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Jti 186.

Mittwoch, den 17. August 18h 1

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O Centrum und Cutturkampf.

Während die gesammte „liberale" Presse in der Wiederanknüpfung der Verhand­lungen mit dem htiligen Stuhle beziehungs­weise in der Wiederbesetzung der bischöflichen Stuhles in Trier nicht» weiter als einen Schachzug des Reichskanzlers erblickt, sich das Centrum bei den bevorstehenden Reichs« tagswahlen „gefügiger" zu machen, wird in der amtlichen .Leipziger Zeitung' das Vorgehen des Herrn Reichskanzlers in der kirchenpolitischen Frage gerade darauf zu» rückgeführt, daß es zur Unschädlichmachung des Centrums kein besseres Mittel, als den Frieden mit Rom gebe. Die .Leipziger Zeitung' wiederholt dann alle die von officiöser Seite zu unzähligen Malen gegen das Centrum erhobenen Angriffe, daß es allein die Schuld daran trage, wenn der Friede mit Rom bisher noch nicht herge» stellt worden sei, und behauptet, daß die Bischöfe heute allein die eigentlichen Träger der Friedensverhandlungen geworden sind, während ihnen das Centrum so gut wie ferne steht. — Die .Norddeutsche Allge­meine Zeitung' hat offenbar diesem Artikel des sächsischen amtlichen Blatte» eine ganz besondere Bedeutung beigemessen, denn sonst würde sie schwerlich denselben wort­getreu abgedruckt haben. — Man kann es begreifen, wenn die Liberalen in ihrer Weise sich die Gründe zurechtlegen, welche den Fürsten Bismarck veranlaßt haben könnten, sich mit der Curie über die Wiederbesetzung des bischöflichen Stuhles in Trier ins Einvernehmen zu setzen, aber weniger begreiflich ist, daß osficiöserseits

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Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

Ins Deutsche übersetzt von M. B.

(Fortsetzung.)

Plötzlich erinnerte ich mich, daß Ftiedrich mir früher oft vorgeworfen hatte, wie meine dumme Schüchternheit mich zuweilen stolz und unfreundlich erscheinen lasse. — Das ist es, dachte ich, er findet mich zu kalt gegen Mr. Vernier, und glaubt ohne Zweifel, daß es Stolz von mir ist. Ich will ihm seinen Jrrthum benehmen. Und ganz glücklich über meinen Scharfsinn, wendete ich mich mit einem freundlichen Lächeln an meinen Nachbar, und knüpfte das Gespräch da wieder an, wo es aufgehört hatte.

„Ich wußte nicht, daß die Armen von Pressigny für das Wenige, was wir für sie thun, so dankbar waren; unglücklicher Weise übersteigt mein guter Wille sehr meine Mittel, und ich zweifle daran, jemals die schönen Pläne ausführen zu können, die ich gemacht habe."

„Würde es unbescheiden sein, Sie zu bitten, mir dieselben mitzutheilen?"

„Oh nein! Ich träume zuerst von einer Reihe kleiner, hübscher, bequemer, reiner und gut möblirter Hütten, um in jeder der­selben ein armes, altes Ehepaar aus Pres« I

fort und fort das Märchen zu verbreiten mit Rom eine Unschädlichmachung des gesucht wird, als stehe das Centrum den 1 Centrums herbeiführen werde. Das Cent» Friedensverhandlungen mit Rom im Wege. [ rum wird, wenn diese seinem Programm Die Wortführer des Centrums haben es j entsprechen, Vorlagen der Regierung nicht an Aufklärung darüber nie fehlen lassen, : zurückweisen, denn es betreibt keine grund- daß die Regierung, wenn sie den Frieden j sätzlrche Opposition, aber es wird auch nach wolle, sich ins directe Einvernehmen mit ? wie vor darüber wachen, daß die Rechte Rom zu setzen habe. Wiederholt ist auf der Kirche geachtet und der Ausübung des das unzweideutigste erklärt worden, daß § religiösen Bekenntnisses in keiner Weife das Centrum von Rom aus weder In- z Hindernisse in den Weg gelegt werden, structionen für sein Verhalten in der kirchen- I Gibt das Verhalten der Staatsregierung politischen Frage empfange, noch der i nach dieser Richtung hin künftig zu keinen römischen Curie gegenüber für sein poli- { Klagen Anlaß, dann allerdings ist das tisches Verhalten irgend wie verantwortlich Centrum, wenn man will, unschädlich ge- sei. Und trotz alledem wird immer von : macht, dann wird es seine Hauvthättgkeit Neuem das Märchen verbreitet, als sei das j ausschließlich den rein politischen Fragen Centrum der eigentliche Träger des „Cul- j zuwenden können. Wir fürchten indeß turkampfes", als hänge vom Centrum die \ sehr, daß, wenn auch der Frieden zwischen Wiederherstellung des kirchlichen Friedens . Staat und Kirche wiederhergestellt werden allein ab. Gerade weil sich das Centrum s sollte, das Centrum noch recht oft Gelegen« von diesen Verhandlungen durchaus fern l heit finden dürfte, seine Sfimme zu hält, gerade weil es nach jeder Richtung Ü Gunsten der bedrohten Rechte, her Kirche zu hin eine durchaus „unabhängige" politische ? erheben.

