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Samstag, den 6. August 1881

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O Ist der Besuch des Theater- auch der Jugend zu gestatten?

Aus dem Besuche des Theaters können und zwar vor allem der unerfahrenen, noch nicht zur Festigkeit herangereiften Jugend große sittliche Schäden erwachsen, wie die Erfahrung wiederholt bestätigt hat. Wenn schon durch einfache Seetüre, durch das Lesen religionsloser, glaubenswidriger und unsitt­licher Schriften und Romane der Mensch an Glaube und Sittlichkeit vollständig Schiff­bruch leiden kann, dann ist eine solche Wirkung um so mehr zu befürchten, wenn das ge­schriebene oder gedruckte Wort auf der Bühne Leben gewinnt und daselbst vor den Augen des Publikums Darstellungen entwickelt wer­den, welche der Sittlichkeit Hohn sprechen und Religion und Glaube in wahrhaft dia­bolischer Weise verunglimpfen, wie dies leider nur zu oft zu beklagen ist. Urbt nicht alles, was wir aus der Lectüre als unfern Ge­schmack besonders Befriedigendes kennen, eine ganz andere, ein weit mächtigere und eine geradezu hinreißende Wirkung auf uns aus, wenn es vor unseren leiblichen Augen Form und Gestalt annimmt? Wird da nicht Herz und Gemüth mächtiger erregt und bewegt und viel leichter bestimmt, das Gute nachzuahmen, ober auch dem Bösen beizu­pflichten?" Das Sprichwort: „Worte belehren, Beispiele ziehen" findet so nicht etwa nur im öffentlichen Leben, sondern auch in demjenigen, da» sich auf der Bühne ab- spielt, seine erfreuliche oder traurige Bestä­tigung. Es liegt nun durchaus nicht in unserer Absicht, über das Theaterwesen mit kurzen Worten den Stab zu brechen und

\ die ganze Institution des Theaters deshalb i zu verurtheilen, weil besonders in unfern i Tagen manches faule Element in derselben ! Platz genommen hat, aber das bleibt wahr ; und wir sprechen es auch aus, daß gerade - das Theater der Jetztzeit im Allgemeinen j anstatt gemäß seiner Bestimmung eine Stätte ■ der Bildung zu sein, viel eher eine Schule ; des sittlich-religiösen Verderbens geworden j ist. Einen derart bedenklichen Charakter i haben vorzugsweise viele kleine Theater, j deren es heutzutage so viele gibt. Ist es ; ja doch nichts Auffallendes mehr, daß das i Laster nicht nur aller Schändlichkeit entkleidet, I sondern sogar verherrlicht und als ein Bei­spiel zur Nachahmung hingestellt wird, wie es auch in den meisten schlechten Romanen geschieht. Erst in der letzten Zeit, wo man ’ als das einzige richtige Mittel für die er« | folgreiche Bekämpfung der immer mehr um ; sich greifenden Sitten- und Zügellosigkeit, j das Festhalten an der Religion erkannt zu i haben scheint, hat man in einer Hinsicht ! einigen Wandel zu schaffen begonnen. Man hat seine Aufmerksamkeit einigermaßen den j traurigen Auswüchsen de« modernen Zeit- ä geister gewidmet und deren Beseitigung er« i strebt. Als eine Frucht dieses besseren Stre­bens haben wir vielerorts die von Seiten

? der Polizei erfolgte Aufhebung der sogenann­ten Tingel-Tangel-Theater zu ver­zeichnen, in welchen Unglaube und Unsitt­lichkeit lange Zeit hindurch groß gezogen wurden und damit ist allerdings eine Ge­fahr für die Entsittlichung der jugendlichen Welt beseitigt. Doch trotz dieser Maßregel, welche von jedem denkenden Menschen mit

lebhafter Freude begrüßt wurde, bleiben im­merhin noch Theater, in welchen ab und zu Stücke zur Ausführung gelangen, die in frivoler Weise geschrieben sind und, wenn sie auch dem Geschmacke mancher Besucher entsprechen, das religiöse und sittliche Ge­fühl anderer in der einen oder anderen Weise empfindlich verletzen und untergraben.

Nach dieser Kennzeichnung des modernen Theaters ist die Beantwortung der Frage, ob man der Jugend den Besuch des The­aters gestatten soll, nicht mehr schwierig. Wie man kluger Weise, von einem Gegen­stände, der leicht Feuer fängt, auch den geringsten Funken fernhält, damit nicht ein unauslöschlicher Brand entsteht, so wird und muß man auch darauf bedacht sein, von der Jugend Alles fern zu halten, was deren schnell zu erregenve Phantasie befle­cken und deren für das Gute wie für das Böse gleich leicht empfängliche Herz zu dem Brande sündhafter Leidenschaft entflammen könnte. Solch' unheilschwere Folgen wür­den sich aber sicher einstellen, wenn die Darstellungen auf der Bühne, anstatt von Religion und Sittlichkeit getragen zu sein, im Gegentheil darauf berechnet sind, unter dem Einflüße eines die Sinne berauschen­den Vortrages jeden Anklang an Glaube und Sitte in den Herzen der Zuhörer zu vernichten. Welchen Eindruck muß es auf das Gemüth des Kindes machen, wenn sich ©eenen vor seinen Augen entwickeln, in welchen die Entfesselung der menschlichen Leidenschaften in grellem Lichte zu Tage tritt, wo nur immer die Rede ist von Lüge und List, von Untreue und Haß, von

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Tante Agnes.

