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Mittwoch, den 27. Inti II: t

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* Liberale Panik und liberale Wahlmanöver.

Noch vor wenigen Wochen gab sich die „liberale" Presse den Anschein, als sehe s i e mit Zuversicht den nächsten Reichstagswah­len entgegen, während sie zugleich dem Centrum Zerbröckelung und Auflö­sung zu propheziien wagte. Heute ist das gerade Gegentheil der Fall: die eigene Sache wird von den Liberalen fast als verlorenes Spiel betrachtet, dagegen wer­den die Aussichten des Centrums als die rosigsten geschildert. Wir lassen uns we­der durch das eine noch durch das andere Manöver täuschen, weder entmuthige'n noch übermüthig machen, wir hoffen auf einen glänzenden Sieg des Centrums, halten aber an der bewährten Regel fest, die auch auf den Wahlsieg Anwendung fin­det: Keiner wird gekrönt, der nicht pflicht­mäßig gekämpft hat. Als Proben der neuesten Manövrirkunst der Liberalen geben wir hier unseren Lesern zwei Stellen na­tionalliberaler Organe zum Besten.

Die ,Hiss. Morgenztg.' schreibt in ihrer „Tagesschau vom 23. Juli":

| „Das Centrum hat sich nie in glücklicherer Lage [ befunden als gegenwärtig. Während alles Uebtige sich in die beiden Gegensätze „gouvernemental" und „oppositionell" aufzulösen strebt, stehen die schlauen Ultramontanen auf ihrem außerhalb des Streites liegenden festen Culturkampfprogramm und lachen sich in's Fäustchen. Das Spiel ä deux mains (Doppelspiel) haben sie, wie die,Germ.' mit berechtigtem Hohne andeutet, von dem großen Meister desselben, dem Reichskanzler, zu lernen genugsam Gelegenheit gehabt, und es fehlt ihnen weder an dem Willen, noch an der Geschicklichkeit, die günstige Situation zu ihrem Vortheile gehörig auszubeuten."

Die „Ultramontanen" sind also In den Augen der Morgenhessin auf einmal „schlau" geworden, ja sie gelten ihr als die ersten Diplomaten der Welt, denen es „weder an dem Willen, noch an der Geschicklichkeit fehlt, die günstige Situation zu ihrem Vor- theile gehörig auszubeuten". Die „dummen Pfaffenknechte", die „schwarzen Finsterlinge", und wie sonst die „Ultra­montanen" geschimpft wurden» sollen also doch schlau, geschickt und so günstig gestellt fein, daß sie schon jetzt sich „in's Fäustchen lachen"! Ra, das kann gut werden.. Pa stehen gewiß dem natio­nalliberalen „Gebildeten" heute schon die Haare z< Berge und er bekommt eine Gänsehaut, wenn er an den Tag denkt, an dem Excellenz Windthorst wieder nach Berlin zurückkehrt. Soll der kleine Herr mit dem großen Geiste am Ende das ganze deutsche Reich aus den Angeln heben ? In der That legt sich die ,Jenaische Ztg.', auch ein nationalliberales Organ, allen Ernstes diese Frage vor.

„Rechts und links sitzen", so schreibt iie Jenaerin, „in allerlei Parteifehden verwickelt, die

‘ Conservativen und Liberalen, nebenbei Polen, I Dänen, Elsässer und Lothringer, endlich die Wilden; 1 in derMitte aber die schwarz en Her ren, die Auserwählten des katholischen : Klerus, die Anhänger des Pap stthums.

JhreZahl wird leid er — nach den bayrischen ; Erfolgen zu urtheilen — ab ermals wachsen, - und immer brennender wird die Frage:

Soll Windthorst die innere deutsche ■ Politik mache n oder Fürst Bismarck? j Was würde die Folge sein, wenn das Partei- > Programm des Centrums sich realisirte? Die

Schädigung des deutschen Reiches, die souveräne i Herrschaft des Papstes über die deutschen Katho- ‘ liten, ein Culturfriede allerdings, aber ein solcher, ; bei dem die kulturfeindliche Macht gesiegt hat." I Hier liegt der eigentliche Cardinalpunct r dieser neuesten nationalliberalen Wahlbe- £ wegung. Die Furcht, der Culturkampf ! könne aus der Welt geschafft werden, soll ) unter den protestantischen Massen citirt werden, damit sie ihre schon oft betrogenen ' Opfer noch einmal verblende und zu cul- 3 turkämpfeilschen Wahlen verführe. Wählt i das protestantische Volk in feiner Mehrheit j culturkämpferisch, dann hat der Liberalis- ; MUS fein Leben wieder auf 3 Jahre ver» j längert. Denn der Culturkampf ist die f ßuft, die er athmet, das Brod, das er ißt, der Stab, auf den er sich stützt, er ist feine ? Waffe, fein höchstes Gut, fein Vaterland, j Wird der Culturkampf vom Volkezverurtheilt, i dann ist der Liberalismus verurtheilt, f dann hat dem Liberalismus das „Sterbe- t glöckchen" geläutet. Daher die „liberale j Panik" und die auffallenden, Widerspruchs- i vollen liberalen Wahlmanöver.

