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JVs. 170. Donnerstag, den 28. Jult rrii

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kritischen Grevy, der Marionette des eigent­lichen Beherrschers Frankreichs, nämlich Gambetta's, in die Regierung galt das Stichwort „Purification des Beamtenstandes und der Armee", und diese Purification ^Rei­nigung), die nichts besagen will, als Ver­sorgung der Anhänger der jetzigen Macht­haber, ist recht gründlich dürchgeführt. Unter solchen Umständen ist erklärlich, daß vielfach an den wichtigsten Puncten die unfähigsten Personen agiren.

Algier verlangt zum Gouverneur einen

Mann, der mit der Eigenschaft eines

tüchtigen Generals die Befähigung eines

tüchtigen Verwaltungsbeamten verbindet

und zugleich ein genauer Kenner von Land und Leuten ist. Die Advocaten-Regierung in Frankreich dachte anders. Wie Gam- betta seinen Anhang versorgte, so auch Grevy. Hatte er seinen Bruder Paul, der sich der militärischen Laufbahn widmete» bereits unter Uebergehung der bedeutendsten Officiere zum Divisionsgeneral und Gene- ral-Jnspector der französischen Armee er­hoben, so wäre es ein Verstoß gegen die Collegialität und Berwandtenliebe gewesen, würde er nicht seinen Bruder Albert, einen bis dahin ebenso unbekannten, als dünkelhaften Advocaten, ebenfalls placirt haben. Die alten Republikaner und mit diesen die republikanischen Tugenden sind ausgestorben; die modernen Republikaner sehen in dem Staate nur eine milchgebende Kuh für sich und ihrer Helfershelfer, die schnell ausgesogen werden muß, da die hungrigen Nachfolger auf der Ferse folgen. Der hochmüthige Albert Grevy ward Civil-

Gouverneur von Algier, erhielt also einen Posten, auf welchen bisher nur die tüchtigsten und hervorragendsten Männer berufen wurden. Durch seine Unfähigkeit ist es auch bald dahin gekommen, daß fast ganz Nordafrika im Hellen Aufstande gegen Frankreich begriffen ist. In der französischen Kammer ist die Angelegenheit allerdings zur Sprache gebracht, indeß Grevy und vor Allem Gambetta, dem es daran ge­legen ist, wegen der bevorstehenden Wahlen kein? Ministerkrisis aufkommen zu lassen, sondern den ihm ergebenen Minister des Innern für die Wahlbeeinflußung sich zu erhalten, wußte die Karten zu mischen, die Regierung erhielt, wenn auch ein sehr dünnes, aber immerhin ein Vertrauens­votum; in der Verurtheilung des unfähigen Albert Grevy war man jedoch in der Kammer sowohl als in ganz Frankreich, sowie darüber einig, daß in Algier ein durchgreifender Personenwechsel vor sich gehen müsse.

DerrtfcheS «eich.

* Berlin, 26. Juli. Die Zusammen­kunft der beiden Kaiser von Deutschland und Oesterreich in Gastein wird nicht am 3., sondern am 4. August erfolgen. Kaiser Franz Josef soll Morgens in Ga­stein eintreffen und Abends wieder abreisen.

— Graf Wilhelm Bismarck soll sich, wie das .Wiener Extrablatt' aus Pest zu melden weiß, verloben wollen. Die Braut ist nach demselben Blatt Gräfin Helene Andrassy, Tochter des Grafen Julius Andrassy, früheren

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O Frankreich und Nordafrika.

Es gibt Staaten, die wohl zu erobern, aber das Eroberte nicht zu verschmelzen, die Besiegten nicht zu versöhnen, überhaupt nicht zu colonistren verstehen. Das ist auch bei Frankreich der Fall; wo zur Zeit nicht das allgemeine Bedürfniß des Staates entscheidend, sondern das Interesse der herrschenden Partei maßgebend ist, wie ge­wöhnlich in Republiken. Nicht Befähigung, Tüchtigkeit und Charakter bilden den Maß­stab und die Bedingung für die Anstellung und Verwendung der Beamten, besonders für die Berufung zu den höchsten Aemtern, sondern ausschließlich republikanische Ge­sinnungstüchtigkeit; wer irgendwie im Ver­dachte monarchischer Sympathien steht, oder wer gar zeigt, daß Religion und Kirche ihm noch etwas gelten, darf sicher sein, daß er nicht angestellt, oder, hat er ein Amt, nicht allein nicht befördert, vielmehr bald beseitigt wird, da es an republikanischen Stellenjägern und somit auch an Auf­passern und Denuncianten nicht fehlt. Seit dem Sturze Mac-Mahons, oder, was dasselbe ist, seit Eintritt des demo-

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Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

V. 1

Westbury, Juli 186—.

