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Jß 171. Freitag, de» 29. Juli JUf i

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* Der Nachfolger Bismarcks.

Die Ernennung der Grafen von Hatz­feld, des Sohnes der durch ihr Verhällniß zu Ferdinand Lassalle auch weiteren Kreisen bekannten Gräfin Sophie v. Hatzfeld, zum Staatssecretär im Auswärtigen Amte macht noch immer viel von sich reden. Nament­lich kann so Mancher auch jetzt noch nicht glauben, daß mit der definitiven Ernennung, die ja noch immer aussteht, auch gleich­zeitig die Beförderung des Grafen Hatzfeld zum preußischen Staatsminister erfolgen werde. Man sagt nämlich, daß, wenn es dem Fürsten Reichskanzler auch nach vielen Mühen gelungen ist, dem durch sein diplomatisches Geschick im Orient um das Ansehen Deutschlands so verdienten Staats­mann einen seinen eminenten Fähigkeiten angemessenen Wirkungskreis zu eröffnen, es doch niemals möglich werde, die Vorur- theile gegen den Grafen in unseren Hof­kreisen so weit zu beseitigen, daß er als preußischer Staatsminister in den unmittel­barsten persönlichen Verkehr mit dem Mo­narchen treten könne. Fürst Bismarck ist indeß nicht der Mann, auf halbem Wege

stehen zu bleiben, seine Zähigkeit in der Verfolgung einmal gefaßter Entschlüsse, die ihm schon über manche Schwierigkeiten hinweggeholfen, wird ihn auch die weiteren Hindernisse beseitigen lassen, welche seinem Lieblingswunsche etwa noch entgegenstehen, und dieser Lieblingswunsch des Fürsten Reichskanzlers soll nicht etwa blor darin bestehen, den Grafen Hatzfeld zum preußischen Minister avanciren zu sehen, sondern er s soll dahin gehen: sich in diesem talentvollen, « thatkräftigen, in verhältnißmäßig noch i jugendlichem Alter stehenden Staatsmann | einen Nachfolger zu erziehen. — Fürst f Bismarck ist bekanntlich kein Freund von ' solchen Personen, die er im Verdachte hat, - daß sie ihn bei Lebzeiten beerben wollen; l aber ihm liegt daran, sein Werk, wenn er ? einmal aus dem Amte ober aus dem Leben \ scheiden sollte, solchen Händen anvertraut i zu sehen, von denen er weiß, daß sie es in - seinem Geiste weiter fortführen werden. ■ In dem Grafen Hatzfeld glaubt Fürst; Bismarck diesen Mann gefunden zu haben, ' und daraus erklärt sich sein unausgesetztes Bemühen, denselben in seine allernächste Mhe zu ziehen, um ihn hier gewissermaßen für seine Zukunftsstellung. weiter vorzube- reiten. Auch der Kaiser soll mit diesen Absichten des Kanzlers vertraut sein und ebenso wie dieser, die Verdienste des Grafen Hatzfeldt in hohem Maße anerkennen. — In politischen, Kreisen Berlins wird an dieser Meinung wenigstens allgemein festge- | halten und sie gewinnt dadurch einigen । Glauben, als auf die Frage: Wer dann! der eigentliche Nachfolger des Fürsten Bis- i

marck fern werde ? niemand eine

Antwort zu geben vermag. Tie Frage wird aber einmal aufgeworfen werden müssen, denn das Alter fordert fein Recht. Die Liberalen freilich werden um eine Ant­wort schwerlich verlegen sein; sie haben ihren — Bennigsen, den sie ohne Aus­nahme, mözen sie nun dem rechten oder dem linken Flügel angehören, für würdig halten, der Nachfolger des Fürsten Bis­marck zu werden. Aber außer den Libe­ralen denkt Niemand an Herrn v. Bennigsen und wir wollen hoffen, daß sich die Wünsche und Hoffnungen der Liberalen als Chimäre erweisen werden. Aber die Frage selbst bleibt eine offene und deshalb glauben wir recht gern, daß Fürst Bismarck selbst an die Beantwortung derselben denkt.

DeutfHes Reich.

* Serlitt, 27. Juli. Gegenüber den hartnäckig fortgesetzten Behauptungen der Officiösen, daß zwischen Centrum und Fortschritt ein Wahlbündniß abgeschlossen worben fei, können wir mit Bestimmtheit versichern, daß das Centrum weder ein solches Bündniß geschloffen hat noch schließen Wirb, weder mir dem Fortschritt noch mit irgend einer anderen Partei. Compromiffe wird das Centrum nur in einzelnen Fällen eingehen und zwar im Allgemeinen nur bei Stichwahlen.

