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Samstag, Herr 13. August W8L

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Allocutton

des hl. Vaters Leo XIII. an die Cardinale, gehalten im Consistorium vom 4. August.

Wir haben Uns beeilt, euer erlauchtes Collegium zu berufen, um die durch die Ernennung neuer Bischöfe gebotene Gelegen* heit zur Kundgebung Unserer Meinung, zum Ausdruck des Schmerzes zu benutzen, welchen Uns vor einigen Tagen die wilden, schändlichen Vorgänge in der Stadt Rom bereiteten, als die Gebeine Unseres Vor* gängers Pius IX. glücklicher Erinnerung übertragen wurden. Wir haben sofort Unserem geliebten Sohne dem Cardinal* Staatsseeretär Weisung ertheilt, über diesen unerwarteten, unwürdigen Vorfall den Fürsten Europas Bericht zu erstatten. Aber abgesehen hiervon, legt die Unserm großen Vorgänger widerfahrene Unbill und die Verletzung der päpstlichen Würde Uns heute die Pflicht des Redens auf, damit Wir selbst öffentlich die Gefühle unserer Seele bezeugen, damit die katholischen Völker erkennen, daß Wir auf jede Uns mögliche Weise sowohl das Andenken des so heiligen Mannes als die Majestät des Papstes vertheidigt haben.

Wie euch, ehrwürdige Brüder, bekannt ist, hatte Pius IX. befohlen, seinen Leib in der Laurentianischen Basilica außerhalb der Stadt beizusetzen. Da nun sein letzter Wille in diesem Punct vollzogen werden mußte, war nach vorheriger Benachrichtigung jener, welchen der Schutz der öffentlichen Sicherheit obliegt, bestimmt worden, die Leiche aus der Vaticanischen Basilica im Schweigen der Nacht zu übertragen, also

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Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

Ins Deutsche übersetzt von M. B. (Fortsetzung.)

III. Capitel.

Ich hatte gehofft, in meiner Schwester eine Freundin, eine Gefährtin zu finden, die, wenn nicht meinen Geschmack, doch wenig­stens meine einfachen Beschäftigungen und die Vergnügen meines einfachen Lebens mit mir theilen würde, aber ich bemerkte bald meinen Jrrthum. Nicht nur der Geschmack, der Charakter und die Ideen Anita'» waren ganz das Gegentheil von der meinigen, son­dern das Leben, welches sie geführt, hatte eine titele, leichtsinnige, ein wenig übersät­tigte Weltdame aus ihr gemacht. Die Ver­schiedenheit unserer Erziehung, war noch grö­ßer al» die unserer Charaktere. Anita war für ihr Alter außergewöhnlich vorgerückt und ich für das meinige noch sehr Kind. Ich bemerkte bald, daß der Besuch meiner Schwester mir zwischen zwei Entschlüssen die Wahl ließ: Entweder mußte ich meinen gewohnten Beschäftigungen entsagen um die Kammerfrau meiner hübschen Schwester zu werden, ihr au» den Büchern vorlesen, bei deren Titel allein meine Großmutter schon dm Zeigefinger würde aufgehoben haben,

zu der Zeit, welche die ruhigste zu sein pflegt. Auch sollte das Leichenbearäbniß nicht mit solchen Veranstaltungen statt* V finden, wie ste der päpstlichen Würde und l den Einrichtungen der Kirche entsprechen, ' sondern wie der gegenwärtige Zustand der? Stadt Rom sie zuließ. Indessen verbreitet sich die Kunde davon plötzlich durch die; ganze Stadt. Deßhalb zeigt das Römische ; Volk, eingedenk der Wohlthaten und l Tugenden des großen Papstes, aus freien j Stücken, daß es seinem Vater die letzte; Ehre erweisen wolle. Dieses Zeugniß der ' Dankbarkeit und Liebe würde der Würde ' und der Frömmigkeit des Römischen Volkes ; durchaus entsprochen haben; denn nicht» anderes beabsichtigte es, als der Leiche ein l ehrenvolles Geleit zu geben oder ehrerbietig ’ und in großer Zahl an dem Wege sich ° aufzustellen, welchen der Zug nahm.

Zur festgesetzten Stunde verließ der Zug i den Vaticanischen Tempel, während eine i große Menge aus allen Klassen der Be- \ völkerung die Straßen füllte. Eine große ■ Zahl frommer Männer umgab die Bahre, j eine größere folgte, ruhig und würdevoll. I Sie sprachen Gebete, welche der Gelegen- l heit entsprachen; kein Wort, kein ZeichenJ ging von ihnen aus, welches irgend je- l manden verletzen oder irgendwie Unruhen? hätte Hervorrufen können. Aber siehe, gleich ? zu Anfang beginnt eine wohlbekannte? Schaar verbrecherischer Leute mit wüstem - Geschrei den Trauerzug zu stören; bald ; wächst mit der Zahl ihre Frechheit, die | Einschüchterungsversuche, die Ruhestörungen - verdoppeln sich, man verhöhnt die heiligsten '

