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_________________________Inserate. Die Pktitzeil« oder deren Raum 10 Pfg., bei 'Wiederholungen entsprechenden Rabatt. $ *'

O Die revolutionäre Bewegung - gegen Vas Papstthum.

Seit der unseligen Nacht vom 13. Juli wird die radicale Agitation gegen das Papstthum immer bedrohlicher. Nachdem . die Regierungspresse zuerst die verbreche­

rischen Banden in Schutz genommen, er­gingen stch die revolutionären Organe täg­lich in den infamsten Beschimpfungen gegen den hl. Vater, ohne daß die italienische Regierung sich veranlaßt fand, gerichtlich einzuschreiten. Wohnte in dem italienischen Cabinete überhaupt noch politisches Ehrge­fühl, so hätten die schamlosen Vorgänge und deren Fructificirung durch die Blätter t der Demokratie dem Minister Dcpretis und

- seinen College» die Schamröthe ins Gesicht

treiben müffen. Statt dessen glaubte man

1 zunächst, sich mit lügnerischen Beschuldig,

ungen und leichtfertigen Aeußerungen aus der Affaire ziehen und die Sache al» Baga- telle behandeln zu können, bis der Strom $ der antipäpstlichen und zugleich antimo­

narchischen Bewegung immer stärker wurde ' und die katholische Welt wie die Diplo-

matie die Ereignisse mit ernsteren Blicken betrachtete, wie das ohnmächtige leichtfertige und böswillige italienische Ministerium. Die

= italienische Regierung selbst hat durch die

- Brandartikel ihrer officiösen Organe die

Lunte an das Pulverfaß gelegt, wodurch das Papstthum in die Luft gesprengt wer­den soll. Die Brandartikel wirkten und zündeten namentlich in republicanischen

’ Kreisen, welche bei dem Mangel anderen

. Agitationsstoffes gierig diese Gelegenheit

i stch zu Nutzen machten, um das Land in

Die Unterhandlungen wegen Abhaltung des großen Meetings betreffs Abschaffung des italienischen Garantiegesetzes dauerten zwischen Alberto Mario, einem der Leiter

Aufregung zu erhalten und unter dem । Vatican zu verlegen. Sämmtliche anderen Deckmantel der antipäpstlichen Agitation i Truppen wurden consignirt. Um 9 Uhr ihre republicanischen Ziele zu fördern. Als i erschienen dem Programme entsprechend, dann das revolutionäre Meeting am Sonn« ä or r " r ~ '

lag vor acht Tagen angekündigt wurde, gingen auch der kurzsichtigen Regierung die Augen auf, aber bei dem Gefühl der eigenen Schwäche verlegte sie sich, statt das Meeting zu verbieten, auf's Pactiren mit den Agitatoren.

| die Arbeitergesellschaften im Politeama f [einem römischen Theaters in Trastevere. Eilf Fahnen, darunter ein großes Frei- ? maurerbanner, wurden auf der Bühne auf- - gestellt. Das Politeama war um 10 Uhr | überfüllt von ca. 4000 Menschen, welche i größtentheils dem Arbeiterstande angehörten.

Auf der Bühne faßen am Präsidenten- tische: Der achtzigjährige Galeerensträfling Advocat Petroni, welcher zu zwanzig Jahren Kerker verurtheilt war, neben ihm Gart- baldi's Feldarzt Ripari, Alberto Mario, der Chefredacteuer der,Lega della demo- crazia', der General Menotti Garibaldi, General Riccwtti Garibaldi, Scifoni und der Millionär Lemmi, eine der Hauptstützen der republicanischen Partei. Hinter dem Präsidium saßen etwa dreißig politische Exgaleerensträflinge aus der päpstlichen Zeit, lauter Graubärte. Als Secretair fungirte der ultra-radicale Freimaurerlogen« Secretär Misse Bacci; in de- Proscemums- löge links unter der Königsloge hatten Frau Ricciotti Garibaldi, Frau Jessie Mario, Frl. White, eine Schriftstellerin und Frau Taylor, die Correspondentin des »Standard' Platz genommen. Alle drei sind Engländerinnen. Die Presse, die ein#

Deutsches «eich.