„Mein lieber Onkel I

„Mama, die heute Migräne hat, beauf- tragt mich, Dir zu schreiben, daß Lady Lorim- mer am 31. einen großen Ball gibt, daß sie beabsichtigt, mit Coosine Madelon dort­hin zu gehen, und daß sie sehr glücklich sein würde, wenn Du sie als Cavalier begleiten könntest, da Papa keine Lust trägt mitzu­gehen. Meine Tante Adelaide wird nächste Woche kommen, um einige Zeit hier zuzu­bringen, und uns dann unsere gute Cou­sine mitnehmen und mit ihr nach Cornwalli» zurückkehren. O, wie sehr werden wir sie vermissen! Warum kann sie nicht immer bei uns bleiben! Vergangene Woche hat­ten wir im Walde ein Picknik arrangirt, und morgen beginnen meine Ferien. Mama hat mir erlaubt, Dein Buch zu lesen, welches mir sehr viel Vergnügen macht. Wir hoffen, theurer Onkel, daß Deine Abwesenheit nicht lange währen wird, und wir erwarten Dich mit Ungeduld.

Deine treue Nichte, Alice."

„Mama bittet Dich, den beifolgenden s Brief zu lesen, welchen sie gestern em- - pfangen hat."

i Das betreffende Billet war von der Hand j Miß Leslie's, und von einem Orte datirt, I1 wohin sie sich kurze Zeit nach der Abreise Horace's begeben hatte, um dort bei Freun­dinnen zu verweilen. Es lautete folgender­maßen :

j „Liebe Georgine!

| „Ihnen zuerst möchte ich schreiben, um ; Ihnen mitzutheilen daß meine Verbindung ; mit Herrn Norris beschlossene Sache ist.

Sie kennen ihn hinlänglich, so daß ich sein Lob nicht zu singen brauche, und auch nicht erst zu sagen nöthig habe, wie glückli ick bin! Vielleicht finden Sie, daß ich nach Allem dem. was vorgegangen ist, mit zu großer Hast handle; aber ich habe geglaubt, daß es wenig passend, und in gewisser Hin­sicht unrecht sei, ihn länger hinzuhalten. Uebermitteln Sie mir Ihre Glückwünsche und zweifeln Sie nicht, daß dieselben mein Glück nur noch vergrößern werden.

Ihre sehr ergebene

Marie Leslie."

Merville langte am 31. mit dem letzten Zuge in Westbury an und begegnete in dem Laueflur Alice, welche ihm mittheilte, daß Madame jVavassour und Madeleine

ihrer Toilette beschäftigt seien. Er ging geraden Wegs auf den Salon zu und fand Madame Treherne unter der Veranda sitzen, wo sie die angenehme Abendluft genoß.

„Sind Sie es, Horace?" sagte sie zu ihm, ihm die Hand drückend; „es ist schon lange her, so hat man mir gesagt, daß Sie Westbury mit Ihrer Gegenwart nicht mehr beehrt haben, und Georgine ist ein wenig eifersüchtig auf mich wegen Ihrer wieder­holten Besuche am Westminster-Platze."

„Ich glaube nicht, daß man sich über mich beklagen kann; wenn es etwas auf der Welt gibt, wovor ich einen großen Ab­scheu habe, dann ist es ein Ball. Gehen Sie auch hin, liebe Tante?"

„Gewiß nicht; Sie werden, denke ich, an zwei Damen genug zu begleiten haben. Da ist gerade die eine derselben."

Es war Madelon, die eben hinzutrat, zum Entzücken schön in ihrer einfachen Mous- selinrobe mit der langen Schleppe, und in dem schönen Blumenkränze, der die Schön­heit ihres herrlichen Haarwuchses noch er­höhte. Horace hatte sie nicht mehr gesehen seit jenem Abende, wo sie so plötzlich vom Piano aufgestanden war, ohne ihre Romanze vollendet zu haben. Mit einer gewissen Ver­legenheit standen sie nunmehr wieder einan­

gegenüber: Madelon trat, um ihre

der

mit