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Donnerstag, den 19. Angnft 1881.

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OIDie internationale Revolution.

Ueberall in den sogenannten Culturstaaten, wohin immer man auch blickt, stößt man auf revolutionäre Erscheinungen und Zuck­ungen. Die Revolution von 1789 hat ihren Umzug durch alle europäischen Staaten ge­halten, ihren Samen ausgestreut und theil- weisr hie und da auch eine Ernte gehalten. Diese Revolution war gegen den christlichen Staat gerichtet, ste wollte an Stelle der fürstlichen und kirchlichen Autorität die Herrschaft des „dritten Standes", d. h. des Bürgerthums, setzen. Ihr Ziel auf poli­tischem Gebiete war die Republik, auf reli­giösem Gebiete die Beseitigung der Kirche, und die Herstellung einer Art Humanitäts- religion, eines sogenannten Vernunftglaubens, den Jedermann sich selbst nach G> fallen construiren könne. Als oberstes Princip wurde die „Volkssouverainität" proclamirt, als Mittel zu ihrer Durchführung sollten die geheimen Gesellschaften, die Straßen- revolten, hie und da auch ein Mordstrahl helfen und im Falle des Sieges, wie Frank- reich zeigte^ sollten Pcoscription und Fall­beil das Weitere thun, um die volkssouve- raine Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, d. h. die Tyrannei der revolutionären Cli­quen zu sichern. Je nach Bedürfniß und Umständen zog diese Revolution ein anderes Gewand an, blieb sich aber in ihrem Wesen gleich, wenn sie auch 'in der Wahl ihrer Mittel hie und da vorsichtiger zu Werke ging. Wir in Deutschland haben sie im Jahre 1848 kennen gelernt, und auch heute noch sehen wir deren wesentliche Principien in dem falschen Liberalismus verkörpert.

An Stelle des verheißenen Trugbildes der Volkssouverainität ist aber in Wirklich­keit eine Souverainität getreten, die Herr­schaft des goldenen Kalbes, der Plutokratie oder des Geldadels, dessen Tyrannei es in den meisten Culturstaaten bereits dahin ge­bracht hat, daß die Bevölkerung, in zwei Theile getrennt, feindlich sich gegenüber steht : hier einige Tausend Millionäre, dort Millionen halbe und ganze Proletarier. Die breiten Maffen des Volkes, welche der un­echte Liberalismus, die liberale Revolution zu ihren Zwecken auszubeuten suchle, for­derte inzwischen die Realistrung des ver­sprochenen Eldorados. Die Zöpfe von „Freiheit, Gleichheit ,unb Brüderlichkeit", sollen zur Wahrheit werden, ein souveraines Volk, „ein Volk von Brüdern" verlangt die Ausdehnung der Souverainetät auch in Bezug auf den Besitz, — Gleichheit der Güter! Hat man dem Volke den Himmel genommen, so verlangt es mit Recht den vollen Besitz der Erde; gibt es keine ewige Bestimmung des Menschen, stellt man an Stelle der christlichen Weltanschaung prak­tisch und theoretisch, offen oder verkappt, den nackten Materialismus, nun so darf man sich nicht wundern, daß der Liberalis­mus Jünger gefunden hat, die ihm über den Kopf gewachsen sind, und die volle und ganze Verwirklichung der liberalen Ideen in allen ihren Consequenzen fordern.

Die socialpolitische Revolution pocht an die Pforten der modernen Staaten. Sie hat von dem Vater gelernt. Ihre gehei- men Gesellschaften durchziehen netzartig alle Culturstaaten; nicht mehr operirt sie kluger-

f weise mit Straßenrevolten- oder kleinen | Orsinibomben, sonderni ihr Werkzeug der ? Vernichtung ist gewaltiger. Wir haben ge- i sehen, wir die geheime Revolution inRuß- l land Dynamitmincn springen ließ, Eisen- i bahnen und ganze Stadtheile gefährdete, i wie in England in gleicher Weise Waffen- I depots, Kasernen und Rathhäuser der Ver- - nichtung überliefert werden sollten, und wie ’ auf diese Weise ein im Einzelnen geführter ! Krieg die menschliche Gesellschaft bedroht. ' Ganz besonders scheint die internationale i Revolution ihre Thäligkeit jetzt in England < entfalten zu wollen. Hier bildet die irische

Bewegung und die damit in Verbindung stehende fenische Verschwörung, deren Sitz in den Vereinigten Staaten^ zu suchen sein dürfte, einen willkommenen^ Anknüpfungs­und Vereinigung! punct.

