf seine Brust. Weil er sie aber vorher nicht abgeputzt hatte, ließen sie zwei große Flecken auf seinem Rocke,zurück.

Anita's Pferd machte erschrocken einen Seitensprung. Mit einem nicht freundlichen Ausrufe erhob Friedrich seine Reitgerte und ließ sie hart auf Ryno'« Rücken nieder- fallen. Das arme Thier heulte vor Schmerz, ließ den Kopf sinken, kam zu mir und fah mich an, wie Wenn es mich um die Ursache dieser Ungerechtigkeit fragen wollte. j

„Komm Ryno" sagte ich, indem ich mich mit empörtem Herzen und glühenden Ge­sichte entfernte. Ich führte Ryno durch die Bäume des Parkes, bi« unter die ganz mit ihren rothen Früchten beladenen Apfel­bäume und suchte ihm durch Liebkosungen die Schläge vergessen zu machen.

In dem Obstgarten kannte ich ein reizen- de? von einer Himbeerhecke umgebene« Plätz­chen, wo kein Sonnenstrahl durchdringen konnte. Ich ließ mich auf einen Haufen wohlriechendes Heu fallen; Ryno setzte sich neben mich, und legte seinen Kopf auf meinen Schooß.

Nur der durchdringende Schrei der Grille war hörbar; die Vögel hielten wahrschein­lich ihr Mittagsschläfchen. Ich öffnete mein Buch und fing an zu lesen. Al« ich am Ende der ersten Seite war und diese um« wenden wollte, fiel mir ein, daß das Buch doch einen Titel haben müsse. Ich fing die Seite wieder an. Aber es war mir unmöglich meine Gedanken darauf zu hef« ten und verlor zuletzt die Geduld. Ich schloß die Augen und versuchte zu schlafen.

Aber das Erscheinen von Spinnen und dergleichen ließ mich schnell wieder aufstehen. Ich fing an auf gutes Glück durch die Bäume de« Parkes umher zu irren. Ryno, wel- cher gewöhnlich mit seinen freudigen Sprüngen