* Berlin, 17. Aug. Der Kaiser wird am 16. September nach Schluß des

der Demonstration, und der Regierung, wie von Macht zu Macht, bis Sonnabend Abend gegen 11 Uhr fort. Der Polizei- inspector Serrao, welcher nach Bacco's Ab# fetzung die Polizei Roms leitet, erschien, wie das ,Berl.' Tagebl. meldet, persönlich I in der Redaction der radicalen ,Lega della democrazia'. Die Polizei, welche durch einen Spion den Inhalt der bei dem Meeting einzubringenden Motion erfahren hatte, begehrte nämlich, daß man in folgen­dem Schlußsatz: „Das römische Volk ver­langt die Abschaffung des Garantiegesetzes und die Besitznahme der apostolischen Pa­läste" die letzten sechs Worte streichen sollte. Mario verweigerte, diesem Ansinnen zu entsprechen. Die Polizei erklärte, sie ,..................... wv Ult

Erde, falls die Verlesung stattfinde, das heimische und fremde, nahm das ganze Meeting gewaltsam auflösen. So standen Orchester ein. (Forts, folgt.) die Dinge um Mitternacht. Früh morgens ----------

besetzten das 32. und das 19. Infanterie- regiment die dominirenden Anhöhen sowie )ie Feldbäckerei, um den Weg nach dem

Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

Ins Deutsche übersetzt von M. B.

(Fortsetzung.)

V. Capitel. i Entblätterte Rosen.

Der folgende Tag brachte die Pflanzen und den Gärtner de» Mr. Vernier; den Tag darauf kam Mr. Vernier selbst. Ich war mit meiner Großmutter allein; Anita, mein Vater und Friedrich waren ausgeritten. Seit dem Essen bei Mme. Vernier sprach Friedrich nur dann mit mir, wenn es ihm unmöglich war es zu vermeiden.

Meine Großmutter empfing Mr. Vernier ziemlich kalt; als er aber anfing, von feinen Wohlthätigkeitsplänen zu sprechen, sah ich ihr Gesicht vor und nach beleben und sein gewöhnliches gutmüthiges Aussehen an- i nehmen.

„Fräulein de Morangis hat mir von «hrem vortrefflichen Plane gesprochen, in abgesonderte, kleine Häuser, die hinreichend

, genug, eine arme Familie, welcher *te ihre Unabhängigkeit behalten, und vor den Unannehmlichkeiten der Spitäler zu bewahren wünschen, darin aufzunehmen." „Das ist in der That eine vortreffliche oöee, zu deren Ausführung aber leider noch 1

andere Sachen erforderlich sind, als nur der gute Wille," sagte meine Großmutter lächelnd.

„Und glauben Sie nicht, daß es der Vereinigung zwei guter Willen gelingen würde, diese Schwierigkeiten zu beseitigen? Fest überzeugt von den Unannehmlichkeiten, welche sich zuweilen in Ausübung der Wohl- thätigkeit darbieten, habe ich schon lange eine ähnliche Idee verfolgt, ein Mittel zu finden, diesem abzuhelfen, aber bis jetzt habe ich noch keins gefunden. In unfern Fabrikstädten gibt man ein kleines Kind gleich in die Verwahrschule, später schickt man es in eine Werkstatt, oder in ein Atelier. Ist C8 eine Waise, so fällt sie der Stadtverwaltung anheim; aber nur zu oft suchen sich geizige Eltern durch ihre Kinder bei diesen öffentlichen Wohlthaten vertreten zu lassen. Sind sie krank oder krüppelhaft, - so betrachten sie diese Gebrechlichkeiten als einen Vortheil, welcher sie der Sorgen um ihren Unterhalt entledigt; zuletzt, wenn diese Kinder groß geworden sind, haben sie nichts Eiligeres zu thun, al» sich auch ihrer Eltern zu entledigen, und sie für die letzten Tage ihre» Leben» in'» Hospital zu schicken. Dieser Art öffentlicher Hilfe verdanken wir es, daß in unserer Arbeitsclasse kaum noch ein Familienleben besteht.

i Ich habe oft geträumt, die Familien aus I dem großen Capital, welches für Wohl- thaten verwendet wird, selbst Vortheil ziehen lassen zu können."

„Ach mein Herr! ich fürchte sehr, daß Ihr Wunsch, so viel Gutes zu thun wie möglich, Ihnen eine große Täuschung be­reiten wird. Wie werden Sie aber wissen können, ob diese» Geld, welches Sie unter die Familien vertheilen wollen, gut ange­wendet wird?"

„Wenn ich es durch eine Verwaltung wie die der Spitäler controliren lasse. Und anstatt ein Spital zu haben, wo alles Elend sich zusammen findet, wollte ich die Armen gewöhnen, selbst Barmherzigkeit aurzuüben, und ihr Herz dadurch für die Leiden ihres Gleichen zu mildern."

Meine Großmutter lächelte.

„Dieses scheint mir nicht» weniger al» eine Reform der ganzen Bevölkerung zu fein."

„Vielleicht haben Sie recht," antwortete Mr. Bernier zerstreut; denn e» war äugen- scheinlich, daß er feine Idee verfolgte. „Ich habe das Capital, welches mir zur Grün­dung dieser Muster Cit6 dienen soll, schon bereit. Und mein Baumeister studirt die Pläne der kleinen, reinen und bequemen Häuser, wie Fräulein de Morangis sie sich für ihre Armen denkt. Jede Haushaltung