— Gestern in der Frühe hat in Berlin ein 18jähriger Student, der aus der Irren­anstalt zu Daldorf auf 8 Tage nach Ber­lin beurlaubt war, feine 51 Jahre alte

Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Im Verlaufe des Abends fetzte sie sich, auf die dringende Bitte der Lady Lorimmer hin, welche ihre schöne Stimme hatte rühcken hören, an's Piano, wo sie sich bald von einem reichen Kranze von Zuhörern um­geben sah. Sie sang nacheinander in mehreren Sprachen, mit einem tiefen 93er» ständniß, das sie gewissermaßen in Ver­zückung versetzte. Niemals war ihre Stimme so rein, so ausdrucksvoll gewesen; man hätte fast sagen können, daß der Genius des Gesanges selbst sie beherrschte. Lady Lorimmer trat auf sie zu, als sie eben eine herrliche italienische Cavatine beendet hatte, die von rauschendem Beifall begleitet ge­wesen war.

„Wir dürfen Ihre Gefälligkeit," sagte sie zu ihr, „nicht länger in Anspruch nehmen; „Sie werden mir blos gestatten, Sie meiner Tante vorzustellen, Lady Spencer, die eben­so sehr für Musik begeistert ist und die Ihnen persönlich für das Vergnügen danken will, das Sie ihr bereitet haben."

Lady Spencer, eine Dame von hoher Gestalt und feinen aristokratischen Manie­ren erging sich Madelon gegenüber in den schmeichelhaftesten Ausdrücken.

„Nehmen Sie Platz und plaudern Sie ein wenig mit mir", sagte sie mit verbind­lichem Lächeln zu ihr. „Wir sind Ihnen s großen Dank schuldig; es gibt nicht viele s junge Damen, die sich so bereitwillig der Laune einer alten Frau hergeben. Ich habe s Madame Treherne seit Jahren gekannt; $ Sie können ihr mittheilen, daß ihre hübsche Nichte mich ganz eingenommen hat, und daß sie bei ihrem nächsten Besuche auf: Briar-Lodge mit ihr kommen soll. Befindet j sich Ihre Tante noch in Westbury?"

„Ja", erwieberte Mabelon, „wir befinben uns bei Doctor Vavassour; ich habe den ganzen Sommer bort zugebracht, und meine j Tante Adelaide ist dorthin gekommen, um i einen Aufenthalt von einigen Wochen da­selbst zu nehmen, ehe sie wieder aus's Land ■ zurückkehrt."

„Wohnen Sie immer in Cornwallis?" ■ frug Lady Spencer; „es scheint mir, daß s Sie viele Reisen gemacht haben müssen, । denn Sie sprechen das Italienische und5 Französische vollständig geläufig; nur hat s das Englische bei Ihnen einen gewissen sremdländischen Accent, der übrigens ganz angenehm klingt."

„Ich habe mich in der That lange auf dem Festtande aufgehalten", fugte Madelon; „ich befinde mich erst seit fünf Jahren in England."

„Und wo haben Sie sich auf dem Fest­lande aufgehalten?"

„Ich bin in Paris geboren; aber wir — ich reiste viel, besonders in Deutschland und Belgien. Ich bin oft in Wiesbaden, in Hamburg und in Spa gewesen —"

„Gewiß reizende kleine Städte," sagte Lavy Spencer, „aber so schlecht besucht I Haben Sie auch jemals diese Hazardspiele gesehen, meine Theure? Ohne Zweifel nicht; Sie waren noch zu jung, als daß man sie an solche Orte führte."

„Ich bitte um Verzeihung, ich — bin einige Male dort gewesen," stammelte Made­lon etwas verlegen.

„Meine Gesundheit nöthigt mich," er­widerte Lady Spencer, „von Zeit zu Zett in's Bad zu gehen; aber ich versichere Sie, daß bet Gebanke an bas, was oft in diesen schrecklichen Cursälen vorgeht, mir oft zum großen Theil das Vergnügen raubt, das ich sonst während des Aufenthaltes an diesen hübschen Orten genieße. Wenn ich an diese unglücklichen Spieler denke, die so oft zum Opfer ihrer traurigen, ver- achtungswerthen Leidenschaft werben, bann bin ich ganz betrübt. — Nicht wahr. Fräu­lein Linders, bas ist auch Ihre Ansicht?"

„Laby Spencer," sagte ein Herr, der auf sie zutrat, um ihr ben Arm zu bieten,