Dinge, empfängt die angesehensten Männer mit Pfeifen und Schimpfworten, man um* ringt mit drohenden Gebehrden und Rufen das Trauergeleite und verfolgt dessen Theil* nehmer wetteifernd mit Schlägen und Steinen. Ja, was kein Barbarenvolk ge- wagt haben würde, man schont nicht ein­mal die heil. Ueberreste des Papstes. Denn nicht nur wird der Name Pius IX. mit Schmähungen überhäuft, Steine fliegen gegen den Wagen, welcher die Leiche trägt, und wiederholt ertönt der Ruf, man solle die Gebeine unbeerdigt hinaus werfen. Auf langer Strecke wiederholt sich dieses schmäh­liche Schauspiel, zwei Stunden hindurch. Daß es nicht zum Aeußersten kam, ist nur der Mäßigung jener zu verdanken, welche trotz aller Gewaltthat und Frechheit lieber ge­duldig Unbilden ertragen als irgendwie zulaffen wollten, daß noch verhängniß- vollere Dinge bei diesem Werke der Pietät vor fielen.

Diese allgemein bekannten und actenmä- ßig bewiesenen Vorfälle werden von den Betheiligten keineswegs verheimlicht oder abgeleugnet. Ueberall, wohin die Kunde davon drang, haben sie nicht nur die katho­lischen Völker mit Trauer erfüllt, sondern auch die tiefste Entrüstung aller Mnschen hervorgerufen, bei welchen das Wort „Mensch­lichkeit" noch Klang besitzt. Von allen Seiten erhalten Wir tagtäglich Zuschriften, welche dieses schändliche ungeheuerliche Ver­brechen verurtheilen.

Uns vor allen hat dieser Vorfall mit tiefster Sorge und kitterm Seelenschmerz erfüllt. Da aber Unsere Pflicht verlangt,

sie auf ihren Spazierfahrten begleiten, denn meine Schwester ging fast nie zu Fuß, um die Stunde schlafen gehen wie sie und folglich viel zu spät aufzustehen, um meinen Tag nützlich anwenden zu können; oder ich mußte mein gewohntes Leben fortsetzen, ohne mich mehr um meine Schwester zu kümmern, wie wenn sie noch in Brasilien gewesen wäre, und mich damit begnügen, ihr nur in den Stunden der Mahlzeiten zu begegnen.

Nach einer Menge fruchtloser Versuche, ein für uns Beide gemeinschaftliches Inte* resse zu finden, faßte ich einen letzten ■ Entschluß. °

Ich überredete sie eine» Tages» mich im ; Wagen in die Schule von Villery zu begleiten. i Ich hatte die Kleinen von diesem Besuche l benachrichtigt und sie hatten ihre Sonntags- \ kleider angezogen, aber meine Schwester 5 erklärte mir, daß der Anblick dieser armen, i kleinen Geschöpfe ihr einen unbeschreiblichen j Widerwillen einflößte, und c» müsse ihr an i Vergnügen fehlen wie mir, um sich für Bett* - ler interessiren zu können.

Nach der Reihe versuchte ich Musik, Zeich- j nen, Literatur und Gärtnerei, um einen • Punct von Sympathie in ihren und meinen : Liebhabereien zu finden. Sie hatte nie! gezeichnet, sie klimperte einige Walzer auf

dem Clavier und über einen etwas ernsten Roman schlief sie auf der zehnten Seite ein, die Blumen liebte sie nur, wenn deren Form und Farbe ihr erlaubten, sie in ihr Haar zu stecken. Zudem hatte sie mir gestanden, daß sie die künstlichen Blumen vorziehe die nicht verwelkten, und nicht in die Finger stechen.

Und dennoch konnte ich nicht umhin, sie reizend zu finden. Jede ihrer Bewegungen hatte eine besondere Anmuth; nachlässig, eigensinnig wie ein verwöhnte» Kind, wie sie e» war, konnte man ihr doch unmöglich etwas verweigern.

Immer geschmeidig, nie eine eckige Seite bietend, glaube ich, daß der festeste Wille in Berührung mit diesem Baumwollknäul abgestumpft würde. Wenn mein Vater fein Anstandsgefühl zum Schweigen gebracht, ihrer Laune gefolgt und darein gewilligt hätte, sie direct nach Paris zu bringen, anstatt sechs Monate nach Villery, würde, wie ich glaube, für uns Alle besser gewesen sein. Mein Vater, der an ein sehr unruhiges Leben gewöhnt und in Rio wie in Paris in einer Gesellschaft gelebt hatte, deren Trei­ben ihm zum Bedürfniß geworden war, fing an sich eben so zu langweilen wie Anita. Diese» einförmige Landleben war gut für Friedrich, der in seiner Malerei eine uner.