Stellung einnimmt, ist es im Stande, mit ; --------------------

der größten Seelenruhe den kommenden ! Deutsches Reich«

Ereignissen entgegenzusehen. Das Pro» * Berlin, 15. Aug. Der närrische gramm des Centrums wird auch durch die - Hofredner Frankreichs, der einäugige Gam- etwaige Wiederherstellung des kirchlichen detta hat in Beüvme wieder einmal die Friedens in keiner Weise geändert werden, 5 Trommel gerührt, um die Rachelust der Fran« denn die Ziele dieser Partei werden nach ' zosen gegen Deutschland wach zu rufen. Wir wie vor dieselben bleiben, und deshalb dürfen dem albernen Geschwätz dieses vom haben sowohl diejenigen Unrecht, welche die - Hochmuth halbverrückt gemachten Franzosen Meinung zu verbreiten suchen, als ob das l gegenüber um so kühler bleiben, je mehr Centrum nach Beendigung de» „Cultur- \ die deutsch-österreichische Allianz in den kampfes" sich in die Gefolgschaft des letzten Tagen befestigt worden ist.

Fürsten Bismarck begeben werde, al» auch ’ — Fürst Bismarck ist gestern wieder

diejenigen, welche behaupten, daß der Friede in Berlin eingetroffen.

signy, welche einen Abscheu vor dem Hos­pital haben, darin wohnen zu lassen?"

Mr. Vernier gab mir durch ein Zeichen zu verstehen, daß er dieses billige; und durch sein Schweigen ermuthigt, fuhr ich fort.

„Dann wünsche ich ein kleines, bequemes, von einem Garten umgebenes Haus, das den armen kleinen Kindern, welche ganz blaß aus dem Hospital von Pressigny kom­men, zum Aufenthalte dienen könnte; zuletzt träume ich noch von einem neuen Schul­zimmer, denn das unsrige ist zu klein; aber ich glaube schon ein Mittel gefunden zu haben diesen Theil meiner Pläne verwirklichen zu können, ohne unsere Mittel zu übersteigen. Denn es ist eine Scheune da, welche ohne große Kosten sich gut dazu etnrichten ließe.

„Wollen Sre mir erlauben Ihr Bau­meister zu sein, und mich an Ihren Plänen zu betheiligen?"

„Mit Vergnügen, mein Herr."

Ich mußte ziemlich laut geantwortet haben, denn Friedrich heftete schnell seine Augen auf mich. Sein Blick war so kalt, so un­zufrieden, daß er mir wehe that.

Was hatte ich denn gethan um ihm zu mißfallen? Er fuhr fort, leise mit Anita ; zu sprechen, welche fortwährend lächelte; I niemals hatte sie mir so hübsch geschienen; * ihre Augen glänzten. \

Nach dem Essen bat man uns zu musi« ciren. Anita spielte einen Walzer; dann führte Mr. Vernier mich an's Klavier. Es war ein prachtvoller Erard.

Ich war musikalisch genug, um in dem Genüsse, den mir dieses vortreffliche Instru­ment verschaffte, meine Schüchternheit ganz zu vergessen. Nachdem ich mich mit ihm bekannt gemacht, und mich überzeugt hatte, daß seine mir zu Gebote stehenden Hilfs­mittel eines Klaviers unbegrenzt waren, fing ich an, eine Andante von Beethoven zu spielen, von welcher ich wußte, daß sie eines der Lieblingsstücke Friedrichs war. Noch ganz verwirrt durch den so kalten Blick, welchen er mir während des Essens zuge- worfen, wollte ich, daß er wenigstens mit meinem musikalischen Talente zufrieden sei.

Ich fühlte, daß ich meine ganze Seele in mein Spiel legte; jede dieser wunder­vollen Noten Beethovens schien mir ein Wort, eine Klage, eine Bitte zu sein.

Beim Schlußaccord war ich so sehr bewegt und zitierte so sehr, daß ich mich anhalten mußte, bevor ich das Klavier verlassen konnte.

Jetzt bemerkte ich erst, daß Mr. Bernier, den Kopf auf die Hand gestützt und den Blick auf mich geheftet, neben mir gesessen hatte.

„Danke," sagte er sehr leise; „ich habe