Novelle von O. de C.

(Fortsetzung.)

Die nächste Stadt bei Villery ist Pressigny, t eine kleine Fabrikstadt und Eisenbahnstation; : ich ging oft dahin, war aber nie weiter i gewesen als bis Rouen. Ich hatte davon i die Erinnerung an eine prachtvolle Stadt i mit herrlichen Kirchen und unzähligen - Straßen rnitgebracht. Friedrich, der die - Reise mit uns gemacht hatte, lachte über i meine Verwunderung und freute sich schon - darauf» mir eines Taaes Paris, den Louvre, ! das Opernhaus und Abends die beleuchteten : Boulevards zu zeigen. Dieser Traum sollte : sich bald verwirklichen, denn ich wußte, daß ! mein Vater seine beiden Töchter nach Paris bringen würde; meine Freude darüber wurde aber durch einen Kummer getrübt. Meine gute Großmutter konnte die Reise nicht j mitmachen, und ich sollte sie zum ersten j Male in meinem Leben verlassen.

Bei diesen Gedanken wurde mein Herz ' beklemmt, denn ich liebte sie mit der ganzen : Zärtlichkeit meiner Seele. Doch diese Tren- nung sollte nicht lange dauern und dann i würde meine gute Großmutter über meine - Freude glücklich sein und mit großem Ver- i gnügen meine mit Beschreibungen ange- >

füllten Briefe lesen. Und dann, welches Glück, wenn ich an Erinnerungen reich, nach Villery zurückkehren würde, um es nie wieder zu verlassen.

„O mein liebes Villery!" rief ich in diesem Augenblicke des Nachdenkens aus: „Wie liebe ich es, und wie glücklich bin ich da! Friedrich, ich hoffe gewiß mein ganzes Leben mit meiner Großmutter, meinem Vater, meiner Schwester und Dir da zu­zubringen !"

„Und Ryno, Johann, Therese, die Kühe, die Hühner und die Blaue von Haarlem? Du hättest mir die Mühe ersparen können, dieses Namensverzeichniß zu endigen! Wie hast Du es gemacht, so lange Kind zu bleiben! Denn Du wirst bald zwanzig Jahre alt! Ich kann es mir kaum denken. Mit zwanzig Jahren sind die meisten jungen Mädchen von Paris unverstandene oder blastrte Frauenzimmer. Wie angenehm und ruhig verfließt Deine frische Jugend gegen die dieser Zierpuppen! Arme Kleine! Ich wünsche sehr, daß dieser Besuch, von dem Du Dir so viele Freude versprichst, Dir nicht eine grausame Enttäuschung bereiten möge. '* Ich wurdt sehr ernst.

„Friedrich", sagte ich bewegt, „ich weiß sehr gut, daß ich eines Tage» Kummer und Täuschungen haben werde und nicht

mein ganzes Leben wie diesen Morgen zwischen Dir und Ryno verfließen wird, Sträuße machend, während ich Dir zusehe, wie Du malst. Aber ich denke mir auch nicht selbst einen Kummer zu bereiten, und zudem beabsichtige ich, mich nie im Voraus darüber zu ängstigen, und jroenn Gott mir dessen schickt, werde ich ihn muthig annehmen und allen nur möglichen Nutzen daraus zu ziehen suchen."

„Vortrefflich I Du kleines, muthiges Herz!" sagte Friedrich. Und da ich meine Sträuße fertig hatte, welche bestimmt waren, für den morgigen großen Tag den Saal zu schmücken, erhob ich mich und schüttete die Blätter und die Blumen, welche ich nicht für würdig gehalten darin aufzunehmen, auf den Kopf Ryno'S. Dieser erwachte, schüttelte sich, gähnte, und als er sich recht ausgereckt hatte, kam er und steckte feine dicke Schnauze in meine Hand. Dann besah ich Friedrichs Zeichnung. >

„O wie hübsch ist es!" rief ich aus.

„Nicht so schön wie da» Modell."

Er hatte meine Gegenwart benutzt, und um seine reizende Studienzeichnung zu be­leben, hatte er mich mit einem Blumenkörb­chen und Ryno in den Vordergrund gestellt. Dieses lichtvolle Ganze gab seiner hübschen