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Sonntag, den 3L Jnli 1881
Fuldaer
\ ralismus versetzt haben. Die Liberalen
J liberaler Hetzblätter? Gerade die Wahlen
fügiges Werkzeug fein, oder es gilt ihm als Feind, der bekämpft werden muß." Das sagt die zahme, „gemäßigte" .Köln. Ztg.', — aber in Schmerzen stößt man manchmal Rufe aus, die man später bereut. Begreiflich sind diese Schmerzen, denn zu den Fußtritten der Officiösen kommen auch noch die derben Rippen
gefeiert werden, dann hätten sie eine unermeßliche Bedeutung, dann hätte der Volkswille gesprochen und gerichtet! — Und neben den Fortschrittlern, denen von den Ossi- ciösen eine Bedeutung beigelegt wird, die im umgekehrten Verhältnis zu ihren 30 Reichstagssitzen steht, und den versinkenden Nationalhelden, kämpfen die Antisemiten
Stimmung des Landes nicht daraus zu \ ersehen. Nicht? Woraus soll denn etwa
ihr Weg sie durch Belgien führte, es sich nicht nehmen lasten, den Ort noch einmal zu besuchen, wo sie sich zum ersten Male in ihrem Leben gesehen hatten.
Sie gingen um das Gebäude herum, indem sie hofften, über die über den Bach führende Brücke in den Garten kommen zu können: aber neue Enttäuschung, denn ein Bretterzaun versperrte ihnen den Weg. Sie durchwandelten jetzt die einzige Straße des Dorfes — es bot gewiß nichts Besonderes dar, und doch hätte man glauben sollen, daß sie sich nicht entschließen konnten, diese Oertlichkeiten zu ver lasten, die für sie — und für Madelone ganz inbesonderS — voll der angenehmsten Erinnerungen waren.
Dann bestiegen sie wieder den Wagen, um den Weg nach Le Trooz einzuschlagen. Eine Zeitlang fuhren sie auf herrlicher, malerischer Straße dahin, zur Linken vor- bei an dem Flusse und prächtigen Wiesen, die von der untergehenden Sonne herrlich beleuchtet waren, zur Rechten das Gebirge in ein weites, saftig-grünes Kleid gehüllt, übergosten von den lieblichen Tinten des Herbstes. Am vorhergehenden Tage waren sie in Lüttich angelangt, und sie wollten des Morgens dem Kloster einen Besuch abstatten; aber sie erfuhren, nachdem sie sich näher erkundigt, daß die Schwestern von ***
denen man nach den Jesuiten geworfen; die Kugeln, mit denen |ber Erzbischof von Paris und andere Priester von der Commune 1871 erschossen wurden und ähnliche
Madels».
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung und Schluß.)
Horace schritt einige Minuten lang im Salon auf und ab; dann trat er wieder zu ihr.
„Dein Beschützer? sagtest Du, Madelon? Wenn ich es in der Vergangenheit gewesen bin, würdest Du mir nicht erlauben, es auch für die Zukunft zu sein? Würdest Du e» wagen, auf mich zu vertrauen? Das würde die Erfüllung meines theuersten Wunsches
„gie — Herr Horace! Sie? — Rein, das ist unmöglich, ich bin es nicht werth."
„Nicht werth! Großer Gott! Madelon meiner nicht werth! Aber was liegt denn darin so Unmögliches? Vielleicht habe ich zu viel begehrt; ein Mensch in meinem Alter kann sich nicht mehr schmeicheln, etwas besonders Verlockendes zu besitzen — und wenn Du in der That keine Zuneigung fühlst--" L
Er reichte ihr die Hand mit einem Lächeln, das mehr als alle Worte sagte.
„Herr Horace," stammelte sie, „im Gegen- theil, ich--" r . k
Und indem sie sodann seine Hände m die ihrigen legte, hob sie ihre Augen zu ihm empor und ein unsägliches Glück erstrahlte in ihrem Blick.
Ihr armes, so lange gequältes Herz hatte endlich die Ruhe gefunden.
VI.
Es war im October. Das Hotel von Chaudfontaine war bereits für die Winter- faifon geschloffen und bot den traurigen, öden Anblick eines unbewohnten Hauses dar.
Trotzdem hielt eine offene Kalesche, die von ; Lüttich her kam, vor dem Gitterthore, und zwei Reisende stiegen ab. Horace und Madeleine, die seit acht Tagen ehelich mit . einander verbunden waren, hatten, indem
sein."
„Was wollen Sie damit sagend" sagte sie in einer Bewegung des Erstaunens.