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Madels«.

Rach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

„Die Frage ist gar nicht, Marie, zu wissen, was im Grunde genommen vorzuziehen wäre; ich möchte Deine persönliche Meinung hören."

„Meine persönliche Meinung? Aber es scheint mir, Horace, daß diese Dir hinläng­lich bekannt sein muß; Du weißt sehr gut, daß ich Dich bereits seit Jahren als Mitas- focie des Doctor Vavassour sehen möchte."

„Ich weiß wohl, aber — mit einem Worte laß mich Dir die Sache auseinander setzen. Rehme ich den Vorschlag des Doctor Vavas- sour an, so ist meine Carriöre gewisser­maßen bereits zum Abschlüsse gekommen; es bedeutet dies für mich, daß ich für mein ganzes Leben vielleicht an Westbury festge­bannt bin; gehe ich jedoch nach Mentone» so binde ich mich Niemanden gegenüber, und es steht mir immer frei, die erste Ge­legenheit, welche sich mir darbieten würde — "

„Nun wohl, so gehe denn nach Mentone", rief Miß Leslie lebhaft ouk; „ich werde ? Dich nicht daran hindern! Ich hätte geglaubt, j Horace, daß nach all' Deinem Umherreisen, i die Aussicht auf eine ruhige Häuslichkeit ; und ein friedliches Daheim Dir angenehm j gewesen wäre; aber ich sehe, oaß sich dies i

anders verhält. So gehe denn nach Men­tone, und fei wegen meiner ohne Sorge. Zwischen meinen Wünschen und Deiner Carriore wirst Du nicht lange schwanken, denke ich! Weshalb fragst Du mich über­haupt um meine Meinung, die Dir doch gleichgiltig sein muß? Du hast Dich während der fünf Jahre, die Du abwesend warst, um mich wenig gekümmert, und seit Deiner Rückkehr ist dasselbe der Fall gewesen."

Es war dies in demselben Augenblicke, wo Madeleine, neben dem Bette Alice's knieend, eben zu singen begonnen hatte, und der Klang ihrer Stimme drang durch da» offen stehende Fenster bis zu ihnen hinab. Merville blieb unwillkürlich stehen, und ver­lor ganz den Zusammenhang mit dem, was Marie eben zu ihm sagte. Sie bemerkte dies sogleich.

„Ah, sieh' da," rief sie heftig aus, „da ist die ganze Erklärung Deines Benehmens zu sehen; glaubst Du, daß ich blind bin? daß ich nicht wisse, wen Du jetzt mit be­sonderer Vorliebe hörst und um Rath fragst? Frage sie, was sie davon denkt, frage Made­lon um ihre Ansicht."

„Still!" sagte Horace in plötzlich auf­wallendem Zorne, „ich will nicht, daß zwischen uns Beiden ihr Name in einer derartigen Form ausgesprochen werde. Verzeihe mir,

Marie," fuhr er mit etwas mehr Ruhe fort, „aber es ist besser, glaube ich, daß wir diese peinliche, nutzlose Unterredung nicht weiter fortsetzen. Könnte ich nicht meinerseits über die so häufigen Besuche des Herrn Norris erstaunt fein?"

„Herr Norris?" stammelte Marie; „wer hat doch —"

Ein heftige» Schluchzen erstickte ihre Worte und sie brach in Thränen aus.

„Oh, ich bin sehr unglücklich," sagte sie, indem sie Horace die Hand gab, „Du wirst mich tadeln, nicht ganz ohne Grund, — ich verdiene es ohne Zweifel —"

„Meine arme Marie," sagte er mit Milde, „weshalb sollte ich Dich tadeln? Bin ich es nicht vielmehr, der ich daran Schuld bin?"

Madame Vavassour, welche vom Salon­fenster aus die beiden jungen Leute auf dem Rasenplatze auf- und abgehen sah, wunderte sich gar nicht, daß ihre Unterhaltung so bald kein Ende nehmen wollte. Am selbigen Tage war sie in's Zimmer Marie's gekom- men, hatte sie bitterlich weinend angetroffen * und von ihr erfahren, daß Herr Norris ihr soeben einen Heirathsantrag gemacht habe, I' und daß sie ihm ihr Verhältniß mit Horae habe eingestehen müssen. — O, was muß er von mir denken," hatte das arme Mäd- chen dann ausgerufen, von Gewissensbissen