! Es soll gewiß nicht bestritten werden, t daß die Lage der continentalen Arbeiter i vielfach eine traurige und durch die liberale ; Staats- und Wirtschaftspolitik noch mehr , verschlechtert ist, daß daher viele Forder- ; ungen der Arbeiter vollauf berechtigt sind, ‘ und durch weise Reformen einer wohlwol« i lenden Staatsgewalt ihrer Erfüllung ent« ? gegen geführt werden dürften, wenn auch, i nicht im Sinne mancher socialdemokratischer J Utopisten und Demagogen. Anders, weil P

l noch viel unglücklicher, liegen die Verhält- i nifse dagegen in Irland, wo die ganze s Nation durch den starren, mitleidslosen i Egoismus Englands in den Zustand un- ; würdigen Helotenlhums seit Jahrhunderten ? herabgedrückt ist, welches die Eingeborenen im eigenen Vaterlande heimathslos gemacht

Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

Ins Deutsche übersetzt von M. B.

(Fortsetzung.)

Und sie fuhr fort mit Friedriche das Buch zu durchblättern.

Der Saal war nur durch eine doppelte Thüre von dem Gewächshause getrennt. Mr. Bernier öffnete sie. Ich hörte wie Madame Bernier zu meinem Vater sagte:

„Ihre beiden Töchter gleichen Ihnen, Mr. le Marquis, aber unter sich haben sie nicht die mindeste Aehnlichkeit. Sie sind mit zwei Blumen zu vergleichen: Die Lilie und die Rose."

Das Gewächshaus schien mir ein wahres Wunder, es übertraf alles, was ich erwartet hatte, es war beleuchtet wie der Saal und wundervoll eingekeilt und gepflegt. Dir. Bernier machte mich auf die schönsten Pflan, zen aufmerksam und bat mich, ihm dieje­nigen zu bezeichnen, die mir am besten ge­fielen; wa» ich denn auch auf dir einfachste Weise von der Welt that.

„Wenn Sie e» erlauben, mein Fräulein, dann wird mein Gärtner dem Ihrigen mor­gen einige dieser Pflanzen bringen und ihm sagen, welche Pflege ste erfordern."

„O! mein Herr!" rief ich sehr albern

und roth vor Vergnügen aus. Und um meine Verwirrungen noch größer zu machen, pflückte er selbst die schönsten Blumen der Orchideen und überreichte sie mir.

In den Saal zurückgekehrt lies ich gleich zu Anita.

„Sieh," sagte ich ganz freudig, „diese Blumen gleichen Dir, es sind ausländische Blumen wie Du."

Dann nahm ich einen prächtigen Zweig und hielt ihn an die schwarzen Haare meiner Schwester.

„O Friedrich! Du als Colorist, findest Du dieses nicht wunderhübsch!"

„Ich habe die Orchideen nie gern gehabt," sagte Friedrich. „Ich Haffe diese seltsamen Blumen, denen man so unnatürliche Namen gegeben, und die nur auf einer Nachtlampe oder zwischen Baumwolle wachsen. Eine ganz frische, ganz einfache, ehrliche, normän- Nische Blume, wie zum Beispiel ein Zweig Maiblümchen, gefällt mir hundertmal besser, als dieses geringhaltige Kleinod der Blu­menzucht."

War es wegen der Maiblümchen, die in meinen Haaren steckten oder weil ich eine Wolke auf Anita's Stirne sah? aber ich wurde ganz roth.

Mr. Bernier, der uns bis an den Wagen begleitet hatte, machte im Augenblicke der

Abfahrt eine tiefe Verbeugung vor Anita, und sich an mich wendend, sagte er:

„Ich werde sehr bald Mme. de Villery meine Aufwartung machen, und wenn Sie es erlauben, sprechen wir dann weiter von unfern Plänen."

„O ich danke Ihnen mein Herr," sagte ich, meinen Strauß ganz ungeschickt und verlegen mit beiden Händen festhaltend.

Als wir das Gitter des Parkes hinter uns hatten, öffnete Friedrich das Wagenfenster.

„Diese Blumen haben einen abscheulichen Geruch," sagte er, indem er sie mir aus den Händen nahm und auf den Weg warf, wo sie in ein schmutziges Geleise fielen.

„O, Friedrich!" tief ich, fast weinend vor Kummer und Aerger, denn ich liebte die Blumen leidenschaftlich, und hatte noch nie ein Bouquet Orchideen besessen.

Friedrich schloß das Fenster wieder, und drückte sich tief in die Wagenecke; mein Vater schien nichts bemerkt zu haben; nur glaubte ich die kleinen, weißen Zähne Anita's durch ihren Spitzenschleier glänzen zu sehen. Vielleicht irrte ich mich. Mein Herz war traurig, und durch das unbegreifliche Be­tragen Friedrichs tief verwundet; ich bedau­erte herzlich me ne Blumen und hatte Mühe, meine Thiänen zurückzuhalten.

(Fortsetzung folgt.)