JY1 179. Sonntag, »en 7. Anglist 1881
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O Bescheidene Wünsche.
Die Militärlast ruht schwer auf dem Volke. Sogar in Friedenszeiten schon verschlingt der Militäretat etwa vier Fünftel aller Einnahmen. Neben diesen directen Ausgaben laufen aber noch eine Menge Leistungen her, die, in Geld dargestellt, in ihrer Gesammtheit jene Millionen noch bedeutend überwiegen dürften. Es wäre inte* ressant, einen annähernd zutreffenden statistischen Nachweis zu besitzen von d en Werthen, welche die allgemeine Wehrpflicht mit ihrer dreijährigen Dienstzeit und sonstigen Opfern unter Mitberechnung aller inbirecten Leistungen des Volkes alljährlich in Anspruch nimmt. Die dreijährige Dienstzeit bedeutet für den Einzelnen, wie für die Gesammtheit, den Ausfall von drei Jahren seines Lebens, in welchen er für seinen eigenen Heerd schaffen kann; ähnlich verhält es sich mit der Einbuße an Zeit und an Geschäften für Reservisten und Landwehrleute während der spätem militärischen Exercitien.. In frühem Zeiten, als die allgemeine Wehrpflicht für uns noch nicht existirte und die regelmäßige Dienstzeit nur 18 Monate betrug, beliefen sich selbstverständlich alle directen und indirekten Leistungen für das Militär nicht so hoch, als heute. Dazu kommt, daß der Soldat, gleichwie der Reservist und Landwehrmann zur Aufbefferung seines Por- temonnais während der Dienstzeit gern noch sein Privatvermögen oder die Güte seiner Angehörigen in Anspruch nimmt, und die betreffenden Wünsche auch erfüllt sieht. Weiter wären für eene statistische Aufstellung, ganz abgesehen von den Unbequemlichkeiten,
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Tante Agnes.
Novelle von O. de C.
Ins Deutschs übersetzt von M. B. --(Fortsetzung.) 1
n. Kapitel.
Da lila.
Wie ich vorausgesehen, theilte meine Großmutter bei der Nachricht von der Ankunft meines Vaters weder meine Freude noch meine Begeisterung. Sie sagte mir nichts, woraus ich erschließen konnte, aber ich kannte sie genug, um zu bemerken, daß ihr Gesicht seinen gewöhnlich ruhigen Aus- druck verloren hatte. Sie beeilte sich unfern beiden Dienern Johann und Therese die nöthigen Befehle zu geben, damit die Zimmer bereit seien.
Was mich betrifft, so befand ich mich in einem wahren Fieberzustande, ich konnte mich weder meinen gewöhnlichen Beschäftig- ungen hingeben noch eine Minute auf derselben Stelle bleiben, ich versuchte für mich viel zu schwere Möbel wegzurücken, die aber nicht nöthig hatten versetzt zu werden, stellte in alle Ecken des Schlaffes Blumen, wie wenn es sich um einen Altar gehandelt hätte, ich stieg zehn Mal in einer Stunde die Treppe hinauf .und herunter, trug in das für meine Schwester bestimmte Zimmer
die Verluste an Zeit und die sonstigen Opfer zu berechnen, die dem Bürger und Landmann in Folge von Einquartirungen und Naturallieferungen bei Truppenconcentrir* ungen entstehen. Alle diese Lallen reprä- fentiren sicher ganz enorme Zahlen, und | doch sind sie bis zu einem gewissen Grade nicht zu umgehen; es fragt sich nur wie eine Erleichterung geschaffen werden kann, ohne daß die Wehrhaftigkeit des Landes darunter leidet. Daß eine solche Erleichterung kommen muß, soll die schwere Kriegsrüstung nicht das Volk zerdrücken, begreifen jetzt selbst die Nationalliberalen, wie das Programm der baden'schen Gattung dieser Partei beweist, trotzdem dieselben recht gründlich dazu beigetragen haben, den Militäre* tat auf'S Höchste steigen zu lassen. Nun, es ist ja gut, wenn der Mensch sich bessern will; wir aber thun gut, erst in Bezug auf die bekannte Charakterlosigkeit jener „Patrioten" abzuwarten, ob die nationalliberale Bestrebung auch eine aufrichtige und nachhaltige ist.