„Begreifst Du nicht?" sagte Horace, in- dem er einen vielsagenden Blick auf sie j richtete: „begreifst Tu nicht, daß es Ge- - heimniffe gibt, die oft ganz verborgen und | vergraben in unserer Seele schlummern, . oft ganz ohne unser Wiffen, bis zu einem - Tage, wo wir plötzlich ihr Vorhandensein inne werden? Auch in meinem Innern schlummerte ein solches Geheimniß, Made- Ion, — ich selbst habe er nicht gewußt b'S zu dem Augenblicke, wo ich Dich wiederge- funden habe, nach jahrelanger Trennung, und — ich — begann Dich zu lieben mehr als Jemand anders auf der ganzen Welt."
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»“ -Ulustrirten «°batt.
Culturwerkzeuge.
Doch kehren wir nach Deutschland und dem Ringen der Parteien untereinander zurück. Mit grimmigen Gesichtern waten t ............ ----- ----- ~ ±t-
die blamirten Officiösen durch den Wogen- $ stöbe, welche die Conservativen in Sachsen schwall; in den Fäusten haben sie Dresch, und zumal die Katholiken in Bayern dem flegel, womit sie auf den Rücken des Fort- I zum Gerippe zusammengeschmolzenen Libe- schriitS und der Nationalliberalen unbarm- ralismus versetzt haben. Die Liberalen herzig losdreschen. Giftige Blasen steigen i suchen sich zwar damit zu trösten, den aus dem Schwalle auf und erfüllen Die j Landtagswahlen tn Sachsen und Bayern Luft mtt scharfem Odmr, der schon mehr ' sei eine über die
als picant ist. Wie ein getretener Wurm ] grenzen hmMsre.cher.de Bedeutung nicht krümmt sich der Nationalliberalismus, der \ beizumeffen und ein Umschwung der kaum noch auf der Oberfläche sich zu halten : Stimmung des Landes nicht daraus zu weiß; er fletscht die Zähne gegen die t ersehen. Richt? Woraus soll denn etwa „Preßsoldatm des Kanzlers", ballt die eine | ein Umschwung ersehen werden können Faust mit den Worten: „Wir verbrüdern i etwa aus den gehässigen Zeitungsartikeln uns mit dem äußersten Fortschritt," und ! liberaler Hetzblätter? Gerade die Wahlen mit ber anderen fleht er um Rettung. ! sind der Prüfstein der Gesinnung eines Man nennt uns „herschsüchtig, doctrinär, » Volkes, und diese Wahlen haben em don- unnachgiebig," jammert die,Köln. Ztg.', die 5 nerndes Verbiet über den Liberalismus auch Fußtritte bekommen, aber das ist l ausgesprochen. Man sollte einmal den perfide Gehässigkeit, offenkundige Unwahr- ! Jubel hören, wenn die Sache umgekehrt beit und Abgeschmacktheit!"' Aber bis ; läge! Dann würden die Landtagswahlen Wahrheit ist dem rheinischen Blatte endlich ' als günstiges Omen für die Reichstagswahlen zum Bewußtsein gekommen, „daß von einer | e,ne uner'
vertrauensvollen Verständigung über den } gesammten Gang der Politik nie die Rede ; war. Statt dessen verlange Fürst Bis- marck eine Mehrheit, die sich allen, auch * den unberechenbarsten Sprüngen seiner « Politik jederzeit bereitwilligst anpasse; das Parlament solle ihm entweder ein ge-
xt Politische Streifzüge.
Nachdruck verboten.
Die „Toleranz" des Liberalismus haben wir sattsam kennen gelernt; die verwaisten Bischofstühle, die verwaisten Pfarreien, dir leerstehenden Klöster, Seminarien und Con- victe sind redende Zeugen dieser „Toleranz", und neuerdings haben die liberalen Cultur- pauker in Frankreich, die Milchbrüder unserer Maigesetzfabricanten, der Welt gezeigt, wie „tolerant" der Liberalismus, wenn er das Heft in der Hand hat, gegen die Katholiken ist. Die Genovefakirche in Paris soll in eine Ruhmeshalle „großer" Männer ä la Voltaire umgewandelt wer- den; Don Carlos wurde au» dem Lande gejagt, weil er einer Messe am Geburtstage seines Onkels, des Grafen von Cham- bord, beigewohnt hatte, obgleich Königsmörder und ähnliches Gelichter im Lande geduldet werden; aus demselben Grunde wurden 25 Zöglinge der Militärschule Saint Cyr aus der Anstalt entlassen und in Regimenter eingereiht, wo sie 5 Jahre als Soldaten zweiter Claffe dienen sollen; — das ist die „Toleranz" "bet Liberalen, und wer nicht genug daran hat, hole sich weitere Beweise bei dem römischen Pöbel und dem Bruderministerium in Brüssel. Da ich gerade der neuen Ruhmeshalle in Paris gedenke, so eelaube ich mir en passant den Vorschlag zu machen, folgende Gegenstände daselbst aufzustellen: die Guillotine, auf der Ludwig XVI. verblutete; die Brecheisen, Beile und Hämmer, mit denen die Klosterpforten in Folge der Märzdecrete
zertrümmert wurden; die Steine, mit
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