Abgesehen von einer durchaus nothwen- bigen Abänderung der dreijährigen Dienstzeit, könnte im einfachen Verwaltungswege schon manche Erleichterung für die Bevölkerung gewonnen werden, wenn die Befriedigung der militärischen Bedürfnisse überall unter möglichster Berücksichtigung der bürgerlichen Interessen angestrebt würde; also gewissermaßen eine Art Ausgleichung statt- fände. Ob und wie das durchzuführen wäre, können wir nicht vollständig übersehen ; indes wurden angesichts der bevorstehenden Truppenconcentrirungen in der hundert dieser eleganten Kleinigkeiten, welche den Saal zierten; fand aber doch, daß er nach dieser Plünderung zu leer und entblößt aussah und trug sie wieder zurück. Zur großen Entrüstung Theresens beraubte ich mein Zimmer alles Modernen, was es enthielt, denn ich dachte, daß die frischen und bequemen Möbel meiner Schwester besser gefallen würden, als die Trümmer des ehemaligen Glanzes von Villery, die schönen vergoldeten, mit Damast überzogenen Stühle und das große Himmelbett, welche ihr bestimmt waren.
Zum ersten Male fiel mir die Leere der Wände ihres Zimmers auf und ich suchte diesem abzuhelfen. Ich hatte einen guten Gedanken. Ich hatte selbst eine Leiter, nahm einen Hammer und Nägel, schürzte mein Kleid auf, wie ich gesehen hatte, daß Therese es machte, wenn sie die große Hausreinigung vornahm, und bann ging ich in bas Atelier. Friedrich'» Maleratelier war ein Heiligthum, wo nur ich allein M jeher Stunbe bes Tages Zutritt hatte. Kein Uneingeweihter, kein Diener drang dort hinein und bei gewissen feierlichen Gelegenheiten nahm Friedrich den sich da aufgehäuften Staub selbst weg. Er hatte hier eine Menge pittoresker, dem Anscheine nach fremdartiger Gegenstände vereinigt;
Presse neuerdings verschiedene „Wünsche aus dem Lande" kund,deren Erreichung wohl zu empfehlen ist, und deren Durchführung uns gar nicht schwierig erscheint. In diesem Jahre sind dazu die Ernteaus- stchten im Ganzen schlecht, insbesondere herrscht in Folge der großen Dürre überall Futtermangel, so daß der Landwirth selbst schon zur Erhaltung seines gewöhnlichen Viehstandes bedeutende Kosten aufwenden muß, die sich bei Einquartirungen noch erheblich steigern muffen. Man fragt sich deshalb mit Recht, ob unter solchen außergewöhnlichen Umständen nicht die Unter* laffung einer größeren Truppenconcentrirung ober bie Verlegung berfeiben auf bas fol* genbe Jahr sich empfehle. In Hannover war früher üblich, bie Exercierzeit auszu« fetzen, wenn eine Mißernte in Aussicht staub, fo zuletzt noch im Jahre 1864.
Es handelt sich eben nur um Erleichterungen , welche ber Bevölkerung in Bezug auf bas Militär auch im Rahmen der jetzigen Militärverfassung verschafft werben könnten, ahne bie Schlagfertigkeit ber Armee im Geringsten zu benachtheiligen.
In Preußen geschehen größere Truppen* concentrirungen gewöhnlich im August; in Hannover erfolgten solche Concentrirungen in ber zweiten Hälfte Septembers. Offenbar eignet sich ber September weit besser zu solchen Uebungen, als ber August, wo bie Truppen schon unter ber Last ber Hundstage oft sehr leiden. Ende September ist die Ernte meistens schon beendet, die Vor- räthe an Lebensrnitteln und Fourage sind bedeutender, die Landwirthe durch die Ein- alten Porcellan von Rouen, Stücke verschiedener Stoffe, Fetzen alter, ich weiß nicht wo aufgeraffter Teppicharbeiten, zerbrochene Waffen, Splitter verrosteter Spaten; für den Uneingeweihten ein alter Nachlaß ohne Werth, für den Eingeweihten aber unschätzbar. Hinter einer Wand von Corduanleder versteckt saß Friedrich und malte.
Ganz in meine Gedanken vertieft, fing ich an bie Wänbe zu untersuchen, bie mit seinen unb meinen Malerstudien bedeckt waren, um zu sehen, welche ich davon herunter nehmen konnte.
„Bist Du es Agnes?" fragte Friedrich.
„Ja!"
„Was machst Du?"
„Ich hole Gemälde."
„Zu welchem Zwecke?"
„Um sie in das Zimmer meiner Schwester zu hängen."
„Du glaubst ihr ein Vergnügen zu machen, wenn Du ihre Wände mit Sudeleien bedeckst?"
„Ich werde nur bie meinigen nehmen . . . .," sagte ich mit Würbe.
„Fräulein finbet sich beleibigt! Komm her Kleine unb sage mir, was Du von meiner Dalila denkst unb wenn Du meiner Dienste bedarfst, um Dir bei Deinen Deco- rationen zu helfen, werde ich mich zu Deiner